Forschungsprojekte
Diagnose der subklinischen Endometritis beim Rind

Gynäkologische Handlung bei einer Kuh

Gynäkologie auf Herdenbasis am LVFZ Achselschwang bei einer Kuh des Projekts

Leicht verlaufende, klinisch unauffällige Entzündungen des Endometriums (subklinische Endometritiden) führen zum Umrindern nach Besamung. Die Erkrankung ohne klinische Erscheinungen wird bei gynäkologischen Untersuchungen nicht erkannt. Durch Abstriche der uterinen Schleimhaut bekommt man direkte Informationen über die Beschaffenheit des Endometriums, die auf eine subklinische Endometritis schließen lassen. Hierfür ist die Erprobung und Entwicklung eines praxistauglichen Diagnoseverfahrens erforderlich. Das Ziel in der vorliegenden Untersuchung ist die Etablierung einer praxistauglichen Diagnosemöglichkeit für die direkte Identifizierung von Kühen mit subklinischen Endometritiden.

Projektbeschreibung

Zentrale Fragestellung: Ist die Untersuchung des Uterussekretes zur Diagnose der subklinische Endometritiden (sE) geeignet?
Die sE tritt beim Rind nach aktuellem Stand der Wissenschaft mit variierenden Prävalenzen von 9 bis 74 Prozent (Barański et al. 2013, Gilbert et al. 2005) in Abhängigkeit von Untersuchungsmethode und -zeitpunkt auf. Pathogenese, Diagnostik und Therapie dieser klinisch unauffälligen Entzündung des Endometriums sind in weiten Teilen ungeklärt. In der Folge kommt es zur Verschlechterung der Fruchtbarkeit: Gilbert et al. 2005 fanden bei Tieren mit sE um 70 Prozent verringerte Erstbesamungserfolge (11 statt 36 Prozent), eine Verlängerung der Güstzeit um 88 Tage (206 statt 118 Tage) sowie einen höheren Besamungsaufwand (3 statt 2 Besamungen pro Tier).
Um die Besamungserfolge in der Milchviehhaltung zu optimieren, ist eine gezielte Diagnostik und effektive Therapie der sE nötig.

Zur Diagnose finden bisher zwei Verfahren Anwendung:

  • Uterine Schleimhautbiopsien zur histologischen Untersuchung, die auf Grund des großen (Zeit-)Aufwandes bei der Probenuntersuchung keine praxistaugliche Option darstellen.
  • Zytologische Untersuchungen an Schleimhautabstrichen zur Bestimmung des Anteils an neutrophilen Granulozyten, wobei hierfür allgemeingültige Definitionen für Grenzwerte und Untersuchungszeitpunkte fehlen.
Inflammatorische Geschehen stimulieren das Endometrium zur Sekretion regulativer Botenstoffe (u. a. Zytokine), die sich im Uterussekret direkt oder indirekt mittels Bioassay nachweisen lassen. An der Klinik für Wiederkäuer wurde hierzu ein neues Probenentnahmegerät entwickelt, das die Entnahme von 4 verschiedenen Proben aus dem Uterus mit Hilfe eines Arbeitskanals ermöglicht: Sekret, Zytologie, Biopsie, bakteriologische Probe. So können verschiedene Parameter aus dem Uterussekret untersucht und mit der Diagnose aus den beiden etablierten Methoden Zytologie und Biopsie verglichen werden. An der Klinik für Wiederkäuer wurden hierfür bereits Proben von Schlachtuteri analysiert. Nun soll die Aussagekraft der Untersuchung am lebenden Tier mit integrem Uterus ermittelt werden.

Ziele

Etablierung einer praxistauglichen Diagnosemethode f. subklinische Endometritis (sE) beim Rind.

Studiendesign

An einem Staatsgut mit 160 laktierenden Kühen (siehe oben) werden über ein Jahr hinweg im 14-tägigen Rhythmus alle Kühe beprobt, die sich im Zeitraum von 45 bis 60 Tagen p. p. befinden. Mit Hilfe der klinischen, zytologischen und histopathologischen Untersuchungsergebnisse werden Tiere mit klinischer und subklinischer Endometritis identifiziert und eine Gruppeneinteilung vorgenommen. Potentiell diagnostisch verwertbare Sekretparameter (vor allem pro- u. antiinflammatorische Zytokine) werden wie oben beschrieben analysiert und zwischen den Gruppen verglichen.

Zusammenfassung

Auf der Suche nach neuen Diagnostika wurde an der Klinik für Wiederkäuer der LMU mit Kooperationspartnern darunter das Institut für Tierzucht der LfL die Gewinnung und Untersuchung von Uterussekret ins Auge gefasst. Im Zuge von inflammatorischen Geschehen bilden die Uterusepithelzellen Entzündungsmediatoren (u.a. Zytokine), die sich im Sekret direkt durch proteomische Untersuchungen oder indirekt durch Migrationsversuche oder Stimulationsversuche an Zellkulturen nachweisen lassen. Zur Entnahme der Proben aus dem Uterus wurde erfolgreich ein Probenentnahmegerät entwickelt, mit dessen Hilfe durch einen einzigen Arbeitskanal (vergleichbar mit einer Besamungshülle), der in den Uterus eingeführt wird, nacheinander 4 verschiedene Proben entnommen: Uterussekret, Zytologie, Biopsie und Probe für die bakteriologische Untersuchung. Es können also verschiedene Parameter aus dem Uterussekret untersucht und die erhaltenen Werte mit der Diagnose aus den beiden bisherigen Standards Zytologie und Biopsie verglichen werden. Mit diesem neu entwickelten Diagnostikum wird die Aussagekraft hinsichtlich einer subklinischen Endometritis am Tier getestet.
Projektinformation
Projektleitung: Prof. Dr. Dr. Holm Zerbe, Klinik für Wiederkäuer der LMU München
Kooperationspartner:
Dr. Horst-Dieter Reichenbach, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Tierzucht
Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Milchvieh- und Rinderhaltung Achselschwang
Prof. Dr. H.-A. Schoon, Vet.med. Faktultät der Universität Leipzig, Institut für Veterinär-Pathologie
Projektlaufzeit: Juni 2015 bis ca. Juni 2018
Projektfinanzierung: Förderverein Bioökomonieforschung e.V. (FBF)