LfL-Jahresbericht 2017
Interaktive Landwirtschaft: Düngung meets Digitalisierung

Hand tippt auf Tablet

Mit zahlreichen Onlinetools unterstützt die LfL Landwirte beim Dünge- und Nährstoffmanagement

Düngung und Digitalisierung – das muss kein Widerspruch sein. Bei der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) entwickelt man zum Beispiel interaktive OnlineProgramme, die den Landwirten ihre tägliche Arbeit deutlich erleichtern und gleichzeitig zum Umwelt- und Ressourcenschutz beitragen. Eine wichtige Unterstützung insbesondere für die Umsetzung der neuen Düngeverordnung. Auch sensorbasierte Messtechnik, Virtualisierung und Automatisierung werden mit Blick auf das Dünge- und Nährstoffmanagement immer unverzichtbarer.
Die neue Düngeverordnung gilt bundesweit seit Juni 2017. „Die neuen Bestimmungen sollen dabei helfen, die Umwelt mehr zu schonen, indem zum Beispiel die Wasserqualität verbessert wird. Für die Landwirte bedeuten sie aber auch mehr Dokumentationspflichten, Einschränkungen bei der täglichen Arbeit und mehr Kosten“, erklärt Dr. Matthias Wendland, Experte für Dünge- und Nährstoffmanagement an der LfL. Schriftlich dokumentieren muss ein Landwirt zum Beispiel nun, wie viele Nährstoffe seine Kulturen im Laufe der Vegetation benötigen. Bei der Ausbringung der maximal erlaubten Düngermenge pro Hektar muss er neben tierischen nun auch pflanzlichen Dünger, etwa aus Biogasanlagen, einberechnen. Mehr Kosten können für ihn entstehen, weil er ab 2020 verpflichtet ist, Dünger auf den Äckern stets bodennah auszubringen. Dafür bedarf es besonderer Technik. Auch die vorgeschriebenen längeren Lagerzeiten von Wirtschaftsdünger können sein Budget belasten. Darüber hinaus sind die Auflagen insgesamt strenger geworden: Wenn ein Landwirt etwa seine Nährstoffbilanzierung überzieht, muss er sich einer Pflichtberatung unterziehen. Stichprobenartig wird rund ein Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe in Bayern hinsichtlich ihrer „Compliance“ von den Behörden kontrolliert.
Es gibt also viele Ansatzpunkte, bei denen Bayerns Landwirte externe Unterstützung brauchen, um ressourcen- und umweltschonend zu düngen.

Praxisnahe Onlinetools der LfL entlasten Bayerns Landwirte stark

Tatkräftige Unterstützung garantiert ihnen die LfL – und nutzt dabei natürlich die Vorzüge der Digitalisierung. „Mit unseren Online-Programmen helfen wir den Landwirten dabei, ihre Ressourcen effizienter und verordnungskonform einzusetzen. So kann der Verwaltungsaufwand insgesamt reduziert werden“, sagt Dr. Matthias Wendland. Mit den virtuellen Tools kommt ein Landwirt seiner Dokumentationspflicht einfacher nach und kann zum Beispiel seine Nährstoffbilanz erstellen, seinen Düngebedarf oder auch den notwendigen Lagerraum für Gülle und Jauche berechnen. Bei Mehrfachanträgen werden Stammdaten gespeichert, sodass der Nutzer beim Ausfüllen eines Dokuments nicht jedes Mal von vorne anfangen muss, sondern nur die relevanten aktuellen Daten einträgt.
Mit Hochdruck arbeiten Wendland und seine Kollegen seit 2017 daran, alle Tools bis zum Frühjahr 2018 der neuen Verordnung anzupassen und für die Landwirte bereitzustellen. Das bedeutet sehr viel und vor allem sehr akribische Arbeit: „Damit die Programme genau funktionieren, werten wir mit einem Team aus vier Experten umfassendes Zahlenmaterial aus. Dafür müssen wir zum Beispiel die Sollwerte für alle Kulturen berechnen, ebenso die Ausscheidungen der Tiere oder die Nährstoffmenge, die mit der Ernte abgefahren wird. Und dabei müssen wir uns immer an den aktuellsten Gesetzen und Verordnungen orientieren“, holt Wendland aus. Eine sehr anspruchsvolle Aufgabe also, die die LfL-Experten im Spannungsfeld zwischen Umweltschutz, Wirtschaftlichkeit der Betriebe und politischen Vorgaben erledigen. Damit die neuen Programme entsprechend angewendet werden, schult die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft Multiplikatoren und Verbundpartner, die ihr Wissen dann in die Breite tragen.

Mit unseren Online-Programmen helfen wir den Landwirten dabei, ihre Ressourcen effizienter und verordnungskonform einzusetzen und den Verwaltungsaufwand insgesamt zu reduzieren.

Für die Landwirte bedeutet die neue Düngeverordnung mehr Dokumentationspflichten, Einschränkungen bei der täglichen Arbeit und mehr Kosten.

Die Auflagen sind strenger geworden: Wenn ein Landwirt seine Nährstoff bilanzierung überzieht, muss er sich einer Zwangsberatung unterziehen.

Vorherige Nächste

Digitales Düngen: Neue Sensortechnik, moderne Simulation und Robotik

Großes Potenzial hinsichtlich Umwelt- und Ressourcenschonung beim Düngen sieht Matthias Wendland in bestimmten
Techniken, die im Zuge der Digitalisierung immer wichtiger werden. Smart Farming ist das Stichwort. „Sensorsysteme werden zunehmend dafür sorgen, dass Dünge- und Pflanzenschutzmittel genau an der Stelle und in der Menge ausgebracht werden, wo und wie sie tatsächlich benötigt werden“, so Wendland. Unterstützt von Drohnen, die ihrerseits wichtige Daten sammeln, und per Satellit werden alle relevanten Daten in Echtzeit kommuniziert. Diese erlauben dem Landwirt eine sehr genaue Analyse und bedarfsgerechte Bewirtschaftung.

Selbstständige Düngeroboter als Zukunftsvision

Ein weiteres Beispiel für die digitale Entwicklung in der Landwirtschaft sind Anbieter von virtuellen Plattformen, auf denen Landwirte ihren Pflanzenwuchs auf Basis wissenschaftlicher Modelle simulieren und verschiedene Handlungsoptionen bewerten können. Einher mit der Digitalisierung geht auch der Trend zur Automatisierung. Was in anderen Bereichen der Landwirtschaft schon zum Alltag gehört, etwa der Melkroboter, dürfte sich auch bei der Düngung weiter durchsetzen: „Ich kann mir gut vorstellen, dass es in absehbarer Zeit Düngeroboter geben wird, die per Satellit oder Sensor gesteuert selbstständig ihre Arbeit verrichten“, so Wendland. Die Wissenschaft forscht intensiv daran, wie dies für sämtliche Ackerkulturen und verschiedene Vegetationsstufen einmal möglich sein kann. Düngung und Digitalisierung – das geht doch sehr gut zusammen.