Weidezäune zur Wolfsabwehr – eine Kostenabschätzung für Bayern

Schafe auf einer Wiese

Die Einzäunung von Weiden schützt die Weidetiere - und hier vor allem Schafe und Ziegen - vor dem Wolf. Sowohl der Umfang als auch die Kosten einer flächendeckenden Einzäunung wären allerdings erheblich.

Bei den zur Diskussion stehenden Herdenschutzmaßnahmen ist der Zaunbau von zentraler Bedeutung. Die nachfolgenden Ausführungen schätzen den erforderlichen Umfang und die voraussichtlichen Kosten von Zäunen zur Wolfsabwehr bei der Weidehaltung landwirtschaftlicher Nutztiere in Bayern ab.

Nicht alle Nutztierarten sind gleich betroffen

Ausgewachsene Pferde und Rinder gelten als relativ wehrhaft gegenüber Großbeutegreifern, während Fohlen und Jungrinder als gefährdet anzusehen sind. Neben Rissen drohen beim Großvieh erhebliche Gefahren durch in Panik geratene, ausgebrochene Weidetiere. Beim Rind liegt das Hauptaugenmerk bei der Jungviehaufzucht, der Weidemast und wegen der Kälber bei der Mutterkuhhaltung, während Milchkühe in der Regel nachts aufgestallt werden und damit dem Zugriff des Wolfes entzogen sind. Gleiches gilt für die Pferdehaltung, wo die Gefährdung als eher gering eingeschätzt wird.
Das bei weitem größte Konfliktpotential herrscht dagegen bei Schafen und Ziegen. In Deutschland entfielen in den Jahren 2002-2015 auf diese Tierarten 89 % der wolfsverursachten Schäden (Anzahl getötete/verletzte Tiere, DBBW 2016). Eine große Gefährdung besteht auch beim Gehegewild, wenn Wölfe und wildernde Hunde sich unter der Einzäunung durchgraben können.

Rund 57.000 km Zaun wären notwendig

In Bayern gibt es insgesamt rund 352.000 ha Weideflächen (InVeKoS 2017) mit einem Umfang von rund 122.000 km. Wegen des unterschiedlichen Gefährdungspotentials der Weidetiere sind die Weideflächen nicht in vollem Umfang vor Großbeutegreifern zu schützen. Letztendlich müsste eine Gesamtstrecke von 57.405 km Weidezaun wolfssicher ausgebaut werden. Hinzu kommen wolfssichere Pferche für 226 Herdenschäfer.

Hoher Investitionsbedarf für die Einzäunung

Bei Jungvieh, Mastrinder, Mutterkühen wäre eine Zaunstrecke von 38.788 km gegen den Wolf abzusichern. Grundlage der Berechnung sind Firmenangaben für einen Standardzaun bei Wolfsanwesenheit (Elektrofestzaun, 1.05 m, 5 Drähte) je nach Geländeverhältnissen. Berücksichtigt sind Kosten für das Zaunmaterial, Tore, Eckpfosten, Elektrozaungerät sowie die Montagekosten. Damit ergibt sich eine Spanne von insgesamt 163 bis 287 Millionen Euro. Der untere Wert resultiert aus ebenem, befahrbarem Gelände, während der obere Wert bei nicht befahrbarem, steilem, steinigem Gelände anzusetzen ist. Hinzu kommen die Einzäunungskosten für Schafe, Gehegewild und Almen/Alpen.
Insgesamt ist für die Errichtung von Schutzzäunen bei Wolfsanwesenheit nach derzeitigem Wissensstand eine Investitionssumme von insgesamt 241-413 Millionen Euro notwendig. Davon entfallen über 2/3 auf den Schutz der Rinder, obwohl das Gefährdungsrisiko beim Schaf mit Abstand am höchsten ist.

Jährliche Zaungesamtkosten von rund 28 - 43 Millionen Euro

Als Folge einer Investition fallen jährlich feste Kosten an (Abschreibung, Unterhalt, Zinsaufwand). In der Summe ergibt dies einen jährlichen Anteil von 9 % (bzw. 23 % bei Almen/Alpen, 15 % bei mobilen Elektrozäunen) an der Investitionssumme. Dies bedeutet jährliche Kosten von 28 - 43 Millionen Euro, die die Wirtschaftlichkeit der Weidetierhaltung nachhaltig beeinträchtigen. Zusätzlich ist ein erhöhter Kosten- und Arbeitsaufwand für das Ausmähen der wolfssicheren Elektrozäune, beim Pferchen in der Schafhaltung und beim Auf- und Abbau der Zäune auf Almen/Alpen zu berücksichtigen.
Die der Kostenschätzung zugrunde liegenden Annahmen, Daten und Berechnungen und die detaillierten Ergebnisse sind im Rahmen einer LfL-Information zusammengefasst.

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