Rückblick: Info-Tag "Haltung von säugenden Sauen in Bewegungsbuchten"

Eine Sau mit säugenden Ferkeln in einer Bewegungsbucht
Das Institut für Landtechnik und Tierhaltung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) veranstaltete am 22. Juni 2016 in Grub wieder einen Informationstag zum Thema Bewegungsbuchten in der Ferkelerzeugung.
Ergebnisse zu verschiedenen Buchtentypen wie Funktionsweise, Handhabung und zur Aufstallungstechnik wurden aus Sicht der Forschung und aus dem Erfahrungsschatz eines Praktikers präsentiert. Ein weiterer Vortrag informierte über Managementmaßnahmen in der Ferkelerzeugung.
Am Nachmittag konnten am Markt erhältliche Buchtentypen von 11 Herstellern im Forum besichtigt werden. Hier hatten die Besucher die Gelegenheit sich umfassend zu informieren und weiter mit Anbietern und Fachleuten zu diskutieren.

Zusammenfassungen der Vorträge

Versuchsergebnisse zu den Bewegungsbuchten des LfL-Projektes im LVFZ Schwarzenau
Im Lehr- Versuchs- und Fachzentrum für Schweinehaltung Schwarzenau, der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft wird seit Oktober 2014 ein Versuch mit Bewegungsbuchten in der konventionellen Ferkelerzeugung durchgeführt. Innerhalb dieses Versuchs werden sechs verschiedene Buchtentypen nach Kriterien wie praktischer Handhabung, Gestaltung der Einbauten und Dimensionierung der Buchten untersucht. Gleichzeitig werden Daten zur Produktionsleistung und zu Ferkelverlusten erhoben. Im Juni 2015 veranstaltete die LfL in Grub den ersten Info-Tag zum Thema Bewegungsbuchten, zu dem die Schwarzenauer Versuchsbuchten bereits vorgestellt wurden. Die getesteten Buchtentypen unterscheiden sich vor allem in der Ausrichtung des Ferkelschutzkorbs - diagonal oder gerade, Sauentrog zur Abteilwand oder zum Betreuungsgang bzw. parallel zum Gang - sowie in ihren Außenabmessungen. Alle untersuchten Buchten verfügen über eine Fixiermöglichkeit der Muttersau in Form eines Ferkelschutzkorbs. Diese Option hat sich im Versuchsverlauf als sinnvoll und auch notwendig erwiesen, um die frisch geborenen Ferkel in der kritischen Phase ihres Lebens vor dem Erdrücken zu schützen, aber auch um erforderliche Tierbehandlungen – geschützt vor der Muttersau – sicher durchführen zu können. In Schwarzenau ferkeln die Sauen im geschlossenen Ferkelschutzkorb. Sie werden erst rund eine Woche nach dem Abferkeln frei laufen gelassen.
Grundlage der Beurteilungen der Arbeitsabläufe waren Interviews, die im Anschluss an die verschiedenen Arbeitsschritte mit den tierbetreuenden Personen im Verlauf mehrerer Abferkeldurchgänge geführt wurden. Aus den Ergebnissen dieser Untersuchung lassen sich folgende Empfehlungen ableiten:
Außenmaße auf den Buchtentyp abstimmen:
Bei Bewegungsbuchten mit gerader Anordnung des Ferkelschutzkorbs sollte ein Längenmaß von min. 2,75 m gegeben sein, wenn der Trog zum Kontrollgang ausgerichtet ist oder es sich um eine parallele Ausrichtung des Ferkelschutzkorbs handelt. Die Buchtenbreite sollte in diesen Buchten mindestens 2,15 m betragen. Befindet sich in geraden Buchten der Trog an der Abteilwand und der Geburtsbereich in Richtung Kontrollgang, dann genügen auch 2,60 m Länge, da zur Geburtshilfe die Buchtentrennwand entfernt und der Gang mitgenutzt werden kann. Eine Verkürzung auf 2,50 m Länge ist möglich, wenn der Trog nicht in gerader Linie, sondern im 45°-Winkel zur Seite versetzt ist. Die Breite der Bucht sollte hier ebenfalls mindestens 2,50 m betragen. Bei diagonaler Anordnung des Ferkelschutzkorbs haben sich Buchtenabmessungen mit einer Breite von 2,6 m und einer Tiefe von 2,3 m als günstig erwiesen, alternativ 2,5 m Breite und 2,4 m Tiefe.
Engstellen innerhalb der Buchten behindern die Arbeit:
Bereiche innerhalb der Buchten, in denen zu wenig Platz für die Ferkel und zum Durchführen der anstehenden Arbeiten vorhanden ist, werden regelmäßig kritisiert. So sollte z. B. neben den Ferkelschutzkörben ausreichend Platz vorhanden sein, damit die Ferkel das Gesäuge der Muttersau gut erreichen können und die Tierbetreuer Platz zum Arbeiten haben.
Beschaffenheit des Ferkelschutzkorbs:
Die Ferkelschutzkörbe zum Fixieren der Sau sollten sich möglichst einfach und schnell schließen und öffnen lassen. Zu komplizierte Verstell – und Anpassungsmechanismen, die zu hohen Kraftaufwand erfordern und relativ viel Zeit beanspruchen, sind nachteilig und unbeliebt.
Zugang in die Buchten:
Insgesamt hat es sich bei der täglichen Arbeit in den Bewegungsbuchten bewährt, wenn wesentliche Buchteneinrichtungen wie Sauentrog, Tränke und Ferkelnest über niedrige Trennwände vom Abteilgang aus zu erreichen sind, ohne dass das Betreten des Bewegungsbereichs der Muttersau erforderlich wird. Bei Buchtenzugangstüren – vor allem wenn diese als hohe Türen ausgeführt sind – ist darauf zu achten, dass sie unbedingt mit gut funktionierenden Verschlüssen ausgestattet sind und sich mit einer Hand bedienen lassen. Wenn möglich sollten keine Ferkelabweiser an den Türen montiert sein, da sie die Tür unnötig “schwer machen“.
Schlussbetrachtung:
Aus den Ergebnissen der Umfrage ist keine eindeutige Präferenz zu einem Buchtentyp bzw. einer speziellen Anordnung zu erkennen. Jeder Typ weist sowohl Vor- als auch Nachteile auf. Gerade Buchten mit einer Ausrichtung des Troges zur Wand sind besonders übersichtlich. Dagegen erleichtert die Ausrichtung des Trogs zum Gang die täglichen Kontroll- und Reinigungsarbeiten von Trog und Tränke. Diagonale Buchten können besonders platzsparend gestaltet werden. Die Parallelanordnung ist ein guter Kompromiss zwischen den Trogpositionen „Wand“ und „Kontrollgang“.
Referent: Frank Schneider, Institut für Landtechnik und Tierhaltung der LfL
Ausgefeiltes Produktionsmanagement bei steigenden biologischen Leistungen
Auch zukünftig sind gute Aufzuchtleistungen für einen entsprechenden Gewinn in der Ferkelerzeugung nötig. Die steigenden Leistungen sowie die wachsenden Bestände verlangen vom Betriebsleiter ein Management auf höchstem Niveau. Die Landwirte haben das entsprechende Rüstzeug in der Ausbildung erhalten, es hat sich jedoch vieles eingeschliffen, bzw. wurde wieder vergessen oder aus Bequemlichkeit geändert. Auf diese Punkte soll wieder einmal hingewiesen werden.
Der züchterische Fortschritt der letzten 12 Jahre führt bei den bay. Ferkelerzeugern zu einer Leistungssteigerung von 4,5 aufgezogenen Ferkeln. Diese Leistungen müssen dann aber auch erarbeitet werden. Ein Punkt, unter Vielen, ist das Vermeiden von Verstopfungen bei den Muttersauen zur Zeit des Abferkelns. In Schwarzenau wurden gute Erfolge mit dem Einsatz von ganzen Weizenkörnern in der Vorbereitungsfütterung erreicht, auch der Einsatz von gequetschter Gerste hat sich bewährt.
Ein hoher Stellenwert muss dem Vermeiden von Verlusten gewidmet werden. Da die Verluste mit dem Sinken der Geburtsgewichte ansteigen, wurde begonnen die Einzelgewichte zu erfassen. Im Vergleich zu 2014 mit 17,2 % der lebend geborenen Ferkel unter 1000 g, konnte durch geänderte Managementmaßnahmen der Anteil in 2015 auf 13,9 % gesenkt werden. Einen großen Einfluss hat sicher der vorsichtigere Umgang mit der Geburtseinleitung, da die neueren Züchtungen anschneidend eine etwas längere Trächtigkeit haben. Ein besonderes Augenmerk sollte auf die Ferkel im Gewichtsbereich von 800 bis 1000 g gelegt werden, denn diese haben eine sehr hohe Überlebenschance und die gilt es weiter zu verbessern. So haben die Kleineren unter ihresgleichen wesentlich bessere Entwicklungsmöglichkeiten. Durch einen gezielten Wurfausgleich wird versucht, die Würfe in den ersten Lebenstagen möglichst einheitlich zu gestalten. Dies geschieht zum einen, dass die Anzahl der Ferkel an die vollfunktionsfähigen Zitzen der Sau angepasst wird. Es wird aber auch versucht, starke Schwankungen in den Geburtsgewichten durch Auswechseln von Ferkel auszugleichen. Was aber bei allem Handeln nicht vernachlässigt werden darf, ist die rasche Biestmilchaufnahme der Neugeboren, denn nur sie ist die lebensnotwendige Schluckimpfung. Deshalb wird auch erst 10 - 15 Std. nach Ende der Geburt mit der Wurfbehandlung begonnen, die dann aber auch außerhalb des Abteiles erfolgt.
In einem zweiten Schritt bekommen die Würfe mit den kleineren Ferkeln eine bessere Betreuung, zum Teil auch gleich zusätzliche Milch, bzw. Wasser mit Traubenzucker in den Futterschalen angeboten. Wenn diese Tiere in den ersten Buchten des Abteiles untergebracht sind, ist die Zusatzfütterung und Kontrolle auch etwas einfacher. Es besteht auch die Möglichkeit, diesen Tieren in Absprache mit dem Hoftierarzt mehrmals eine Glucose-Gabe zu verabreichen.
Bei entsprechenden Bestandsgrößen und zusätzlichem Personal muss immer stärker mit Aufschreibungen gearbeitet werden, hier ist es sinnvoll dass alle betreuenden Personen sich eine einheitliche Notizgestaltung angewöhnen und diese auch konsequent durchführen, denn nur eine lückenlose Dokumentation kann auch sinnvoll ausgewertet werden. Diese Erkenntnisse müssen dann aber auch in den weiteren Betriebsablauf eingearbeitet werden. Nur das durchdachte Handeln lässt den Betriebserfolg auch hoch halten, Zufälle können auch mal negativ sein.
Referent: Otto Schwemmer, Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Schweinehaltung, Schwarzenau
Praktische Erfahrungen mit Bewegungsbuchten im Abferkelbereich
2014 wurden im Zuchtsauenstall des Familienbetriebs Braun die ersten Bewegungsbuchten eingerichtet. Hierfür wurde im Stallanbau ein Abferkelabteil mit 12 Bewegungsbuchten errichtet. Es handelt sich hierbei um eine Bucht die von dem Berater für Schweinehaltung, Ludwig Goldbrunner (Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten, Landshut) entwickelt wurde. Diese Bucht wird von der Firma Weihmüller Stalltechnik in Bruckbergerau - nahe Landshut, seit 2014 unter dem Namen „petra“ hergestellt und vertrieben.
Bei diesem Buchtentyp ist der Ferkelschutzkorb bzw. der Sauenstand gerade ausgerichtet. Der Sauentrog befindet sich an der Abteilwand und ist seitlich zum Stand in der Ecke der Bucht, im 45°- Winkel montiert. Der Geburtsbereich der Sau ist zum Abteilgang gerichtet. Der Bewegungsbereich der Sau entsteht durch das parallele Verschieben eines Seitenteils des Ferkelschutzkorbs. Bei dieser Buchtenvariante werden Ferkelnest-Abdeckungen eingesetzt. Aufgrund der bestehenden Raummaße verfügen diese Buchten im Betrieb Braun über eine Tiefe von 2,48 m und variieren in ihrer Breite zwischen 2,16 m und 2,32 m. Die durchschnittliche Größe der Buchten beträgt somit ca. 5,5 m².
Das Aufstallungsmanagement wird so praktiziert, dass die Sauen bei geöffnetem Ferkelschutzkorb eingestallt werden und ihnen „freie Bewegung“ bis kurz vor dem Abferkeln gewährt wird. Die Schutzkörbe werden zum Abferkeltermin geschlossen. Die fixierte Haltungsdauer der Muttersauen hängt individuell, innerhalb der ersten 7 Lebenstage der Ferkel („kritische Lebensphase“), vom Verhalten des Einzeltieres ab. Bei diesem Buchtensystem ist ein stufenweises Öffnen des Schutzkorbs möglich, von dem auch Gebrauch gemacht wird.
Als weitere Tierwohl fördernde Maßnahme werden mit Beginn des Einsatzes der Bewegungsbuchten im Betrieb ebenfalls Alternativen zum Buchtenboden getestet. Im Bereich des Stand- und Liegeplatzes der Sauen werden Ziegelelemente im Austausch zu Betonelementen als perforationsreduzierte Fläche eingesetzt. Der Ziegelboden ist „weicher“ bzw. nicht so scharfkantig wie Beton und trägt somit zur Verminderung von Hautabschürfungen bei Sauen und Ferkeln bei.
Seit Februar 2016 werden 5 weitere Bewegungsbuchten im Betrieb eingesetzt. Dieses System wird von der Firma Stallprofi aus dem österreichischen Gunskirchen unter dem Handelsnamen „Freya“ als „Lauf- und Geburtenbucht“ vertrieben. Diese Bucht ist bezüglich der Verbindung zwischen Ferkelschutzkorb und Sauentrog ähnlich konzipiert wie die „petra“. Die Anordnung des Schutzkorbs erfolgt jedoch parallel zum Abteilgang, so dass der Trog zum Füttern und Reinigen gut vom Gang aus erreicht werden kann. Das Ferkelnest befindet sich hier direkt am Gang, vor dem Stand- bzw. Liegeplatz der Sau. Das dem Ferkelnest gegenüberliegende Seitenteil des Schutzkorbs ist auf halber Länge in Form zweier „Türen“ geteilt. Durch Aufklappen dieser Türen in Richtung Abteilwand wird der Bewegungsbereich der Sau geöffnet. Für größere Stalleinheiten bietet der Hersteller eine pneumatische Unterstützung dieser Öffnungsmechanismen an.
Seit Beginn ihres Einsatzes werden beide Bewegungsbuchtentypen im Rahmen von Doktorarbeiten der Ludwig-Maximilians-Universität wissenschaftlich begleitet.
Referent: Thomas Braun, Ferkelerzeuger aus Reisbach, Niederbayern

Bilder vom Info-Tag

Referenten am Info-Tag Bewegungsbuchten 2016

Referenten am Info-Tag

Ausstellung Info-Tag Bewegungsbuchten 2016

Firmenausstellung

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