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Die Mutterkuhhaltung in Bayern
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1. Die Bedeutung und Entwicklung der Mutterkuhhaltung in Bayern
Die extensiven Tierhaltungsformen zur Nutzung von Grünland haben in den letzten 20 Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Die wichtigsten Ursachen hierfür waren die Milchquotenregelung 1984 und die finanziellen Anreize für die Extensivierungsprogramme und die Tierprämien. Seit Einführung der Milchquotenregelung und der kontinuierlichen Leistungssteigerung der Milchkühe geht der Milchviehbestand deutlich zurück. Im Jahr 1991 wurden in Deutschland noch 5 632 000 Kühe zur Milchgewinnung gehalten; 2002 lag der Milchviehbestand nur noch bei 4 367 000 Kühen. Damit reduzierte sich der Milchkuhbestand in Deutschland in 11 Jahren um 1 265 000 Kühe bzw. um 22,5 %. In Bayern nahm der Milchviehbestand ähnlich stark ab. Wurden 1991 noch 1 844 211 Milchkühe mit einer Durchschnittsleistung von 4 415 kg Milch gehalten, so verringerte sich der Milchviehbestand bis 2002 um 459 603 Kühe (24,9 %) auf 1 384.618 Milchkühe. Die durchschnittliche Milchleistung stieg auf 5437 kg an. Durch den erheblichen Rückgang des Milchviehbestandes wurde vermehrt Grünland für andere Nutzungsformen frei. Diese Flächen werden vorwiegend für die Schaf-, Ziegen- und Wildhaltung und insbesondere zur Mutterkuhhaltung genutzt. Der Mutterkuhbestand stieg in Deutschland von 1990 mit 209 600 Mutterkühen bis zum Jahr 2002 um 483 900 auf 693 500 Kühe an. Nach der Agenda 2000 erhielt Deutschland einen Prämienplafonds von insgesamt 639 500 Mutterkühen zugeteilt. Da die Quote voll ausgeschöpft ist, wird die Mutterkuhhaltung in den nächsten Jahren nur noch langsam ansteigen, denn ohne Mutterkuhprämie kann die Mutterkuhhaltung kaum wirtschaftlich betrieben werden. Die meisten Mutterkühe stehen in Kleinbeständen und Betrieben, die im Nebenerwerb bewirtschaftet werden. Der durchschnittliche Mutterkuhbestand in Bayern liegt bei rund 7,5 Kühe pro Betrieb. Rund 94 % der Mutterkühe sind in Beständen unter 20 Kühen und nur 95 Betriebe halten mehr als 50 Mutterkühe.
Die Mutterkuhhaltung eignet sich besonders zur Verwertung von Restgrünland sowie zur Pflege und zum Erhalt der Kulturlandschaft. Durch die extensive Beweidung bleiben die Flächen offen und die Pflanzenvielfalt kann erhalten bzw. wieder hergestellt werden. Auch in den Ackerbaubetrieben werden Mutterkühe zur Verwertung von nicht ackerfähigem Grünland gehalten.
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2. Die Mutterkuhrassen in Bayern
Die wichtigsten Mutterkuh- bzw. Fleischrinderrassen in Bayern sind die Deutsch Angus (29 %), Galloway (19 %), Highland (16 %), Fleckvieh (13 %), Charolais (8 %), Limousin (7 %) und sonstige Rassen (8 %). Bei der Rassenauswahl sind mehrere Faktoren zu beachten. Sehr wesentlich sind dabei der Standort und die Vermarktungsmöglichkeiten. Für die guten Grünlandstandorte eignen sich besonders die großwüchsigen Fleischrinderrassen, die kleinwüchsigeren dagegen mehr für das ertragsschwächere Grünland mit schlechterer Futtergrundlage. Werden die Tiere direkt vermarktet, eigenen sich die kleinwüchsigeren Fleischrassen dazu meistens besser, da sie sofort beim Absetzen oder nach einer kurzen Ausmast die Schlachtreife erzielen und die Teilstücke bei der Direktvermarktung nicht so groß sind wie bei den großrahmigen Fleischrassen.
Zu den großwüchsigen Rassen gehören Charolais, Fleckvieh, Gelbvieh und Blonde d'Aquitaine; zu den Rassen mit mittlerem Rahmen die Angus, Limousin, Pinzgauer und Hereford und zu den kleinrahmigeren Robustrassen Galloway und Highland.
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3. Anforderungen an die Mutterkühe und den Deckbullen
Die Fruchtbarkeit und Aufzuchtleistung der Mutterkühe und die Zunahmen der Nachzucht sind entscheidend für die Wirtschaftlichkeit der Mutterkuhhaltung. Erwünscht sind deshalb Mutterkühe mit hoher Fruchtbarkeit, die jährlich ein Kalb aufziehen und im Abkalberhythmus der Herde bleiben. Die Aufzuchtleistung ( Anteil der abgesetzten Kälber ) sollte bei 90 - 95 % liegen. Um diese zu erzielen, ist Leichtkalbigkeit und die sofortige Annahme des Kalbes nach der Geburt und rasche Milchaufnahme erwünscht, denn die Kolostralmilch erhält neben Nährstoffen einen hohen Gehalt an Vitaminen und eine Menge an Schutzstoffen gegen stallspezifische Krankheiten. Fremde Kälber, sogenannte Milchräuber, sollten von der Mutterkuh abgedrängt werden. Erwünscht ist eine relativ flach verlaufende Laktationskurve, damit das Kalb ca. 10 Monate lang gleichmäßig mit Milch versorgt wird. Eine Jahresmilchleistung von ca. 3000 l ist für ein gutes Wachstum des Kalbes erwünscht. Das Euter soll wie beim Milchvieh straff angesetzt und das Fundament korrekt und trocken sein. Eine überdurchschnittliche Bemuskelung , die an die Kälber weitervererbt wird, und gute Charaktereigenschaften in der Weide- und Stallhaltung sind ebenfalls von Vorteil. Der Zuchtbulle bestimmt die Qualität der Nachzucht ganz wesentlich. Er sollte einwandfrei decken und befruchten, Leichtkalbigkeit, korrekte Fundamente, Gutmütigkeit, Hornlosigkeit und gute Mast- und Schlachtleistungseigenschaften vererben.
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4. Tiergerechte Haltungsformen und Weidepflege
Die Standardhaltungsform für Mutterkühe ist die Weidehaltung im Sommer und die Unterbringung der Tiere im Winter in Wirtschaftsgebäuden einfacher Bauart oder in Umbaulösungen ehemaliger Milchviehställe. Wichtig für die Unterbringung ist ein hoher Bewegungsspielraum für die Tiere, befestigte Fütterungs- und Tränkeplätze sowie eine arbeitswirtschaftlich günstige Lösung für die Einstreu und Entmistung. Ein paar Separierboxen für den Deckbullen oder für zum Kalben anstehende Kühe erweisen sich i.d.R. als vorteilhaft. Zudem ist bei allen freilaufenden Tieren ein gewisses Maß an Unfallgefährdung gegeben. Durch Fixieren oder Wegsperren des Bullen kann die Betreuung erleichtert werden. Abkalbeboxen fördern die Mutter- Kind- Beziehung und helfen Kälberverluste zu reduzieren. Ganzjährige Weidehaltung mit Frühjahrskalbung ist in klimatisch günstigen Lagen möglich. Die Adaptionsfähigkeit der Tiere ist sehr hoch. Die Anpassungsreaktionen auf Hitze und Kälte sind vielfältig, wobei heiße Temperaturen schlechter vertragen werden als Kälte. Mit trockenem Liegebereich und Windschutz sind konditionell gut genährte Rinder infolge ihres dichten Winterfelles in der Lage auch Temperaturen bis unter minus 20° C zu ertragen. Längere Regenperioden sind für die Tiere und die Weidefläche belastend.
Für Mutterkuhweiden gut geeignet sind leichtere, wasserdurchlässige Böden, die durch die ständige Trittbelastung das Bodengefüge nicht nachteilig verändern. Schwere, tonreiche und lange feucht bleibende Böden sind weniger geeignet.
Die Koppelgröße richtet sich nach der Herdengröße und dem Futterzuwachs. Eine Überbeweidung ist zu vermeiden, weil diese zur Pflanzenverarmung, niedrigerem Grünlandertrag, weniger Gewichtszuwachs, höherer Zufütterung und stärkerer Arbeitsbelastung führt. Die Weideunterteilung, Nachmahd, Weideruhe und ein gutes Weidemanagement wirken sich positiv auf den Weidezustand und Nährstoffertrag aus. Ackerfutter ist in der Mutterkuhhaltung wegen seiner hohen Nutzungskosten weniger interessant und eigentlich nur in der Ausmast gerechtfertigt.
Bedingt durch hohe Winterniederschläge werden in unseren Regionen die Mutterkuhherden nur im Sommer auf der Weide und im Winter im Stall gehalten. Auf Standorten mit niedrigen Niederschlägen bzw. sehr wasserdurchlässigen und trittfesten Böden ist auch eine ganzjährige Weidehaltung mit Unterstand möglich.
Auch in der Mutterkuhhaltung ist eine nachhaltige und leistungsfähige Grasnarbe anzustreben. Diese wird durch Weidepflege und Weidehygiene sowie einem dem Futteraufwuchs angepassten Tierbesatz erzielt. Ist der Besatz zu hoch, so werden vor allem die schmackhaften und wertvollen Kräuter, Leguminosen und Gräser so intensiv verbissen, dass den Pflanzen eine Reservestoffbildung nicht mehr möglich ist und sich der Bestand rückläufig entwickelt. Aber auch ein Unterbesatz ist nicht erwünscht, weil sonst der weniger wertvolle Pflanzenbestand überhand nehmen würde. Mit einer guten Weidepflege und Weideruhe kann die Grünlandleistung langfristig gesichert bleiben. Beschädigte Winterweiden sind durch Abschleppen, Walzen und Nachsaat wieder herzustellen. Zur Nachsaat wird besonders Deutsches Weidelgras empfohlen. Durch die Nachmahd kann die unerwünschte Ausbreitung von Brennnesselhorsten, Ampfer- oder Distelbeständen verhindert werden. Ein chemischer Pflanzenschutz sollte auf Mutterkuhweiden nicht erforderlich sein; wenn doch, sollte er sich auf die Einzelpflanzenbehandlung beschränken.
Zum Wohlbefinden der Weidetiere gehört selbstverständlich die ständige Wasserversorgung mittels Weidepumpe, Wasserfass oder durch auf der Weidefläche befindliche Gewässer. Der Zugang zum Tränkwasser sollte jedoch befestigt werden, damit Morastbildung und Wasserverunreinigung vermieden wird. An heißen Tagen ist für das Wohlergehen der Tiere eine schattig-kühle Fläche unter Bäumen oder in einer Schutzhütte erforderlich. Zu einem guten Weidemanagement gehört auch eine bedarfsgerechte Düngung nach dem Nährstoffentzug. Dazu sind jedoch Bodenuntersuchungen durchzuführen. Wird der Viehbesatz der natürlichen Produktivität der Weide angepasst, so kann langfristig auf die mineralische Stickstoffdüngung verzichtet werden.
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5. Fütterung der Mutterkühe und Nachzucht
Mit den Mutterkühen wird Landschaftspflege betrieben, extensive Ertragsgrenzstandorte genutzt, Restgrünland in Ackerbaubetrieben oder Sekundärprodukte aus dem Ackerbau verwertet. Die Nutzung von Problemstandorten oder Flächen mit minderer Ertragskraft steht im Vordergrund, eine bedarfsgerechte Ernährung der Mutterkühe und der Kälber muß trotzdem Ziel sein. Neben der Mutterkuhhaltung führen die meisten Betriebe auch die Aufzucht der weiblichen Zuchtrinder, die Produktion der Absetzer, die Endmast der Jungbullen, Ochsen und nicht zuchttauglichen Färsen durch. Im Laufe der Jahre haben sich in den verschiedenen Gebieten Mutterkuhrassen mit unterschiedlichen Standort- und Nährstoffansprüchen entwickelt. Auf den kargen Weidegründen Schottlands wurden Robustrassen wie Highland und Galloway gezüchtet, da diese Rassen mit der energiearmen Futtergrundlage noch entsprechende Schlachtkörper liefern. Die mittelrahmigen Rassen Angus und Hereford stammen aus Gebieten mit guten Weidebedingungen und die großrahmigen Rassen wie Fleckvieh oder Charolais aus guten Ackerbau- und Grünlandstandorten. In der Mutterkuhhaltung sind energiereiche Futterrationen mit der Gefahr der Verfettung der Kühe unerwünscht. In den meisten Fällen genügen einfache Grundfutterrationen, die im Sommer aus Weidegras und im Winter aus Heu und Silage durchschnittlicher Qualität bestehen. In den Übergangszeiten im Frühjahr und Herbst erfolgt bei rohfaser- oder energiearmen Grasbestand die Beifütterung von Stroh zur besseren Rohfaser- bzw. Strukturversorgung. Als Winterfutter wird neben Heu und Grassilage auf Ackerbaustandorten auch Maissilage an die Mutterkühe verfüttert. Dabei ist jedoch auf die Verfettungsgefahr der Muttertiere zu achten und Maissilage nur begrenzt vorzulegen. Heu ist ein Strukturfutter, das einfach gelagert und auf Vorrat verabreicht werden kann. Dabei ist keine besonders hohe Qualität erforderlich; diese sollte den Kälbern vorbehalten bleiben. Ist die Grundfutterration der Mutterkühe bereits energiereich, so kann Heu auch durch Stroh ersetzt werden. Die Silage ist von der Produktion her meist ein billigeres Grundfuttermittel als Heu. Bewährt haben sich die Rundballen für Silage, Heu und Stroh, die mit wenig Aufwand als Vorrat für einige Tage in Rundballenraufen vorgelegt werden können. In begrenztem Umfang wird je nach Grundfutterversorgung auch Kraftfutter an die Mutterkühe verfüttert. Fehlt es an Eiweiß, so kommt oft Sojaschrot zum Einsatz. Alternativ kann auch Rapsschrot, Erbsen, Ackerbohnen oder Biertreber eingesetzt werden. Fehlt es an Energie, so wird meistens eigenes Gersten- oder Weizenschrot verfüttert. Die natürliche Haltung des Kalbes bei der Mutter verleitet leicht zur geringeren Sorgfalt bei der Kälberaufzucht. Die Nachzucht ist jedoch der entscheidende betriebswirtschaftliche Faktor in der Mutterkuhhaltung. Niedrige Kälberverluste und hohe Absetzgewichte sind deshalb die Voraussetzung für die erfolgreiche Mutterkuhhaltung. Die durchschnittlichen Tageszunahmen der Kälber unterliegen bei den verschiedenen Mutterkuhrassen und auch innerhalb der Rasse einer großen Schwankungsbreite. Die Kolostralmilchaufnahme in den ersten Lebensstunden und -tagen ist für das Kalb äußerst wichtig. Die Immunglobuline der Biestmilch schützen vor Krankheiten in den ersten Lebenswochen; nur so kann das Kalb eine aktive Abwehr gegen Krankheiten entwickeln. Das weitere Gedeihen des Kalbes hängt sehr wesentlich von der Milchleistung der Mutter ab. Trotz einer guten Milchleistung ist es sinnvoll, den Kälbern einen Kälberschlupf mit Kraftfutter anzubieten. Das fördert die Entwickelung der Pansenzotten und Aufnahme und Verwertung von Grundfuttermitteln. Das Kalb wird somit schneller ein Wiederkäuer. Für hohe Tageszunahmen der Nachzucht ist eine hohe Fütterungsintensität erforderlich. Wird aus betrieblichen Gründen eine extensivere Aufzucht betrieben, so folgt erst nach dem Absetzen der Kälber eine intensive Endmast. In Betrieben mit viel billigen Raufutter erfolgt vereinzelt auch eine extensive Winterfütterung und die Endmast der Färsen und Ochsen erst im zweiten Weidesommer.
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6. Tiergesundheit
Die rechtzeitige Erkennung erkrankter Tiere ist für eine erfolgreiche Mutterkuhhaltung sehr entscheidend. Eine ständige Herdenbeobachtung ist deshalb auch bei einer extensiven Tierhaltung erforderlich. Jungtiere haben einen geringeren Kälteschutz als die Alttiere. Eine trockene wetter- bzw. windgeschützte Liegefläche ist bei unserem zeitweise rauen und kaltem Klima notwendig. Die Kälber sind in den ersten Lebenswochen anfällig für Infektionskrankheiten durch Bakterien und Viren. Bei den Kühen treten Infektionserkrankungen kaum auf. Das Auftreten von infektiösen Erkrankungen hängt stark von der Haltung und auch vom Tierzukauf ab. Bei den Sommerkalbungen auf der Weide treten kaum Gesundheitsprobleme auf. Bei den Winterkalbungen im Stall kommt es natürlich auf engem Raum schneller zur Anreicherung von Krankheitserregern und zur Erkrankung der Tiere. Über eine optimale Stallhygiene ist der Infektionsdruck im Winter möglichst niedrig zu halten. Coliinfektionen, meist mit schwerem Durchfall verbunden, sind die häufigsten Erkrankungen bei Kälbern. Die bei den Kälbern vorkommenden Infektionskrankheiten sind bei den Kühen die Ausnahme. Dagegen kommt es bei trockengestellten oder frisch laktierenden Kühen zu Euterentzündungen, die oft zu spät erkannt werden. Erfolgt die Behandlung nicht rechtzeitig, so ist mit der Zerstörung des betroffenen Euterviertels zu rechnen. In der Weidehaltung ist mit einem stärkeren Parasitenbefall zu rechnen. An Endoparasiten sind Magen – Darmwürmer, Lungenwürmer, Leberegel und Bandwürmer am häufigsten zu finden. Die älteren Tiere leiden darunter weniger als die Jungtiere. Nach einer viertel- oder halbjährigen Kotuntersuchung sollte immer eine gezielte Behandlung erfolgen. Auch bei einem Ektoparasitenbefall (Räudemilben, Haarlinge und Läuse ) ist eine Behandlung durchzuführen. Besonders bei Jungtieren kommt die Glatzflechte vor, die durch Hautpilze ausgelöst wird und mit Waschmitteln oder Medikamenten behandelt werden kann.
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7. Die Vermarktung
Aus der Mutterkuhhaltung fallen männliche und weibliche Zuchttiere, Nutzvieh und Schlachtvieh zum Verkauf an. Der Zuchtviehverkauf ist in den vielen Fällen nur in geringem Umfang möglich. Die Absetzer aus der Winterkalbung werden meistens im Spätherbst im Alter von 8 bis 10 Monaten zur Weitermast abgegeben. Dazu geeignet sind vor allem die großrahmigeren Intensivrassen. Die kleineren Mutterkuhbetriebe mästen die Absetzer oft selbst aus. Die Erzeugung und Vermarktung von Jungrinderfleisch (Fleisch von Weiderindern, Milchmastrind, Baby-Beef) ist eine Möglichkeit, hochwertiges Fleisch direkt nach dem Absetzen oder nach einer kurzen Ausmast zu verkaufen. Die Tiere erzielen dabei ein Lebendgewicht von 300 bis 350 kg. Die hohe Fleischqualität wird aber meistens nur in der Direktvermarktung oder einem Qualitätsfleischprogramm honoriert. Die Direktvermarktung hat deshalb in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Von den Landwirten werden Schlacht-, Kühl- und Vermarktungsräume errichtet, die die geforderten Hygieneauflagen für die Vermarktung von Fleisch überwiegend in Teilstücken an die Endverbraucher erfüllen. Färsen und vor allem Ochsen werden meistens auf ein höheres Mastengewicht ausgemästet.
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8. Wirtschaftlichkeit
Die Wirtschaftlichkeit der Mutterkuhhaltung hängt von mehreren Faktoren ab. Nachfolgende Kriterien beeinflussen sie am stärksten:
- Fruchtbarkeit, Aufzuchtleistung und Kälberverluste
- Futterqualität und Futterkosten
- Tierprämien und Ausgleichszahlungen
- Festkosten für Gebäude und Maschinen
Ziel in der Mutterkuhhaltung ist es, dass jede Mutterkuh jährlich ein Kalb aufzieht. Decksaison und Fruchtbarkeit, Abkalbeverhalten und Kälberaufzucht sind wesentliche Faktoren für eine erfolgreiche Mutterkuhhaltung. Die Kälberverluste sollten unter 5 % liegen, bewegen sich in den Betrieben jedoch zwischen 5 und 10 %. Wünschenswert ist die Leichtkalbigkeit und gute Annahme des Kalbes nach der Geburt, weil dadurch die Kälberverluste sinken.
Durch eine gute Grundfutterqualität wird die Futteraufnahme und damit die Milchleistung der Mutterkühe und die Mastleistung der Nachzucht gesteigert. Für die Wirtschaftlichkeit ist auch wichtig, dass das Grundfutter kostengünstig erzeugt wird. Der Weidegang bietet hierfür die besten Voraussetzungen. Ackerfutter kann im allgemeinen nicht so preisgünstig produziert werden wie Futter vom Grünland. Damit die Winterfuttergewinnung nicht teuer kommt, sollten die kleineren Betriebe auf die eigene Mechanisierung bei der Winterfutterbergung verzichten. Kraftfutter kommt allgemein nur in geringen Umfang zum Einsatz. Die Vermarktungspreise beeinflussen die Wirtschaftlichkeit natürlich mit am stärksten. Der Zuchttierverkauf und die Direktvermarktung von Fleisch sind die interessantesten Vermarktungsformen. Der Zuchttierverkauf ist jedoch meist nur sehr begrenzt möglich und für die Direktvermarktung sind oft erhebliche bauliche Investitionen erforderlich. Vom Handel wird die hohe Fleischqualität, die in der Mutterkuhhaltung erzielt wird, oft nicht entsprechend honoriert.
Die Mutterkuhhaltung verträgt keine hohen Festkosten aus der Gebäude- und Maschinenabschreibung. Die Investitionen für Gebäude und Maschinen sind deshalb möglichst niedrig zu halten. Die Winterfuttergewinnung auf Lohnbasis ist für kleinere Mutterkuhbetriebe oft günstiger als Eigenmechanisierung.
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9. Beratung und Kontaktadressen
Die Landwirtschaftsämter beraten die landwirtschaftlichen Betriebe in Bayern kostenlos in Fragen der Produktionstechnik, des Stallbaues, der Betriebswirtschaft und der Fördermaßnahmen. Spezielle Fragen zur Mutterkuhhaltung können an die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft gerichtet werden.
- Institut für Tierzucht ( zuständig für Tierzuchtfragen),
- Institut für Landtechnik und Tierhaltung ( zuständig für Haltungs- und Tierschutzfragen )
- Institut für Tierernährung ( zuständig für Fragen zur Tierernährung und Futterwirtschaft )
Prof.-Dürrwaechter-Platz 2, 85586 Poing, gestellt werden. Für besondere Fragen steht auch der staatliche Zuchtleiter des Fleischrinderverbandes Bayern e. V. Jüdtstr. 1, 91522 Ansbach zur Verfügung.
April 2004
Dr. Josef Naderer, Anton Huber
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Landtechnik und Tierhaltung
Tel.: 089/99141-300 • Fax: 089/99141-303
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