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Melken ist nicht nur ein technischer Vorgang

In der Landwirtschaft besteht allgemein die Situation, dass immer weniger Menschen immer mehr Arbeit in kürzerer Zeit bewältigen müssen. Von dieser Rationalisierung ist auch der Melkvorgang betroffen. Um das Melken zu beschleunigen werden Zusatzausrüstungen eingesetzt, d.h., das Melken wird teilautomatisiert. Überlässt allerdings der Melker seine Kühe zu sehr der Technik, kann diese Problemlösung schnell zu großen Schwierigkeiten führen. Beim Melkvorgang muss man bedenken, dass es sich um ein Zusammenspiel von Mensch, Tier und Technik handelt. Erfolgreich wird dies nur sein, wenn alle 3 „Beteiligten“ gut miteinander harmonisieren.

Der Mensch

Richtiges Melken verlangt Fachwissen und handwerkliches Können. Den guten Melker macht die in der Praxis gewonnene Erfahrung aus. Nur durch sie gelangt er zu der notwendigen Sicherheit, die ihn zu richtigem Handeln befähigt. Der gute Melker zeichnet sich durch eine gewissenhafte Arbeitsweise und einen geduldigen, einfühlsamen Umgang mit den Tieren aus. Geht der Melker auf die individuellen Bedürfnisse seiner Kühe ein und überwacht die Melktechnik laufend, so wird ihm die Melkarbeit nie eintönig erscheinen. Das ist bei einer Tätigkeit, die täglich zweimal zu bewältigen ist, besonders wichtig. Verlässt sich der Melker dagegen blind auf die Technik und erkennt als Leistung nur die Anzahl gemolkener Kühe je Stunde an, wird er die Arbeit bald als Last empfinden. Er wird in seiner Arbeitsweise nachlässig und erzeugt Stress, der sich auf die Kühe überträgt. Hat sich beim Melken ein Fehler erst einmal eingeschlichen, kann der Schaden sehr groß werden, da er sich mit mehreren Faktoren multipliziert: Schaden = 2 x Melkzeit x Kuhzahl Der Unterschied zwischen beiden Arbeitsweisen lässt sich an Zellgehalt und Durchschnittsalter der Kühe ablesen.

Die Kuh

Für den Melkverlauf ist eine gelungene, wirkungsvolle Stimulation von großer Bedeutung. Gut stimulierte Kühe werden schnell und gründlich leer und damit schonend gemolken. Für eine vollwertige Stimulation reichen die Routinearbeiten „Wegmelken“ und „Euterreinigung“ unmittelbar vor Melkbeginn nicht aus, es gehört vielmehr ein gewisses Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Tier dazu. Ein gut gelaunter Melker schafft aber nicht nur die Voraussetzung für eine wirkungsvolle Stimulation – er erleichtert sich und seinen Kühen die gesamte Melkarbeit. Beim Kuhwechsel im Melkstand kann beispielsweise viel Zeit und Arbeit gespart werden, wenn alle Kühe freiwillig kommen und nicht nur diejenigen, die „die Milch drückt“. Kühe sind von Natur aus träge, behäbige Tiere. Jede Art Lärm, Unruhe oder Hektik stört sie empfindlich und muss – zumindest beim Melken – vermieden werden, weil es zum Aufziehen der Milch, also zu verlängertem Melken führt. Gerade bei heutigen Hochleistungskühen mit sehr empfindlichen Eutern kommt es besonders darauf an, die Melkdauer möglichst kurz zu halten, da auch moderne Melksysteme die Durchblutung der Zitzen beeinträchtigen können. Abhilfe schafft hier nur ein zügiges Beenden des Melkvorganges mit rechtzeitigen und gefühlvollen Ausmelkgriffen. Die Melkmaschine darf für die Kuh keinesfalls unangenehm oder gar schmerzhaft sein.

Die Technik

Die einzelnen Hersteller von Melkmaschinen unterscheiden sich in der Grundausstattung nur unwesentlich. Größere technische Unterschiede gibt es bei den Zusatzausrüstungen für teilautomatisiertes Melken. Hier gehen die Meinungen über Anforderung und Bauweise weit auseinander. Alle Zusatzausrüstungen haben eine höhere Melkleistung zum Ziel. Sie entlasten den Melker von sogenannten Routinearbeiten, wodurch er mehr Melkeinheiten bedienen, also schneller melken kann. Da sich die Technik kaum auf die individuellen Bedürfnisse der Kühe einstellen kann, wird jedoch die Melkdauer der einzelnen Kuh u. U. länger Zusammenfassung Melken kann nur im „Einklang“ aller beteiligten Faktoren erfolgreich sein. Nur der Mensch kann zwischen Tier und Technik ausgleichend wirken. Kuhkomfort muss beim Melken deshalb vom Melker ausgehen. Die Kühe sind durch ihre hohen Leistungen sensibel geworden. Ein hektischer Melker und zu viel Melktechnik können schnell zu Problemen führen.



März 2007
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft
Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Milchviehhaltung und Grünland
Spitalhof

Tel.: 0831/57130-0 • Fax: 0831/57130-15