Getreide- und Leguminosenkeimlinge in der Öko-Geflügelmast

Ackerbohne mit Blüten
Die Forderung der EU-Ökoverordnung nach 100% Öko-Fütterung bis Ende 2017 stellt eine Herausforderung hinsichtlich der zukünftigen Verfügbarkeit von ökologisch produzierten Eiweißfuttermitteln dar. Die bayerische Eiweißinitiative hat sogar das Ziel, den Eiweißbedarf in der ökologischen Tierhaltung künftig ausschließlich aus heimischer Erzeugung zu decken. Besonders in der Ernährung von Monogastern (z.B. Schweine, Geflügel) müssen verschiedene Wege gefunden werden, um die Verfügbarkeit des vorhandenen Eiweißes in der Fütterung durch Aufbereitung und Fütterungsstrategien zu erhöhen und somit noch effizienter einsetzen zu können.

Projektbeschreibung

Es gibt vielversprechende Hinweise aus der Literatur, dass Getreide durch gezieltes Keimen einen erhöhten Beitrag zur Aminosäureversorgung in der Geflügelfütterung liefern kann (Flamme 2003, Chavan et al. 1989, Harmuth-Hoene 1987, Oloffs et al. 2000). Bei Beginn des Keimprozesses wird im Korn das Enzym Phytase gebildet. Die Phytase baut die Phytinsäure ab, wodurch der darin gespeicherte Phosphor frei wird. Dieses wiederum kann im Gegensatz zur phosphathaltigen Phytinsäure von Monogastriern verwertet werden. Durch die bessere Verwertung können wertvolle fossile Phosphatreserven geschont werden. Körnerleguminosen wie Sojabohne, Ackerbohne, Erbse, Lupine oder Wicke, die einen Rohproteingehalt zwischen ca. 22% (Erbse) und 35 % (Sojabohne und Lupine) aufweisen, ist der Einsatz bei Geflügel aufgrund antinutritiver Inhaltsstoffe (z.B. Lecithine, Protease Inhibitoren, Tannine, Saponine, Alkaloide, Cyanglycoside, Isoflavone) nur eingeschränkt möglich. Durch eine Aufbereitung, wie dem Keimen der Körnerleguminosen werden Anteile dieser antinutritiven Stoffe verringert, sowie die Aminosäureverfügbarkeit für das Geflügel verbessert (Wink, 1998). Zusätzlich liefert die Fütterung mit Keimlingen in Form einer Feuchtfütterung mögliche weitere Vorteile, in der längeren Beschäftigung der Futteraufnahme, dem Gesundheitszustand und beim natürlichen Futtersuchverhaltenwas. Dies könnte möglicherweise zu einer deutlichen Verbesserung des Tierwohls führen. Systematische Fütterungsversuche mit ökologischen Futterkomponenten sowie Rationsempfehlungen und ökonomische Bewertungen des Keimverfahrens für die Praxis fehlen jedoch noch, daher soll in dieser Studie der zusätzliche Arbeits- und Energieaufwand dem zusätzlichen ernährungsphysiologischen Nutzen gegenübergestellt werden.

Zielsetzung

In diesem Projekt sollen geeignete Futterrationen mit gekeimten Getreide und Leguminosen in der Hähnchenfütterung evaluiert und geprüft werden. Dabei steht die Erhöhung der Eiweißverfügbarkeit der Futtermittel durch gezielte Aufbereitung und Keimung im Fokus. Das Projekt soll zur Sicherung und Verbesserung der Versorgung mit heimischem Eiweiß im ökologischen Landbau beitragen.

Projektinformation

Projektleiter: Dr. Klaus Damme (LVFZ Kitzingen), Sabine Obermaier (Institut für Ökologischen Landbau, Bodenkultur und Ressourcenschutz)
Externe Kooperationpartner: TUM Lehrstuhl für Tierernährung, WidOb GmbH, Söllradl GmbH, TGD Bayern e.V., LVÖ
Projektlaufzeit: 2015 – 2017
Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten