Praxisinformationen
Jahresbericht 2016 über Leistungsprüfungen und Zuchtwertschätzung beim Schwein

Prüfferkel bei der Anlieferung an die LPA Grub

In der stationären Leistungsprüfung beim Schwein werden unter standardisierten Bedingungen Leistungsdaten von Nachkommen aus der Herdbuchzucht und der künstlichen Besamung ermittelt, die im Rahmen der Zuchtwertschätzung die Grundlage für die spätere Selektionsentscheidung bilden.

In Bayern wird die Leistungsprüfung an den Stationen Grub und Schwarzenau durchgeführt. Im vergangenen Jahr hat sich das Prüfaufkommen in Bayern nach dem kontinuierlichen Anstieg über 3 Jahre erstmals verringert, und zwar von 9.226 auf 7.325 Prüftiere. Mit einem Anteil von 60,3 Prozent dominiert weiterhin die Herdbuch-Prüfung. Der vorliegende Bericht enthält neben den Stationsergebnissen noch Zusatzauswertungen, vor allem hinsichtlich der Fleischbeschaffenheit, die Ergebnisse der Feldprüfungen sowie die aktuellen genetischen Trends anhand der Entwicklung der Zuchtwerte der letzten 10 Jahre. Zudem gibt er einen Überblick über aktuelle Forschungsaktivitäten im Bereich der Schweinzucht.

Das Prüfungsjahr 2016

Das Prüfungssystem für die bayerische Schweinezucht wird seit Jahren kontinuierlich erweitert und auf wissenschaftlicher Basis weiterentwickelt. So wird zusätzlich zur klassischen Stationsprüfung das Datenpotential in Praxisbetrieben mit bayerischen Hybridsauen konsequent weiter erschlossen. Auf der Basis eines einzigartigen Datenpools in den organisierten Ferkelerzeugerbetrieben ist es so gelungen, den Zuchtfortschritt in der Fruchtbarkeit bei den Mutterrassen deutlich zu steigern. Auch die Wurfqualität wird hiervon profitieren.
In den beiden Prüfstationen Grub und Schwarzenau wurde das traditionelle Merk-malsspektrum der Mast- und Schlachtleistungskriterien mit wichtigen neuen Merkmalen ergänzt. Die Erfassung des Safthaltevermögens, des Ebergeruchs und von Hilfsschleimbeuteln an den Extremitäten ist bereits Routine.
Besonders hervorzuheben ist, dass die Forschungsaktivitäten in den beiden Prüfstationen besonders umfangreich waren. Die Ergebnisse fließen in die Weiterentwicklung der Zuchtarbeit ein. Wichtige Themen waren u. a. die Qualität von Eberschlachtkörpern, das Auftreten von Hilfsschleimbeuteln und das Tierverhalten im Zusammenhang mit Caudophagie. Die hohe Produktivität der Leistungsprüfungsanstalten bezüglich aktueller Forschungsgegenstände auf dem Gebiet der Schweinzucht und -genetik wird auch in dem aktuellen Gutachten der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel bescheinigt.
Unter Einbeziehung der genomischen Selektion als modernes Zuchtinstrument wurde der genomisch optimierte Zuchtwert 2015 für Vaterrassen und 2016 auch für die Mutterrassen eingeführt.
Das Prüfaufkommen in Bayern hat sich nach dem kontinuierlichen Anstieg über 3 Jahre erstmals verringert, und zwar von 9.226 auf 7.325 Prüftiere bzw. um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mit 60,3 Prozent Anteil dominiert weiterhin die HB-Prüfung.
Die Mast- und Schlachtleistungsergebnisse konnten bei allen Prüfarten auf dem hohen Niveau der Vorjahre gehalten bzw. leicht verbessert werden. Die Tageszunahmen im Prüfabschnitt erreichten 839 g bei der Rasse Piétrain, 1.013 g bei den Mutterrassen (Kastraten) und 901 g bei den weiblichen Endprodukttieren. Der Magerfleischanteil (LPA-Formel) im Schlachtkörper lag mit 68,0 Prozent bei Piétrain und 63,4 Prozent bei PI x DL-Kreuzungen ebenfalls auf einem ausgesprochen hohen Niveau.

Projekte im Rahmen der Leistungsprüfung und Zuchtwertschätzung

Ermittlung der Ebergeruchssubstanzen Androstenon und Skatol bei den Mutterrassen

Seit dem Jahr 2015 werden für die züchterische Bearbeitung des Ebergeruchs auch männliche, nicht kastrierte Tiere der Prüfart 4 (Mutterrassen) der Prüfung unterzogen und auf den Gehalt der Ebergeruchssubstanzen Androstenon und Skatol im Nackenfett untersucht.
Für die Rasse Piétrain besteht schon seit dem Jahr 2013 eine genomische Zucht-wertschätzung gegen Ebergeruch, welche im Rahmen des Projekts „Geruchsoptimierung durch genomische Selektion (GOGS)“ entwickelt wurde. Um die Reduzierung des Ebergeruchs züchterisch weiter zu entwickeln, werden seit Januar 2016 auch die Piétrain-Besamungseber (Prüfart 2) zu 50 Prozent mit Eberferkeln geprüft. Es ist vorgesehen, jährlich je 6 Nachkommen von etwa 100 Piétrain-Besamungsebern auf Androstenon und Skatol im Nackenspeck beim TGD Bayern zu untersuchen. Die Auswahl dieser PI-Eber erfolgt auf Basis des genomisch optimierten Zuchtwertes (GZW bzw. Ebergeruchsindex).
341 Eber wurden demzufolge in diesem Jahr bei den Mutterrassen und 838 Eber bei den Vaterrassen der Prüfung unterzogen. Die Ebergeruchsanalytik wird finanziert durch die Bayern-Genetik GmbH, dem Besamungsverein Neustadt an der Aisch und die EGZH.

Untersuchungen zum Auftreten von Hilfsschleimbeuteln (nach Haberland, 2016)

Seit April 2015 wurden an den Schlachthöfen der beiden bayerischen Leistungsprüfungsanstalten Grub und Schwarzenau knapp 12.500 Prüftiere auf das Vorhandensein von Hilfsschleimbeuteln überprüft (Stand Nov. 2016). Nach dem Entbluten stuften die Techniker der Schlachthöfe jedes Bein auf einer von OBERLÄNDER (2015) entwickelten Skala von 0 bis 3 ein. Dabei bedeutet 0= kein Befund, 1= geringgradig ausgeprägter Hilfsschleimbeutel, 2= mittelgradig ausgeprägter Hilfsschleimbeutel und 3= stark ausgeprägter, entzündeter Hilfsschleimbeutel mit eröffneter Haut. Lagen an einer Gliedmaße mehrere Befunde vor, so wurde nur der schwerste Befund für die Analysen verwendet.
Um den Einfluss verschiedener Faktoren auf das Auftreten von Hilfsschleimbeuteln zu untersuchen, wurden die vier Einzelergebnisse je Tier (Vorder- und Hintergliedmaßen sowie links und rechts) zu einem Wert zusammengefasst. Die Summe der Schweregrade eines Tieres geteilt durch vier ergab das Merkmal „Befundsmittel“, welches den mittleren Schweregrad über alle Gliedmaßen eines Tieres beschreibt.
Knapp 82 Prozent der untersuchten Tiere wiesen Hilfsschleimbeutel auf. Dabei gab es deutliche Rasseunterschiede (siehe Tabelle 1). Während Tiere der Deutschen Landrasse nur zu knapp 72 Prozent betroffen waren, wiesen fast 90 Prozent der reinrassigen Piétraintiere Bursen auf. Drei Viertel aller Befunde entfielen auf eine geringgradige Ausprägung der Bursen (Grad 1). Weniger als 1 Prozent der Befunde waren schwerwiegend (Grad 3).
Zwei Drittel aller Befunde befanden sich an den Hintergliedmaßen, welche somit deutlich stärker betroffen waren als die Vordergliedmaßen. Zudem waren die Befunde der Hintergliedmaßen häufig auch schwerwiegender als die der Vordergliedmaßen.
Tabelle 1: Prävalenz und Befundsmittel nach Rasse
Rassen Anzahl Tiere Prävalenz Befundsmittel
insgesamt
Befundsmittel
vorne
Befundsmittel
hinten
alle 12.358 82,0 % 0,59 0,34 0,84
DL 1.664 71,6 % 0,45 0,27 0,63
DE 140 88,6 % 0,69 0,39 1,00
PI 415 89,9 % 0,69 0,50 0,89
DL x DE 970 78,7 % 0,53 0,31 0,75
PI x DL 2.290 84,8 % 0,60 0,31 0,89
PI x (DE x DL) 1.580 85,9 % 0,67 0,41 0,79
DE x DL 2.792 86,0 % 0,63 0,35 0,90
Eine Varianzkomponenten- und Zuchtwertschätzung erfolgte getrennt für Nachkommen von Piétrainebern und Tiere der Mutterrassen, wobei für erstere ein Vatermodell und für letztere ein Tiermodell verwendet wurde. Für das Merkmal Befundsmittel wurden Erblichkeiten von 0,27 beim Piétrain und 0,35 bei Mutterrassen geschätzt. Bei beiden Rassegruppen lag die Erblichkeit des Befundsmittels der Hintergliedmaßen deutlich über der Erblichkeit des Befundsmittels der Vordergliedmaßen
Die geschätzten Erblichkeiten liegen in einem Bereich, der eine züchterische Bearbeitung ermöglichen würde. Der Schätzwert für das Befundsmittel entspricht dabei recht gut dem von der SUISAG für das Merkmal Anzahl an Schleimbeuteln geschätzten Wert von 0,24 (LUTHER, persönliche Mitteilung). Aufgrund der höheren Prävalenz und der deutlich höheren Erblichkeit von Bursen an den Hintergliedmaßen im Vergleich zu den Vordergliedmaßen erscheint es gerechtfertigt, das Befundsmittel der Hintergliedmaßen als Zielmerkmal zu betrachten. Dafür sprechen auch die hohen genetischen Korrelationen zum Befundsmittel der Vordergliedmaßen.
Der Erfolg züchterischer Maßnahmen gegen das Auftreten von Bursen hängt vornehmlich von der ökonomischen Gewichtung des Merkmals im Zuchtziel ab.

Projekt „Technopathien der Gliedmaßen bei Mastschweinen: Ursachen - Entstehung - Tierschutzrelevanz“

Weiter ist das Institut für Tierzucht am Projekt „Technopathien der Gliedmaßen bei Mastschweinen: Ursachen - Entstehung – Tierschutzrelevanz“ der LMU München beteiligt. In diesem wird die Problematik von Technopathien der Gliedmaßen beim Mastschwein und deren Tierschutzrelevanz (Auswirkungen auf Tiergesundheit und Schweineproduktion) beurteilt. Dazu wurden etwa 200 Tiere ab Beginn Quarantänestation (8 kg LG) bis Mastende (LPA Grub) wöchentlich auf das Auftreten von Bursen und Lahmheiten bonitiert. Ausfälle wurden beim Tiergesundheitsdienst Bayern e.V. untersucht.

Bonitur von Eberpenissen

Zudem wurden im Jahr 2016 vom TGD Bayern insgesamt 488 Penisse von Ebern aus der LPA Grub nach der Schlachtung pathologisch-anatomisch auf Verletzungen untersucht. Anhand der Anzahl der Wunden wurden die Penisse in Anlehnung an die Publikation von Weiler et al. (2016) einem Score von 0-IV zugeordnet.
Folgend das Ergebnis der Beurteilung (nach Rostalski, 2017):
  • 189 x Score 0 (keine Verletzung) = 38,7 Prozent
  • 189 x Score I (1 - 3 Wunden am Penis) = 38,7 Prozent
  • 87 x Score II (4 - 6 Wunden) = 17,8 Prozent
  • 20 x Score III (7 - Wunden) = 4,1 Prozent
  • 3 x Score IV (> Wunden) = 0,6 Prozent
Somit wurden bei über 60 Prozent der Eber Penisverletzungen ermittelt, bei etwa 20 Prozent der Tiere sogar mehr als 3 Wunden am Penis. Weiter wurden 26 Kastratenpenisse bonitiert. Bei diesen wurden keine Verletzungen festgestellt.

Erfassung der Wirbelzahl von Schlachtkörpern

Am Lehrstuhl in Freising zeigten Assoziationsstudien, die im Rahmen des Projekts InGeniS durchgeführt wurden, dass ein SNP auf SSC7 in beiden Rassen (PI, DL) mit der Schlachtkörperlänge assoziiert war. Ein Kandidat in dieser Region ist der VRTN-Locus, der in der Literatur bereits mit der Wirbelzahl assoziiert wurde. Daraufhin wurden seit Oktober 2015 (Grub) bzw. August 2016 (Schwarzenau) bei allen Prüftieren die Wirbelzahl erfasst. Auf Grund einer ausreichend großen Datengrundlage von über 5.000 Beobachtungen für detailliertere Auswertungen an der TU München wurde im März 2017 die Erfassung eingestellt. Es zeigten sich jedoch deutliche Rasseunterschiede und auch innerhalb der Rassen wurden zwischen den Tieren unterschiedliche Wirbelzahlen ermittelt.

Schaffung einer umfassenden Datenbasis und Entwicklung züchterischer Strategien zur nachhaltigen Reduzierung des Schwanzbeißens in der Schweinezucht (PigsWithTails)

In einem länderübergreifenden Projekt sollen mögliche genetische Ursachen für das Schwanzbeißen bei Mastschweinen erforscht werden. Hierzu werden in den Leistungsprüfungsanstalten Grub, Schwarzenau und Boxberg Daten zum Schwanzbeißen erfasst und anschließend genetisch ausgewertet.
Eine gezielte züchterische Bearbeitung der Problematik wird bislang dadurch er-schwert, dass eine im Routinebetrieb praktikable Merkmalserfassung nicht verfügbar ist. Daher fehlen auch Erkenntnisse über den Grad der Erblichkeit, genetische Korrelationen zu anderen Merkmalskomplexen und Wechselwirkungen der Inzidenz des Schwanzbeißens mit Faktoren des Haltungssystems unter den in Deutschland verbreiteten Haltungsbedingungen in Zucht‐ bzw. Produktionsbetrieben.
Daher ist die Hauptzielrichtung des Projekts die Entwicklung geeigneter Bonitie-rungsmethoden für die massenhafte Erfassung von Schwanzverletzungen, die genetisch-statistische Auswertung dieser Daten und die Entwicklung von Züchtungsstrategien. Hierzu werden Datenerhebungen an Kreuzungsnachkommen von Ebern der Rassen Bavarian Piétrain, German Piétrain, BHZP 77 und BHZP 08 durchgeführt.
Zusätzlich werden ergänzende Untersuchungen zum erstmaligen Auftreten von Schwanzbeißverhalten an der Landesanstalt für Schweinezucht in Boxberg durchgeführt.

Projekt InGeniS

Mit dem Projekt InGeniS (Integrierte Genomische Forschung und Anwendung in der bayerischen Schweinezucht) werden drei Schwerpunkte bearbeitet. Dies sind zum einen der Aufbau einer genomischen Kalibrierungsstichprobe von rund 2.500 Tieren für die bedeutendste Vaterrasse Piétrain bzw. die Landrasse sowie die Sequenzierung der 30 wichtigsten Ahnen in der Landrasse- und Piétrainpopulation.
Für die Rasse Piétrain wurde als wesentliches Ziel zu Jahresbeginn 2016 die routinemäßige genomische Zuchtwertschätzung eingeführt. Für die Landrasse wurde ebenfalls Ende des Jahres die Routine aufgenommen.
Als Drittes sollen die neuen Methoden zur züchterischen Bearbeitung innovativer Merkmale wie beispielsweise zur Anomalienbekämpfung genutzt werden. In diesem Zusammenhang werden „seltene“ Anomalien erfasst und beschrieben. Von den Anomalienträgern und deren defektfreien Verwandten werden Gewebeproben entnommen und das Genom sequenziert. Aktuell wurde eine Stoppmutation lokalisiert, die homozygot zu Unfruchtbarkeit bei Sauen führt. Das Nachweisverfahren wurde bereits ins Zuchtprogramm der EGZH aufgenommen und in den Custom-Chip ab Mai 2016 generell eingefügt.

Beteiligung an den Bundesprojekten STRAT-E-GER und Gi-F-ER

Im Rahmen eines bundesweiten Forschungsprojektes zur Entwicklung von „Strategien zur Vermeidung von Geruchsabweichungen bei der Mast unkastrierter Schweine“ (STRAT-E-GER) wurden u. a. an der LPA Schwarzenau seit 2013 ca. 1.000 Jungeber unter LPA-Bedingungen auf Mastleistung geprüft und anschließend am Schlachtkörper Gewebeproben zur Ermittlung von Geruchs- und Geschmacksabweichungen entnommen.
Dabei wurden die Androstenon- und Skatol-Konzentrationen im Rückenspeck ge-messen und diese Proben zusätzlich durch qualifizierte Prüfpersonen am Schlachtband sowie im Sensorik-Labor der Universität Göttingen human-sensorisch (HNS) bewertet.
An der Universität Bonn wurden unter Verwendung von Genotyp-(Illumina Porciner 56 K + SNP Beadchip) und den genannten Phänotyp-Daten genomische Schätzformeln entwickelt, die von den beteiligten Zuchtorganisationen zur Zuchtwertschätzung und Selektion geruchsreduzierter Eber genutzt werden können. Modellberechnungen zeigen, dass der Anteil von Tieren, die vermehrt Geruchsstoffe einlagern, durch gezielte Selektion erheblich verringert werden kann.
Seit Herbst 2016 werden für das Nachfolgeprojekt G-I-FER (Genomische Indikatoren für Ebergeruch, Fruchtbarkeit und Robustheit in Landrasse- und Edelschweinpopulationen) Mutterrasseneber in der Leistungsprüfung aufgestallt. Mit Hilfe von deren Leistungsergebnissen und ihrer Vollschwestern soll unter Berücksichtigung ihrer Geruchsindikatoren und mehrerer Blutparameter die Möglichkeiten einer Zuchtwertschätzung für Ebergeruch bei Mutterrassen unter Einbeziehung der Fruchtbarkeit und Robustheit erarbeitet werden.

Stationsvergleich Schwarzenau/ Boxberg mit Piétrain-Prüftieren

In den Jahren 2015 und 2016 wurden zeitgleich insgesamt rund 550 weibliche Piétrain-Wurfgeschwister in Boxberg und Schwarzenau der Stationsprüfung unterzogen. Damit sollte die Vergleichbarkeit der Prüfergebnisse aus beiden Stationen überprüft werden. Die Versuchsergebnisse sind im Hinblick auf eine mögliche Zusammenarbeit der beiden beteiligten Bundesländer in der Zuchtarbeit von Interesse.

Einsatzzeitpunkt von Improvac bei männlichen Mastschweinen

In einem Versuch mit insgesamt 120 Tieren (24 Tiere/ Versuchsgruppe) wurde unter-sucht, wie sich unterschiedliche Impftermine (1. Impfung: 8. und 12. Lebenswoche; 2. Impfung: 12., 16. und 18. Lebenswoche) auf die Androgenproduktion, Tierverhalten, Mast- und Schlachtleistung, Ebergeruch und Fettsäurenmuster im Rückenspeck auswirken. Als Kontrollgruppe wurden Eber und Kastraten untersucht.
Der Versuch wurde in Zusammenarbeit mit der LMU, der Univ. Hohenheim und dem MRI in Kulmbach durchgeführt.

Umsetzung eines Konzepts zur Verbesserung der Datengrundlage bei den Mutterrassen

Durch die Erfassung der aus der Herdbuchzucht in die Ferkelerzeugerstufe ausgelieferten Jungsauen mittels ihrer Abstammungsnummern konnte die Datengrundlage für die Zuchtwertschätzung der Mutterrassen in Bayern deutlich erweitert werden.
Abbildung 1: Anzahl der aus EGZH-Betrieben stammenden Sauen mit Fruchtbarkeitsleistungen in FerkelerzeugerbetriebenZoombild vorhanden

Abbildung 1

In der Spitze konnten über diesen Erfassungsweg jährlich etwa 12.000 Sauen zusätzlich zum Herdbuch für die Zuchtwertschätzung auf Fruchtbarkeit mit erfasst und ausgewertet werden. Der Rückgang für den Geburtsjahrgang 2014 ergibt sich aufgrund des Rückganges des Sauenbestandes in Bayern.

Stand der Basiszucht bei Mutterrassen

Aufgrund von Bestandsveränderungen im bisherigen Reservebetrieb für die Deutsche Landrasse wurden zwei weitere Betriebe zur Erzeugung von Ebern unter Ver-trag genommen. Sie dienen als weitere Reservebetriebe, falls es zu hygienischen Problemen in der bisherigen Basiszucht kommen sollte. Aktuell sind von den 30 Spitzenebern der bayerischen Landrasse alle aus der Basiszucht. Dies verdeutlicht den nachhaltigen Erfolg der Basiszucht in Bayern.
Beim Edelschwein wurde ein weiterer Eberaufzuchtbetrieb eingebunden. Um die Variabilität in der Edelschweinzucht weiter zu verbessern, wurden wiederum Eber aus der Schweiz angekauft. Aufgrund der dort verwendeten Genomischen Selektion verspricht man sich eine Intensivierung des Zuchtfortschrittes.

Erfassung der Wurfhomogenität und Verhaltensmerkmale über den LKV-Sauenplaner

Vorerhebungen in den bayerischen Fleischerzeugerringen zur Wurfhomogenität beim Absetzen der Ferkel zeigten die Problematik einer subjektiven Beschreibung zu diesem Zeitpunkt auf. Ab 2016 wird daher die Wurfhomogenität zum Geburtszeitpunkt erhoben. Hierbei wird der Anteil der Ferkel unter 1 kg Geburtsgewicht erfasst. Dies soll insbesondere auch als Merkmal für „paternale Wurfhomogenität“ der Rasse Piétrain dienen.
Die Vorerhebungen zum Verhalten der Sauen gegenüber Menschen, Artgenossen und ihren Ferkeln in den bayerischen Fleischerzeugerringen führte zur Erfassung des Verhaltens als Abgangsursache im Sauenplaner des LKV Bayern. Der Start dieser Datenerfassung wird aber noch hinausgeschoben, da eine bundeseinheitliche Definition der Abgangsursachen erarbeitet wird und das LKV Bayern im Jahr 2017 einen neuen Sauenplaner einführen wird.
Durch die im Rahmen eines Projektes im ökologischen Landbau (ÖkoSauMüt) durchgeführte Erfassung verschiedener Verhaltensausformungen erhofft man sich, eine verbesserte Rückmeldung zum Verhalten von Sauen zu erhalten.

Länderübergreifende Feldprüfung von Besamungsebern in Praxisbetrieben

Um die Möglichkeit einer zumindest teilweisen Prüfung künftiger Besamungseber im Feld zu eruieren, wurde in Kooperation mit der TLL Thüringen in einem dortigen Betrieb seit Sommer 2013 die gleichzeitige Feldprüfung von in der Prüfung befindlichen Ebern der Station Neustadt/Aisch eingeleitet und 2016 mit der Erfassung der Merkmale beendet.
Die Auswertungen zeigen hohe Korrelationen zwischen den parallel in Feld- und Stationsprüfung erhobenen Merkmalen mit Ausnahme des Merkmals Fleischmaß. Dies belegt, dass Stationsergebnisse in hohem Maße in die Praxis übertragen werden können. Gleichzeitig lässt sich jedoch die Futterverwertung als wesentlich ökonomisch und ökologisch relevantes Merkmal nur unter Stationsbedingungen züchterisch bearbeiten. Dies trifft in ähnlicher Weise für die Fleischqualitätskriterien zu. Der Versuch zeigt aber auch, dass selbst in den vorteilhaften Betriebsstrukturen Mitteldeutschlands die Organisation einer Feldprüfung mit großen Herausforderungen verbunden ist.

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Über 200.000 Schweine an der Leistungsprüfungsanstalt in Grub geprüft

Im Jahr 1956 ging die damalige Mastprüfanstalt für Schweine in Grub in Betrieb. An über 200.000 Prüftieren wurden seitdem Merkmale zur Mast- und Schlachtleistung und insbesondere zur Fleischqualität ermittelt. Die stationäre Leistungsprüfung stellt somit eine der wichtigsten Säulen zur Verbesserung dieser Merkmale und somit zur Stärkung der bayerischen Schweineproduktion dar. Mehr