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Michaela Messerschmidt und Benson siegen im iWEST Alpen Cup
Das Vielseitigkeitsturnier lockt mehr als 3000 Zuschauer nach Schwaiganger
Bundestrainer Hans Melzer begeistert von Schwaiganger
„Das Turnier ist von Anfang an gut gelaufen. Ich bin superstolz auf meinen Benson“, erklärte Michaela Messerschmidt nach dem Sieg im iWEST® Alpen Cup, einer internationalen Zwei-Sterne Vielseitigkeitsprüfung. Am Freitag hatte sich das Paar mit einer guten Dressurvorstellung und 41,6 Strafpunkten eine gute Ausgangsposition gesichert. Nach einer sicheren Geländerunde ohne Hindernisfehler ging die zweimalige Mannschafts-Europameisterin der ländlichen Vielseitigkeitsreiter mit insgesamt 45,20 Punkten in Führung. Auch den Parcours am Sonntag beendete die Hessin aus Altenstadt mit ihrem 14jährigen irischen Halbblüter fehlerfrei und siegte verdient.
Sonja Buck (RA TSV Altensteig) und ihr bewährter Ohio waren mit dem besten Dressurergebnis von nur 38 Strafpunkten als Favoriten in den Cross Country gegangen. Hier blieb die 21jährige Vielseitigkeits-Mannschaftseuropameisterin der Jungen Reiter bis kurz vor dem Ziel fehlerfrei und lag gut in der Zeit, als ihr am vorletzten Hindernis ein verhängnisvolles Missgeschick unterlief. Sie ritt einen falschen Sprung an und musste qualifiziert werden. Die erfolgreiche bayerische Juniorin Delia Mangelkramer (RTG Bruckmühl) mit ihrem 11jährigen Federweisser-Sohn Finn, nach der Dressur noch auf Platz zwei, schied nach drei Verweigerungen im Gelände aus. Dagegen konnte sich Esther Andres mit ihrem 10jährigen Assistent-Sohn Schwalbenprinz nach dem Cross vom dritten auf den zweiten Rang vorschieben, den sie auch im abschließenden Springen behauptete. Außerdem wurde die Schweizerin für ihr gutes, pferdefreundliches Reiten mit dem Stilpreis ausgezeichnet. Für sie waren es rundum schöne Turniertage. „Ich war vor zwei Jahren schon mal hier. Die Plätze sind inzwischen erneuert worden. Der Event hat sich gut weiter entwickelt“, so die Schweizerin.
Salino, der vierbeinige Professor
Melanie Held und der mittlerweile 17jährige Saint Cloud-Sohn Salino TSF lagen nach der Dressur noch abgeschlagen auf Platz 18. Doch der vierbeinige Professor kämpfte im Gelände für seine Reiterin. Das Paar blieb hier als einziges fehlerfrei und in der erlaubten Zeit. Auch im Springen ließen sich die Beiden keinen Strafpunkt zu Schulden kommen und beendeten den iWEST® Alpen Cup als Dritte. Unter den 17 platzierten Teilnehmern waren sieben Paare aus Deutschland, je drei Paare aus Italien, Österreich und der Schweiz sowieein französisches Paar. Insgesamt acht der 43 Paare beendeten den Geländekurs nicht. Zwei Stürze blieben zum Glück ohne gravierende Folgen.
Anspruchsvolle Geländekurse
Rüdiger Schwarz, Bundesjugendtrainer und ein international gefragter Kursdesigner, hatte die Geländestrecke anspruchsvoll gestaltet. Die schönen, einladend gebauten Hindernisse fielen positiv auf. Nach schweren Regenfällen an den Vortagen hatte der Boden zwar an einigen Stellen gelitten, war aber insgesamt gut. Das hügelige Gelände, die Linienführung und die Sprungkombinationen forderten Kondition, Rittigkeit und technisch sauberes Reiten. Manche Teilnehmer stießen hier an ihre Grenzen.
Im NÜRNBERGER CUP, dem Ein-Sterne-Event, schieden elf der insgesamt 88 Paare aus. Vier Stürze verliefen glimpflich. „Ich habe den Eindruck, dass das Leistungsniveau im Süden doch schwächer als im Norden ist. Vielen Reitern fehlt es noch an Erfahrung und Routine auf diesem Niveau. Man bräuchte im Süden mehr anspruchsvolle Kurse wie in Schwaiganger, damit Reiter und Pferde sich weiter entwickeln können“, sagte Schwarz.
Überraschungen im Parcours
Anders als in der Zwei-Sterne-Prüfung wurde die Rangierung der Spitzengruppe im NÜRNBERGER CUP durch das abschließende Springen noch einmal kräftig durcheinander gewirbelt. Am Ende siegte der Schweizer Felix Vogg mit dem 9jährigen Hand in Glove xx-Sohn Onfire vor der Italienerin Lisa Deghé mit dem 8jährigen Narcisco-Sohn Nibble und Nina Schultes von der TG Haupt- und Landgestüt Schwaiganger mit dem 12jährigen Negro-Sohn ZitnasQuitellis. Alle Drei blieben im Parcours fehlerfrei. Nach Dressur und Gelände hatte die Lokalmatadorin Julia Mestern von der TG Haupt- und Landgestüt Schwaiganger mit dem 8jährigen Connery-Sohn Feenzauber iWEST® souverän mit nur 32,60 Punkten in Führung gelegen. Der Abstand zu Felix Vogg mit Onfire betrug komfortable 7,2 Punkte. Doch im Parcours handelte sich die B-Kaderreiterin zwölf Strafpunkte ein und fiel auf den vierten Platz zurück. „Der Hengst hatte eine verdiente Pause. Ich habe ihn längere Zeit nicht gesprungen. Deshalb war er heute ein bisschen wild. Aber ich bin trotzdem sehr zufrieden“, erklärte Mestern. Die Besitzerin und Sponsorin, Dr. med. vet. Dorothe Meyer, nahm es mit Humor. „Mein Pferd ist sehr höflich. Als guter Gastgeber hat er den Gästen den Vortritt gelassen. Mehr Lebensart kann man nicht haben“, meinte die iWEST®-Chefin schmunzelnd.
Mit dem erst 6jährigen Bayerischen Landbeschäler Halimey Go lief es im Parcours des NÜRNBERGER CUPS für Mestern ebenfalls nicht optimal. Wegen drei Springfehlern fiel das Paar vom dritten auf den zwölften Platz zurück. Dafür blieb die Bronzemedaillengewinnerin der Deutschen Meisterschaften mit der 8jährigen AskaiWEST®, wie Halimey Go eine Askar AA-Tochter, beim Springen fehlerfrei und schob sich vom zehnten auf den siebten Platz vor. „Aska war heute super“, freute sie sich. Mit Leo von Faelz, einem 8jährigen Leonce-Sohn, handelte sie sich einen Vorbeiläufer im Gelände ein. „Leo ist ein tolles Pferd. Ich habe leider zu spät reagiert“, bedauerte sie. Eine weitere Platzierung verbuchte Mestern in der Geländepferdeprüfung Klasse A mit ihrem erst 4jährigen Connery-Sohn Sean Connery. Auch der 5jährige Cleveland-Sohn ChristoballiWEST® machte seine Sache gut. Gewonnen wurde die Prüfung von Nadine Held aus Massenhausen mit Gold Hera JW, einer fünfjährigen Heops-Tochter. Den Sieg in der Geländepferdeprüfung der Klasse L sicherte sich Robert Sirch vom RV Lechtal mit der 6jährigen Chambertin-Tochter Schnappi.
Kombinierte Mannschaftswertung
Die kombinierte Mannschaftswertung der Ein- und Zwei-Sterne-Prüfung, bei der mindestens ein Reiter im iWEST® Alpen Cup starten musste, gewann das Team aus Deutschland mit Julia Mestern auf Feenzauber iWEST®, Alfred Bierlein auf Indurain, Nina Schultes auf ZitnasQuitellis und Bernd Backhaus auf Herr Poitzmann mit 142,70 Punkten. Zweiter wurde das Team Schweiz 2 mit Brigitte Peterhans auf Chemara V. Kappensand CH, Severine Menoud auf Guapa, Sylvia Lugeon auf Nilios En Solo CH und Esther Andres auf Schwalbenprinz mit 157 Punkten. Dritter wurde das Team Österreich 1 mit Dagmar Lipp auf Boleybawn Prince, Michaela Iglhauser auf Heraldik's Heart, Katrin Khoddam-Hazrati auf Roseanne und Richard Mühlböck auf Little Cheeky mit 158,30 Punkten. Insgesamt nahmen 16 Mannschaften an der Wertung teil. Dotierung und Ehrenpreise hatte die Sponsorengemeinschaft iWEST® und NÜRNBERGER VERSICHERUNGSGRUPPE übernommen.
Die fleißigste Reiterin dieses Turniers war Julia Mestern, die insgesamt sechs Pferde an den Start brachte. Drei Pferde ritt sie ohne Zeit- und Hindernisfehler über den anspruchsvollen Ein-Sterne-Kurs und platzierte sich mit ihnen unter den zwölf Besten. Das ist eine tolle Leistung. Aber nicht nur deshalb war die Berufsreiterin nach dem Turnierende am Sonntagabend glücklich. „Die Pferde stehen schon in ihren Boxen. Ich muss nicht mehr alles zusammenpacken und stundenlang nach Hause fahren. Die Stimmung hier ist entspannt. Das genieße ich jetzt schon“, meinte sie lächelnd. Aber auch die Gäste genossen den Event vor der eindrucksvollen Alpenkulisse. „Wir sind gerne zehn Stunden gefahren, um hier zu reiten“, erklärten die Franzosen. Die Italiener waren ebenfalls begeistert und wollen im nächsten Jahr mit noch mehr Teilnehmern wieder kommen. „Es sind die vielen Kleinigkeiten, die das Turnier hier so schön machen. Die Boxen sind perfekt eingestreut, wenn man kommt. An der Tür hängt ein Bund Karotten und ein Namensschild fürs Pferd. Alle geben sich sehr viel Mühe und sind nett. Es gibt für alle Platzierten tolle Ehrenpreise. Schwaiganger ist was Besonderes“, fand Michaela Messerschmidt.
Positive Resonanz
Das neue Veranstalterteam von der TG Haupt- und Landgestüt Schwaiganger hat seine Feuerprobe bestanden. Die Gestütsmitarbeiter und viele freiwillige Helfer und Unterstützer, allen voran Albrecht von Bredow, waren unermüdlich im Einsatz und machten das Turnier zu ihrem gemeinsamen Projekt. Besonders viel Lob erhielt Peter Wallner für sein professionelles Stallmanagement. Er wurde mit dem Spontanpreis geehrt, war aber nicht anwesend, weil er zu tun hatte. „Was das Team im Hintergrund geleistet hat, ist enorm“, betonten Landstallmeister Dr. Eberhard Senckenberg und die Sponsoren. Gerhard W. Meyer, Geschäftsführer der Firma iWEST®, hob auch den Schulterschluss mit Josef Priller, dem Stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden der NÜRNBERGER VERSICHERUNGSGRUPPE, hervor. „Wir sind uns einig. Das ist schön“, betonte er. Gute Kritiken erhielt der Event auch von Hans-Peter Schmidt, dem Präsidenten des Bayerischen Reit- und Fahrverbands und Aufsichtsratsvorsitzender der NÜRNBERGER VERSICHERUNGSGRUPPE, sowie von Regierungsrat Anton Sauerer, dem Vertreter des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.
Stimmungsvolle Schaubilder am Sonntag
Auch wenn das Turnier erstmals nicht im Rahmen der Gestütsschau stattfand, nutzte das Bayerische Haupt- und Landgestüt Schwaiganger die Gelegenheit, seine Haflinger, Kalt- und Warmblüter mit stimmungsvollen Schaunummern am Sonntagnachmittag in Szene zu setzen. Das bayerische Lokalkolorit kam bei den Zuschauern ganz besonders gut an, so etwa der kombinierte Kaltblut-Wettbewerb, bei dem jeweils ein Gespann und ein Reiter ein Team bildeten oder das Tauziehen zwischen kaltblütigen PS-Stärken und gestandenen Mannsbildern. Beim Anblick der frei laufenden gemischten Stuten- und Fohlenherde ging wohl jedem das Herz auf. Ein weiterer Höhepunkt war die mit viel Mühe einstudierte Einspänner-Quadrille, bei der es leider stark regnete. Von den heftigen Unwettern, die im Umkreis tobten, blieb Schwaiganger jedoch verschont. „Wir haben großes Glück gehabt“, war man sich einig.
Um weiter an Verbesserungen arbeiten zu können, hatte man Fragebogen an die Aktiven ausgegeben. Neben einigen guten Anregungen gab es fast nur Bestnoten und erfreulich viele positive Kommentare. „Ein Vorzeigeturnier, wo sich Pferd und Reiter einfach nur wohlfühlen können“, hieß es zum Beispiel. Das freute Dr. med. vet. Dorothe Meyer ganz besonders, denn das Wohl der Pferde liegt ihr sehr am Herzen. Aber auch für die Reiter ließ sich die Futterexpertin etwas einfallen. An der Vitaminbar mit frischem Obst und selbst gemischtem Müsli bediente man sich gerne. „Ich habe in den Turniertagen mehr Obst gegessen als in der ganzen Woche zu Hause“, verriet Michaela Messerschmidt.
Gute Perspektiven für den weiteren Aufbau des Turniers
Bundestrainer Hans Melzer nahm den Event erstmals persönlich in Augenschein. „Ich bin echt begeistert von den Möglichkeiten, die hier bestehen. Das schöne Gut, die Plätze, das herrliche Gelände, es ist alles da. Wenn man eine gute Trasse findet, die auch Regenfällen standhält, kann das eine ganz tolle Veranstaltung werden“, ist er optimistisch. Im nächsten Jahr werden in Schwaiganger die Deutschen Mannschaftsmeisterschaften stattfinden – ein weiterer Schritt nach vorne. Langfristig wünschen sich der Veranstalter und die Sponsoren, dass sich der Event zum Drei-Sterne CIC entwickelt. Dafür sind allerdings weitere Investitionen notwendig.
Weitere Informationen und Ergebnisse unter www.alpencup.iwest.de.
Sabine Neumann
Juli 2011
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Pferdehaltung Haupt- und Landgestüt Schwaiganger
Tel.: 08841/6136-0 • Fax: 08841/6136-66
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