Einsatz und Etablierung von Raubmilben zur nachhaltigen Spinnmilbenkontrolle in der Sonderkultur Hopfen

Personen arbeiten in Hopfenreihen
Die nachhaltige Spinnmilbenkontrolle durch etablierte Populationen von Raubmilben im Bestand, wie sie z.T. im Wein- oder Obstbau praktiziert wird, ist derzeit im Hopfen nicht möglich, da keine Strukturen für eine Überwinterung der Nützlinge zur Verfügung stehen. Dass Spinnmilbenbekämpfung im Hopfen mit Raubmilben jedoch möglich ist, haben Vorversuche bereits gezeigt.

Ziel

In dem dreijährigen Projekt soll einerseits versucht werden, den Einsatz gezüchteter Raubmilben im Kulturhopfen zu optimieren. Hierzu werden unterschiedliche Methoden der Ausbringung sowie unterschiedliche Raubmilbenarten von verschiedenen Bezugsquellen vergleichend untersucht. Zudem soll als wichtigstes Ziel des Projektes eine Standardmethode entwickelt werden, um über Untersaaten in den Fahrgassen Winterquartiere für die Raubmilben zu schaffen, die eine Etablierung der Nützlinge über mehrere Vegetationsperioden ermöglichen.
Abstract in English
The two-spotted spider mite Tetranychus urticae is one of the major pests of hop and usually controlled by the use of acaricides, often in a preventative manner. Spider mite control by predatory mites is currently not sustainable in hops, as it is in vines and top fruit, because hop plants are removed completely from the field during harvest. However, recent trials have shown that spider mite control by released predatory mites is possible in hops.
This three-year project has two objectives: Firstly, to optimise the annual release of predatory mites for spider mite control as a substitute for acaricide sprays. Secondly, to develop crop management techniques to promote and maintain naturally occurring predatory mites in hop gardens for a sustainable spider mite control.

Methode

Ein Ziel des Projektes war es, den Einsatz gezüchteter Raubmilben hinsichtlich der Ausbringungsmethode, der Freilassungsmenge und des Ausbringungszeitpunkts zu optimieren, um eine Standardmethode zu entwickeln die eine zuverlässig wirksame Methode gegen Spinnmilben darstellt. Dabei wurden die autochthonen Raubmilben (a) Typhlodromus pyri und (b) Amblyseius andersoni eingesetzt. Vergleichend wurde eine Mischung aus den allochthonen Raubmilbenarten (c) Phytoseiulus persimilis und Neoseiulus californicus auf ihre Effektivität im Freiland untersucht. Im Fokus stand aber die dauerhafte Ansiedlung der heimischen Art Typhlodromus pyri. Da im Hopfen bei der Ernte alle brauchbaren Strukturen für eine Überwinterung vom Feld gefahren werden, sollten Überwinterungsstrukturen durch Untersaaten in den Fahrgassen geschaffen werden. Dafür wurden Rohrschwingel Festuca arundinacea, eine Grünlandmischung (BQDSM-2a) und Erdbeeren getestet.

Ergebnisse

Während der dreijährigen Forschungsarbeiten mit insgesamt 15 Versuchen lieferten nur zwei Versuche eindeutige Ergebnisse. Es stellte sich heraus, dass die effektivste Methode der Bekämpfung von T. urticae das Anbringen von einjährigen Bugruten von Weinreben ist. Dabei wurden die Spinnmilben in einem starken Befallsjahr signifikant unter der Schadschwelle gehalten. Daneben erwies sich der Mix aus P. persimilis und N. californicus als effektiv. Im Frühjahr 2014 wurden zu Boniturbeginn vor einer Ausbringung neuer Raubmilben erstmals Raubmilben und Raubmilbeneier im Bestand an zwei Standorten gefunden die sich offenbar am Hopfen halten und aktiv verbreiten konnten. Bei Beprobungen von Rohrschwingel im Frühjahr 2015 und 2016 wurden ebenfalls in geringem Umfang Raubmilben aufgefangen. Damit ist ein erster Hinweis gegeben, dass Rohrschwingel als Refugium für Raubmilben dienen kann. Weitere Beprobungen und Beobachtungen sind jedoch vonnöten um gesicherte Aussagen zum Überwinterungsverhalten machen zu können.
Publikationen

Presseberichte zum Forschungsvorhaben

  • Hier wird die Zukunft gestaltet. Exkursion nach Hüll. Hopfen-Rundschau 66 (08): 312-313 [August 2015].
  • Feldtag am Betrieb Obster aus Buch rund um das Thema Spinnmilbenbekämpfung. Hopfen-Rundschau 66 (08): 328-329 [August 2015].
  • Hier wird die Zukunft gestaltet. Exkursion nach Hüll und Besichtigung der Firma Hopsteiner Hopfenverarbeitung. Hopfen-Rundschau International 2015/2016: 17-21 [Oktober 2015].
Projektinformationen
Projektleitung: Dr. Florian Weihrauch, Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung, Hopfenforschungszentrum, Arbeitsgruppe IPZ 5e
Projektbearbeitung: Marina Jereb
Projektpartner: Praxisbetriebe ökologischer Hopfenbau, Bioland- und Naturland-Erzeugerring
Laufzeit: 6/2013-5/2016
Finanzierung: Förderung durch die BLE im Rahmen des BÖLN, FKZ: 2812NA014