Grünlandstudie Bayern

Gruenlandstudie Kuehe Auf Der Weide

Abnehmende Rinderbestände gefährden flächendeckende Grünlandbewirtschaftung

Durch die Bedingungen auf dem europäischen Milchmarkt ist bei einer weiteren Leistungssteigerung die flächendeckende Grünlandbewirtschaftung in Bayern gefährdet. Die kontinuierliche Steigerung der Milchleistung je Kuh führte bei der gegebenen Milchquotenregelung im Zeitraum von 1990 bis 2003 zu einem Abbau der Milchkuhbestände um 27 Prozent. Durch den biologischen Faktor "Abkalbung" nahm der gesamte Rinderbestand gleichzeitig um 22 Prozent ab.
Im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten untersuchte das Institut für Agrarökonomie die künftigen Alternativen zur Verwertung des Grünlandaufwuchses. Die Grundlage für die Vorausschätzungen bildete die Grundfutterbilanz für die in den 12 Agrargebieten Bayerns im Jahre 2003 vorhandenen Raufutterfresser.
Zieljahr der Prognose war 2015, das Jahr, in dem voraussichtlich die Milchgarantiemengenregelung ausläuft. Prognosen im engeren Sinne von "Vorhersagen einer zukünftigen Entwicklung" waren bei den gegebenen Unwägbarkeiten nicht möglich. Die Vorausschätzungen des künftigen Umfanges von Tierhaltung und Futterbau erfolgten mittels Szenarien. Diese sind keine konkret vorhergesagten Sollzustände, sondern eine Beschreibung von Sollzuständen, die sich bei einer Realisierung der getroffenen Annahmen ergeben.

Flächendeckende Grünlandnutzung nur bei Einschränkung des Ackerfutterbaus

Anhand von vier Szenarien wird aufgezeigt, dass bei weiter sinkenden Beständen an Raufutterfressern im Zieljahr 2015 nur bei einer deutlichen Einschränkung des Ackerfutterbaues eine flächendeckende Grünlandnutzung durch Tierhaltung gesichert ist. Von den Alternativen der stofflichen oder energetischen Verwertung von Grünlandaufwuchs ist derzeit nur die Biogaserzeugung ökonomisch sinnvoll.

Szenario 1

Das Szenario 1 basiert auf einer unveränderten Zusammensetzung der Grundfutterration aus TS vom Grünland, vom Silomais und von Kleegras im Ist- und im Zieljahr. Bei dieser Anahme wären im Zieljahr nur noch 85 Prozent der Grünlandfläche im Basisjahr über die Raufutterfresser verwertbar. An Ackerfutterfläche (Silomais, Kleegras) könnten rund 74 000 Hektar beziehungsweise 18 Prozent freigesetzt werden.

Szenario 2

Die Beibehaltung des Silomaisanbaues im Umfang des Jahres 2003 würde beim Szenario 2 den Anteil an nutzbarem Grünland auf 75 Prozent absinken lassen. Rund 31 000 Hektar Ackerfläche stünden für eine Alternativnutzung zum Kleegras zur Verfügung.

Szenario 3

Auf der theoretischen Annahme eines völligen Verzichtes auf den Anbau von Grün- und Silomais basiert das Szenario 3. Bei dieser Unterstellung würde das im Basisjahr vorhadene Grünland bei Weitem nicht zur Versorgung der Raufutterfresser ausreichen. Einem rechnerischen Mehrbedarf von rund 345 000 Hektar Grünland stünde ein vom Silmaisanbau und von einer Einschränkung des Kleegrasanbaues freigesetzte Ackerfläche von 323 000 Hektar gegenüber.

Szenario 4

Abweichend von den Annahmen in Szenario 1, bei dem der Flächenbedarf des Standardgrünlandes nach dem Durchschnittsertrag berechnet wurde, führt die Berechnung nach aufsteigenden Ertragsklassen in Szenario 4 zu weiteren 48 000 Hektar Standardgrünland, die für die Versorgung der Raufutterfresser nicht mehr gebraucht würden.

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