Guanidinoessigsäure in der Ferkelfütterung – Auswirkungen auf die Aufzuchtleistungen

Ferkel in Bucht mit Abrufstation
Kreatin ist ein natürlicher Bestandteil des Muskelgewebes. Es kann vom Körper selbst in Leber und Niere aus den Aminosäuren Glycin, Arginin und Methionin synthetisiert werden. Guanidinoessigsäure ist eine natürliche Vorstufe von Kreatin im Körper. In der Tierernährung wird ein Produkt eingesetzt, das 96 Prozent Guanidinoessigsäure enthält und in der EU für Schweine bis zu einem Gehalt von 0,12 Prozent im Futter zugelassen ist. In Versuchen mit Mastschweinen und einer Dosierung von 1.200 Milligramm dieses Produkts je Kilogramm Futter wird von einer Verbesserung der Futterverwertung berichtet, was zu einer Reduzierung der Stickstoff- und Phosphorausscheidung von etwa 5 Prozent führen soll.
In einem Dosis-Wirkungsversuch sollte über die Leistungsparameter Zuwachs und Futterverwertung die optimale Dosierung im Futter für Ferkel abgeleitet werden.

Versuchsdurchführung

Der Versuch wurde am Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Schweinehaltung in Schwarzenau durchgeführt. Dazu wurden 80 Ferkel ausgewählt und nach Lebendmasse, Geschlecht und Abstammung gleichmäßig auf folgende Gruppen aufgeteilt:
  • Gruppe A: Kontrollgruppe, keine Zulage
  • Gruppe B: 600 Milligramm des guanidinoessigsäurehaltigen Produktes pro Kilogramm Futter
  • Gruppe C: 900 Milligramm des guanidinoessigsäurehaltigen Produktes pro Kilogramm Futter
  • Gruppe D: 1.200 Milligramm des guanidinoessigsäurehaltigen Produktes pro Kilogramm Futter

Ergebnisse

Das Zunahmeniveau war mit 565 Gramm pro Tag im Mittel aller Behandlungen als sehr gut einzustufen. Signifikante Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen traten bei den täglichen Zunahmen nicht auf.
Der Futterabruf aus den Stationen war mit Werten zwischen 702 und 715 Gramm pro Tier und Tag in allen Versuchsgruppen vergleichbar und unterschied sich ebenfalls nicht signifikant.
Demzufolge trat auch beim Futteraufwand je Kilogramm Zuwachs mit Werten zwischen 1,23 und 1,27 Kilogramm kein statistisch absicherbarer Unterschied auf.
Nachfolgend sind die wichtigsten Ergebnisse tabellarisch zusammengestellt.
Gruppe A Gruppe B Gruppe C Gruppe D
Tägliche Zunahmen (g) 564 561 570 565
Futterabruf (g/Tier, Tag) 714 715 702 712
Futteraufwand (kg/kg Zuwachs) 1,26 1,27 1,23 1,26

Schlussfolgerung

Im vorliegenden Versuch zeigte die Zulage von 600, 900 und 1.200 Milligramm eines guanidinoessigsäurehaltigen Futterzusatzstoffes pro Kilogramm Futter keine Effekte auf Aufzuchtleistung, Futterabruf und Futteraufwand. Eine Verringerung der Stickstoff- und Phosphorausscheidungen konnte nicht abgeleitet werden.
Mögliche Ursache für die ausgebliebene Leistungssteigerung könnten die Gehalte an Methionin und Threonin im Futter sein. Bei Einsatz des guanidinoessigsäurehaltigen Präparates hat sich im Ferkelaufzuchtfutter I und II ein Verhältnis von Methionin plus Cystin und Threonin zu Lysin von 60 und 63 auf Basis Bruttoaminosäuren als günstig erwiesen. Nach Analyse ergab sich im Ferkelaufzuchtfutter I ein Verhältnis von 56 bei Methionin plus Cystin und von 60 bei Threonin. Im Ferkelaufzuchtfutter II lagen die betreffenden Verhältniszahlen bei 55 für Methionin plus Cystin und bei 63 für Threonin. Insbesondere der gegenüber den bisher mit dem Produkt durchgeführten Versuchen niedrige Gehalt an Methionin in den Rationen kann zu einem Mangel an Methylgruppen im Futter geführt haben. Diese Methylgruppen werden benötigt, um Guanidinoessigsäure zu Kreatin umzuwandeln.