Parasitenmonitoring Pfrentschweiher mit besonderem Schwerpunkt auf Fascioloides magna – Empfehlungen zur Gehegegestaltung Prophylaxe und Bekämpfung (FoVo A/13/05)
von Kerstin Tautenhahn, ITZ Grub & Helmut Bamler, LVFZ

2013 wurde das Forschungsvorhaben A/13/05 „Erfassung des Endoparasitenbefalls von Gehegewild im Lehr-, Versuchs- und Forschungsgehege Pfrentsch mit besonderem Schwerpunkt auf den neu aufgetretenen Riesenleberegel Fascioloides magna und Erarbeitung von Empfehlungen zur Prophylaxe und Bekämpfung des Parasitenbefalls in der landwirtschaftlichen Gehegewildhaltung allgemein und spezifisch für das Lehr- und Versuchsgehege Pfrentsch“ beantragt und genehmigt.

Für den Standort Pfrentschweiher war es außerdem noch ein wichtiges Ziel, durch Gehegegestaltung und Maßnahmen zur Verbesserung der Weidehygiene langfristig auf den Einsatz von Anthelminthika verzichten zu können und so mittelfristig den Status „ähnlich frei lebendes Wild“ zurück zu erhalten.

1 Hintergrund und Ziel des Projektes

1.1 Ausgangssituation: Diagnose Amerikanischer Leberegel

Das Lehr-, Versuchs- und Demonstrationsgehege Pfrentschweiher besteht in seinen Anfängen seit 2004. Es ist als Lehrgehege für landwirtschaftliche Wildhalter und zu Forschungszwecken und Praxiserprobungen im Bereich der Wildhaltung gegründet worden.
Im Gehege Pfrentschweiher wird auf insgesamt 44 ha Fläche Rot-, Dam- und Sikawild gehalten. Auf Grund der Größe der Gehegegestaltung und des extensiven Besatzes ist das Gehege für die Einstufung „ähnlich frei lebend“ absolut geeignet. Die naturnahe Gestaltung, mit entsprechenden Gehegegrößen, Waldflächen, Sichtschutz, Wasserflächen und Suhlen, bietet dem Wild einen naturnahen, artgemäßen Lebensraum.
Das Gehege ist von Anfang an in Einzelgehege unterteilt worden, von denen jedes als ein in sich geschlossenes Gehege mit ganzjähriger Standweide betrieben wurde. Die Wasserversorgung erfolgt durch den aus Tschechien kommenden Rehlingsbach.
Im Jahr 2007 fiel den Jägern der angrenzenden Reviere, darunter der für dieses Gebiet zuständige amtliche Tierarzt, der auch das Gehege Pfrentschweiher betreute, Veränderungen an den Lebern verschiedener Wildspezies auf, die auf einen zuvor nicht bekannten Parasiten zurückzuführen waren (PLÖTZ 2015). Diese zunächst nur sporadischen Fälle häuften sich allmählich und schließlich wurden Ende 2009 auch bei erlegten Rot-, Dam- und Sikawild im Gehege entsprechende Leberveränderungen festgestellt. Der betreuende Tierarzt des Geheges Pfrentsch diagnostizierte bereits damals einen Befall mit dem Amerikanischen Riesenlebergel, Fascioloides magna. Zum damaligen Zeitpunkt handelte es sich um den ersten vermuteten Nachweis dieser Art in Deutschland. Daraufhin wurden im Gehege Pfrentsch Entwurmungsmaßnahmen hinsichtlich der gestellten Diagnose F. magna durch den betreuenden Tierarzt mit den Wirkstoffen Triclabendazol und Oxyclozanind über das Futter durchgeführt. Diese waren aber rückblickend betrachtet bezüglich Dauer und Menge unzureichend. Entwurmungsmaßnahmen wurden bis zu diesem Zeitpunkt im Gehege Pfrentschweiher grundsätzlich nicht durchgeführt, um den Status „ähnlich frei lebendes“ Wild nicht zu gefährden.

Grundkonzeption des Wildgeheges in Pfrentsch mit 4 jeweils als Standweide

1.2 Feststellung der Befallsintensität und Maßnahmenvorschläge durch die LMU 2012-2013

Bei der Abschusssaison Herbst 2011 wiesen erneut eine Vielzahl von Lebern Veränderungen auf, woraufhin zwischen November 2011 und Februar 2012 umfangreiche Untersuchungen im Gehege und den angrenzenden Revieren durchgeführt wurden. Federführend war dabei der Lehrstuhl für Vergleichende Tropenmedizin und Parasitologie der LMU München, Prof. Dr. Pfister in Zusammenarbeit mit dem Kathrinenhof Research Center der Merial GmbH in Rohrdorf, Dr. Dr. Steffen Rehbein. Hierbei wurde das erstmalige Auftreten von F. magna in Deutschland endgültig bestätigt.
Tabelle 1: Sektionsergebnisse Lebern Gehege Pfrentsch 30.11.2011 – 15.01.2012. ( (1):Ein Schmaltier, fünf Alttiere. (2): ein Spießer, Quelle: Vortrag Dr. Rehbein, MERIAL)
Anzahl untersuchter Lebern F. magna – Befall absolut F. magna – in % Anzahl gefundener adulter Leberegel pro Leber
Rotwild-Kälber 8 3 37,5 % 1 - 2
Rotwild > 1 Jahr (1) 6 5 83,3 % 1 - 22
Damwild > 1 Jahr (2) 1 0 - -
Aufgrund des hohen Befallsdrucks, der durch diese Untersuchungen nachgewiesen wurde, erfolgte im März 2012 eine Entwurmung mit Triclabendazol (Fasinex®, Novartis) über eine Dauer von 5 Tagen mit täglich 10 mg Triclabendazol je kg Körpergewicht. Hierfür wurde das Medikament in Gerste als Ganzgetreide (ca. 400 g pro Tier) eingemischt und täglich in jedem Einzelgehege auf mehreren erhöhten Futtertrögen über den Behandlungszeitraum vorgelegt.
In der folgenden Abschusssaison November 2012 bis Januar 2013 wurden im Gehege 28 Tiere geschossen und hinsichtlich ihres Leberegelbefalls von der LMU untersucht. Die Ergebnisse wurden durch die Dissertation „Erhebungen zum Nachweis des Großen Amerikanischen Leberegels F. magna bei Gehegewild in der nordöstlichen Oberpfalz, sowie zum Befall mit weiteren Endoparasiten“ von Dr.Cornelia Alexandra PLÖTZ (2015) dokumentiert und analysiert. Von 28 untersuchten Lebern waren sechs Lebern als F. magna positiv eingestuft. Eine geringgradig, drei mittelgradig (mit insgesamt 7 adulten Leberegeln) und zwei hochgradig (mit insgesamt 5 adulten Leberegeln). Die befallenen Lebern stammten mit einer Ausnahme von Rotwild, eine hochgradig befallene Leber stammte von einem Sikawild, dass stark mit Haarlingen befallen war. Die zusätzliche Auswertung der Ergebnisse der monatlichen Losungsuntersuchungen machte deutlich, dass es durch die Entwurmung im März 2012 nicht zu einer Beendigung des Infektionsgeschehens im Gehege kam, da danach weiterhin und mit ansteigender Tendenz F. magna Eier im Kot der Tiere nachweisbar waren (PLÖTZ 2015).

Ursachen sah PLÖTZ (2015) besonders in folgenden Punkten:

  • Durch Anthelmintika kann die Parasitenlast eines Wirtes nicht immer vollkommen eliminiert werden.
  • Durch die Etablierung von F. magna im Gehege ist, auch nach erfolgreicher Entwurmung, eine Reinfektion durch vorhandene Larvenstadien im Gehege möglich.
PLÖTZ (2015) stellte in der Arbeit weiterhin fest, dass sich F. magna im Gehege etabliert hat. Daher schlug PLÖTZ (2015) folgende zukünftige Bekämpfungsmaßnahmen vor, die sich auch mit den allgemeinen Empfehlungen der Leberegelbekämpfung (DÖRFLER 1978, S. 273; ZETTL ET AL. 1994, S. 213;WINKELMANN 1995, S. 95, WINKELMANN UND GANTER 2008, S. 78) decken:
  • Begleitung des Einsatzes von Anthelminthika durch weidehygienische Maßnahmen;
  • Weiderotation statt ganzjähriger Standweide;
  • Großzügiges Auszäunen der Bachläufe und vernässten Flächen;
  • Mittelfristiges Monitoring des Parasitenbefalls im Gehege Pfrentsch.
WINKELMANN (1995) sowie WINKELMANN UND GANTER (2008) empfehlen ergänzend zu den oben genannten Maßnahmen den Einsatz von Enten zur Reduzierung der Zwergschlammschnecken. Auch dieser Ansatz wurde im Rahmen des Projektes geprüft.

1.3 Forschungsvorhaben (A/13/05) zur weiteren Befallsfeststellung und Erprobung geeigneter Bekämpfungsmaßnahmen für die Praxis

2013 wurde das Forschungsvorhaben A/13/05 „Erfassung des Endoparasitenbefalls von Gehegewild im Lehr-, Versuchs- und Forschungsgehege Pfrentsch mit besonderem Schwerpunkt auf den neu aufgetretenen Riesenleberegel Fascioloides magna und Erarbeitung von Empfehlungen zur Prophylaxe und Bekämpfung des Parasitenbefalls in der landwirtschaftlichen Gehegewildhaltung allgemein und spezifisch für das Lehr- und Versuchsgehege Pfrentsch“ beantragt und genehmigt.

Zentrale Ziele des Projektes:

  • Ermittlung des qualitativen und quantitativen Vorkommens des amerikanischen Riesenleberegels F. magna im LVFZ Pfrentsch
  • Untersuchung der damit einhergehenden Parasiten
  • Erarbeitung eines langfristigen Bekämpfungs- und Prophylaxeplans
  • Erstellung von Beratungshilfen für die Gehegewildhaltung in Bayern
Für den Standort Pfrentschweiher war es außerdem noch ein wichtiges Ziel, durch Gehegegestaltung und Maßnahmen zur Verbesserung der Weidehygiene langfristig auf den Einsatz von Anthelminthika verzichten zu können und so mittelfristig den Status „ähnlich frei lebendes Wild“ zurück zu erhalten.
  • Projektleitung: LVFZ Almesbach - Helmut Konrad, Helmut Bamler
  • Projektbeteiligte:
    • Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Tierzucht, AG Schafe, Prof. Dürrwaechter Platz 1, 85586 Poing-Grub Ansprechpartner: Dr. Christian Mendel (Tel.: 089/99141-120); Kerstin Tautenhahn (089/99141-121)
    • Lehrstuhl für Vergleichende Tropenmedizin und Parasitologie, Tierärztl. Fakultät, LMU München; Leopoldstraße 5, 80802 München Ansprechpartner: Prof. Dr. Kurt Pfister, Dr. Miriam Scheuerle (Tel.: 089/2180-3622)
    • Merial GmbH, Research Center Katharinenhof, Walchenseestraße 8-12, 83101 Rohrdorf Ansprechpartner: PD Dr. Dr. habil. Steffen Rehbein (Tel.: 08032/7075-0)
    • Landesverband Bayerischer landwirtschaftlicher Wildhalter e.V., Max-Joseph-Straße 9, 80333 München Ansprechpartner: Josef Wasensteiner (Tel.: 089/55873-108)
    • Staatliches Veterinäramt Neustadt/Waldnaab, Landratsamt Neustadt a.d. Waldnaab, Maistr. 7 - 9, 92637, Weiden i. d. OPf., Dr. Ulrich Gelfert (Tel.: 09602/797010)
    • Dr. Hubert Reindl, Schießtrath 12, 92709 Moosbach, (Tel.: 09656/914822)
  • Projektmittel: 34.350 €
  • Projektlaufzeit: (01.03.2013 – 30.09.2014)
Laut Genehmigung des StMELF vom 31.01.2013 war die Durchführung der Befallsfeststellung in enger Kooperation mit dem Lehrstuhl für Vergleichende Tropenmedizin und Parasitologie, Prof. Dr. Kurt Pfister sowie einer einzustellenden Doktorandin geplant. Jedoch war die Leitung des Lehrstuhls zwischenzeitlich verwaist und konnte auch nicht mehr zeitnah besetzt werden. Aus diesem Grunde konnte kein(e) Doktorand(in) angestellt werden. Hinzu kam, dass die bisherige direkte Ansprechpartnerin am Lehrstuhl, Frau Dr. Miriam Scheuerle, die das bisherige Monitoring wesentlich begleitete, ebenfalls ihr Tätigkeitsfeld wechselte.
Da der noch immer vorhandene Leberegelbefall keinen Zeitverzug erlaubte, wurden die entsprechenden Proben schließlich vom Personal des LVFZ Almesbach selbst genommen, von der LMU untersucht, und das Ergebnis durch Kerstin Tautenhahn, ITZ, und Helmut Bamler, LVFZ Almesbach, ausgewertet. Aus diesen Daten und verschiedener praktischen Maßnahmen im Gehege Pfrentsch wurden schließlich Praxisempfehlungen erarbeitet.

2 Vorstellung der untersuchten Parasiten

2.1 Fascioloides magna

Der Riesenleberegel F. magna wurde im 19. Jh. beim Import von Wild aus Nordamerika nach Mitteleuropa eingeschleppt und verbreitete sich im Osten Europas vor allem im Gebiet
der ehemaligen Tschechoslowakei (ERHARDOVÁ-KOTRALÁ & KOTRLÝ 1968). Seit den 1980/90 Jahren wird eine Ausbreitung von F. magna nach Ungarn, Österreich, Serbien und Kroatien festgestellt (FALTÝNKOVÁ ET AL. 2006; HAIDER ET AL. 2012; JANICKI ET AL.2005; KRALOVA-HROMADOVA ET AL. 2011; REHBEIN & VISSER 2007). Tschechische Forscher prognostizierten bereits 2007 die Ausbreitung über die Grenzgebiete im Bayerischen Wald und der Oberpfalz nach Deutschland (NOVOBILSKY ET AL. 2007). Erstmalige, belegte Befallsmeldungen aus dem Oberpfälzer Wald, Gemeinde Eslarn, Pfrentschweihergebiet im Dezember 2011 haben diese früheren Aussagen nun belegt.

adulter F. magna

Lebenszyklus von F. magna zitiert nach PLÖTZ 2015:
Der Lebenszyklus von F. magna (vgl. Abbildung 3) weist Ähnlichkeiten mit dem von F. hepatica auf. Er schließt diverse Wirbeltier-Spezies als Endwirte und Schnecken der Familie Lymnaeidae (Schlammschnecken) als Zwischenwirte ein, ist aber durch eine unterschiedliche Pathogenese in den verschiedenen Endwirten gekennzeichnet (URSPRUNG ET AL. 2006). Der hier dargestellte, komplexe Zyklus wurde von ERHARDOVÁ-KOTRLÁ (1971) sehr detailliert beschrieben und von PYBUS (2001) sowie ŠPAKULOVÁ ET AL. (2003) neu aufgearbeitet. Endwirte infizieren sich durch die orale Aufnahme von Metazerkarien, die an ufernaher Vegetation und schwimmenden Pflanzenteilen haften, oder sich als sogenannte Schwimmzysten im Wasser befinden (PYBUS 2001). Nachdem sie im Verdauungstrakt zum Schlupf angeregt werden, penetrieren die juvenilen Egel die Wand des Dünndarms, gelangen in die Peritonealhöhle und erreichen nach Durchdringen der Glisson´schen Kapsel schließlich das Leberparenchym. Selten wandern die Egel auch in andere Organe, meistens in die Lungen, wo sie aber nicht zur Geschlechtsreife gelangen, sondern
bald absterben. Der weitere Verlauf der Infektion hängt stark von der Endwirtspezies ab. In spezifischen Endwirten wandern die jungen Egel so lange im Lebergewebe, bis sie einen Partner zur Fortpflanzung finden, was gegebenenfalls bis zu einem Jahr dauern kann. Sie erreichen die Geschlechtsreife mit drei bis sechs Monaten, sind zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht vollständig ausgewachsen. Als Reaktion auf die mechanische Zerstörung des Lebergewebes wird vom Wirtsorganismus eine fibröse Kapsel gebildet, die in der Regel zwei, gelegentlich auch mehrere adulte Egel enthält. Diese werden von einer dunkelgrünen bis schwarzbräunlichen Flüssigkeit umgeben, deren Farbe von einem schwarzen Pigment herrührt, dessen Ursprung noch nicht gänzlich geklärt ist. Wahrscheinlich handelt es sich um Abbauprodukte von Bilirubin (CAMPBELL 1960). Diese sogenannten Pseudozysten stehen mit den Gallengängen in Verbindung, so dass die abgelegten Trematodeneier schließlich den Darm erreichen und mit dem Kot ausgeschieden werden. Nur wenn die Eier in Wasser oder eine ausreichend feuchte Umgebung gelangen und
optimale Temperaturen herrschen, kann die externe Entwicklung mit Bildung eines Miracidiums, der Erstlarve, stattfinden. Wird eine Temperatur von 20° C unterschritten, kommt es hierbei zu einer Verzögerung, über 34° C treten Abnormitäten oder die Unfähigkeit zum Schlupf auf (CAMPBELL 1961). Nach durchschnittlich drei bis sieben Wochen, abhängig von den Umweltbedingungen, schlüpft das mit Zilien versehene Miracidium und muss dann einen geeigneten Zwischenwirt finden, andernfalls stirbt es innerhalb von 12-15 Stunden ab (ŠPAKULOVÁ ET AL. 2003). Die Zwischenwirtsfindung gelingt zum einen durch das Vorhandensein chemischer Rezeptoren für schneckenspezifische Stoffe (Chemotaxis), zum anderen mithilfe positiver Phototaxis. Nach dem Eindringen des Miracidiums in die Schnecke findet in verschiedenen Organen des Zwischenwirtes die Umwandlung zu einer Sporozyste statt, ein Prozess, der nur acht bis zehn Stunden dauert. In jeder Sporozyste entwickeln sich 1-14 (meist vier bis sechs) Mutterredien aus Keimballen.
Diese werden nach ein bis zwei Wochen freigesetzt und wandern überwiegend in die Nieren und Fortpflanzungsorgane des Zwischenwirtes. In einer Mutterredie bilden sich vier bis neun Tochterredien, die reifen und schließlich frei werden. Jede Tochterredie wiederum entlässt 1,5 bis 2,5 Monate nach der Infektion eine bis sechs Zerkarien, die ihre Entwicklung im Hepatopankreas des Zwischenwirtes vollenden. Nach Verlassen der Schnecken schwimmen sie zunächst frei im Wasser, bis sie sich schließlich an Uferpflanzen oder an der Wasseroberfläche (Schwimmzysten) enzystieren, ihren Schwanz abstoßen und als Metazerkarien, die infektiösen Stadien von F. magna, durchschnittlich zwei bis drei Monate in der Umwelt überdauern (länger z.B. in unzureichend getrocknetem Heu). Der Zyklus beginnt erneut mit Aufnahme der Metazerkarien durch Pflanzenfresser beim Grasen oder Trinken.

2.2 Endoparasiten des Magen-Darm-Systems

Die Losungsproben wurden neben Fascioliodes magna-Eiern auch auf ausgewählte Endoparasiten des Magen-Darm-Systems - Trichostrongyliden (Dünndarm und Labmagen), Nematodirus (Dünndarm) und Trichuris (Dickdarm) - untersucht.

3 Bekämpfungsmaßnahmen im Gehege 2013/2014

Die Flächen, die optimale Lebensräume für die Zwergschlammschnecke darstellten, also Nassstellen und schlammige Bereiche, lagen im Bereich des Geheges Tegellohe. Daher wurden die nachfolgenden Maßnahmen auch hauptsächlich dort durchgeführt. Im Wesentlichen wurden dabei die Empfehlungen von PLÖTZ (2015, vgl. Kapitel 1.1) übernommen. Allerdings konnte eine Auszäunung der Bachläufe nicht durchgeführt werden, da die Grundkonzeption der Gehege, ob richtig oder falsch, an der „Lebensader“ Rehlingsbach hängt. Wird dieser Bach ausgezäunt, muss zum einen die Wasserversorgung der Tiere völlig neu organisiert werden und zum anderen die komplette Zäunung der Gehege neu aufgebaut werden. Ebenfalls müsste die Pflege des Rehlingsbachs sicher gestellt werden. Dies käme von den Kosten (annähernd) einer Neuanlage des Geheges gleich. Um die im Folgenden genannten Maßnahmen umzusetzen, wurden Mittel des Forschungsprojekts eingesetzt.

3.1 Entwurmung des gesamten Bestandes

Die von PLÖTZ (2015) bis Ende 2013 festgestellte hohe Befallsrate von F. magna in den Wildlebern machte aus Gründen des Tierschutzes den Einsatz von Anthelminthika unumgänglich. Gleichzeitig sollte aber der Status „ähnlich frei lebendes Wild“ für das Gehege in Pfrentsch erhalten werden. Die diesbezügliche Richtlinie wurde aber durch das UMS vom 18.01.2013, Az.: 44f-G8891-2012/114-3 zur Entwurmung von Wildtieren hinsichtlich Medikamenteneinsatz grundsätzlich geändert. Ein einmaliger Medikamenteneinsatz wird in der neuen Auslegung der Anforderungen für „ähnlich frei lebendes Wild“ bei vorübergehender Aussetzung dieses Status toleriert, sofern ein schlüssiges Sanierungskonzept (s. folgende Kapitel) zur dauerhaften Vermeidung eines Medikamenteneinsatzes, in diesem Falle von Anthelminthika, der zuständigen Behörde vorgelegt wird.

Die Entwurmung erfolgte 2014 in zwei Schritten:

  • ab 3. März: Cydectin® Triclamox (Wirkstoff Moxidectin 0,2 mg/kg Körpergewicht und 10 mg Triclabendazol/kg Körpergewicht) Körpergewicht je Tag mit voller Dosierung über 5 Tage;
  • ab 23. März: Douvistome® (Wirkstoff Oxyclozanid) 10 ml je 100 kg Körpergewicht/Tag über 3 Tage.
Die Verabreichung erfolgte durch Einmischen mit einem Betonmischer in Gerste als Ganzgetreide unter Zusatz von Melasse zur Verbesserung der Akzeptanz. Nach der Entwurmung wurde der Status „ähnlich frei lebend“ ausgesetzt und nach Vorlage eines Sanierungskonzepts September 2014 wieder erlangt.

3.2 Neue Gehegeunterteilung und Weiderotation

Eine Bewirtschaftung von Gehegen als ganzjährige Standweide, wie in Pfrentschweiher bis dahin praktiziert, bringt nicht nur aus parasitologischer Sicht erhebliche Nachteile mit sich: Zum einen werden die Infektionsketten der Parasiten niemals unterbrochen, zum Anderen leidet auf Dauer, durch die ständige Beweidung ohne Weideruhe mit seltener Schnittnutzung und durch das selektive Äsungsverhalten des Wildes, der Grasbestand hin sichtlich seiner qualitativen Zusammensetzung. Daher wurde der gesamte Gehegebetrieb 2014 komplett umgestellt (vgl. Abbildung 5): Aus bisher 4 Einzelgehegen (ohne das Sikagehege, es bleibt wegen der geringen Größe vorläufig ein Ein-Raum-Standgehege), wurden durch einfache Maßnahmen mit relativ geringem, neuen Zäunungsaufwand und zusätzlichen Toren zwei Gehegekomplexe (A = Schaugehege, inkl. einbezogene Gehege, B = Tegellohe, inkl. Taubenschlag) mit je drei Funktionseinheiten (1-3). Die Gehege werden im Wechsel mit Beweidung und Schnittnutzung, laut unten stehendem Plan (vgl. Abbildung 6), bewirtschaftet. Die zwischengeschaltete Schnittnutzung reduziert ebenfalls den
Parasitendruck. Der Gehegekomplex A (Schaugehege) wird als Damwild/Rotwild-Mischgehege betrieben, der Gehegekomplex B (Tegellohe) ist ausschließlich mit Rotwild belegt.

Neue Gehegeunterteilung mit 2 Gehegekomplexen mit jeweils Winter-, Setzund

Bewirtschaftungsablauf innerhalb eines Jahres für die neuen Gehegekomplexe

Die Tierzahlen wurden anhand des Lebendgewichtes in GV umgerechnet. Es ergaben sich 2014 für den Gehegekomplex A 0,9 GV/ha, für Gehegekomplex B 0,6 GV/ha und das Sikagehege 0,6 GV/ha. Der Bereich B Tist weniger belegt als Bereich A.
Einschätzung:
Die Gehegeaufteilung bringt vor allem hinsichtlich der Qualität des Aufwuchses - subjektiv beurteilt - große Vorteile durch eine qualitativ bessere Zusammensetzung des Grünlandbestandes. Dies wird erreicht durch eine gezieltere Weidepflege, z. B. durch Abmulchen des Altgrasbestandes, und zwischengeschalteter Schnittnutzung mit Weideruhe. Den Tieren wird durch das Umtriebssystem im Durchschnitt ein jüngerer, nährstoffreicherer Aufwuchs für eine bedarfsgerechtere Ernährung zur Verfügung gestellt. Die bessere Ernährung geht einher mit größerer Widerstandskraft gegen Parasiten. Aus Sicht des Infektionsdrucks bringen Weideruhe und Schnittnutzung eine Absenkung des Parasitendrucks auf der Fläche.

3.3 Weidehygienische Maßnahmen – Weidedesinfektion

Die Weidehygienemaßnahmen zielten hauptsächlich auf die Ausschaltung des Zwischenwirtes des Leberegels, der Zwergschlammschnecke, ab. Im März 2014 erfolgte, in allen nicht belegten Gehegen, der Einsatz von 14 dt/ha Branntkalk. Im Tegellohe Sommergehege (B3 in Abbildung 5) und Schaugehege (A1 in Abbildung 5) erfolgte der Einsatz von 2 dt/ha Kalkstickstoff (hier kein Branntkalk)
Einschätzung:
Das Ausbringen von Kalkstickstoff und Branntkalk auf der Fläche ist unproblematisch, jedoch kann eine wirksame Ausbringung von Branntkalk im Bachlaufbereich maschinell nicht durchgeführt werden. Gerade diese Fläche mit seinen Verlandungsbereichen stellt aber einen idealen Lebensraum für den Zwischenwirt Zwergschlammschnecke dar. In diesen Uferbereichen ist Kalkstickstoff nicht zugelassen. Zu beachten ist weiter, dass Kalkstickstoffeinsatz nur im unbelegten Gehege möglich ist und wegen der toxischen Cyanamidphase eine 3 wöchige Wartezeit vor Neubelegung mindestens einzuhalten ist.

3.4 Biologische Schneckenbekämpfung mit Enten

Am 8. August 2013 wurden 12 wildfarbene Laufenten angeschafft. Laut Tiergesundheitsdienst e.V. (Dr. Salisch) sind diese ein geeignetes biologisches Bekämpfungsmittels gegen alle Schneckenarten. Die Tiere wurden in einem Verschlag im Gehegebereich B (vgl. Abbildung 5), Teilgehege
2 untergebracht. Leider verschafften sich Beutegreifer wie Mink und Habicht Zugang zu den Enten und töteten diese.
Einschätzung:
Diese Möglichkeit scheiterte im Gehege Pfrentschweiher, weil Beutegreifer wie Mink und Habicht die Enten töteten. Da das Gehege abseits liegt, war keine permanente Aufsicht gegeben. Die Nähe zum Wald erleichterte den Beutegreifern ein unerkanntes Anschleichen. Eine Fortführung dieser Maßnahme war unter den gegebenen Umständen leider nicht möglich. Eine Aussage über die Wirksamkeit der Entenhaltung zur Reduktion der Zwergschlammschnecke kann nicht getroffen werden, da ihr Einsatz zu kurz war. Es ist jedoch weiterhin vorstellbar, dass die Enten in einem Gehege in Siedlungsnähe (mit geringerem Beutegreiferdruck) bzw. allabendlichen Eintrieb in den Stall ihre Funktion erfüllen.

3.5 Auszäunung von Nassstellen

Bereiche, die nicht trockengelegt oder kontrolliert mit Branntkalk desinfiziert werden können, stellen ein hohes Risiko in Gehegen dar, in denen der Leberegel endemisch ist. Im
Sommer wurden daher im Tegelloher Wintergehege (vgl. Abbildung 5 - B1) auf ca. 3.000 m² versumpfte Nassstellen ausgezäunt (vgl. Abbildung 8). Hierdurch sollte der Lebensraum der Zwergschlammschnecke aus dem Gehege ausgegrenzt werden und somit die Übertragung des Amerikanischen Riesenleberegels auf das Wild vermindert werden.

Auszäunung von Nassstellen.

Einschätzung:
Die ausgezäunte Fläche in der Tegellohe war in allen Gehegen, neben den Bachläufen, die einzige größere, nicht kontrollierbare Sumpf- und Nassfläche. In anderen Gehegeteilen, schlagen sich zwar die Hirsche selbst kleine Suhlen, diese sind aber relativ leicht über Branntkalkausbringungen mit Düngerstreuer zu beherrschen. Der Branntkalk sollte dabei mehrmals pro Jahr ausgebracht werden. Die Auszäunungen waren mit einem geringen Material- und Zeitaufwand verbunden. Die Zäune haben die Hirsche von den mit der Zwergschlammschnecke verseuchten Nassstellen fern gehalten und somit ihren Zweck erfüllt.

3.6 Grabenräumung Tegellohe

Im Juni 2014 erfolgte die Räumung eines Vorflutergrabens, ebenfalls im Tegelloher Sommergehege (vgl. Abbildung 5 - B3). Der Graben war seit der Anlage des Geheges nicht mehr geräumt worden und mit ca. 1,20 m Schlamm gefüllt.

geräumter Vorflutgraben im Tegelloher Sommergehege.

Einschätzung:
Die Grabenräumung des Vorfluters war dringend notwendig, weil die zunehmende Verschlammung des Grabens dem Zwischenwirt Zwergschlammschnecke einen idealen Lebensraumbot. Weiterhin hätte eine Vernachlässigung des Vorflutergrabens, in welchen zahlreiche Drainagen münden, eine weitere Versumpfung der restlichen Weidefläche in der Tegellohe zur Folge gehabt hätte. Durch diese Maßnahme wurde die Erhaltung der Qualität der Weideflächen sichergestellt.

3.7 Bachlauf- und Grabenpflege und –hygiene

Die Bachläufe wurden vor dem Belegen mit gemahlenem Branntkalk abgestreut (vgl. Abbildung 12, Abbildung 13 und hohe Grasbestände gemäht (vgl. Abbildung 11), um lokal Plätze der Metazerkarien zu vernichten.

Kalkung nach der Grabenräumung Tegellohe

Mahd des Uferbereichs

Kalkung mit Branntkalk (gemahlen)

Einschätzung:
Sowohl die Mahd der Uferböschungen als auch die Branntkalkausbringung waren mit erheblichem Arbeitsaufwand verbunden. Zudem konnten nicht alle Plätze erreicht werden. In den Verlandungszonen des Bachlaufs konnte auch mit Branntkalk nur eine oberflächliche Wirkung gegen die Zwergschlammschnecke erzielt werden, da der Branntkalk nur in den obersten Millimetern wirkt und die Schnecken darunter weiterleben können. So lässt sich feststellen, dass durch das Kalken der Flächenbefall mit Zwergschlammschnecken sicherlich verringert wurde, aber durch die stetige Neuinfektion (fließendes Bachwasser) eine entscheidende Reduktion trotz erheblichen Aufwandes vermutlich nicht zu erreichen ist. Für Gehege, die nur geringe Anteile an hygienisch schwer zu beherrschenden Flächen aufweisen, mögen solche Maßnahmen durchaus Sinn machen. Im Gehege Pfentschweiher, wo der Leberegel endemisch ist und ein von außen kommender Bachlauf das gesamte Gehege durchläuft, liegt ein ungleich höheres Infektionsrisiko vor, da die Hirsche die ständig neu angespülten Metazerkarien beim Trinken aus dem Bach aufnehmen. Für das Gehege Pfrentsch ist die Bachlauf- und Grabenhygiene somit zwar ergänzend zu den anderen Maßnahmen sicherlich notwendig, kann aber den Leberegelbefall nicht entscheidend verringern. Die Ausbringung des Branntkalkes führte trotz Atemmaske außerdem zu erheblichen Reizungen
der Schleimhäute. Die ständige Ausbringung von Branntkalk ist somit nicht nur sehr arbeitsaufwendig, sondern auch aus gesundheitlichen Aspekten nicht zu empfehlen.

4 Ermittlung des Endoparasitenbefalls mittels Kotproben

4.1 Überblick

Die 76 Proben wurden von allen drei Tierarten (Sika-, Dam-, Rotwild) in allen drei Gehegen (Sikagehege, Schaugehege, Tegellohe) nach erfolgter Entwurmung, (siehe 3.1) im Herbst 2014 genommen. Die Verteilung der Abschüsse auf die einzelnen Tierarten und Altersklassen erfolgte auf Grund des Gesundheitszustandes und der Notwendigkeit des Abschusses. Daher ist beispielsweise kein Sikawild-Alttier beprobt wurden. In den 76 Enddarmlosungen wurden 16 mal laut Befund „vereinzelte“ Trichostrongylideneier, vier Mal laut Befund „vereinzelte“ Trichuriseier, in einem Fall der Dünndarmparasit Nematodirus (laut Befund „massenhaft“) und bemerkenswerterweise keine Eier von F. magna nachgewiesen (vgl. Tabelle 3). Generell kann der Befall mit Innenparasiten nach Rücksprache mit dem Tiergesundheitsdienst e.V. als gering eingestuft werden.
Tabelle 3: Untersuchungsergebnis der 77 Enddarmlosungen (0: kein Befall, 1: Befall).
Losung Enddarm Losung Enddarm Losung Enddarm Losung Enddarm
Trichostrongyliden Trichuris Nematodirus Fascioloides magna
Anzahl Proben 77 77 77 77
Anzahl Proben mit Nachweis (1) 16 1 0
Anzahl Proben ohne Nachweis (0) 57 69 72 73
Anzahl fehlende Proben 4 4 4 4
Mittelwert aus (0) und (1) 0,22 0,05 0,01 0,00

4.2 Endoparasitenbefall der einzelnen Wildarten und Altersklassen

Tabelle 4 macht deutlich, dass kein Sikawild von den untersuchten Parasiten befallen war, allerdings war die Probenzahl hier auch gering. Auch beim Damwild war nur eine von 7 Proben positiv. Beim Rotwild wurden wesentlich mehr Proben genommen, aber auch deutlich mehr Proben mit Befund festgestellt (21 von 64).
Tabelle 4: Ermittelter Endoparasitenbefall der drei Wildarten.
Wildart Anzahl Proben Anzahl Proben
ohne Nachweis
Trichostrongyliden Trichuris Nematodirus Fascioloides
magna
Damwild 7 6 0 1 0 0
Rotwild 64 44 16 4 1 0
Sikawild 5 5 0 0 0 0
Der Parasit Trichuris kam bei Damwild prozentual gesehen etwas häufiger vor als bei Rotwild (17 % aller Proben positiv im vgl. zu 14 %. Trichostrongyliden kamen nur beim Rotwild und auch pro Probe nur in geringer Menge (Befund: „vereinzelt“) vor, allerdings in 36 % aller Rotwildproben.
Trichostrongyliden (Labmagen- und Dünndarmparasiten), Trichuris (Dickdarmparasit) und Nematodirus (Dünndarmparasit) wurden besonders bei Kälbern gefunden (vgl. Tabelle 5, Abbildung 15). Lediglich bei einem Rotwildalttier (RW Alt) im Gehege Tegellohe waren Trichostrongyliden nachzuweisen, alle anderen Alttiere wiesen keinen Befall an Magen-Darm-Parasiten auf. Wie bereits PLÖTZ (2015) feststellte, läuft hier bei gesunden älteren Tieren eine entsprechende Immunreaktion ab. Sowohl F. magna-Eier als auch Lungenwurmlarven wurden in keiner Losungsprobe aus dem Enddarm festgestellt.
Tabelle 5: Überblick über den Befall in den einzelnen Altersklassen.
Altersklasse Anzahl Proben Anzahl Proben
ohne
Nachweis
Trichostrongyliden Trichuris Nematodirus Fascioloides
magna
Kälber [absolut] 45 25 15 4 1 0
Kälber [%] 45 0,56 0,33 0,09 0,02 0,00
Schmaltiere [absolut] 13 13 0 0 0 0
Schmaltiere [%] 13 1,00 0,00 0,00 0,00 0,00
Alttiere [absolut] 18 17 1 0 0 0
Alttiere [%] 18 0,94 0,06 0,00 0,00 0,00

Befall der Altersklassen Kälber, Schmaltiere, Alttiere mit den untersuchten Endoparasiten (dargestellt als % der untersuchten Proben).

4.3 Endoparasitenbefall in den untersuchten Gehegen

Zwischen 2007 und der Parasitenuntersuchung 2014 waren die Herden jeweils fest einem Gehege zugeordnet, es fand somit kein Umtrieb zwischen den Gehegen statt. Daher ist eine Auswertung des Befalls der einzelnen Tiere je nach Gehege sinnvoll. Da ganz überwiegend nur Rotwild von den untersuchten Endoparasiten betroffen war, werden im Folgenden auch nur die beiden Gehege – Schaugehege und Tegellohe - betrachtet, in denen sich das Rotwild aufhielt. In beiden Gehegen waren knapp 70 % der Proben ohne Nachweis auf die untersuchten Parasiten (vgl. Tabelle 6, Abbildung 16). In jeder dritten (Schaugehege) bzw. knapp jeder fünften Probe (Tegellohe) konnten Trichostrongyliden nachgewiesen werden, jedoch in jeder Probe nur im geringen Umfang (Befund: „vereinzelt“). Der Trichurisbefall war in beiden Gehegen mit knapp 5 % vergleichbar und gering.
Wildart und Standort Anzahl Proben Anzahl Proben
ohne Nachweis
Trichostrongyliden Trichuris Nematodirus Fascioloides
magna
RW Schaugehege [absolut] 16 11 5 1 0 0,00
RW Schaugehege [in %] 100 % 68,75 % 31,25 % 6,25 % 0,00 % 0,00 %
RW Tegellohe [absolut] 48 34 11 2 1 0,00
RW Tegellohe [in %] 100 % 70,83 % 22,92 % 4,17 % 2,08 % 0,00 %

Grafischer Vergleich des Endoparasitenbefalls beim Rotwild in den beiden Gehegen Schaugehege und Tegellohe.

5 Ergebnisse der Leberuntersuchungen

5.1 Bewertungsschlüssel

Die Untersuchung der Lebern erfolgte durch verschiedene Tierärzte der LMU nach Probennahme und -übermittlung durch das LVFZ Almesbach. Die LMU übermittelte anschließend den Befund. Zur Auswertung der Befunde war es zwingend nötig, einen einheitlichen Bewertungsschlüssel zu erstellen. Hierbei wurde die LfL von Dr. Benjamin Bauer vom Tiergesundheitsdienst Bayern e. V. unterstützt. Da es in der Vergangenheit keine Hinweise für andere Erreger (z.B. Bakterien) die Leberschäden verursachen, gab, wurden die festgestellten Schäden dem Leberegel zugewiesen. Die Befunde der Leberuntersuchungen wurden einer der vier Kategorien: “Kein Befall“, „geringer Befall“, „mittlerer Befall“ und „hochgradiger Befall“ zugeordnet (vgl. Tabelle 7). Die Standarduntersuchung ist die Lebersedimentation. Wird hier ein positiver Befund erzielt, kann sicher von einem Leberegelbefall ausgegangen werden. Die drei anderen Verfahren (Sektion der Leberoberfläche, des Leberanschnittes und der Gallengänge) können nur Hinweise auf einen Befall liefern.

Nach Rücksprache mit dem Tiergesundheitsdienst e.V. wurde daher für die Auswertung folgende Vorgehensweise festgelegt:

  • Jedes Untersuchungsverfahren von jeder Probe wurde einzeln mit 0-3 bewertet (Details s. Tabelle 7).
  • Proben, die im Sedimentationsverfahren positiv waren, wurden generell mit 3 bewertet, da dieses Verfahren sicher einen Leberegelbefall nachweist.
  • Von jeder Probe wurde im Anschluss die Summe aus den vier Verfahren gebildet.

Nach der Summenbildung wurde jedem Befund ein eindeutiger Befallsgrad zugeordnet:

  • Summe 0-2: „kein Befall“
  • Summe 3-5: „niedriger Befall“
  • Summe 6-9: „mittlerer Befall“
  • Summe 10-12: „hoher Befall“
Untersuchung Kein Hinweis Geringer Hinweis Mittlerer Hinweis Starker Hinweis
Noten 0 1 2 3
Leberoberfläche Ohne Befund marmoriert, vereinzelt diffus verteilte helle oder
dunkle Areale, verhärtete Areale
massenhaft verteilte helle Areale; hochgradig
marmoriert
Vereinzelt, knotige Verhärtungen; geringgradig
höckrig
Leberanschnitt Ohne Befund Vereinzelte, diffus verteilte
Weiße bis hellbraune Areale, vereinzelte Areale
geringgradig brüchig, Punktförmige, schwarzbraune Areale neben den Gallengängen
Generalisiert verzweigte, schwarze, streifige
Areale, lokal brüchige Konsistenz; lokale Verhärtungen
Leber-
Gallengänge
Ohne Befund Schwarzbraune zähflüssige Masse in wenigen Gängen Schwarzbraune zähflüssige Masse in zahlreichen Gängen, F. m. vorhanden (<5),
schmierige bräunliche Herde
Verstopfte Gallengänge, braune schmierige
Masse, F.m. vorhanden (>5)
Parasitenbefall nicht nachgewiesen Parasitenbefall nicht nachgewiesen F.magna Eier vereinzelt F.magna Eier zahlreich F.magna Eier massenhaft

5.2 Überblick über die Lebersektionsergebnisse

Vom 29.09. bis 10.12.2014 wurden von 77 Rot-, Dam- und Sikatieren die Lebern im Labor des Lehrstuhls für Vergleichende Tropenmedizin und Parasitologie (LMU) untersucht, von 73 Tieren wurde die zugehörige Enddarmlosung durch das LVFZ Almesbach direkt am Tier entnommen und durch das LMU auf Parasiten qualitativ untersucht. Dabei konnten folgende Ergebnisse erzielt werden (vgl. Tabelle 8): 22 der 77 untersuchten Lebern (= 29 %) zeigten nach dem angewandten Bewertungsschema Anzeichen für einen Befall mit Leberegel. Die deutliche Mehrzahl (55 Proben, = 71 %) der Proben zeigte keinen Befall. Da bei der Kotprobenuntersuchung ebenfalls keine Eier von F. magna gefunden wurden, scheint der Befall im Vergleich zu 2012 deutlich zurückgegangen zu sein.
Tabelle 8: Untersuchungsergebnis der 77 Lebersektionen.
Lebersektion Vgl. Kotprobe
auf F.m.
Anzahl Proben 77 77
Anzahl Proben "hoher Befall" 0 0
Anzahl Proben "mittlerer Befall" 7 0
Anzahl Proben "niedriger Befall" 15 0
Anzahl Proben "kein Befall" 55 73
Anzahl fehlende Proben 0 4

5.3 Befall der einzelnen Wildarten und Altersklassen

Grundsätzlich ist dieser Vergleich als nicht repräsentativ zu sehen, da bei Dam- und Sikawild zu geringe Tierzahlen untersucht wurden. Trotzdem geben die Daten einen Einblick über die Befallssituation im Gehege Pfentsch. Die Sektion der Lebern ergab Unterschiede im Leberegelbefall zwischen den drei Wildarten (vgl. Tabelle 9, Abbildung 17). Beim Damwild waren 3 von 7 Proben mit niedrigem Befall (43 %), keine mit höherem Befall. Beim Rotwild waren 12 von 65 Proben mit niedrigem Befall (18 %), 6 von 65 Proben (9%) mit mittlerem Befall. Beim Sikawild war nur
eine von 5 Proben (20 %) mit mittlerem Befall. Es kam bei keiner Wildart ein hochgradiger Befall vor. Anhand dieser Untersuchung scheint Damwild stärker befallen zu sein als Rotwild, wobei die Aussagekraft der Zahlen aufgrund des geringen Probenumfanges beim Damwild begrenzt ist.
Tabelle 9: Leberegelbefall der untersuchten Wildarten.
Wildart Anzahl
Tiere
Anzahl
Proben
kein
Befall
niedriger
Befall
mittlerer
Befall
hochgradiger
Befall
Damwild [absolut] 29 7 4 3 0 0
Damwild [%] 100 12,28 % 57,14 % 42,86 % 0,00 % 0,00 %
Rotwild [absolut] 202 65 47 12 6 0
Rotwild [%] 100 32,18 % 72,31 % 18,46 % 9,23 % 0,00 %
Sikawild [absolut] 28 5 4 0 1 0
Sikawild [%] 100 80,00 % 0,00 % 20,00 % 0,00 %
Im Vergleich zu den vorhergehenden Untersuchungen (2012-2013, in PLÖTZ 2015, vgl. Kapitel 1.2) war der Befallsgrad 2014 bei Rotwild und Sikawild somit deutlich geringer. Bei Damwild war der Befallsgrad 2014 scheinbar höher, jedoch beruht diese Aussage auf lediglich 7 Proben und muss daher zurückhaltend bewertet werden. Die im November 2011 bis Februar 2012 gehäuft bis massenhaft gefundenen adulten Stadien von Leberegeln konnten in der neuen Untersuchung im Herbst 2014 nur noch ganz vereinzelt (5 Lebern mit jeweils 1-4 adulten Leberegeln) nachgewiesen werden. Der Befallsdruck hatte sich somit bis Herbst 2014 insgesamt deutlich verringert.

Grafische Darstellung des Leberegelbefalls der drei Wildarten.

Sikawild ist für F. magna an sich ein Blindwirt, d. h. es wird vom Parasiten befallen, scheidet aber im Normalfall, außer bei extremer Leberschädigung keine Eier aus (PLÖTZ 2015) Im Fall eines Sikaschmaltieres, das in gutem körperlichen Zustand war, konnten aber bei der Sedimentation der Leber F. magna-Eier massenhaft nachgewiesen werden. Beim Vergleich des Befalls der drei Altersklassen fiel auf, dass Kälber am geringsten, Schmaltiere etwas stärker und die Alttiere am stärksten befallen waren (vgl. Tabelle 10, Abbildung 18). Auffallend war, dass Schmaltiere von der Befallsintensität scheinbar stärker pro Einzeltier betroffen waren als Alttiere.
Tabelle 10: Ergebnisse der Lebersektionen nach Altersklassen.
Altersklasse Anzahl
Proben
kein
Befall
niedriger
Befall
mittlerer
Befall
hochgradiger
Befall
Kälber [absolut] 45 39 5 1 0
Kälber [%] 100,00 % 86,67 % 11,11 % 2,22 % 0,00 %
Schmaltiere [absolut] 14 9 2 3 0
Schmaltiere [%] 100,00 % 64,29 % 14,29 % 21,43 % 0,00 %
Alttiere [absolut] 18 7 8 3 0
Alttiere [%] 100,00 % 38,89 % 44,44 % 16,67 % 0,00 %

Grafische Darstellung der Ergebnisse der Lebersektion der drei Altersklassen

Bei der weiteren Aufschlüsselung der Ergebnisse nach Wildart und Altersklasse deutete sich an, dass über alle drei Wildarten hinweg die Alttiere stärker betroffen waren als die Kälber. Wirklich aussagekräftig waren aber nur die Rotwilddaten, da bei Damwild und Sikawild zu wenig Proben vorhanden waren. Auf Grund des geringen Probenumfangs (teilweise nur 1 Probe pro Gruppe) wurde hier auch auf die grafische %-Aufschlüsselung verzichtet, da diese ohne die absoluten Zahlen zu Fehleinschätzungen führen würde.
Tabelle 11: Befallsgrad in den einzelnen Altersklassen der drei Wildarten (Tierbestandsdaten
Wildart und Altersklasse Anzahl
Tiere
Anzahl
Proben
kein
Befall
niedriger
Befall
mittlerer
Befall
hochgradiger
Befall
DW-Kalb [absolut]
DW-Kalb [%]
DW-Schmaltier [absolut]
DW-Schmaltier [%]
DW-Alttier [absolut]
DW-Alttier [%]
29 1
1
1
1
5
5
1
100,00 %
0
0,00 %
3
60,00 %
0
0,00 %
1
100,00 %
2
40,00 %
0
0,00 %
0
0,00 %
0
0,00 %
0
0,00 %
0
0,00 %
0
0,00 %
RW-Kalb [absolut]
RW-Kalb [%]
RW-Schmaltier [absolut]
RW-Schmaltier [%]
RW-Alttier [absolut]
RW-Alttier [%]
202 43
43
9
9
13
13
37
86,05 %
6
66,67 %
4
30,77 %
5
11,63 %
1
11,11 %
6
46,15 %
1
2,33 %
2
22,22 %
3
23,08 %
0
0,00 %
0
0,00 %
0
0,00 %
SW-Kalb [absolut]
SW-Kalb [%]
SW-Schmaltier [absolut]
SW-Schmaltier [%]
SW-Alttier [absolut]
SW-Alttier [%]
28 1
1
4
4
0
0
1
100,00 %
3
75,00 %
0
0,00 %
0
0,00 %
0
0,00 %
0
0,00 %
0
0,00 %
1
25,00 %
0
0,00 %
0
0,00 %
0
0,00 %
0
0,00 %

5.4 Befall in den einzelnen Gehegen

Zwischen 2007 und der Parasitenuntersuchung 2014 waren die Herden jeweils fest einem Gehege zugeordnet, es fand somit kein Umtrieb zwischen den Gehegen statt. Daher ist eine Auswertung des Befalls der einzelnen Tiere je nach Gehege sinnvoll. Wertet man die Untersuchungsproben dahingehend aus, in welchem Gehege das Wild gelebt hat, wurde deutlich, dass alle drei Gehege vom Leberegelbefall betroffen waren. Jedoch waren in allen drei Gehegen Tiere ohne Leberegelbefall anzutreffen. Auf Grund des geringen Probenumfanges ließen sich für das Sikagehege keine weitergehenden Aussagen treffen. Beim Vergleich von „Schaugehege“ und „Tegellohe“ wurden nur die Rotwildproben herangezogen, da die Damwildproben von der Anzahl vernachlässigbar waren. Der Befall des Rotwildes war in beiden Gehegen relativ identisch, ca. 70-75 % der Proben waren ohne Befall. Aus dem Gehege Tegellohe gab es mehr Proben mit niedrigem Befall, aus dem Schaugehege mehr Proben mit mittlerem Befall. Hier wiesen die Lebern optisch eine deutlichere Veränderung auf.
Tabelle 12: Vergleich des Leberegelbefalls von Rotwild im Schaugehege und im Gehege
Wildart und Standort Anzahl
Proben
kein
Befall
niedriger
Befall
mittlerer
Befall
hochgradiger
Befall
RW Schaugehege [absolut] 17 12 2 3 0,00
RW Schaugehege [in %] 100 % 70,59 % 11,76 % 17,65 % 0,00 %
RW Tegellohe [absolut] 47 35 10 2 0,00
RW Tegellohe [in %] 100 % 74,47 % 21,28 % 4,26 % 0,00 %

Grafischer Vergleich des Leberegelbefalls von Rotwild im Schaugehege und im Gehege Tegellohe.

Erklärungen für den leicht höheren „mittleren Befallsgrad“ im Schaugehege, könnten folgenden Überlegungen liefern:

  • Futteraufwuchs im Schaugehege deutlich schlechter als in Tegellohe
  • Besatzstärke im Schaugehege höher als in Tegellohe
  • Bachlauf (und damit Infektionsquelle) im Schaugehege länger als in Tegellohe:
    • Schaugehege: ca. 550 m; 11,6 ha; 47 m je ha Gehegefläche
    • Tegellohe: ca. 450 m; 28,9 ha; ca. 16 m je ha Gehegefläche

5.5 Befallsstadium

Nach Aussage vom Tiergesundheitsdienst e.V. können unter Umständen die verschiedenen Untersuchungsverfahren Aussagen zum Befallsstadium geben. So zeigt ein positives Untersuchungsergebnis bei der Leberoberfläche und dem Leberanschnitt evtl. eher ein juveniles Stadium an. Ein positives Ergebnis in den Gallengängen und/oder bei der Sedimentation deutet eher auf ein adultes Leberegelstadium hin. In die Auswertung wurden nur Proben genommen, die nach dem hier verwendeten Bewertungsschlüssel als positiver Leberegelbefund (Summe aller vier Untersuchungsverfahren größer 2) angesehen wurden. Aus Tabelle 13, Tabelle 14 und Tabelle 15 ging hervor, dass zum Zeitpunkt der Probenuntersuchung eine höhere Befallsintensität bei den Verfahren „Anschnitt, Oberfläche“ ermittelt wurde. Das würde dafür sprechen, dass zu diesem Zeitpunkt der Befall mit juvenilen Leberegelformen größer war als mit Adulten. Diese These wurde von der Tatsache unterstützt, dass nur 4 Lebern mit adulten Formen des Leberegels (in den Gallengängen) gefunden wurden und in den Kotproben gar keine Eier gefunden wurden.
Das Ergebnis traf für alle Wildarten und alle Altersklassen in allen Gehegen zu. Nur Damwild (vgl. Tabelle 13) wies bei den Verfahren „Gallengänge, Sedimentation“ höhere Werte auf als bei „Anschnitt, Oberfläche“, was aber bei einer Probenzahl von 3 als nicht aussagekräftig beurteilt werden kann.
Tabelle 13: Vergleich der durchschnittlichen Befallsgradnoten nach Untersuchungsverfahren
Ø Befallsgradnote
Anzahl
Proben
Anschnitt/
Oberfläche
Gallengänge/
Sedimentation
Rotwild 18 1,53 0,89
Damwild 3 1 1,33
Sikawild 1 1,5 1,5
Das Befallsstadium schien sich zwischen den Gehegen auch kaum zu unterscheiden. Sowohl im Schaugehege als auch in Tegellohe war die Befallsintensität mit juvenilen Formen scheinbar größer als mit Adulten (vgl. Tabelle 15).
Tabelle 14: Vergleich der durchschnittlichen Befallsgradnoten nach Untersuchungsverfahren
Ø Befallsgradnote
Anzahl
Proben
Anschnitt/
Oberfläche
Gallengänge/
Sedimentation
Kälber 6 1,5 0,91
Schmaltiere 5 1,5 1,3
Alttiere 11 1,41 0,86
Tabelle 15: Vergleich der durchschnittlichen Befallsgradnoten nach Untersuchungsverfahren
Ø Befallsgradnote
Anzahl
Proben
Anschnitt/
Oberfläche
Gallengänge/
Sedimentation
Schaugehege 8 1,44 1,13
Tegellohe 12 1,42 0,83
Sikagehege 2 1,75 1,25

6 Empfehlungen für Beratungspraxis

6.1 Schlussfolgerungen für das Gehege Pfrentschweiher

Die Untersuchungen vom Herbst 2014 wiesen nach, dass der Befall mit F. magna im Vergleich zu den Jahren 2009-2012 deutlich zurückgedrängt werden konnte. Maßgebend hierfür schien die konsequente Entwurmung in Kombination mit dem strikten Wechsel von einer Standweide hin zu einem Umtriebsweidesystem. Trotz intensiver Entwurmungsmaßnahmen und umfangreichen weidehygienischen Maßnahmen ist es jedoch nicht gelungen, einen Gesundheitszustand des Wildbestandes herzustellen, der es erlauben würde, auf weitere Entwurmungsmaßnahmen zu verzichten. Nach PROF. DR. PFISTER (mdl. Mitteilung) kann keine Entwurmungsmaßnahme es leisten, die Wirtstiere komplett von ihrer Parasitenlast zu befreien. Außerdem ist der Infektionsdruck im Gehege durch verschiedene Larvenstadien, auch innerhalb des Zwischenwirtes, der
Zwergschlammschnecke, zu groß um kurzfristig auf ein Minimum abgesenkt zu werden. Für das Lehr-, Versuchs- und Demonstrationsgehege Pfrentschweiher werden damit auch in Zukunft eine konsequente Entwurmung, ein Beibehalten der Umtriebsweide und eine Pflege der Wasserbereiche unumgänglich sein. Dies erfordert einen erheblichen Personalmehraufwand als das bis 2013 vorherrschende Gehegemanagement. Es wäre sinnvoll, die Befallssituation mit Fasciolodies magna auch weiterhin zu verfolgen. Dies müsste jedoch auf Grund der Personalsituation extern vergeben werden.

6.2 Empfehlungen für die Beratungspraxis

Für die Praxis und die Beratung können aus dem Projekt folgende Aussagen getroffen werden:
Grundsätzlich muss davon ausgegangen werden, dass in Gehegen gehaltenes Wild – wie in der freien Natur auch – eine gewisse Parasitenbelastung aufweist. Es ist daher erforderliche und gute fachliche Praxis regelmäßig Kotproben untersuchen zu lassen, um die Befallssituation
zu überwachen. Spätestens wenn in Gehegen zunehmend Tiere mit einer schlechten Gesamtkonstitution und bei Schlachtungen Lebern oder Lungen mit schwarzen Sekreten, verstopften Gallengängen, Verhärtungen oder Flecken auffallen, ist unverzüglich ein Tierarzt hinzu zu ziehen
und eine Leber- bzw. Lungensektion mit Verdacht auf Leberegel zu veranlassen. Bestätigt sich der Verdacht auf einen Leberegelbefall, muss der Gehegewildhalter umgehend zum einen seine Gehegegestaltung und -führung überdenken, zum anderen einen sinnvollen Entwurmungsplan gemeinsam mit dem Tierarzt ausarbeiten. Es spielt dabei keine Rolle, ob es sich um den Großen Amerikanischen Leberegel (Fascioloiodes magna) oder den in Deutschland eher heimischen Großen Leberegel (Fasciola hepatica) handelt.

Empfehlungen für die Gehegeführung:

  • Das System der Wechselweide hat gegenüber der ganzjährigen Standweide vielfältige Vorteile. Um Erfolge bei der Leberegel- und auch bei der allgemeinen Parasitenbekämpfung zu erreichen, ist die Wechselweide daher Mittel der Wahl. Die Standweide sollte die Ausnahme sein.
  • Ein Weidewechsel mit Weideruhe und vorgeschalteter Schnittnutzung und eventueller Weidedesinfektion mit Branntkalk oder Kalkstickstoff hilft den Infektionsdruck zu senken. Die Weidedesinfektion hat sich als wirksam, aber auch mit erheblichen Nachteilen behaftet (Gesundheitsschutz, Umweltschutz bei Anwendung in gewässernahen Bereichen) erwiesen. Angesichts der Tatsache, dass auch mit Branntkalk keine Parasitenfreiheit erreicht wird, sollte die Desinfektion nur in besonderen Ausnahmefällen empfohlen werden.
  • Eine Weidedesinfektion mit Branntkalk kann zwar das Infektionsrisiko auf der Fläche mindern, entscheidend für das Weiterbestehen des Infektionsrisikos sind aber die Bereiche, in denen eine solche Weidedesinfektion nicht oder nur ungenügend durchgeführt werden kann. Beispiele hierfür sind Randbereiche von Gewässern und stark vernässte Gehegeteile.
  • Eine einmalige Mahd der Feuchtgebiete kann, auch in Verbindung mit einer Kalkung, die Infektion mit Leberegeln bzw. Zerkarien nicht ausreichend reduzieren.
  • Nassstellen sind konsequent auszuzäunen.

Empfehlungen für die Gehegegestaltung:

  • Feuchte Böden können zu Gesundheitsproblemen führen und bedürfen daher immer besonderer Aufmerksamkeit und eines gezielten Managements!
  • Bachläufe und hygienisch nicht zu kontrollierende Feuchtgebiete stellen ein erhebliches Infektionsrisiko dar, vor allem in Gebieten, in denen der Leberegel endemisch ist. Diese Gebiete sind bestenfalls bereits bei der Planung des Geheges auszuzäunen. Im Fall des Geheges Pfrentschweiher wurden aber bei der Gehegeplanung aus Gründen der artgemäßen Haltung von Rot- und Sikahirsch diese Bereiche bewusst mit ins Gehege integriert, außerdem lagen zum damaligen Zeitpunkt keine Hinweise für einen Leberegelbefall vor. Die Bachläufe jetzt im Nachhinein großzügig auszuzäunen (Empfehlung bereits Pfister 2013, Plötz 2015) ist schwierig und würde eine wesentliche Gehegeumgestaltung erfordern.
  • Es sollte bereits bei der Planung des Geheges berücksichtigt werden, dass den Tieren Tränkewasser aus anderen Quellen als aus natürlichen Bachläufen oder Oberflächenwasser zur Verfügung gestellt wird. Möglich ist auch die Entnahme aus einem Bach (z.B. mit Solarpumpe oder Ähnlichem), wichtig ist aber, dass die Tränke möglichst auf befestigtem Untergrund angeboten wird, um verschlammte Gebiete zu vermeiden. Die Gesundheit der Tiere ist von größerer Bedeutung als das naturnahe Erscheinungsbild des Geheges.
  • Rot- und Sikawild bedürfen einer Suhle, diese sollte aber so angelegt sein, dass das Wasser abgelassen und die Suhle mit z. B. Branntkalk desinfiziert werden kann.

Empfehlungen zur Entwurmung:

  • Vor einer Entwurmung fordert der Gesetzgeber eine Diagnose. Hierzu können entweder Kotproben genommen und auf einen Befall untersucht werden. Alternativ kann eine Diagnose anhand der Schlachtbefunde erfolgen.
  • Wird das Entwurmungsmittel über das Futter verabreicht, muss dieses über mehrere Tage hinweg angeboten werden, damit möglichst alle Tiere Gelegenheit haben, es zu fressen.
  • Bei der Entwurmung müssen zwingend die Kälber und Schmaltiere, vor allem in großen Gehegen, beachtet werden. Sie sind meist in der Herdengruppe zu schwach, um an der Futterstelle genügend Futter mit Anthelminthika zu fressen. Hierdurch werden sie nur unzureichend entwurmt und sind so weiter Träger und Ausscheider des Leberegels und anderer Innenparasiten! Ein guter Entwurmungszeitpunkt ist für die Schmaltiere beim Ausgang aus dem Setzgehege bzw. kurz vor einem Gehegewechsel. Für die Entwurmung der Kälber wäre ein funktionierender Kälberschlupf empfehlenswert.
  • Bei Gehegen mit Wechselweide sollte ca. 2 Tage vor dem Umtrieb in ein neues Gehegeteil entwurmt werden. Die Tiere scheiden den Großteil der Eier in den ersten 24 Stunden nach der Entwurmung aus. Daher sollten sie mindestens so lange auf der „alten Weide“ verbleiben, damit das neue Gehege nicht sofort wieder durch weitere Eiausscheidungen belastet wird. Außerdem ist die Akzeptanz von Futter mit Anthelminthika bei ansonsten knapperem Futterangebot – also auf der „alten Weide“ – besser.
  • Um eine nachhaltige Entwurmung sicherzustellen, sollten in der Regel 14 Tage nach der Entwurmung nochmals Kotproben genommen und untersucht werden. Nach einer Leberegelbehandlung sollten nach ungefähr drei Wochen Kontrollkotproben stattfinden.
  • Eine einmalige Entwurmung für 3-5 Tage ist auf Dauer nicht ausreichend, da sich bei hohem Infektionsdruck die Tiere durch die Zerkarien oder Metazerkarien ständig neu infizieren.
  • In Gehegen mit nachgewiesenem Leberegelbefall sollte daher jeweils innerhalb der Präpatenzzeit von 5 Monaten (PLÖTZ 2015) behandelt werden. Damit kann der Infektionsdruck an adulten Leberegeln gesenkt werden.

Impressum

  • Herausgeber:
    • Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) Vöttinger Straße 38, 85354 Freising-Weihenstephan Internet: www.LfL.bayern.de
  • Redaktion:
    • Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) Institut für Tierzucht, Kerstin Tautenhahn, Prof.-Dürrwaechter-Platz 1, 85586 Poing-Grub, Tel.: 089/99141-121, E-Mail: Kerstin.Tautenhahn@LfL.bayern.de
    • LVFZ Almesbach, Helmut Bamler Almesbach 1, 92637 Weiden Tel.: 0961/390200, E-Mail: helmut.bamler@LfL.bayern.de