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Tiergerechte Wasserversorgung von Pekingenten
Beeinflussen offene Tränkesysteme die Wirtschaftlichkeit der Entenmast? – Ergebnisse einer Feldstudie
Hintergrund
Im Rahmen eines abgeschlossenen Forschungsprojektes (Aug. 2003 – Apr. 2006) entwickelten und etablierten der Lehrstuhl für Tierschutz, Verhaltenskunde, Tierhygiene und Tierhaltung der Ludwig-Maximilians-Universität München und die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft am Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Geflügelhaltung in Kitzingen eine neue modifizierte Rundtränke, die den Enten - neben der Nippeltränke - stundenweise angeboten wird und ein tiergerechtes Trinken sowie das Eintauchen des ganzen Kopfes ermöglicht. Diese offene Wassertränke wurde in den Jahren 2008 und 2009 in einem Feldversuch in insgesamt drei Praxisbetrieben getestet. Besondere Berücksichtigung fanden dabei das Verhalten der Pekingenten, die Tiergesundheit sowie wirtschaftliche Aspekte.
Ziel des nachfolgenden Beitrages ist es, den Einfluss der offenen Rundtränke auf Mastleistung, Wasserverbrauch und Wirtschaftlichkeit darzustellen.
Gefördert wurde die Studie durch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit (StMUG).
Haltungssysteme in den Praxisbetrieben
Die Enten wurden in allen drei Betrieben in Bodenhaltung auf Stroheinstreu gehalten. Bei den Ställen handelte es sich um Fensterställe (3% Fensterfläche bezogen auf die Stallgrundfläche) mit geregelter Unterdrucklüftung mit beidseitig angeordneten Zuluftelementen und Firstentlüftung über Kamine. Die Fütterung erfolgte ad libitum über eine automatische Pfannenfütterung mit konventionellem pelletiertem Entenmastfutter (4-Phasen). Die drei Betriebe praktizierten das Umtriebsverfahren, bei dem die Aufzucht bis zum ca. 17. Lebenstag (LT) im Aufzuchtstall und vom ca. 18. LT bis Mastende (40./41. LT) im Maststall erfolgte. Einen Einblick in das Haltungsmanagement der Mastbetriebe bietet die nachfolgende Tabelle:
Betriebsdaten und Haltungsmanagement in den Mastbetrieben
| Merkmal |
Betrieb A |
Betrieb B |
Betrieb C |
Mastplätze (Stück) |
13.500 |
8.650 |
7.450 |
Durchgänge (Je Jahr) |
13 - 15 |
13 - 15 |
13 - 15 |
Besatzdichte im Aufzuchtstall (Tiere/m²) |
16 |
15 |
16 |
Besatzdichte im Maststall (Tiere/m²) |
6,8 |
6,8 |
6,6 |
| Besatzdichte im Maststall (kg/m²) |
20,4 |
20,4 |
19,9 |
| Tiere/Nippel im Maststall |
10 |
10 |
10 |
| Tiere/Rundtränke |
246 |
263 |
234 |
| Lichtprogramm |
Einhaltung des natürlichen Tag-Nacht-Rythmus |
Einhaltung des natürlichen Tag-Nacht-Rythmus |
Einhaltung des natürlichen Tag-Nacht-Rythmus |
Vorgehensweise in den landwirtschaftlichen Mastbetrieben
In zwei Mastbetrieben wurde das offene Tränkesystem in acht Mastdurchgängen getestet und in einem weiteren Betrieb in vier Durchgängen. Kontroll- und Versuchsdurchgänge wurden im Wechsel (Switch-over-design) durchgeführt. In den Kontrolldurchläufen standen den Enten ausschließlich praxisbewährte Nippeltränken zur Verfügung, während in den Versuchsdurchgängen zusätzlich ein zeitlich begrenzter Zugang zu den modifizierten Rundtränken möglich war. Der Zugang zu den offenen Tränken wurde - wegen der Gefahr des Ertrinkens - erst ab dem 25. Lebenstag gestattet. Bis dahin wurde die Wasserversorgung ausschließlich über Nippeltränken sichergestellt. Das offene Tränkesystem stand den Pekingenten täglich 6 h zur Verfügung; dabei wurde der Wasserzulauf auf 4 h begrenzt, sodass die Tiere in den verbleibenden 2 h die Rundtränken „leertrinken“ konnten.
Die modifizierten Rundtränken, mittlerweile durch die Firma Big Dutchman GmbH hergestellt, haben einen Durchmesser von 45,3 cm. Bei ca. 250 Tieren je Rundtränke standen somit je Tier 0,56 cm Tränkebreite zur Verfügung. Die Wasserstandshöhe lag zwischen 8 und 10 cm.
Mastleistung und Wasserverbrauch
Nachfolgend werden Mastleistungsergebnisse und Wasserverbrauchsdaten der beiden Varianten „Kontrolle“ (ausschließlich Nippeltränke) und „Rundtränke“ dargestellt.
Bei annähernd gleicher Mastdauer (41 Tage „Kontrolle“, 40 Tage „Rundtränke“) erreichten die Enten in den Kontrolldurchgängen ein durchschnittliches Mastendgewicht von 3,00 kg; in den „Versuchsdurchgängen“ lag das Mastendgewicht mit 2,99 kg unbedeutend niedriger. Demzufolge haben sich die Zunahmen zwischen den beiden Varianten nur geringfügig voneinander unterschieden. In der Variante „Rundtränke“ konnten mit 73,4 g um 0,8 g höhere Tageszunahmen gemessen werden.
Die Verluste beinhalten Mortalitäten in der Aufzucht und Mast sowie Transport- und Schlachthofausfälle. Während die Verluste in den Mastbetrieben mit 2,7 % (Kontrolle) bzw. 2,4 % (Rundtränke) erfreulich niedrig waren, sind die Transport- und Schlachthofausfälle mit 2,3 % als relativ hoch einzustufen. Insgesamt betrachtet bewegten sich die kumulierten Verlustraten bei 5,1 % bzw. 4,8 %.
Der Anteil der B-Ware betrug 4,0 % bzw. 4,5 %. Unter B-Ware fallen Tiere mit starken Kratzern und Blutergüssen. Liegt der Anteil der B-Ware an den abgelieferten Tieren unter 5 %, so wirkt sich dies bei den Betrieben der Süddeutschen Pekingenten Erzeugergemeinschaft (EG) finanziell nicht negativ aus. Auch in diesem Merkmal sind keine statistisch gesicherten Unterschiede erkennbar.
Erwartungsgemäß wurden im Wasserverbrauch die größten Unterschiede zwischen den beiden Tränkeverfahren festgestellt. Beim zeitlich begrenzten Zugang zu den offenen Tränken tranken die Tiere mehr, verbrauchten zusätzlich Wasser durch Kopf eintauchen, Wasser schöpfen und Gefiederpflege. Somit stieg der Wasserverbrauch in der Variante „Rundtränke“ um 14 % im Vergleich zur „Kontrolle“. Die absoluten Zahlen für den Wasserverbrauch lagen in den Kontrolldurchgängen bei durchschnittlich 19,3 l/Tier und in den Versuchsdurchgängen bei 22,0l/Tier. Es ergab sich ein Unterschied zwischen den Tränkevarianten von 2,7 l je Tier. Die Differenzen im Wasserverbrauch waren signifikant (p ≤ 0,01).
In einem Betrieb wurde in einzelnen Durchgängen der zeitliche Verlauf des Wasserverbrauchs je Tier und Tag festgestellt. In der nachfolgenden Abbildung wird nochmals deutlich, dass der Wasserverbrauch mit dem „Zuschalten“ der Rundtränken deutlich anstieg.
In den Versuchsdurchgängen war eine eindeutige Präferenz für die modifizierte Rundtränke gegenüber Nippeltränken vorhanden. Rein rechnerisch liegt bei den Rundtränken mit zeitlich begrenztem Zugang der Erwartungswert für den Wasserabruf bei 6 % - 8 % in einem Stall mit 3 – 4 Nippellinien (24 h Verfügbarkeit). Während des Zeitfensters von 6h/Tag wurden bei den offenen Tränken 21 % bis 23 % des Wasserverbrauchs abgerufen. Diese Tatsache zeigt die Vorliebe der Pekingente für offene Tränkesysteme. Aus wirtschaftlichen Überlegungen ist es somit dringend erforderlich den Zugang zu offenen Tränken zeitlich zu begrenzen, um den Wasserverbrauch und damit den Kostenfaktor „Wasser“ im Rahmen zu halten.
Der „Mehr-Wasserverbrauch“ in den Versuchsdurchgängen führte zu einem höheren Stroheinsatz. Da der Wasserverbrauch mit dem Alter der Tiere anstieg, musste ab dem ca. 35. Masttag täglich zweimal nachgestreut werden. Insgesamt stieg der Strohverbrauch in der „Rundtränken-Gruppe“ signifikant um 200 g je Tier an. Zusätzlich stiegen der Gülleanfall und demzufolge auch der Lagerraumbedarf für flüssigen Wirtschaftsdünger. In den Kontrolldurchläufen wurden die angefallenen Exkremente fast vollständig durch die Stroheinstreu gebunden. In den Versuchsdurchgängen dagegen konnte die größere ausgeschiedene Wassermenge – trotz zum Teil zweimaligem Nachstreuen – nicht mehr durch die Stroheinstreu aufgenommen werden. Der „nichtgebundene“ Gülleanfall lag in diesen Betrieben je Ente und Versuchsdurchgang bei 2,2 Liter. Nach der "Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen" (Anlagenverordnung – VAwS) vom 18. Januar 2006, die der Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie dient, müssen alle Betriebe für die Lagerung von Jauche und Gülle eine Lagerkapazität von grundsätzlich 6 Monaten schaffen. In 6 Monaten sind im Umtriebsverfahren 6,5 Durchgänge möglich. Um die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten, ist somit für 70 Mastplätze 1cbm Güllelagerraum erforderlich. Ein Entenmastbetrieb mit 13.500 Mastplätzen benötigt beispielsweise 193cbm Güllelagerraum.
Statistisch absichern lässt sich das Wasser-/Futterverhältnis. Der Wasserverbrauch je kg Trockenfutteraufnahme stieg von 2,90l in den Kontrolldurchgängen auf 3,42 l in den „Rundtränken-Durchgängen“. Somit ergab sich ein Unterschied von 0,52 l Wasser je kg Trockenfutter.
Weitere wichtige ökonomische Kriterien sind Futterverbrauch und Futterverwertung. Am günstigsten lagen Futterverbrauch und –verwertung in den „Versuchsdurchgängen“ (6,49kg/Tier Futterverbrauch, 2,21 kg Futter je kg Zuwachs). Die Vergleichswerte für die Kontrolle betrugen: 6,65 kg/Tier Futterverbrauch und 2,25 Futterverwertung. Der Unterschied von 0,16kg Futter je Tier zwischen den Tränkevarianten ist wirtschaftlich relevant. Es handelt sich aber lediglich um Tendenzen, die Differenzen waren nicht signifikant.
Mastleistungs- und Wasserverbrauchsdaten
| Merkmal |
Kontrolle |
Rundtränke |
S.E. |
Signifikanz |
| Mastdauer (Tage) |
41 |
40 |
0,419 |
n.s. |
| Mastendgewicht (kg/Tier) |
3,00 |
2,99 |
0,048 |
n.s. |
| Gesamtzunahmen (kg/Tier) |
2,95 |
2,94 |
0,048 |
n.s. |
| Tageszunahmen (g/Tag) |
72,57 |
73,37 |
0,001 |
n.s. |
| Verluste in der Mastphase (%) |
2,71 |
2,42 |
0,220 |
n.s. |
| Transport- und Schlachthofverluste (%) |
2,33 |
2,33 |
0,248 |
n.s. |
| Verluste gesamt (%) |
5,05 |
4,75 |
0,388 |
n.s. |
| B-Ware (%) |
4,04 |
4,48 |
0,567 |
n.s. |
| Gesamtwasserverbrauch (l/Tier) |
19,29 b |
22,02 a |
0,484 |
** |
| Tageswasserverbrauch (l/Tier) |
0,473 b |
0,550 a |
0,007 |
*** |
| Gesamtfutterverbrauch (kg/Tier) |
6,65 |
6,49 |
0,145 |
n.s. |
| Tagesfutterverbrauch (kg/Tier) |
0,163 |
0,162 |
0,003 |
n.s. |
| Futterverwertung |
2,25 |
2,21 |
0,029 |
n.s. |
| Wasser-/Futterverhältnis |
2,90 b |
3,42 a |
0,071 |
*** |
| Strohverbrauch |
2,30 b |
2,50 a |
0,046 |
* |
Wirtschaftlichkeit
Im nachfolgenden Kapitel werden die wirtschaftlichen Gesichtspunkte der beiden Tränkevarianten miteinander verglichen. Hierbei wurden die tatsächlich entstandenen Kosten der drei Betriebe zugrundegelegt.
Wirtschaftlichkeit der Tränkevarianten
|
Kontrolle |
Rundtränke |
Signifikanz |
| Erlös (ct/Tier) |
369,4 |
367,6 |
n.s. |
| Variable Kosten |
|
|
|
| Küken (ct/Tier) |
81,0 |
81,0 |
n.s. |
| Futter (ct/Tier) |
192,6 |
188,0 |
n.s. |
| Wasser (ct/Tier) |
2,3 |
2,5 |
* |
| Stroh (ct/Tier) |
7,0 |
7,5 |
* |
| Heizung (ct/Tier) |
8,0 |
8,0 |
n.s. |
| Strom (ct/Tier) |
4,8 |
4,8 |
n.s. |
| R+D, Kadaverbeseitigung, Fremdlöhne (Ausstallen) (ct/Tier) |
5,0 |
5,0 |
n.s. |
| Deckungsbeitrag (ct/Tier) |
68,7 |
70,8 |
n.s. |
| Festkosten |
|
|
|
| Gebäude (ct/Tier) |
22,5 |
22,5 |
n.s. |
| Maschinen (ct/Tier) |
5,6 |
5,6 |
n.s. |
| Zinsaufwand (ct/Tier) |
13,3 |
13,3 |
n.s. |
| Versicherung (ct/Tier) |
1,1 |
1,1 |
n.s. |
| Betriebseinkommen (BE) (ct/Tier) |
26,2 |
28,3 |
n.s. |
| Arbeit (ct/Tier) |
24,6 |
27,0 |
*** |
| Unternehmergewinn (ct/Tier) |
1,6 |
1,3 |
n.s. |
Im variablen Kostenblock ist der größte Unterschied zwischen den Varianten in den Futterkosten erkennbar. Der höhere Futterverbrauch in der Kontrolle (+0,16 kg/Tier) macht sich mit + 4,6 ct je Tier bemerkbar. Trotz gestiegener Wasser- und Strohkosten schneidet die Variante „Rundtränke“ in der Deckungsbeitragsberechnung mit 70,8 ct/Tier um 2,1 ct besser ab, als die Variante „Kontrolle“. Ursache dafür ist die höhere Futteraufnahme der „Kontrolltiere“. Aufgrund dieser Tatsache liegt die Vermutung nahe, dass durch den höheren Wasserverbrauch in den Versuchsdurchgängen die Futteraufnahme eingeschränkt wurde (weiteres Wasser-/Futterverhältnis in Versuchsdurchgängen).
Bei den Arbeitskosten wurden Unterschiede von 2,5 ct je Tier zwischen den Varianten festgestellt. Der höhere Arbeitsaufwand in der Variante „Rundtränke“ lässt sich wie folgt erklären:
- Gegen Ende der Mast täglich zweimaliges Nachstreuen erforderlich
- Zusätzliche Mist- und Gülleausbringung
- tägliche Reinigung der offenen Rundtränken
Nach Abzug aller Kosten bleibt bei den Kontrolldurchgängen lediglich ein Unternehmergewinn von 1,6ct je Tier; bei der Variante „Rundtränke“ schmälert sich dieser nochmals um 0,3ct auf 1,3ct je Tier. Nicht berücksichtigt wurden bisher die Investitionskosten für zusätzliche Entwässerung und Güllegrube sowie die Anschaffungskosten für die neue Tränkelinie.
Die nachfolgend dargestellte Tabelle enthält die Kosten der Zusatzinvestition und der statistisch gesicherten Produktionsfaktoren (Wasser, Stroh, Arbeit); diese Kalkulation gibt somit Aufschluss über die gesamten zusätzlich anfallenden Kosten einer Stallmast mit Rundtränken.
| Kostenfaktor |
|
Mehrkosten je 100 Erzeugter Tiere |
| Rundtränken |
Ø 247 Enten je rundtränke |
85 ct |
| Entwässerung und Güllegrube |
0,218 m³ je 100 Enten |
147 ct |
| Wasser |
+ 2,7 l/Tier + 0,1 ct/l |
27 ct |
| Stroh |
+ 0,20 kg/Tier + 3 ct/kg |
60 ct |
| Arbeit |
+ 9,94 min/100 Tiere |
249 ct |
| Gesamt |
|
568 ct je 100 Enten 5,7 ct je Ente |
Die oben stehende Tabelle zeigt, dass Einbau und Betrieb eines offenen Tränkesystems den Unternehmergewinn um insgesamt 5,7 ct je erzeugter Ente schmälert.
Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang aber auch, dass die Futterkosten im Erhebungszeitraum ein sehr hohes Niveau von netto 28,95 €/dt erreichten und darunter die Wirtschaftlichkeit erheblich gelitten hat. Aufgrund dieser Tatsache sollen betriebswirtschaftliche Auswertungen der Süddeutschen Pekingenten Erzeugergemeinschaften aus den Jahren 2003 – 2007 herangezogen werden, um die Gewinnentwicklung über einen längeren Zeitraum bewerten zu können. Laut Kalkulationen der Süddeutschen Pekingenten EG lag der Unternehmergewinn (Betriebseinkommen – Arbeitskosten) im Fünf-Jahres-Vergleich zwischen 5 und 8 ct/Tier. Das Betriebseinkommen (Erlös – variable Kosten – Feste Kosten) lag nach Betriebszweig Auswertungen (BZA) der Süddeutschen Pekingenten EG in den Jahren 2006 – 2009 bei durchschnittlich 32 ct je Tier. Das heißt: Bei herkömmlichen Mastställen mit Nippeltränken als alleiniges Tränkesystem muss ein Landwirt jährlich 156.250 Pekingenten mästen, um ein Betriebseinkommen von 50.000 € für eine Familie zu erwirtschaften. Dies entspricht einem Stall mit 11.575 Mastplätzen und 11.575 Aufzuchtplätzen. Berücksichtigt man nun noch die entstehenden Mehrkosten durch den Einbau und Betrieb eines offenen Tränkesystems, so reduziert sich das Betriebseinkommen auf 26,3 ct je Tier. Demzufolge müsste ein Landwirt 190.114 (+ 33.864 Enten) Pekingenten mästen, um das Betriebseinkommen von 50.000 € zu erzielen.
Diese Auswertungen zeigen, dass die Pekingentenmast bereits mit herkömmlichen Nippeltränken ein „Cent-Geschäft“ ist und der Einbau eines offenen Tränkesystems bei gleichen Marktpreisen die Wirtschaftlichkeit der Entenmast in Deutschland in Frage stellt.
Schlussfolgerungen
In drei landwirtschaftlichen Entenmastbetrieben wurde getestet, ob der Einsatz eines offenen Tränkesystems als Ergänzung zur herkömmlichen Nippeltränke den Ansprüchen der heutigen Pekingentenmast gerecht werden kann. Das Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Geflügelhaltung in Kitzingen beleuchtete dabei Mastkennzahlen und wirtschaftliche Aspekte.
- Bei der Wahl zwischen Nippeltränke und Rundtränke wurde das offene Tränkesystem von den Pekingenten klar bevorzugt, der Wasserverbrauch je erzeugter Pekingente erhöhte sich um 2,7l.
- Die Mastleistungsdaten zeigten keine signifikanten Unterschiede zwischen Kontroll- und Versuchsdurchgängen.
- Durch den etwas geringeren Futterverbrauch in der Versuchsgruppe und die tendenziell bessere Futterverwertung kann vermutet werden, dass bei steigender Wasseraufnahme der Futterverbrauch rückläufig ist. Hier besteht jedoch weiterer Forschungsbedarf.
- Das Anbieten eines offenen Tränkesystems in der Pekingentenmast ist technisch bei Neubauten durchführbar. In Altgebäuden ohne ausreichendes Gefälle und funktionierendes Abflusssystem ist kein zufriedenstellender Wasserabfluss möglich. Der Bereich um die Rundtränke war in Altanlagen sehr feucht und daher hygienisch problematisch.
- Die Mehrkosten für die Zusatzinvestitionen in eine Tränkelinie mit Rundtränken, Entwässerung und Güllelagerung sowie die steigenden Kosten für Wasser, Stroh und vor allem Arbeit liegen bei insgesamt 3,4 ct je Tier. Es stellt sich die Frage, ob es den Pekingentenmästern gelingen wird, diese zusätzlich entstehenden Kosten an die Verbraucher weiterzureichen. Der in der Vergangenheit erzielte durchschnittliche Unternehmergewinn von 5 – 8 ct je Ente lässt aus betriebswirtschaftlicher Sicht keine weiteren Einschnitte zu, denn die Mehrkosten würden – selbst in Zeiten guter Erlössituationen – mindestens 71% des Unternehmergewinns „aufzehren“.
- Die Pekingentenmast zählt – durch das häufige Nachstreuen während der Mastperiode – zu den arbeitsaufwändigsten Produktionsverfahren der Geflügelmast. Um das Nachstreuen auf 1 x täglich zu begrenzen, ist zu überlegen, die Rundtränken bei Neubauten auf Kunststoffroste mit darunterliegenden Güllekanälen zu stellen. Somit wird das von den Enten genutzte Wasser direkt in den Entwässerungskanälen aufgefangen, sodass ein zweites, arbeitsintensives Nachstreuen nicht erforderlich ist.
- Der Selbstversorgungsgrad in der Entenmast liegt in Deutschland bei 77,1% (MEG-Markbilanz 2009). Das heißt, ca. 23% des in Deutschland verbrauchten Entenfleisches wird – in erster Linie aus europäischen Mitgliedsstaaten – importiert. Um die deutsche Selbstversorgung auf dem bestehenden Niveau zu halten oder gar zu steigern, sollten den Entenmästern keine zusätzlichen nationalen Auflagen gemacht werden, die die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber europäischen Mitbewerbern erschweren und weitere Marktanteile kosten.
- Sollten zukünftig rechtsverbindliche Vorgaben die Haltungsbedingungen von Pekingenten regeln, so gilt es, einen vertretbaren Kompromiss zwischen Tierschutz und Wirtschaftlichkeit zu finden. Ist also der Einbau eines offenen Tränkesystems für deutsche Entenmäster – aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse des Tierschutzes – unumgänglich, so sollte der Staat die Rahmenbedingungen so gestalten, dass die deutschen Entenmäster auch in Zukunft Perspektiven und Anreize für die Bewirtschaftung ihrer Betriebe haben. Kostenintensive Auflagen bezüglich „tierfreundlicher Haltung von Pekingenten“ sollten nur für Neubauten gelten, für bestehende Mastställe sollte es ein Anliegen sein, längerfristige Übergangsregelungen zu vereinbaren.
- Auf europäischer und nationaler Ebene wird erwogen, ein Tierschutzlabel einzuführen, das besonders tiergerecht erzeugte Produkte auszeichnet. Durch diese Tierschutzkennzeichnung könnte der Verbraucher besonders tierschutzgerecht erzeugte Pekingenten-Fleischprodukte erkennen und diese durch seine Kaufentscheidung möglicherweise preislich honorieren.
Weitere Ergebnisse dieser Studie, u.a. zu den Bereichen Tiergesundheit und Tierverhalten werden demnächst vorgestellt.
Wir bedanken uns bei den beteiligten landwirtschaftlichen Betrieben Gebhard Göller in 74744 Ahorn/Berolzheim, Georg Rohrmeier in 84066 Mallersdorf/Pfaffenberg und Wolfgang Wild in 97294 Unterpleichfeld für ihre Mitwirkung und die gute Zusammenarbeit.
Projektpartner:
Ludwig-Maximilians-Universität München, Lehrstuhl für Tierschutz, Verhaltenskunde, Tierhygiene und Tierhaltung
Februar 2011
Katja Zapf, Stefanie Urselmans
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Geflügel- und Kleintierhaltung Kitzingen
Tel.: 09321/39008-0 • Fax 09321/39008-299
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