Forschungsprojekt zur Vermeidung von Geruchsabweichungen im Fleisch von Jungebern

Die Schweinehaltung in Deutschland steht vor einer ihrer größten Herausforderungen: Ab 2019 ist die betäubungslose Kastration von Ferkeln aus Tierschutzgründen gesetzlich verboten. Eine von mehreren Alternativen ist die Mast von Jungebern.

Beteiligung am STRAT-E-GER Projekt

Im Rahmen eines bundesweiten Forschungsprojektes zur Entwicklung von "Strategien zur Vermeidung von Geruchsabweichungen bei der Mast unkastrierter Schweine" (STRAT-E-GER) wurden u. a. an der LPA Schwarzenau seit 2013 ca. 1.000 Jungeber (PI x DL/DE) auf Mastleistung geprüft. Anschließend wurden am Schlachtkörper Gewebeproben zur Ermittlung von Geruchs- und Geschmacksabweichungen entnommen.
Dabei wurden die Androstenon- und Skatol-Konzentrationen im Rückenspeck gemessen und diese Proben zusätzlich durch qualifizierte Prüfpersonen am Schlachtband sowie im Sensorik-Labor der Universität Göttingen humansensorisch (HNS) bewertet. Die dortigen Wissenschaftler entwickelten standardisierte Riechtests, um sensible Prüfer zur Feststellung von Geruchsabweichungen am Schlachtband auszuwählen und zu trainieren. Technische Lösungen zur objektiven Geruchserkennung im Routinebetrieb stehen zur Zeit nicht zur Verfügung.
An der Universität Bonn wurden unter Verwendung von Genotyp-(Illumina Porciner 56 K + SNP Beadchip) und den genannten Phänotyp-Daten genomische Schätzformeln entwickelt, die von den beteiligten Zuchtorganisationen zur Zuchtwertschätzung und Selektion für das Merkmal Ebergeruch in der Pietrain (PI) Population genutzt werden können. Modellberechnungen zeigen, dass der Anteil von Tieren, die vermehrt Geruchsstoffe einlagern, durch gezielte Selektion erheblich verringert werden kann.
Mastbucht mit JungebernZoombild vorhanden

Mastbucht mit Jungebern

Projektträgerschaft und beteiligte Institute
Das Projekt wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gefördert.
Neben den beiden Universitätsinstituten waren Zucht- und Besamungsorganisationen - unter anderem der Besamungsverein Neustadt an der Aisch (BVN) - und einige Schlachtunternehmen beteiligt.

Pressebericht "Ferkelkastration ist nicht alternativlos" Georg-August-Universität Göttingen Externer Link