Hitze im Milchviehstall – das stresst die Milchkuh

Kühe im Stall

Wie entsteht Hitzestress?

Kühe produzieren viel Körperwärme aufgrund hoher Stoffwechselleistung; mit steigender Milchleistung erhöht sich Körperwärmeproduktion (ca. 31 Prozent der aufgenommenen Energie wird in Wärme umgesetzt). Am wohlsten fühlt sich die Milchkuh in einem Bereich von vier bis 16 Grad. Hier muss die Kuh ihre Körpertemperatur nicht regulieren.
Bei mehr als 16 Grad gibt die Kuh Körperwärme über Verdunstung durch erhöhte Atmung oder Schwitzen ab.
Auch die relative Luftfeuchtigkeit der Umgebung wirkt begrenzend. Die Kuh kann ihre Körperwärme nicht mehr in ausreichendem Maße abgeben, da Lufttemperatur und / oder relative Luftfeuchtigkeit in ihrer Umgebung zu hoch sind.
Skizze

Skizze zum Hitzestress

Milchkuh schaut atmend in die Kamera

Kuh mit Maulatmung

Wie zeigt sich Hitzestress und seine Folgen?

  • Die Kuh versucht über vermehrtes Atmen Wärme abzugeben (Verdunstungskühlung) → Atemfrequenz steigt weit über physiologische normalen Bereich (Gefahr einer respiratorischen Alkalose: dabei kommt es zu einer Störung des Säure-Basen-Verhältnis, was eine erhöhte Krankheitsanfälligkeit nach sich ziehen kann.)
  • Um die eigene Körperwärme zu verringern, frisst die Kuh weniger; so sinkt auch die Milchleistung
  • Die Kuh trinkt mehr: pro Temperaturanstieg um ein Grad werden zirka 1,2 kg Wasser mehr aufgenommen
  • Körpertemperatur steigt insgesamt an (Hyperthermie)
  • Durch erhöhte Körpertemperatur und stressbedingten Anstieg der Kortisolkonzentration im Blut → Reduzierte Reproduktionsleitung (abnormale Zyklen, verminderte Fruchtbarkeit, erhöhte embryonale Sterblichkeit)
  • Änderung des Verhaltens → aktives Suchen nach „angenehmeren“ Plätzen, verringerte Liegezeiten, da im Liegen weniger Körperoberfläche zur Wärmeabgabe zur Verfügung

Wie beurteilt man die Gefährdung durch Hitzestress?

  • Verschiedene Klimaparameter beeinflussen, ab wann Hitzestress für Kühe entsteht, z.B. Lufttemperatur, rel. Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit, Wärmeeinstrahlung.
  • Um festzulegen, wann eine Hitzestresssituation vorliegt und wie hoch das Gefährdungspotential für die Tiere ist, wurde der TH-Index (Temperature-Humidity-Index) entworfen, der sich aus Lufttemperatur und rel. Luftfeuchtigkeit berechnen lässt.
  • THI = (0,8 x Lufttemperatur) + [(rel. Luftfeuchtigkeit / 100) x (Lufttemperatur—14,4)] + 46,4
  • THI bietet die Möglichkeit, die vorliegende Belastung für das Tier einzuschätzen.
Skizze

THI – Temperatur-Feuchtigkeits-Index

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