Forschungs- und Innovationsprojekt
Vergleich zwischen herkömmlicher Unterfußdüngung und Saatbanddüngung mit Mikrogranulaten in Silomais (2020 bis 2023)

Das Bild zeigt ein Maisfeld, im Hintergrund ist eine Baumreihe.

Die bedarfsgerechte und effiziente Versorgung von Mais mit Nährstoffen gewinnt vor dem Hintergrund steigender Anforderungen an Wirtschaftlichkeit, Ressourcenschonung und Umweltschutz zunehmend an Bedeutung. Insbesondere die gezielte Platzierung von Stickstoff- und Phosphatdüngern zur Saat gilt als eine Maßnahme, die das Jugendwachstum fördern und die Nährstoffausnutzung verbessern soll. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob diese Form der Düngung grundsätzlich erforderlich ist oder ob unter bestimmten Standort- und Bewirtschaftungsbedingungen darauf verzichtet werden kann. Anhand von Exaktversuchen an unterschiedlichen Standorten in Bayern wurde der Frage nachgegangen, ob und inwieweit dies notwendig ist.

Mais – eine Pflanze mit hohen Nährstoffansprüchen
Im Maisanbau ist eine ausreichende und zeitgerechte Nährstoffversorgung mit Makro- und Mikroelementen für hohe Erträge und Futterqualitäten wichtig. Dies trifft auch für die frühe Wachstumsphase zu, eine Zeit, in der das Aneignungsvermögen des Wurzelapparates noch gering ist. Insbesondere die Phosphatverfügbarkeit im Boden ist bei kalt-nasser Witterung, kalten oder strukturgeschädigten Böden sowie bei ungünstigen pH-Werten oft nicht ausreichend. Sichtbar wird der Phosphormangel durch violett verfärbte Blattspitzen und -ränder. Ebenso ist eine gewisse Startmenge an Stickstoff (N) nötig, um eine schwache Jugendentwicklung, eine Wachstumsverzögerung oder eine Ertragsminderung zu verhindern.
Unterfuß-/Saatbanddüngung ist weit verbreitet
Viele Betriebe setzen daher seit Jahren auf eine Unterfuß- bzw. Saatbanddüngung bei der Maissaat mit speziell hierfür ausgestatteten Sägeräten. Dabei kommen mineralische N- und NP-Dünger sowie - je nach Podukt - neben wasserlöslichem Phosphat und Ammonium-N auch diverse Spurenelemente zum Einsatz, unter anderem Zink. Im Gegensatz zur breit- bzw. oberflächigen Düngung versuchen diese Düngungsmaßnahmen die Nährstoffe gezielt in die Nähe oder direkt an das Saatband zu bringen und dadurch eine höhere Nährstoffausnutzung zu erzielen, insbesondere bei suboptimalen Witterungs- und Bodenbedingungen.
Unterschied Unterfußdüngung und Saatbanddüngung
Bei der Unterfußdüngung erfolgt die Mineraldüngerausbringung gleichzeitig mit der Einzelkornsaat, jedoch in einem eigenen Düngerband, das sich ca. 5 cm seitlich und 5 cm unterhalb der Saatkornablage befindet. Der Abstand wird eingehalten, um Schäden durch hohe Nährstoff- bzw. Salzkonzentrationen an den Keimwurzeln zu vermeiden.
Bei der Saatbanddüngung hingegen wird der Dünger in Form von Mikrogranulaten direkt in die Saatreihe und somit am Saatgut abgelegt. Da die eingesetzte Düngermenge wesentlich niedriger ist (ca. 20-30 kg Dünger/ha) als bei der Unterfußdüngung (je nach Dünger ca. 100-300 kg/ha), werden die Keimwurzeln nicht geschädigt. Zudem soll aufgrund der durch Mikrogranulation bewirkten vergrößerten Oberfläche bei gleichzeitig geringerer Aufwandmenge eine höhere Nährstoffeffizienz gegenüber der Unterfußdüngung erreicht werden.
Saatkornimpfung als Beize
Auch die Saatkornimpfung als Beize mit speziellen Produkten/Inhaltsstoffen wird als Möglichkeit zur Erhöhung der Nährstoffverfügbarkeit im Maisanbau beworben.

Ziele

Angeregt durch Praxis und Beratung wurden die oben genannten Verfahren bzw. hierfür bekannte Produkte in ein mehrjähriges Versuchskonzept mit 13 Umwelten (2 - 4 Orte, 4 Jahre) aufgenommen und ihr Einfluss auf den Ertrag sowie den Rohproteingehalt von Mais untersucht. Dies insbesondere im Vergleich zu einer Kontrollvariante mit breitflächiger mineralischer N-Düngung zur Startgabe und ohne ergänzende mineralische P-Düngung.
Damit wurden auch Hinweise erhofft, ob und inwieweit eine gezielte bzw. platzierte Stickstoff- und Phosphatversorgung zur Maissaat überhaupt notwendig ist. Dies auch vor dem Hintergrund, da nicht jeder Betrieb bei Eigenmechanisierung über die technischen Möglichkeiten einer Unterfuß- bzw. Saatbanddüngung verfügt. Zudem belastet eine "Sicherheits-Düngung" ohne Effekt unnötig die Stickstoff-/ Phosphorbilanz der Fläche bzw. des Betriebs.

Methode

Das Versuchskonzept bestand aus einer einfaktoriellen Anlage mit sechs Versuchsgliedern in sechs- bis siebenfacher Wiederholung. Verglichen wurden: Je zwei Varianten mit Unterfuß- und Saatbanddüngung, eine Variante mit Saatkornimpfung und eine Kontrollvariante.
Die Versuche wurden auf je vier teilweise deutlich unterschiedlichen (z.B. Ackerzahl, Bodenart, Bodentyp, Region) bayerischen Standorten im Zeitraum 2020-2023 durchgeführt.
Die Unterfußdüngung und Saatbanddüngung als platzierte Startdüngungsmaßnahmen zur Maissaat wurde mit speziell für diese Verfahren angepassten Sägeräten für Exaktversuche ausgebracht.

Ergebnis

Als Fazit dieser Versuchsserie zur Wirkung einer platzierten NP-Startgabe zu Mais mittels Unterfuß- oder Saatbanddüngung, sowie zur Saatgutbeizung ließ sich schließen: Unter den gegebenen, dabei teils sehr unterschiedlichen Versuchsbedingungen konnte kein eindeutiger Effekt der eingesetzten Mittel festgestellt werden.
Dies deutet auch darauf hin, dass gerade auf Standorten mit optimaler bis hoher P-Gehaltsklasse des Bodens, mittlerer Ackerzahl und regelmäßiger organischer Düngung eine zusätzliche Phosphatgabe mit der Startdüngung meist unnötig für die Erzielung hoher Erträge und Qualitäten des Maises sein dürfte.
Da leichte Standorte, Böden mit niedrigen Nährstoffgehalten oder eine insgesamt stark mit Stickstoff und Phosphor reduzierte organisch/mineralische Düngung nicht Teil des Versuchskonzepts waren, können die oben genannten Schlussfolgerungen nicht generalisiert werden.

Vergleich zwischen herkömmlicher Unterfußdüngung und Saatbanddüngung mit Mikrogranulaten in Silomais (2020-2023) pdf 1,1 MB

Projektinformation
Projektleitung: Dr. Michael Diepolder
Projektbearbeitung: J. Mießl, D. Schubert, K. Offenberger, M. Schmidt, M. Diepolder
Laufzeit: 2020 bis 2023
Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus
Projektpartner: Versuchszentren (VZ) Ost mit HLS Rotthalmünster, VZ Nordwest, VZ Südost
Förderkennzeichen: LfL-Rahmenversuch V570