Wildtiermanagement
Verfahren bei einem vermuteten Nutztierriss

Präventionsmaßnahmen verringern zwar die Gefahr von Schäden durch Luchs, Wolf und Bär – einen hundertprozentigen Schutz gibt es jedoch nicht. Hier wird daher der Ablauf von der Meldung eines möglichen Risses durch Großbeutegreifer bis zum Endgutachten über den Verursacher des Risses vorgestellt.

Besteht der Verdacht, dass ein Nutztier durch einen Luchs, Wolf oder Bären gerissen wurde, wendet sich der Besitzer unverzüglich entweder an die zuständige untere Naturschutzbehörde, das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU), das zuständige Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, oder außerhalb von deren Öffnungszeiten an die Polizei (zur detaillierten Vorgehensweise siehe unten). Von dort wird der Kontakt mit einem regionalen Mitglied des Netzwerks Große Beutegreifer hergestellt und ein Begutachtungstermin vereinbart.

Vorgehen bei einem Rissfund, der möglicherweise durch Großbeutegreifer verursacht wurde

  1. Sicherung der übrigen Weidetiere
  2. Erstversorgung von verletzten Tieren
  3. Meldung des Vorfalls zur Vermittlung des Rissbegutachters und bei Bedarf der Materialien zum Sofortschutz der Nutztiere
    1. während der Dienstzeit: zuständige untere Naturschutzbehörde oder Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU) oder zuständiges Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
    2. außerhalb der Dienstzeit: Polizeinotruf 110
  4. Meldung des toten Tieres an der Tierkörperverwertungsanlage (TVA), sofern keine eigene Anlieferung an die TVA oder Verbringung an eine staatliche oder behördlich bestimmte Untersuchungseinrichtung zu diagnostischen Zwecken) (§ 7 Abs. 1, 2 Nr. 5 TierNebG)
  5. Lagerung des Kadavers:
    Sicherung des Kadavers vor Witterung (z. B. Eimer oder Planen) bzw. anderen Tieren (z. B. Abzäunen), um dem Vernichten von Indizien wie Fährtenabdrücke vorzubeugen, falls der Begutachter nicht umgehend kommen kann; in diesem Fall auch Fotodokumentation von Hinweisen um den Kadaver und des Kadavers selbst. (Hinweise zur Fotodokumentation siehe Bild unten)
  6. Bei Abholung des Kadavers durch die TVA falls nötig unentgeltliche Unterstützung bei Heranschaffung des Kadavers aus besonders verkehrsungünstig gelegenem Gelände bis zur nächsten befahrbaren Straße (§ 8 Abs. 3 TierNebG)
  7. Reinigung der Aufbewahrungsbehältnisse: Behältnisse oder Örtlichkeiten, in denen der Kadaver aufbewahrt worden war, sind unverzüglich nach der Abholung zu reinigen und zu desinfizieren (§ 10 Satz 3 TierNebG).
Die Meldung sollte möglichst zeitnah geschehen. Je mehr Zeit zwischen dem Tod des Tieres und der Untersuchung vergeht, desto schwieriger wird eine eindeutige Identifizierung des Verursachers, da sich die Einschätzungsmöglichkeiten risstypischer Merkmale durch Verwesung bzw. Nachnutzung anderer Tierarten wie Füchse, Raben oder Maden sehr schnell verschlechtern können.

Feststellung der Todesursache

Zunächst wird das tote Tier durch das regional zuständige Mitglied des Netzwerk Große Beutegreifer in Augenschein genommen. Es ist wichtig, dass das Tier möglichst vor Ort verbleibt, damit der Begutachter alle relevanten Hinweise in der Umgebung und am Tier selbst aufnehmen kann. Der Rissbegutachter darf verendete Tiere „vor Ort“ nicht abhäuten, öffnen oder zerlegen. Gegebenenfalls ist das Tier gegen Verwesung zu schützen (s. Punkt 5).
Hält der Begutachter bei seiner Erstdokumentation einen Übergriff durch einen großen Beutegreifer für möglich, wird der Tierkörper einer detaillierten pathologisch-anatomischen Untersuchung durch einen Veterinär in einer Tierverwertungsanstalt unterzogen („Zweitdokumentation“).

Antrag auf Schadensausgleich

„Die Höhe der Kompensationszahlung richtet sich nach den Bestimmungen des „Ausgleichsfonds Große Beutegreifer“. Der Geschädigte beantragt den Schadensausgleich bei dem Vertreter der Trägergemeinschaft des "Ausgleichsfonds Große Beutegreifer" (derzeit: Wildland-Stiftung Bayern). Der Antrag ist spätestens 1 Monat nach der Schadensmeldung zu stellen. Ihm sind erforderliche Zahlungsbelege und sonstige erforderliche Nachweise beizulegen. Aktuelle und detaillierte Informationen zur Schadensmeldung und zu Ausgleichsregelungen sind auf folgenden Internetseiten nachzulesen:

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