Rückblick Schweinefachtagung Schwarzenau

Kaltluftmaststall

Rückblick zur Schweinefachtagung in Schwarzenau am 21.02.2018

Einheitsware oder Vielfalt
Praktikerforum diskutiert Marktnischen für Premiumfleisch

Die Schweinehaltung in Deutschland findet heute unter standardisierten, streng regulierten Hal-tungsbedingungen statt. Dadurch ist Schweinefleisch aus Deutschland international sehr wettbewerbsfähig. Gleichzeitig führt jedoch der wachsende Konkurrenzdruck insbesondere bei den in Süddeutschland verbreiteten Bestandsgrößen zu einem verstärkten Strukturwandel.

Die Fachtagung befasst sich mit den Marktchancen von Premiumfleisch, welches unter besonders tiergerechten Haltungsbedingungen und mit hochpreisigen Futtermitteln erzeugt wurde.

Dass der Einzelhandel bestrebt ist, sich mit Qualitätsprogrammen abzuheben, zeigte Klaus Dorsch, Redaktionsleiter top agrar, anhand vieler Beispiele aus Bayern und Baden-Württemberg auf. „Schweinefleisch aus Bayern“ mit entsprechendem Qualitätssiegel wird immer knapper. Schweinehalter sollten aus dieser Situation mehr Wertschöpfung generieren, jedoch in jedem Einzelfall die Wirtschaftlichkeit zusätzlicher Auflagen prüfen.

Dem Wandel des Qualitätsbegriffes von der reinen Produktqualität bis zur Berücksichtigung der Prozessqualität mit entsprechenden Forderungen bezüglich Umwelt, Tierschutz und Sozialstandards zeigte Peter Sutor in seinen Ausführungen auf. Von Vermarktern geforderte Qualitätsdifferenzierungen können nur mit zunehmendem Aufwand in der Produktionskette und zusätzlichem Kontrollaufwand gewährleistet werden.

Die Kosten für zusätzliche Auflagen bei Nischenprodukten stellte Josef Weiß in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Für die Mast in einem „Tierwohlstall“ mit Einstreu errechnete er in einem Beispiel Mehrkosten von 19 Ct. je kg Schlachtgewicht im Vergleich zur Mast in konventionellen Ställen mit Vollspaltenboden.Tierwohl hat also seinen Preis, der an der Ladentheke allerdings nur von wenigen Kunden akzeptiert wird. Leichter und schneller realisierbar ist die Honorierung von mehr Tierwohl bei konzertierten Initiativen wie z. B. „Initiative Tierwohl“ und der Vermarktung von Regionalität.

Resüme der Veranstaltung: Für die Mehrheit der Schweinehalter wird wie z. B. beim Programm „geprüfte Qualität Bayern“ eine Nischenstrategie mit Haltungssysteme über dem gesetzlichen Standard nicht wirtschaftlich und unrealistisch sein.
Für einige wenige süddeutsche Schweinehalter mit bereits vorhandenem höheren Haltungskomfort und entsprechender Nachfrage kann jedoch die Nischenstrategie am „Massenmarkt“ vorbei ein er-folgversprechendes Zukunftsmodell sein.

Welche Auswirkungen das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes vom 08.11.2016 auf das Hal-tungssystem im Deckzentrum für Sauen hat, wurde im zweiten Teil der Tagung diskutiert. Das Eck-punktepapier des Bundeslandwirtschaftsministeriums zur künftigen Haltung um den Besamungszeitpunkt und Umsetzungsmöglichkeiten im praktischen Betrieb wurde von Christina Jais vorgestellt. Demnach werden Standbreiten für Kastenstände von 60 bis 90 cm statt bisher 65 – 70 cm und eine Standlänge von 220 cm statt 200 cm gefordert. Die Dauer der Einzelhaltung von Sauen im Kastenstand soll auf max. 8 Tage statt bisher rd. 35 Tage reduziert werden. Nahezu alle Sauenhalter werden den Deckbereich an die zu erwartenden neuen Haltungsvorgaben anpassen müssen und sollten sich vor Umbaumaßnahmen über die Vielzahl der möglichen Systeme ausgiebig informieren. Aufgrund der hohen Umbaukosten sollten von politischer Seite ausreichend lange Übergangsfristen von etwa 20 Jahren vorgesehen werden.
Langjährige Erfahrungen mit der Einzelhaltung von Sauen nur während des Besamungsvorganges und mit unterschiedlichen Kastenständen in den Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf stellte Roberto Kurt vor. Über die Versuchsergebnisse bei verkürzter Kastenstandhaltung in Schwarzenau berichtete Hartmut Dittmann. Beide Schweineexperten konnten keine negative Auswirkungen einer kürzeren Einzelhaltung auf Tierverhalten und Fruchtbarkeit der Sauen feststellen.

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