Forschungs- und Innovationsprojekt
Feldprüfung Eber

Kennzeichnung der Ferkel im Stall der ATG Behrungen

Kennzeichnung der Ferkel im Stall der ATG Behrungen

Länderübergreifende Prüfung von KB-Ebern in Praxisbetrieben

In diesem länderübergreifenden Forschungsprojekt der Landesanstalten für Landwirtschaft aus Thüringen (TLL) und Bayern (LfL) soll untersucht werden, ob und wie zusätzlich zur Stationsprüfung ein einwandfrei funktionierendes System der Feldprüfung von Besamungsebern eingerichtet und unterhalten werden kann.

Motivation

In Deutschland werden verschiedene Formen für die Prüfung von Endproduktebern genutzt. In Bayern, das mit zwei Leistungsprüfanstalten über ausreichende Prüfkapazitäten verfügt, werden Kreuzungsnachkommen von Piétrain-Besamungsebern auf Station geprüft. Es wird eine Vielzahl von Merkmalen (Mastleistung, Schlachtkörperwert, Fleischqualität) erfasst, allerdings werden lediglich 12 bis 16 Nachkommen je Eber geprüft. In anderen Bundesländern wurden, begünstigt durch vorteilhafte Betriebsgrößen, eine günstige Struktur der Schlachtstätten und forciert durch Einschränkungen der Stationskapazitäten, Verfahren einer gelenkten Feldprüfung etabliert. Dabei ist die Anzahl der erfassten Merkmale stark eingeschränkt, aber es sind deutlich höhere Nachkommenzahlen (z.T. mehr als 100) als in der Stationsprüfung möglich. Erfahrungen aus Bayern und auch aus anderen Ländern zeigen, wie schwierig es ist, ein System der Feldprüfung einzurichten und zu unterhalten. In Thüringen existierte ein solches System bereits seit mehreren Jahren. Daher sollte die bestehende Infrastruktur für dieses gemeinsame Projekt genutzt werden.
Über die Projektlaufzeit sollten insgesamt 150 Eber in der Feldprüfung eingesetzt werden. Zu den wichtigsten Fragestellungen gehörte, wie gut und vollständig die wichtigsten Merkmale der Mast- und Schlachtleistung unter Produktionsbedingungen erfasst werden können. Aus der Schätzung genetischer Korrelationen zwischen den jeweiligen Merkmalen der Stationsprüfung und der Feldprüfung sollte abgeleitet werden, in wie weit die Sicherheiten der geschätzten Zuchtwerte erhöht werden können. Zudem sollten die Erbfehlerhäufigkeiten mit den entsprechenden Werten aus den in Bayern verwendeten Erfassungssystemen verglichen werden.

Planung und Ablauf des Vorhabens

An dem Projekt waren die Agrar- und Tierzuchtgenossenschaft „Grabfeld“ e.G. Behrungen (ATG), der Besamungsverein Neustadt/Aisch (BVN), das Referat Tierhaltung der TLL, der Thüringer Schweinekontroll- und Beratungsring (SKBR) des Thüringer Verbands für Leistungs- und Qualitätsprüfungen in der Tierzucht e.V. (TVL) sowie das Institut für Tierzucht der LfL beteiligt. Der in der Nähe der bayerischen Landesgrenze gelegene Betrieb, der zu Versuchsbeginn etwa 400 Kreuzungssauen aus dem Zuchtprogramm des Mitteldeutschen Schweinezuchtverbands hielt, stimmte mit dem BVN Zeitpunkt und Umfang des Einsatzes von Prüfebern ab. Von jedem Eber sollten mindestens 20 Nachkommen aus mindestens fünf Würfen in die Auswertung eingehen. Mitarbeiter des Betriebs kennzeichneten alle Ferkel der Prüfeberwürfe. Bei der in diesem Zusammenhang anfallenden Erfassung der Daten wurde der Betrieb vom SKBR betreut. Die Datenerfassung an den Schlachthöfen Altenburg und Schmalkalden erfolgte mit Unterstützung von Mitarbeitern der TLL; die Schlachthöfe stellten das Klassifizierungsprotokoll zur Verfügung. Die Erstellung der Datenbanken sowie die Weiterverarbeitung der Daten übernahm das Referat Tierhaltung der TLL. Die Fragestellungen des Projekts, in denen es um die Schätzung von Populationsparametern ging, wurden vom Institut für Tierzucht der LfL bearbeitet.
Der auf den Produktionsrhythmus des Betriebs abgestimmte Einsatz der Eber wurde kurz nach dem Projektbeginn (01.07.2012) geplant, so dass am 01.01.2013 mit der Kennzeichnung der Nachkommen begonnen werden konnte. Die Ferkel der letzten Anpaarungsgruppe wurden im Februar 2016 geboren und im August 2016 geschlachtet. Insgesamt 137 Eber des BVN wurden an Hybridsauen des Thüringer Betriebes angepaart, um sie der Kombinationseignungsprüfung in Thüringen zu unterziehen. Dafür wurden 12.648 Tiere gekennzeichnet, d.h. im Durchschnitt 92 ± 33 Tiere. Von 7.378 Masthybriden konnte die Mast- und Schlachtleistung erfasst werden, d.h. 54 ± 25 Tiere je Vatertier, die mittlere Ausbeute betrug damit 59 Prozent der gekennzeichneten Tiere.
Von den geprüften Vatertieren wurden insgesamt 1.335 Würfe mit 18.198 geborenen Ferkeln bzw. 15.908 lebend geborenen Ferkeln auf Anomalien geprüft, wobei im Mittel pro Vatertier 9 Würfe einbezogen wurden. Von den einbezogenen Würfen wiesen 213 Würfe Anomalien auf, d.h. 16 Prozent aller Würfe hatten mindestens 1 Ferkel mit einer Anomalie. Die mittlere Anomalienrate, bezogen auf die geborenen Ferkel betrug 1,4 Prozent.

Ergebnisse

Vergleiche waren nur innerhalb des sehr eingeschränkten Merkmalsspektrums möglich. Die Wachstumsleistungen und die Schlachtkörpergewichte waren zwischen Feld und Station sehr ähnlich, während sich im Feld grundsätzlich eine höhere Verfettung zeigte, die zu einem deutlichen Niveauunterschied im Muskelfleischanteil führte. Die genetischen Parameter zeigten zwischen Feld und Station eine gute Übereinstimmung und die genetischen Korrelationen zwischen den beiden Prüfungsformen waren überraschend hoch. Im Hinblick auf die Sicherheit der Zuchtwertschätzung profitierten die Feldmerkmale stärker von der Einbeziehung der Stationsmerkmale als umgekehrt. Auch bei der Anomalienprüfung ergaben sich recht gute Übereinstimmungen zwischen Feldergebnissen in Bayern und den im Behrunger Betrieb gewonnenen Zahlen.

Bewertung

Insgesamt ist das Forschungsvorhaben zur Feldprüfung von Ebern als wissenschaftlich sehr erfolgreich zu betrachten. Die Untersuchungen erbrachten eine Vielzahl von interessanten und wertvollen Erkenntnissen. Die Anzahl der Nachkommen mit Leistungsinformationen aus der Feldprüfung erscheint ausreichend, allerdings gab es sehr große Unterschiede zwischen Ebern. Die Leistungsunterschiede zwischen Station und Feld lagen im erwarteten Bereich. Kein System hatte grundsätzlich höhere Heritabilitäten. Auf Grund der hohen genetischen Korrelationen zwischen Feld- und Stationsmerkmalen besteht nicht die Gefahr, dass in einer Stationsprüfung die falschen Tiere selektiert werden. Die Berücksichtigung der Felddaten in einer Zuchtwertschätzung führte nur zu moderaten Änderungen der Rangierung der Eber. Im Prüfbetrieb waren mehr Würfe von Anomalien betroffen als im bayerischen Erfassungssystem, aber es wurden weniger Anomalien je Wurf beobachtet.
Eine Feldprüfung kann eine sinnvolle Ergänzung der Stationsprüfung sein, sie wird aber unter den gegenwärtigen bayerischen Strukturen von Ferkelerzeugung, Mast und Schlachthöfen nur schwer zu organisieren sein und das eingeschränkte Merkmalsspektrum bleibt bis auf weiteres ein Problem. In zukünftigen Systemen der Feldprüfung müsste vor allem die Zusammenarbeit mit einer ausreichenden Anzahl an Ferkelerzeugern und Mästern dauerhaft gewährleistet sein. Vermarktungswege müssen konstant sein und Schlachthöfe müssen kooperieren. Im Idealfall nutzen die Prüfbetriebe Sauengenetik aus demselben Zuchtprogramm, und alle Tiere werden genotypisiert.
Ausgewählte Veröffentlichungen
  • Dodenhoff, J., Müller, S., Neues, B. (2015): Länderübergreifende Prüfung von KB-Ebern in Praxisbetrieben. Zuchtwahl und Besamung: 2015/173
  • Dodenhoff, J., Dahinten, G. (2016): Die Stationsprüfung bleibt wichtig. BLW: 19
Projektinformation
Projektleitung: Dr. Jörg Dodenhoff (LfL-ITZ), Dr. Simone Müller (TLL)
Projektbearbeiter: Dr. S. Müller (TLL), K. Kallenbach (TLL), B. Lesch (TLL), B. Neues (SKBR), H. Giring (SKBR), G. Dahinten (LfL-ITZ), Dr. J. Dodenhoff (LfL-ITZ)
Laufzeit: 01.7.2012 bis 31.08.2016
Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Besamungsverein Neustadt/Aisch
Projektpartner: LfL- Institut für Tierzucht, Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft (TLL), Besamungsverein Neustadt/Aisch (BVN), Schweinekontroll- und Beratungsring (SKBR), Mitteldeutscher Schweinezuchtverband (MSZV)
Förderkennzeichen/Fördernummer: A/12/28