Untersuchungen zum Befall von Aalen mit dem Schwimmblasenwurm (Anguillicoloides crassus)

Aalschwimmblase mit vier präadulten und 39 adulten Schwimmblasenwürmern

Mäßig verschwartete Aalschwimmblase mit 43 Schwimmblasenwürmern

Der Schwimmblasenwurm befällt die Schwimmblase der Aale, wo er sich nach Eindringen in das Gewebe vom Inhalt der Blutgefäße ernährt. Der Aal repariert die Fraßspuren durch Bindegewebe. Dadurch verliert die Schwimmblase ihre Elastizität. Mit großer Wahrscheinlichkeit behindert eine auf diese Weise verhärtete Schwimmblasenwand laichreife Aale bei ihrer Wanderung zu den Laichgebieten in der Karibik.

Zielsetzung

Im Rahmen eines deutschlandweiten Monitoring-Programms des Johann Heinrich von Thünen-Instituts, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei, wird der Anteil der mit Schwimmblasenwürmern befallenen Aale ermittelt. In Bayern werden die Untersuchungen zum Befallsstatus beispielhaft an Aalen des Starnberger Sees durchgeführt.

Methode

Jeweils im Herbst werden die Schwimmblasen von Aalen aus Fängen der Berufsfischerei nach Entwicklungsstadien des Schwimmblasenwurms untersucht.

Ergebnis

Anteil befallener Aale (blaue Säulen) und Anteil verschwarteter Schwimmblasen (rote Kurve) in den langjährigen Referenzbereichen des Starnberger SeesZoombild vorhanden

Anteil befallener Aale (blaue Säulen) und Anteil verschwarteter Schwimmblasen (rote Kurve) in den langjährigen Referenzbereichen des Starnberger Sees

In den ersten Jahren des Monitorings (1998) lag der Anteil befallener Aale bei 91 %, der Grad der Schädigung (Verschwartung) der Schimmblasenwand war noch sehr gering. Nur 17 % der Tiere waren betroffen. Die durchschnittliche Befallsstärke war 1998 mit zwölf Würmern je Schwimmblase am größten.

Im Laufe der darauf folgenden Jahre variierte der Anteil befallener Aale zwischen 60 % und 89 %. Die durchschnittliche Befallsstärke schwankte in dieser Zeit zwischen fünf und neun Parasiten. Der Anteil verschwarteter Schwimmblasen steigerte sich auf bis zu 100 %. Der Grund für die langfristige Zunahme funktionsuntüchtiger Schwimmblasenwände ist auf die Art der Reparatur durch den Wirt zurückzuführen. Die Schäden in der Schwimmblasenwand heilen nicht aus. Ein laufender Neubefall mit jungen Parasiten führt zu immer neuen Verletzungen, die ebenfalls durch Bindegewebe aufgefüllt werden.

In den Stichproben der vergangenen Jahre wurden immer wieder auch rückläufige Befälle festgestellt. Dies lässt sich möglicherweise auf die Stichprobe zurückführen. Vermutlich wurden in diesen Jahren vermehrt Schwimmblasen jüngerer Satzfische untersucht, die sich noch nicht so lange mit dem Parasiten auseinandergesetzt haben und deshalb geringere Schäden an der Schwimmblase aufwiesen.

Die Ergebnisse des alljährlichen Monitorings werden weiterhin an das Johann Heinrich von Thünen-Institut geleitet.
Projektinformation
Projektleitung: Dr. E. Leuner
Projektbearbeiter: Dr. E. Leuner, S. Härth
Laufzeit: 1994 - 2019