Animal Future - Wege in eine nachhaltige Nutztierhaltung

Rinder im Stall
Um die Nutztierhaltung nachhaltiger zu gestalten, muss der Blick über Betriebsgrenzen hinausgehen. Wo bisher vor allem einzelne Nachhaltigkeitsaspekte untersucht wurden, setzt das EU-Projekt Animal Future den Schwerpunkt auf Wechselwirkungen und überbetriebliche Auswirkungen verschiedenster Nachhaltigkeitsfaktoren.
Ein gemeinsames Ökosystem erfordert auch eine überregionale Betrachtung. Nachhaltigkeitsmaßnahmen, die sich im Betrieb positiv auswirken, können andernorts nachteilige Effekte haben. Aus diesem Grund werden im Projekt Animal Future, unter Leitung des Nationalen Instituts für Agronomieforschung in Frankreich (INRA), zehn Regionen in sieben Ländern der EU umfassend analysiert. Welche Tierhaltungssysteme herrschen vor? Wie nachhaltig sind diese im Hinblick auf Ökonomie, Umwelt- und Tierschutz? Und wie lässt sich die Nachhaltigkeit verbessern, ohne dass Verlagerungseffekte eintreten?

Projektbeschreibung

Durch das Zusammenwirken der internationalen Partnerinstitutionen können Stoffströme, Kosten und Nutzen von Nachhaltigkeitsmaßnahmen und ihre Wechselwirkungen nicht nur auf Betriebs-, oder Regions-, sondern bis hinauf zur EU-Ebene erfasst und bewertet werden. Um den Kontakt zur Praxis sicherzustellen, sind an allen Schritten des Projekts verschiedenste Akteure der Nutztierhaltung und nachgelagerter Bereiche beteiligt. Gemeinsam sollen Problemfelder aufgedeckt und Verbesserungsmaßnahmen entwickelt werden. So können Wissenschaftler, Landwirte und alle weiteren Beteiligten, sich unmittelbar austauschen und von den unterschiedlichen Erfahrungen profitieren – auch aus ganz anderen Regionen Europas.
Die im Projekt ausgearbeiteten Strategien, sollen Landwirten, politischen Entscheidungsträgern und allen weiteren Akteuren der Wertschöpfungskette den Weg in eine nachhaltigere Tierhaltung ebnen. Um mögliche Zielkonflikte und Nebenwirkungen der gemeinsam entwickelten Nachhaltigkeitsmaßnahmen für die Praxis frühzeitig abschätzen zu können, werden Szenarien modelliert. So können beispielsweise Auswirkungen von Innovationen auf den Betrieben einer Region bis auf die europäische Ebene hochgerechnet werden. Damit wird ein Werkzeug geschaffen, mit dessen Hilfe Umwelt- und Tierschutz, aber auch die Wirtschaftlichkeit der Betriebe, in Einklang gebracht werden können.
Die LfL ist im Projekt hauptverantwortlich für die Verbreitung des generierten Wissens und für den engen Wissensaustausch zwischen Wissenschaftlern und Akteuren in Tierhaltung und –vermarktung. Dadurch soll die Relevanz der Ergebnisse für Praxis und Politik erhöht, sowie das Werkzeug zur Entscheidungsfindung verbreitet und verbessert werden. Zahlreiche Aktivitäten (z.B. „Summer School“, „Listening Tour“ – Eins-zu-Eins-Gespräche) werden von der LfL federführend geplant. Das Projekt läuft von September 2017 bis August 2020.

Vorgehen

Am Anfang des Projekts steht die Erfassung von Leistungen und Kosten, die von der Tierhaltung in den verschiedenen Regionen erbracht werden. Unter Leistungen fallen dabei zum Beispiel Ökosystemleistungen im Bereich Umwelt, die Produktion hochwertiger Lebensmittel, aber auch die Bereitstellung von Arbeitsplätzen. Unter Kosten werden nachteilige Effekte wie Umweltbelastungen, mangelnde Biodiversität oder auch Tierschutzprobleme erfasst. Auf Basis dieser Leistungen und Kosten, werden Indikatoren abgeleitet, mit deren Hilfe die Nachhaltigkeit der Haltungssysteme bewertet werden kann. Dazu werden in jeder Region etwa 20 Praxisbetriebe des jeweiligen Tierhaltungsschwerpunktes untersucht:

  • Schafhaltung in den schottischen Highlands
  • Schafhaltung im spanischen Aragon
  • Legehennenhaltung in Gelderland in den Niederlanden
  • Im portugiesischen Centro Schafhaltung, sowie in Alentejo Bullenmast
  • In Frankreich Milchvieh im Pas de Calais, sowie Mutterkühe in der Auvergne
  • Milchviehhaltung in Oberbayern und Schweinemast in Niederbayern
Gemeinsam mit allen an der Tierhaltung beteiligten Akteuren werden spezifische Problemfelder auf den Betrieben und in den Regionen ermittelt, sowie Innovationen im Bereich Nachhaltigkeit aufgezeigt. Darauf aufbauend können schließlich Maßnahmen entwickelt werden, durch die Leistungen der Nutztierhaltung verbessert und negative Auswirkungen minimiert werden können.
Kosten und Leistungen von Tierhaltungssystemen, sowie Aus- und Wechselwirkungen verschiedener Nachhaltigkeitsmaßnahmen, werden mit Hilfe von Modellen simuliert. So können Effekte auf den verschiedensten Ebenen – Betrieb bis Europa – modelliert werden. Ein darauf basierendes Werkzeug, das sogenannte „Decision Support Tool“, soll politischen Entscheidungsträgern, Landwirten und allen weiteren Akteuren im Sektor der Nutztierhaltung als Entscheidungshilfe dienen. Zur Validierung dieses Werkzeugs werden zahlreiche Aktivitäten zum Wissensaustausch zwischen Wissenschaftlern und Praxis organisiert.

Ziele

  • Bewerten, wie sich Innovationen auf Leistungen und Kosten von Tierhaltungssystemen auswirken.
  • Politischen Entscheidungsträgern Entscheidungshilfen für eine nachhaltigere Gestaltung der Tierproduktion an die Hand geben.
  • Akteuren im Tierhaltungssektor beratend zur Seite zu stehen, damit diese ihre Innovationskraft voll ausschöpfen können und umweltfreundliche, gesellschaftsverträgliche, widerstandsfähige Wertschöpfungsketten entstehen.
  • Das Bewusstsein von Akteuren in der Nutztierhaltung, der Öffentlichkeit und von politischen Entscheidungsträgern für gesellschaftliche Leistungen der Nutztierhaltung stärken.

Projektpartner

  • Frankreich: Institut national de la recherche agronomique (INRA)
  • Frankreich: Institut de l’Elevage (IDELE)
  • Portugal: Associação do Instituto Superior Técnico para a Investigação e desenvolvimento (IST-ID)
  • Österreich: Universität Klagenfurt (UNIKLU)
  • Schottland: Scotland’s Rural College (SRUC)
  • Niederlande: Wageningen University (WUR)
  • Deutschland: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL)
  • Spanien: Centro de Investigacion y Tecnología Agroalimentaria de Aragon (CITA)

Weitere Informationen auf der offiziellen Homepage:

Projektinformation
Projektleitung: Dr. Gerhard Dorfner
Projektmitarbeit: Dr. Monika Zehetmeier, Anton Reindl, Vanessa Karger
Laufzeit: 9/2017 – 8/2020
Finanzierung: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und
EU-Kommission im Forschungsrahmenprogramm „Horizon 2020“
Förderkennzeichen: 2817ERA01D
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