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Leutstettener Pferd
Deckhengst "Hajtàs", 381817901791 , Eigentümer: Dr. H. Enz, Kienhöfe
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Deckhengst "Hajtás" im Sulky, Fahrerin.: Julia Enz, Kienhöfe
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Junghengste im Freilauf
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Stutenherde in Leutstetten
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Fotos: Ramona Dünisch
Das Leutstettener Pferd ist eine eigenständige Rasse mit einzigartiger Zuchtgeschichte und Entwicklung. Es handelt sich um eine Halbblutrasse, die seit ihrer Entstehung nach Leistungsgesichtspunkten selektiert wurde. Das königlich bayerische Gut Sárvár in Westungarn kann als Stammgestüt angesehen werden. Die 1875 durch Erbschaft in wittelsbacher Besitz übergegangene Herrschaft Sárvár verfügte über eine wohlorganisierte Pferdezucht, deren Stutbuchführung sich bis ins Jahr 1816 lückenlos zurückverfolgen lässt. Die Erbin des Erzherzogs Ferdinand von Modena-Este war Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Therese von Bayern, die spätere Königin Therese von Bayern an der Seite ihres Gatten König Ludwig III. von Bayern. SKH Prinz Ludwig von Bayern übernahm als Enkel des letzten bayerischen Königs das Gestüt von seinem Vater Prinz Franz und rettete bei Ende des II. Weltkriegs das Gestüt vor dem Zugriff der russischen Besatzer auf die Wittelsbacher Besitzung Leutstetten am Starnberger See. Daher die heutige gültige Rassebezeichnung Leutstettener Pferd.
Besonderheiten der Rasse
Das Leutstettener Pferd als Rasse zeichnet sich durch große Einheitlichkeit in Typ, Farbe (Braune in allen Schattierungen mit spärlichen weißen Abzeichen) und Charaktereigenschaften aus. Im Zuchtziel wird eine mittlere Größe um 160 cm Stm. angestrebt. Es wird ein elegantes Reitpferdemodell mit guter Rittigkeit, Gangveranlagung und sensiblem, zuverlässigem Temperament gezüchtet. Auch bei Veredlung mit Engl. Vollblut, Shagya Araber, Angloaraber oder engverwandten Furioso-North Star Hengsten geht der einheitliche Leutstettener Typ nicht verloren (nur diese Rassen sind aufgrund der Zuchtgeschichte der Rasse als Veredler zugelassen). Der konsolidierte Genotyp und die konsequente Selektion im Stammgestüt Leutstetten bringen den homogenen Phänotyp hervor.
Zuchtgeschichte
Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit dem systematischen Aufbau einer konsolidierten Mutterstutenherde begonnen wurde, kristallisierten sich die Nachkommen zweier Stuten "HELENA" und "BOGAR" als die leistungsfähigsten heraus und begründeten die Stutenfamilien. Jedes Leutstettener Pferd lässt sich lückenlos auf diese beiden Stammstuten zurückverfolgen. Ab 1830 war das Halbblutgestüt Sárvár hinsichtlich seines Mutterstutenbestandes völlig unabhängig. Auf der väterlichen Seite unterlag die Zucht zunächst unterschiedlichen Strömungen, die auf die wechselnden Anforderungen in der Pferdezucht zurückzuführen sind. Bis 1852 wurden fast ausschließlich Hengste der Noniusrasse verwendet. Von 1853 – 1863 wählte man starke Araber Hengste des Shagya-Stammes, laut Gestütsprotokoll hatte kein Hengst weniger als 168 cm Bdm. (ca. 158 cm Stm.), um Adel und Härte zu verbessern. Ab dem Jahre 1864 kamen zunehmend Hengste englicher Vollblutlinien zum Einsatz, aus deren Paarungen Halbbluthengste aus eigenen Mutterlinien rekrutiert wurden. Besonders bewährten sich die Hengste "FURIOSOxx" und "NORTH STARxx" die in Ungarn eine gleichnahmige Rasse begründeten. Richtungsweisend diesbezüglich war das K. u. K. Gestüt Mezöhegyes, und es fand ein stetiger Austausch an Zuchtmaterial statt. Dennoch bewahrte sich Sárvár als königlich bayerisches Privatgestüt durchgängig den eigenen, heute noch erkennbaren Typ über seine konsolidierte Mutterstutenherde, die spezifische Leistungsprüfung und den erhöhten Anteil an englischem Vollblut.
Ende 2005 wurde von SKH Prinz Luitpold v. Bayern und seiner Familie der Entschluß gefasst die Pferdezucht im Gestüt Leutstetten aufzugeben. Um die Rasse, die eine einzigartige genetisch wertvolle Population darstellt, zu erhalten, wurden die Zuchtstuten an interessierte Privatpersonen verkauft. Diese haben sich im Freundeskreis des Leutstettener Pferdes zusammen geschlossen und versuchen mit viel Engagement die Population dieser Rasse zu erhalten. Zur Zeit sind 12 Stuten im aktiven Zuchteinsatz. In Zusammenarbeit mit der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Wien wurde eine Genreserve in Form von Tiefgefriersperma angelegt. Es lagern dort jeweils etwa 50 TG-Portionen der Hengste "Hajtás I" und "Intö". Des weiteren bemüht sich Herr Dr. med. vet Budik darum, eine möglichst umfangreiche TG-Genreserve von reinblütigen Hengsten der Furioso-North-Star-Populationen Osteuropas anzulegen (aktuell etwa von 8 Hengsten) und auszuweiten, da viele dieser Hengste bereits sehr alt sind und die reinblütige Fortführung der Zucht in Osteuropäischen Ländern durch die veränderte politische Lange stark gefährdet ist. Diese Aktivitäten liegen ausschließlich in privater Hand. Das Orginal Leutstettener Pferd gewinnt auch für diese Länder zunehmend an Bedeutung als genetischer Pool, da die traditionellen Rassen der osteuropäischen Länder aus kommerziellen Interessen stark durch Einkreuzung bedroht sind. Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e. V. (GEH) hat das Leutstettener Pferd zum Pferd des Jahres 2004 ernannt. Weitere Informationen unter:
http://www.leutstettener.de
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Verbreitung und Verwendungszweck der Rasse
Sárvár belieferte in den Jahren 1895 – 1903 sowohl private Zuchtbetriebe als auch führende Staatsgestüte mit Junghengsten für den Zuchteinsatz. Sie gingen in die ganze Welt: Bayern, Österreich-Ungarn, Kroatien, Bulgarien, Argentinien und Japan. Im Münchner Marstall taten die Pferde Dienst als Reit- und Wagenpferde. Dabei bewährten sie sich besonders durch ihre Belastbarkeit und Charakterfestigkeit. Zahlreiche Sárvárer Pferde machten sich als sogenannte "Preisreitpferde", heute würde man von Turnierpferden sprechen, im aufstrebenden Offiziersreitsport einen Namen und erfreuten sich als Privatpferde großer Beliebtheit.
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Leistungen
Als interessante Information ist historischen Quellen zu entnehmen, dass ein gewisser Herr Mühldorfer in Simbach, Bayern, die Sárvárer Stute "Csin" kaufte und aus ihr mit Traberhengsten immerhin vier Trabrennsieger züchtete. Aus dieser Tradition heraus definiert sich auch die moderne Bestimmung des Leutstettener Pferdes. Genetisch unverändert, mit guter Gangqualität, Ausdauer und Härte ausgestattet, eignet sich die Rasse sehr gut für den Vielseitigkeitssport, Dressur, Springen, im leichten Zug und für den gehobenen Freizeitreitsport. Gemessen an der Kopfzahl der Population gelingt es der Zucht immer wieder überproportional viele Hochleistungspferde hervorzubringen: z.B. Dressurpferd "LÁTOGATÒ" erfolgreich bis Klasse S mit 120 Siegen und Platzierungen unter den ersten drei Rangierungen. Vielseitigkeitspferd "Hajra" (Rufname "CINCERELLA") erfolgreich bis Klasse M in Springen und Military.
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Staatliche Förderung
Die Anerkennung der Rasse "Leutstettener Pferd" als gefährdete Pferderasse (Erhaltungspopulation) ist beantragt.
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Juli 2008
Ulrich Geuder, Julia Enz
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Institut für Tierzucht
Tel.: 089/99141-100 • Fax: 089/99141-199
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