Kartierung von Fischbeständen in Bayern

Elektrofischerei Rückengerät
Veränderungen der Wasserqualität, der strukturellen Eigenschaften des aquatischen Lebensraumes sowie dessen Nutzung durch den Menschen haben in den vergangenen Jahrzehnten zu einer Veränderung der Fisch-, Krebs und Muschelbestände geführt. Im Rahmen verschiedener Monitoring-Programme wird die Datenbasis für die Erstellung und Umsetzung fundierter Arten- und Biotopschutzkonzepte geschaffen. Als Fangmethode wird überwiegend die Elektrofischerei, aber auch die Netz- und Reusenfischerei eingesetzt.
Bis zum Jahr 2000 wurde mit Hilfe der bayernweiten Fischartenkartierung eine Datengrundlage über die Zusammensetzung der heimischen Fisch-, Krebs- und Muschelbestände sowie über den Zustand ihrer Lebensräume erstellt. Heute finden eigene Monitoringprogramme zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie und der FFH-Richtlinie statt.
Die Daten werden in Zusammenarbeit von den Fachberatungen für das Fischereiwesen der Bezirke, dem Landesfischereiverband Bayern e.V., dem Landesamt für Umwelt und der Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Fischerei erhoben und in einer bayernweiten gemeinsamen Fischdatenbank gespeichert.
Die Auswertung der Daten erfolgt zentral und wird unter verschiedenen Aspekten bereitgestellt.

Fischzustandsbericht 2018

Das Institut für Fischerei hat zusammen mit den Fischereifachberatungen der bayerischen Bezirke im Auftrag des Bayerischen Landtags in Nachfolge des für 2012 erstmalig herausge-gebenen Werks 2018 erneut einen Fischzustandsbericht erstellt. Ziel ist es, der Öffentlichkeit den aktuellen Zustand der bayerischen Fischfauna kompakt und in verständlicher Form darzustellen. Die zahlreichen Beeinträchtigungen der freilebenden Fischbestände werden beschrieben und die erforderlichen Maßnahmen zur Verbesserung des Ökosystems und zum Schutz der Fische aufgezeigt. Der Schwerpunkt liegt auf der Beurteilung der Fischbestände in Fließgewässern, da diese deutlich mehr und stärkeren Einflüssen unterliegen, als diejenigen in Seen.

Datengrundlage

Zur aktuellen Zustandseinschätzung der bayerischen Fischbestände liefert das in den Jahren 2004 bis 2017 in Zusammenarbeit der Fachberatungen für Fischerei der bayerischen Bezirke, dem Landesamt für Umwelt, dem Landesfischereiverband Bayern e.V. und dem Institut für Fischerei der Landesanstalt für Landwirtschaft zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie durchgeführte Fischmonitoring.

Ergebnisse

  • Ein Großteil (88 %) der 75 einheimischen Fischarten ist auch heute noch in Bayern vorzufinden. Während mit Ausnahme des Aals und der Flunder alle Langdistanzwanderfische (z. B. Donaustörarten, Lachs, Meerforelle, Meerneunauge) ausgestorben bzw. verschollen sind, besiedeln zusätzlich 18 ursprünglich nicht heimische Arten die freien Gewässer.
  • Besonders auffällig ist die Ausbreitung verschiedener aus dem Schwarzmeerraum stammender Grundelarten. Diese sind in den letzten Jahren über den Main-Donau-Kanal bereits ins Maingebiet vorgedrungen.
  • Zwar ist in 56 % der untersuchten Gewässerstrecken das natürliche Fischarteninventar noch weitgehend anzutreffen. In 87 % sind jedoch die relativen Häufigkeiten der einzelnen Fischarten weit von den Verhältnissen natürlicher ungestörter Fischlebensgemeinschaften entfernt.
  • Besonders das Fehlen bzw. der oft verschwindend geringe Anteil an Mittel- und Langdistanzwanderfischarten wie z. B. der Nase macht Grund zur Sorge. So ist der Wanderfischbestand in 77 % der Untersuchungsstrecken als „mäßig bis schlecht“ zu bewerten.
  • In 33 % der Probestrecken entspricht der aktuelle Fischbestand nicht mehr der ursprünglichen Fischregion (Forellenregion, Äschenregion, etc.). Eine ausreichende Fortpflanzung findet lediglich in 32 % der Probestrecken statt.
  • Für den Zeitraum von 2011 bis 2017 ist im Vergleich zu den Werten der Jahre 2004 bis 2010 kaum eine Veränderung der Fischbestandsdichten in den Fließgewässern zu verzeichnen. Die Individuendichte und der Anteil fortpflanzungsfähiger Fische bewegen sich weiterhin auf sehr niedrigem Niveau. 57 % der heimischen Fischarten sind in der Roten Liste gefährdeter Tiere Bayern von 2003 aufgeführt.

Ursachen für den Fischrückgang

Ursache für den desolaten Zustand vieler Fließgewässerpopulationen ist die Summe verschiedener Gefährdungsfaktoren.

  • Neben dem Verlust geeigneter Lebensräume durch die wasserbaulichen Maßnahmen der Vergangenheit sowie durch Verschlammung und Versandung durch Bodeneintrag ins Gewässer, werden die Fischbestände in vielfältiger Weise durch die Wasserkraftnutzung sowie durch Nährstoffeinträge beeinträchtigt.
  • Auch der Fraßdruck von Kormoran und Gänsesäger wirkt sich lokal bestandsgefährdend aus.
  • Die Gewässererwärmung durch Kühlwassereinleitungen und Klimawandel, sowie die zunehmende Beunruhigung durch den Freizeit- und Sportbootbetrieb stellen ein weiteres Problem dar.
  • Im Einzelfall kann auch der Biber zum Problem im Fischlebensraum werden, wenn er in bereits vorbelasteten Gewässern den Fischen den Zugang zu gewissen Gewässerabschnitten versperrt oder diese trocken legt.