Ferkelaufzucht mit und ohne Absetzfutter?

 Ferkel in einer Bucht
In der Ferkelaufzucht werden verschiedene Fütterungskonzepte durchgeführt (DLG, 2008). Häufig werden um das Absetzen spezielle „Absetzfutter“ eingesetzt. Diese Futtermittel sollen den gleitenden Übergang von einer milchbetonten Saugferkelbeifütterung zur festen Nahrung in der Aufzucht erleichtern.
In vorliegender Untersuchung wurde geprüft, ob die Fütterungsstrategie mit Absetzfutter einer einfachen 2-phasigen Fütterungsstrategie überlegen ist.

Versuchsdurchführung

Der Versuch wurde am Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Schweinehaltung in Schwarzenau durchgeführt. Dazu wurden 192 Ferkel ausgewählt und nach Gewicht, Geschlecht und Abstammung gleichmäßig folgenden Gruppen zugewiesen.
  • Kontrolle, kein spezielles Absetzfutter
  • Testgruppe, Absetzfutter bis zum 12. Tag nach dem Absetzen
Die Ferkel wurden in 16 Buchten zu je 12 Tieren auf Kunststoffspalten ohne Einstreu gehalten. Die Ermittlung des Futterverbrauchs erfolgte täglich für jede Bucht über eine Spotmix Waage- und Transporteinheit. Die Lebendmasse der Ferkel wurden wöchentlich immer zur gleichen Zeit am Einzeltier erfasst.
Die Auswertung des Versuchs unterteilte sich in zwei Abschintte. Abschnitt 1 bis etwa 18 Kilogramm Lebendmasse mit beziehungsweise ohne Absetzfutter und Abschnitt 2 bis zirka 30 Kilogramm Lebendmasse.

Versuchsrationen

Die Zusammensetzung sowie ausgewählte analysierte Inhaltsstoffe der Rationen gehen aus nachfolgender Tabelle hervor.
Zusammensetzung und analysierte Inhaltsstoffe der getesteten Ferkelfutter
Absetzfutter Ferkelaufzuchtfutter I Ferkelaufzuchtfutter II
Weizen (%) 25 40 40
Gerste (%) 25 34,5 36,5
Ergänzungsfutter (%) 50 0 0
Sojaextraktionsschrot, LP (%) 0 19 17
Mineralfutter (%) 0 4 4
Sojaöl (%) 0 1,5 1,5
Säurezusatz (%) 0 1 1
Umsetzbare Energie (MJ) 14,4 13,6 13,8
Rohfett (g) 64 34 41
Rohfaser (g) 33 34 32
Rohprotein (%) 176 170 173
Lysin (g) 14,7 11,8 11,6
Methionin + Cystin (g) 8,4 6,4 5,5
Threonin (g) 9,2 7,5 7,5
Kalzium (g) 5,7 8,6 8,6
Phosphor (g) 5,2 4,6 4,5

Ergebnisse

Die täglichen Zunahmen lagen in diesem Durchgang auf einem eher niedrigen Niveau. Die Tiere der Testgruppe erzielten mit 441 Gramm signifikant höhere tägliche Zunahmen als die Kontrolltiere mit 415 Gramm. Der Futterverbrauch war mit 751 Gramm pro Tag in der Testgruppe nur unwesentlich höher als in der Kontrollgruppe mit 735 Gramm. Der Futteraufwand pro Kilogramm Zuwachs fiel in der Testgruppe mit 1,69 Kilogramm signifikant günstiger aus als in der Kontrollgruppe mit 1,76 Kilogramm.
Verursacht wurden die Unterschiede im versuchsrelevanten Abschnitt 1. Wurde während der ersten 12 Tage das Absetzfutter vorgelegt, so erhöhten sich die täglichen Zunahmen von 316 auf 369 Gramm signifikant. Bei nahezu gleichem Futterverbrauch mit 535 beziehungsweise 538 Gramm in dieser Phase verbesserte sich auch der Futteraufwand von 1,65 auf 1,45 Kilogramm pro Kilogramm Zuwachs in der Testgruppe signifikant.
In der Bewertung der Kotbeschaffenheit wurden keine Unterschiede festgestellt. In beiden Gruppen wurde die Kotbeschaffenheit mit der Note 2 als normal bewertet.
Tägliche Zunahmen, Futterverbrauch und Futteraufwand (LSQ-Means),
Kontrolle Testgruppe
Abschnitt 1 tägliche Zunahmen (g) 316 369
Abschnitt 1 Futterverbrauch (g/Tier, Tag) 535 538
Abschnitt 1 Futteraufwand (kg/kg Zuwachs) 1,45 1,65
Abschnitt 2 tägliche Zunahmen (g) 543 536
Abschnitt 2 Futterverbrauch (g/Tier, Tag) 996 1029
Abschnitt 2 Futteraufwand (kg/kg Zuwachs) 1,85 1,91
gesamt tägliche Zunahmen (g) 415 441
gesamt Futterverbrauch (g/Tier, Tag) 735 751
gesamt Futteraufwand (kg/kg Zuwachs) 1,76 1,69

Fazit

Durch den Einsatz eines speziellen Absetzfutters über 12 Tage wurden signifikant höhere tägliche Zunahmen (plus 26 Gramm) und ein signifikant niedrigerer Futteraufwand in der Ferkelaufzucht erzielt. Zu beachten sind die sehr hohen Kosten für das Absetzfutter von etwa Euro pro Dezitonne. Trotz der besseren Leistung ergaben sich pro kg Zuwachs um 8 Cent höhere Futterkosten.