Fortbildung zur Tierwirtschaftsmeisterin, zum Tierwirtschaftsmeister

Modernes Herdenmanagement, technisches Verständnis, betriebswirtschaftliches Know-How und die erfolgreiche Unternehmensführung prägen heute das Bild in der Aus- und Fortbildung der Geflügelwirtschaft. Interessierte und gut ausgebildete Nachwuchskräfte mit ausgeprägten Managementfähigkeiten sind essentiell wichtig, um zukunftsfähig wirtschaften zu können.
Erfolgreiche Betriebsleiter verstehen es Stärken und Schwächen im Betrieb zu erkennen und das Unternehmen flexibel auf wechselnde rechtliche und marktwirtschaftliche Vorgaben einzustellen. Sie besitzen die Fähigkeit, die Finanzierbarkeit von Investitionen richtig einzuschätzen und verstehen es, geschickt mit Banken und Marktpartnern zu verhandeln. Erfolgreiche Fach- und Führungskräfte sind auch in der Lage, notwendige Wachstumsschritte zur Weiterentwicklung des Betriebes rechtzeitig zu tätigen, um so das Betriebseinkommen mittel- bis langfristig zu sichern.
Im Rahmen der Tierwirtschaftsmeisterprüfung haben junge Hofnachfolger, aber auch ausgebildete Tier- und Landwirte ohne eigenen Betrieb die Möglichkeit, sich intensiv mit der Produktionstechnik in der Geflügelhaltung, der Betriebs- und Unternehmensführung sowie der Berufsausbildung und Mitarbeiterführung auseinanderzusetzen.
Im August 2010 wurde die Tierwirtschaftsmeisterprüfungsverordnung bundesweit neu geregelt. Das Lehrgangs- und Prüfungskonzept wurde komplett überarbeitet und ist nun grundsätzlich auf die unternehmerische Qualifikation von Führungskräften im Agrarbereich ausgerichtet.
Die Neuerungen der Fortbildung zur Tierwirtschaftsmeisterin, zum Tierwirtschaftsmeister sowie erste Erfahrungen damit werden nachfolgend vorgestellt.

Zulassung

Aufgrund der hohen Anforderungen ist die Teilnahme an der Meisterprüfung insbesondere dann zu empfehlen, wenn die Abschlussprüfung in den Ausbildungsberufen Tierwirtin, Tierwirt – Fachrichtung Geflügelhaltung oder Landwirtin, Landwirt erfolgreich abgelegt und bereits mehrjährige Berufserfahrung gesammelt wurde. Rein rechtlich gesehen erfüllt die Voraussetzungen für die Zulassung zur Meisterprüfung im Agrarbereich, wer
  • eine mit Erfolg abgelegte Abschlussprüfung als Tierwirtin, Tierwirt, Fachrichtung Geflügelhaltung und danach eine mindestens 2-jährige einschlägige Berufspraxis oder
  • eine mit Erfolg abgelegte Abschlussprüfung in einem anerkannten landwirtschaftlichen Ausbildungsberuf und danach eine mindestens 3-jährige einschlägige Berufspraxis oder
  • eine mindestens 5-jährige einschlägige Berufspraxis
nachweisen kann.
Bei den angegebenen Praxiszeiten wird von einer hauptberuflichen Tätigkeit in der Geflügelhaltung ausgegangen. Bei Vorliegen einer nebenberuflichen Tätigkeit verdoppeln sich die erforderlichen Praxiszeiten. Beispiel: Hat eine Tierwirtin, ein Tierwirt die Abschlussprüfung mit Erfolg abgelegt und ist anschließend halbtags in der Geflügelhaltung tätig, so muss sie, er mindestens 4 Jahre Berufspraxis nachweisen, um die Zulassungsvoraussetzungen für die Meisterprüfung zu erfüllen.
Ferner kann zu einer Meisterprüfung auch zugelassen werden, wer durch Vorlage von Zeugnissen oder auf andere Weise glaubhaft macht, dass sie, er Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten (berufliche Handlungsfähigkeit) erworben hat, die eine Zulassung zur Meisterprüfung rechtfertigen.

Lehrgangs- und Prüfungsinhalte

Die Tierwirtschaftsmeisterprüfung umfasst die Prüfungsteile:
Der Prüfling soll nachweisen, dass er die Haltung, Zucht und Produktion von Tieren, die Gewinnung tierischer Erzeugnisse einschließlich des jeweils damit verbundenen Einsatzes von Arbeitskräften, Maschinen, Geräten, Betriebseinrichtungen und Betriebsstoffen planen, durchführen und beurteilen kann. Hierbei soll gezeigt werden, dass die entsprechenden Maßnahmen qualitätsorientiert und wirtschaftlich unter Beachtung von Marktanforderungen, berufsbezogener Rechtsvorschriften, der Erfordernisse des Tierschutzes, des Umwelt- und Naturschutzes, der Arbeitssicherheit, des Verbraucher- und Gesundheitsschutzes durchgeführt werden können.

Inhalte

  1. Planen der Haltung, Fütterung und Zucht von Tieren, der Gewinnung tierischer Erzeugnisse entsprechend den Standortverhältnissen unter Berücksichtigung der Erfordernisse einer nachhaltigen Tierproduktion sowie der betrieblichen und regionalen Erzeugungs- und Vermarktungsstrukturen.
  2. Auswählen und Festlegen der Produktionsverfahren
  3. Organisieren der Arbeit sowie des Arbeitskräfte- und Technikeinsatzes unter Anwendung von Maßnahmen des Tierschutzes und der Qualitätssicherung
  4. Sicherstellen von Tierhygiene, Tiergesundheit und Seuchenprophylaxe
  5. Sicherstellen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes
  6. Kontrollieren und Bewerten von Arbeitsergebnissen
  7. Entwickeln von Qualitätsstandards; Durchführen der Betriebskontrolle und von Maßnahmen zur Qualitätssicherung
  8. Vermarkten von betrieblichen Erzeugnissen und Dienstleistungen
  9. Kontrollieren, Beurteilen und Optimieren von betrieblichen Abläufen und Produktionsverfahren
  10. Berücksichtigen der Wechselbeziehungen zwischen Betrieb, Tierbestand und Umwelt; Anwenden umweltschonender Maßnahmen bei Beschaffung, Produktion, Vermarktung, Verwertung und Entsorgung
  11. Berücksichtigen der rechtlichen Bestimmungen für Produktion, Tier-, Umwelt- und Verbraucherschutz sowie Vermarktung.
Vorbereitungslehrgang
2 x 2 Wochen Fachtheoriekurs in Kitzingen
Prüfung
Schriftliche Prüfung (180 Minuten)
Arbeitsprojekt (12 Monate)
Der Prüfling soll nachweisen, dass er wirtschaftliche, rechtliche und soziale Zusammenhänge im Betrieb erkennen, analysieren und beurteilen sowie Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen kann.

Inhalte

  • Einordnen und Beurteilen der Rahmenbedingungen und Struktur von Tierwirtschaftsbetrieben
  • Kontrollieren und Bewerten von Produktion, Produktionsverfahren und Dienstleistungen
  • Erfassen, Analysieren und Bewerten von Betriebsergebnissen
  • Durchführen von Rentabilitätsanalysen
  • Bewerten der Betriebs- und Arbeitsorganisation
  • Beobachten und Bewerten von Märkten
  • Beurteilen und Durchführen von Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit
  • Planen der Betriebsentwicklung, insbesondere Investition, Finanzierung und Liquidität
  • Anwenden berufsbezogener Rechtsvorschriften, insbesondere Tierschutzrecht, Tierseuchenrecht, Umweltrecht, Lebensmittelrecht, Vertrags- und Haftungsrecht, Arbeits- und Sozialrecht
  • Anwenden der steuerlichen Buchführung unter Beachtung von Steuerarten und -verfahren
Vorbereitungslehrgänge
2 Wochen Basiskurs
2 Wochen Aufbaukurs
Prüfung
Schriftliche Prüfung (180 Minuten)
Betriebsbeurteilung (300 Minuten)
Der Prüfling soll nachweisen, dass Zusammenhänge der Berufsbildung und Mitarbeiterführung erkannt, Auszubildende ausgebildet und Mitarbeiter geführt werden können.

Inhalte

  1. Ausbildungsvoraussetzungen prüfen und Ausbildung planen
  2. Ausbildung vorbereiten und Auszubildende einstellen
  3. Ausbildung durchführen
  4. Ausbildung abschließen und
  5. Mitarbeiter führen
Vorbereitungslehrgang
3 Wochen Berufsausbildung und Mitarbeiterführung in Grainau
Prüfung
Schriftliche Prüfung (150 Minuten)
Arbeitsunterweisung (90 Minuten)
Fallstudie (schriftliche Analyse: 120 Minuten, Fachgespräch: 20 Minuten = 140 Minuten)

Zeitlicher Ablauf der Meistervorbereitung und -prüfung 2018/2019

Der nächste Meisterkurs für die Fachrichtung Geflügelhaltung wird ab Februar 2018 angeboten. Die Termine für Vorbereitungslehrgänge und Prüfungen sowie Lehrgangsorte sind in nachfolgender Tabelle zusammengefasst:
Termin Vorbereitungslehrgang Lehrgangsort
26.02. – 09.03.2018 Prüfungsteil I
Tierhaltung, Tierproduktion und Verfahrenstechnik + schriftliche Meisterprüfungen
LVFZ Kitzingen
16.04. – 27.04.2018 Prüfungsteil I
Tierhaltung, Tierproduktion und Verfahrenstechnik + schriftliche Meisterprüfungen
LVFZ Kitzingen
Mai 2018 – Mai 2019 Prüfungsteil I
Planung, Durchführung und Auswertung des Arbeitsprojektes + Prüfungsgespräch über das Arbeitsprojekt und zu betriebs-(zweig-)bezogenen Themen
i.d.R. Betrieb des Meisterschülers
03.09. – 14.09.2018 Prüfungsteil II
Betriebs- und Unternehmensführung + schriftliche Meisterprüfung
LVFZ Kitzingen
08.10. – 19.10.2018 Prüfungsteil II
Betriebs- und Unternehmensführung
LVFZ Kitzingen
19.11. – 23.11.2018
+ 30.11.2018
Prüfungsteil II
Betriebs- und Unternehmensführung + fallbezogene Situationsaufgabe
1. Quartal 2019 Prüfungsteil III
Berufsausbildung und Mitarbeiterführung + schriftliche und praktische Meisterprüfungen
Jungbauernschule Grainau (Garmisch-Patenkirchen)
Herbst 2019 Feierliche Verabschiedung der Tierwirtschaftsmeister/innen LVFZ Kitzingen

Kosten der Meistervorbereitung und -prüfung

Aktuell ist mit Kosten in Höhe von 950 € zu rechnen. Diese setzen sich aus 350 € Zulassungsgebühr und einer einmaligen Lehrgangsgebühr von 600 € zusammen. Hinzu kommen die Kosten für Unterkunft und Verpflegung (ca. 2.000 €).

Anmeldeunterlagen und Anmeldefrist

Wer Interesse an der Tierwirtschaftsmeisterprüfung hat, erhält am Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Geflügel- und Kleintierhaltung in Kitzingen nähere Auskünfte. Das Anmeldeformular ist unter unten stehendem Link zu finden. Die Anmeldung für die Tierwirtschaftsmeisterprüfung 2018/2019 muss spätestens bis zum 01. Oktober 2017 abgegeben werden.

Anmeldeformular Meistervorbereitung und -prüfung pdf 316 KB

Kontakt

Ausbildungsberatung in Kitzingen
Mainbernheimer Str. 101
97318 Kitzingen
Tel.: 09321 - 39008 281
Fax: 09321 - 39008 299
E-Mail: katja.krebelder@lfl.bayern.de