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Brillenschaf
Ein typischer Bock
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Mutterschaf mit Lamm bei Fuß
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Eine Gruppe Schafe mit Lämmern
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Prämierung auf der Glentleiten 2002
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Rassetypische Merkmale
Das Brillenschaf gehört zur Gruppe der alpinen Bergschafrassen und hat seinen Ursprung in Kärnten. Der lange, schmale, unbewollte Kopf ist hornlos, ramsnasig und trägt breite, hängende Ohren. Die typische Pigmentierung (Brille) soll das Auge gleichmäßig umgeben und kann zur Nase hin verschoben auftreten. Die unteren ein bis zwei Drittel der Ohren sind schwarz pigmentiert. An der Unterlippe und am Kinn sind geschlossene Pigmentflecken ebenfalls möglich. Das großrahmige Schaf hat ein weißes, schlichtwolliges Vlies mit einer Faserstärke von 32 bis 38 Mikron. Die Brunst ist asaisonal und eine Erstzulassung ist im Alter von 8 bis 10 Monaten möglich.
Zuchtziel
Züchtung eines anpassungsfähigen, anspruchslosen Schafes für die Gebirgsregion, das sich besonders durch Frühreife, Langlebigkeit und Anpassung für niederschlagsreiche Gebiete eignet.
Tabelle 1: Leistungsangaben
| Leistungsangaben |
Körper- Gewicht (kg) |
Vlies- Gewicht (kg) |
Ablamm- ergebnis (%) |
Widerrist- höhe (cm) |
| Altböcke |
80 - 100 |
4,0 - 6,0 |
- |
75 - 80 |
| Jährlingsböcke |
50 - 65 |
3,5 - 5,0 |
- |
- |
| Mutterschafe |
65 - 75 |
3,0 - 5,0 |
150 - 180 |
72 - 76 |
| Jährlingsschafe |
50 - 60 |
3,0 - 3,5 |
- |
- |
Die täglichen Zunahmen liegen bei Schlachtlämmern im Bereich von 230 - 280 g, das handelsübliche Lebendgewicht bei rund 40 - 42 kg.
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Zuchtgeschichte
Die Ursprünge des Brillenschafes, das auch als "Kärntner Brillenschaf" oder "Spiegelschaf" bei uns bekannt ist, reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück, als Paduaner Schafe und Bergamaskerschafe aus Norditalien in das in Kärnten bodenständige Steinschaf eingekreuzt wurden. Das Paduaner Schaf hat seine Heimat im östlichen Oberitalien, in den fruchtbaren Küstengegenden des adriatischen Meeres. Es ähnelte in der äußeren Erscheinung dem Bergamaskerschaf, erreichte aber nicht dessen Größe und Hochbeinigkeit. Zudem war die Wolle des Paduaner Schafes deutlich feiner und dichter, weshalb es vor Einführung der Merinos auch nach Schwaben und Franken zur Verbesserung der Schafzucht gebracht wurde. Das ursprüngliche Zuchtgebiet des Brillenschafes war das ehemalige südliche Kärnten (Karnische Hauptkette, Karawanken, Steiner Alpen), das 1920 an Slowenien fiel, Zuchtzentrum war der Ort Seeland, der den Namen "Seeländer Schaf" für das Kärntner Brillenschaf im heutigen Slowenien prägte. Ausgehend von Kärnten breitete sich das damalige Zuchtgebiet in die Steiermark bis ins südöstliche Oberbayern aus. Typisch für das Kärntner- oder Seeländer Schaf waren ebenso wie beim Paduaner Schaf die schwarzen Farbzeichnungen, die als Brillenzeichnung um die Augen und als schwarze Ohrenspitzen bei einem Teil der Tiere vorkam. Außerdem zeichnete es sich durch eine sehr gute Fruchtbarkeit mit einer dreimaligen Lammung in zwei Jahren und häufigen Zwillingsgeburten aus. Eine Besonderheit war die feine und dichte Wolle, die es vom Paduaner Schaf geerbt hatte und die dem Vlies einen auffallenden Seidenglanz verlieh. Wegen dieser glänzenden feinen Wolle bekam das Brillenschaf auch den Namen "Spiegelschaf". Das Kärntner Brillenschaf war die erste bedeutende Bergschafrasse der Alpen, die auf viele andere Bergschafrassen Einfluss genommen hat. Durch eine Vereinheitlichung der Zuchtziele aller Bergschafrassen zu einem einzigen Zuchtziel-Standard wurde das Brillenschaf ab der dreißiger Jahre systematisch verdrängt. In Österreich löste sich der Bestand nahezu vollkommen auf. Restbestände konnten sich als Brillenschaf im südöstlichen Oberbayern, als Villnösser Schaf in Südtirol und als Seeländer Schaf in Slowenien erhalten. Die Bestände in Oberbayern und in Südtirol lassen sich äußerlich kaum unterscheiden, dagegen tritt beim heutigen Seeländer Schaf die charakteristische Pigmentierung der Augen und Ohren nur noch selten auf. Eine detaillierte Zuchtgeschichte über die bayerische Bergschafzucht mit Literaturangaben ist beim Weißen Bergschaf zusammengestellt.
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Verbreitung der Rasse
Das Brillenschaf ist in Bayern seit 1989 als eigenständige Rasse anerkannt. Die Bestandsentwicklung der Zuchttiere ist in der Tabelle 2 dargestellt. Der Gesamtbestand an Brillenschafen in Bayern wird auf 1000 Stück geschätzt.
Tabelle 2: Bestandsentwicklung
| Jahr |
Zuchtbetriebe |
Zuchtböcke |
Zuchtschafe |
| 1980 |
- |
- |
- |
| 1990 |
7 |
4 |
85 |
| 1995 |
9 |
13 |
223 |
| 2000 |
18 |
17 |
410 |
| 2004 |
21 |
32 |
607 |
| 2008 |
19 |
21 |
499 |
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Leistungen
Die Entwicklung der wichtigsten Fruchtbarkeits- und Gewichtsmerkmale ist in Tabelle 3 zusammengefasst. Zur Zeit läuft ein umfangreicher Versuch mit allen einheimischen Landschafrassen zur Mast- und Schlachtleistung sowie Fleischqualität am Institut für Tierzucht Grub der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft.
Tabelle 3: Leistungsentwicklung
| Jahr |
Ablamm- ergebnis/Jahr |
Aufzucht- ergebnis/Jahr |
Zweimalige Lammung |
105-Tage- Gewicht |
| 1980 |
- |
- |
- |
- |
| 1990 |
149,3 |
140,6 |
8,7 |
26,3 |
| 1995 |
166,7 |
152,8 |
14,6 |
29,3 |
| 2000 |
159,0 |
144,5 |
16,5 |
28,9 |
| 2004 |
160,4 |
149,0 |
18,0 |
28,7 |
| 2008 |
176,7 |
160,0 |
29,6 |
30,4 |
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Staatliche Förderung
Der Bayerische Staat fördert Maßnahmen zur Erhaltung gefährdeter einheimischer landwirtschaftlicher Nutztierrassen. Die hohen Anforderungen an die Wirtschaftlichkeit der Nutztierhaltung führen zu einem Rückgang der Zahl der Tierrassen. Aus tierzüchterischen und landeskulturellen Gründen ist es daher notwendig, die heute in Bayern noch vorhandenen heimischen landwirtschaftlichen Nutztierrassen zu bewahren. Mit der Gewährung von Prämien soll eine ausreichende Zuchtbasis erhalten bzw. wieder neu aufgebaut werden.
Förderfähig sind die Schafrassen Rhönschaf, Coburger Fuchsschaf, Weißes Bergschaf, Braunes Bergschaf, Waldschaf, Steinschaf (Alpines und Krainer Steinschaf) und Brillenschaf. Antragsberechtigt sind Inhaber schafhaltender Betriebe, die den Charakter eines landwirtschaftlichen Betriebes besitzen und Mitglied bei der für die Schafzucht anerkannten Züchtervereinigung sind. Die Maßnahme muss für mindestens 5 Jahre durchgeführt werden.
Die Prämie ist bei der Rasse Brillenschaf auf 20,00 Euro für jedes im Zuchtbuch eingetragene Mutterschaf und Vatertier festgesetzt, höchstens jedoch 2.000,00 Euro je Betrieb und Jahr.
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Ausgewählte Literatur
Mendel, C. (1992): Das Brillenschaf. Der Bayerische Schafhalter 4, 107 - 108.
Schwend, K. (2001): Untersuchungen zur genetischen Variabilität der Kärntner Brillenschafe in Österreich. Diss., Inst. für Tierzucht und Genetik, Vet. med. Universität Wien
Sohner, A. (1929): Studien über das Kärntner Schaf. Arbeiten der Lehrkanzel für Tierzucht an der Hochschule für Bodenkultur in Wien IV-Band.
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August 2008
Dr. Christian Mendel
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Tierzucht
Tel.: 089/99141-100 • Fax: 089/99141-199
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