Forschungs- und Innovationsprojekt
Analyse der Märkte für ausgewählte Öko-Produkte in Bayern

Murnau Werdenfelser auf Almwiese

Analyse der Märkte für ausgewählte Öko-Produkte in Bayern – Entwicklung und Potential von Öko-Milch sowie weiteren ökologischen Erzeugnissen

Die ökologische Landwirtschaft hat in Bayern eine herausgehobene Bedeutung. Mit etwa 8.800 Betrieben, die rund 280.000 ha Fläche ökologisch bewirtschaften, steht Bayern im bundesweiten Vergleich an der Spitze. Dass der Bereich Milch für Bayern dabei von besonderer Bedeutung ist, zeigt sich in der Tatsache, dass fast 60 % der in Deutschland erzeugten Öko-Milch aus Bayern stammt. Hinzu kommt, dass der Bereich Milch in Deutschland hinsichtlich Marktvolumen die bedeutendste Produktgruppe im Biosektor darstellt. Ebenso gewann der Markt von Ziegenmilchprodukten in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung und verspricht weiterhin ein hohes Marktpotential. Auch hier stellt Bayern ein Zentrum der Ziegenmilcherzeugung in Deutschland dar, wobei zudem der Großteil der Milchziegen ökologisch gehalten wird.

Ziel

Ziel des Landesprogramms BioRegio ist es, die heimische Erzeugung von Ökoprodukten von 2012 auf 2020 zu verdoppeln, um die Nachfrage nach Öko-Lebensmitteln vermehrt aus heimischer Produktion zu decken. Aufgrund seiner wirtschaftlichen Bedeutung spielt der Markt für Öko-Milch daher eine Schlüsselrolle für die Entwicklung der ökologischen Landwirtschaft in Bayern. Im vorliegenden Projekt werden die Märkte für ökologische Milch und Ziegenmilch mit dem Koppelprodukt Ziegenkitze sowie weitere Teilmärkte analysiert. Somit helfen die gewonnenen Erkenntnisse über Entwicklung und Wachstumspotential dieser Märkte und daraus abgeleitete Handlungsempfehlungen für Politik und Wirtschaftsbeteiligte, den Ökolandbau voranzubringen und die Nachfrage durch heimische Produkte zu decken.
Eine Betriebsumstellung auf ökologische Milchproduktion ist mit einigen Herausforderungen verbunden, die sich vorwiegend durch die Anforderungen an die ökologische Landwirtschaft ergeben. Beispiele hierfür sind die Flächenanforderung, die Futterkosten und Verfütterung von Vollmilch an Kälber, die verringerte Milchleistung sowie stallbauliche Investitionen. Für diesen Projektteil soll daher erfasst werden, wie viele Betriebe in Bayern potentiell noch auf eine ökologische Bewirtschaftung umstellen können bzw. für wie viele Betriebe eine Umstellung rentabel scheint. Gleichzeitig muss bei einer Potentialanalyse auch die Nachfrageseite betrachtet werden, da eine Angebotsausweitung bei gleichbleibender Nachfrage den Preis drücken bzw. eine Vermarktung als Öko-Milch ausschließen könnte. Relevante Aspekte sind hierbei die Entwicklung von Hersteller- und Handelsmarken für Öko-Milch im Einzelhandel, die Potentiale von ökologischen Milchverarbeitungsprodukten sowie das Potential von Produktdifferenzierung (regional, Heumilch etc.) auf dem bayerischen Bio-Milchmarkt.
Auch im Bereich der Ziegenmilchproduktion bestehen vielerlei Herausforderungen. Beispielsweise ist die Aufzucht männlicher Kitze mit hohem Aufwand verbunden und für die Betriebe in der Regel unwirtschaftlich. Gleichzeitig bestehen Defizite innerhalb der Wertschöpfungskette, was eine koordinierte Erfassung und Lieferung der Tiere betrifft. Somit beschäftigt sich der zweite Teil des Projektes vorwiegend mit der Frage, wie die Aufzucht und Vermarktung von Ziegenkitzen für Erzeuger gewinnbringend gestaltet werden kann. Neben diesem Fokus auf Ziegenkitzen soll auch ein genereller Überblick über die Herausforderungen und Chancen der Koppelprodukte für Rind (Altkühe, männliche Kälber) und Schaf (Lämmer) erstellt werden.
Neben wichtigen Schlüsselprodukten wie der Milch sind für die Verfügbarkeit von Öko-(Verarbeitungs-)Produkten aus Bayern weitere ökologische Erzeugnisse relevant, bei denen die Selbstversorgung in Bayern bisher gering ist oder die Vermarktungspotenziale nicht genügend ausgeschöpft werden. Im Hinblick auf das neue Bayerische Bio-Siegel, für dessen Nutzung optimalerweise alle Bestandteile eines Produkts aus Bayern stammen und alle Verarbeitungsschritte in Bayern erfolgen sollen, ist es wichtig zu wissen, welche Zutaten in welchem Umfang tatsächlich verfügbar sind und wo Engpässe z. B. auch in der Lieferkette und Infrastruktur bestehen. Der dritte Teil des Projektes beschäftigt sich daher mit weiteren relevanten Teilmärkten, zu denen bisher kaum Informationen vorliegen.
Abstract in English
With about 8,800 farms and an area of 280,000 ha under organic cultivation, Bavaria ranks first in Germany in organic farming. Especially the dairy sector is of particular importance, as almost 60 % of the organic milk produced in Germany comes from Bavaria. Dairy products in Germany constitute the most important product group in the organic sector in terms of market volume. Also, the market for goat milk products has become more and more important in recent years and promises a high market potential. Here again, Bavaria is a major producer for goat milk in Germany. In addition, the majority of the milk goats in Bavaria are kept according to organic standards.
The state of Bavaria aims to double the domestic production of organic products from 2012 to 2020. Due to its economic importance, the market for organic milk plays a key role in the development of organic agriculture in Bavaria. The aim of the project is therefore to analyze the potential of the increase of organic milk supply in Bavaria focusing both on challenges regarding farm conversion towards organic production and on the market potential for organic dairy products. Additionally, feasible solutions for the difficulties of the marketing of byproducts of organic milk production are sought with the main focus being on rearing and marketing of goat kids. Finally, market analysis of other relevant markets (yet to be determined) will complement the project. The insights gained regarding the development and growth potential of these markets and the resulting recommendations for policy makers and economic stakeholders will help to promote organic farming and to meet the demand for domestic products.

Methode

Für die Analyse des Entwicklungspotentials der Bio-Milch Produktion in Bayern werden zunächst mittels Literaturrecherche und Experteninterviews die Faktoren identifiziert, die maßgeblich einen Einfluss auf die Entscheidung von Betriebsleitern haben, auf eine ökologische Bewirtschaftung umzustellen. Gleichzeitig wird dabei versucht, das Ausmaß des Einflusses der einzelnen Faktoren zu bestimmen, um konkretere Aussagen über zukünftige Bio-Milch Mengen treffen zu können. Als Datengrundlage hierfür werden vor allem Betriebs-, Markt- und Strukturdaten verwendet.
Für die Analyse des Nachfragepotentials von Handel und Verbrauchern bezüglich Öko-Milch und ausgewählten Öko-Milchprodukten werden zunächst Angebots- und Nachfragemengen abgeglichen sowie die Reichweite und Absatzkanäle des Handels für bestimmte Milchqualitäten und -produkte analysiert. Zudem wird das Nachfragepotential für Produkte wie zum Beispiel regionale Öko-Milch oder Öko-Heumilch, die bei einer Produktdifferenzierungsstrategie eine Rolle spielen, erörtert. Hierfür werden Daten zu Liefermengen und Handelsströmen wie auch zusätzliche Daten von Marktforschungsinstituten herangezogen. Erweitert wird die quantitative Analyse um Meinungen und Einschätzungen von relevanten Marktteilnehmern bezüglich Marktentwicklung und potentiellen Strategien.
Im Arbeitsbereich Ziegenkitzvermarktung liegt der Fokus auf der Entwicklung und Umsetzung von Vermarkungslösungen. Um nachhaltig wirksam zu sein, müssen diese von den Marktbeteiligten (Erzeuger, Verarbeiter, Berater, Handel) aufgebaut und mitgetragen werden. Dies erfolgt durch fachliche Unterstützung durch die LfL sowie durch die Koordination von Arbeitsgruppen der beteiligten Akteure. Hinsichtlich der Herausforderungen und Chancen anderer Nebenprodukte (Rind, Schaf) wird ein genereller Überblick mittels Literaturrecherche erstellt.
Die Teilmarktanalysen für weitere relevante Öko-Produkte werden in Kooperation mit der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) im Rahmen von Abschluss- und Projektarbeiten durchgeführt. Hierfür sollen fünf Marktübersichten erstellt werden, wobei die relevanten Teilmärkte im Vorfeld von der LfL im Einvernehmen mit den Erzeugerringen priorisiert werden. Die Übersicht über den Markt sowie Verarbeitungs- und Vermarktungseinrichtungen für die genannten Erzeugnisse bietet die Grundlage für die Umsetzung regionaler Wertschöpfungsketten (z. B. für das Bayerische Bio-Siegel).

Ergebnisse

Erste Ergebnisse werden im Laufe des Kalenderjahres 2018 erwartet.
Projektinformation
Projektleitung: Johannes Enzler, Institut für Ernährungswirtschaft und Märkte (IEM)
Projektbearbeiter: Christina Mack, IEM
Laufzeit: 01.09.2017 – 29.02.2020
Finanzierung: BayStMELF (Förderkennzeichen/Fördernummer A/17/17)
Projektpartner: HWST Professor Paul Michels