Forschungs- und Innovationsprojekt
Was tun, wenn es der Kuh zu warm ist? Ein optimales Stallklima schaffen

Weiße Rauchgase werden durch einen Ventilator gesaugt

Bauliche und technische Maßnahmen zur Reduzierung des Hitzestresses

Milchkühe produzieren aufgrund ihrer hohen Milchleistung und des damit einhergehenden intensiven Stoffwechsels große Mengen an Wärme.
Diese metabolische Wärme muss an die Umgebung abgegeben werden. Dies erfolgt über u.a. bei hohen Temperaturen vermehrt über Wasserdampfabgabe durch Schwitzen und erhöhte Atmung.
Abbildung TH-Index angepasstZoombild vorhanden

Tabelle für den TH-Index

Übersteigt die Umgebungstemperatur jedoch einen bestimmten Schwellenwert (vgl. Abbildung), kann die Kuh ihre Wärme nicht mehr in ausreichendem Maße an die Umgebung abgeben. Es kommt zum Hitzestress für das Tier.

Das Wohlbefinden der Tiere wird bei einer hohen Umgebungstemperatur stark beeinträchtigt. Deshalb prüft die LfL technische Maßnahmen zur aktiven Unterstützung der Kühlung (z.B. Ventilatoren) und untersucht darüber hinaus bauliche Maßnahmen zur Verringerung des solaren Wärmeeintrags in das Gebäude (z.B. mehrschichtige Dachaufbauten) und ihre Auswirkungen auf das Stallklima.

Methode der Untersuchung

Blick in den Gruber Milchviehstall mit eingebauten Ventilatoren über den Liegeboxenreihen in Längsausrichtung.Zoombild vorhanden

Ventilatoren im Stall

Zur Beurteilung des Hitzestresses bei Milchkühen und der Auswirkung technischer Kühlmaßnahmen auf die Stressbelastung wurde der Stall in Grub mit Ventilatoren ausgestattet, die über den Liegeboxenreihen angeordnet sind. Die Steuerung der Ventilatoren übernimmt ein Lüftungscomputer, der die Drehzahl nach den Einflussgrößen Lufttemperatur und -feuchtigkeit regelt. Anhand dieser Versuchsanordnung soll der Einfluss der Ventilatoren auf das Niveau des Hitzestresses ermittelt werden.

Details zu Ventilatoren im Milchviehstall

Im Laufe des Sommers 2014 wurden bei 20 Tieren während drei Versuchszeiträumen Stressdaten erfasst. Die ermittelten Stressdaten der Tiere umfassten die Physiologie (Herz- und Atemfrequenz), die Leistungsphysiologie (Milchleistung, Futteraufnahme) und das Tierverhalten (Liege- und Aktivitätszeiten). Im ersten Versuchszeitraum wurden diese Parameter im thermoneutralen Bereich der Kühe untersucht. Im nächsten Versuchszeitraum wurden die Auswirkungen des Wärmeeintrags bei laufenden Ventilatoren erfasst. Im dritten Zeitraum wurden Lüfter deaktiviert, um den direkten Einfluss der Ventilatoren auf das Tier darstellen zu können.

Erste Ergebnisse

Als klimatische Referenzwerte liegen Außenklimawerte (Temperatur, relative Luftfeuchte, Windrichtung und -geschwindigkeit, Globalstrahlung) und Innenklimawerte (Lufttemperatur, relative Luftfeuchte, Luftbewegung) vor.
Aus diesen Untersuchungsergebnissen wird Informationsmaterial für Landwirte, Berater und Planer erarbeitet, damit Lösungen zur Minderung der Hitzestressproblematik zeitnah in der Praxis umgesetzt werden können.
  • Die Qualität des Daches hinsichtlich Wärmedurchgang spielt eine wesentliche Rolle bei der Verringerung von Hitzestress.
  • Dachüberstände sollten so geplant werden, dass im Sommer möglichst wenig direkte Sonneneinstrahlung in den Stall erfolgen kann.

Besichtigung Gruber Milchviehstall

Seit dem Sommer 2013 sind im Gruber Milchviehstall Ventilatoren eingebaut, die neben der Versuchsanstellung bereits für die Beratungsarbeit als Anschauungsobjekt vor Ort dienen.

Bei Interesse melden Sie sich bitte telefonisch an.
Tel.: 089 99141-373

Projektinformation
Projektleitung: Jochen Simon, Dr. Jan Harms
Projektbearbeitung: Stephanie Geischeder, Peter Stötzel, Johannes Zahner
Laufzeit: 01.07.2013 bis 31.06.2017
Finanzierung: Bay. Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Projektpartner: LMU München
Förderkennzeichen: A/15/30

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