Forschungs- und Innovationsprojekt
Bewegungsbuchten für säugende Sauen

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Die in der konventionellen Ferkelerzeugung übliche Haltung säugender Sauen in Ferkelschutzkörben steht wegen der eingeschränkten Bewegungsfreiheit der Muttersauen seit langem in der gesellschaftlichen Kritik. Eine Alternative zu dieser Haltungsform sind Bewegungsbuchten, deren Einbau im Rahmen der Einzelbetrieblichen Investitionsförderung (EIF Premiumstufe) seit Anfang 2015 gesondert gefördert wird.
Voraussetzung ist, dass die Buchtenfläche mindestens 6 m² groß ist. Zudem müssen die Buchten die Möglichkeit bieten „ …dass der Ferkelschutzkorb nach dem Abferkeln dauerhaft geöffnet werden kann und so ein Bewegungsbereich entsteht, in dem sich die Sau ungehindert umdrehen kann ...“.
Vor, während und die erste Zeit nach der Geburt der Ferkel darf der Ferkelschutzkorb geschlossen bleiben. Auch bei Bedarf, z.B. bei anstehenden Ferkelbehandlungen, kann die Muttersau, zur Sicherheit der Tierbetreuer, kurzzeitig fixiert werden.
Stallbaufirmen bieten zum Teil sehr unterschiedliche Typen an Bewegungsbuchten mit verschiedenen Abmessungen und Detaillösungen an. Aufgrund bisher fehlender Beratungsempfehlungen besteht für Landwirte die Gefahr, im Hinblick auf Tiergerechtheit und Arbeitserledigung ungünstige Lösungen auszuwählen. Hier ist vor allem an die Auswirkungen auf die Ferkelverluste, den Arbeitszeitbedarf und die Stallbaukosten zu denken.

Zielsetzung des Projektes

Bis zum Projektende (Ende 2016) werden in Bezug auf Ausrichtung, Länge und Breite sowie Aufteilung innerhalb der Bucht, sich unterscheidende, strohlose Buchten erprobt und anhand umfassender Kriterien, vor allem im Hinblick auf ihre praktische Handhabung bewertet. Aus diesen Ergebnissen sollen Empfehlungen zu Maßen und Gestaltungsdetails formuliert werden, welche möglichst optimale Bedingungen für die Arbeitserledigung bei gleichzeitig hoher Tiergerechtheit und geringen Ferkelverlusten ermöglichen.
Weiterhin werden die in den Buchten erzielten Leistungsdaten erfasst. Als Vergleich werden zwei konventionelle Buchtentypen in die Untersuchungen mit einbezogen. Erklärtes Ziel des Versuchs ist es, den praktischen Einsatz dieser Systeme, orientiert an den Vorgaben der investiven Förderung entsprechend vorzubereiten und gegebenenfalls voranzutreiben.

Tiere, Material und Methode

Im Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum (LVFZ) für Schweinehaltung in Schwarzenau, wurden 6 unterschiedliche Systeme strohloser Bewegungsbuchten mit insgesamt 12 Buchten (jeweils 2 Buchten je System) in den Abferkelbereich eingebaut.
Alle Buchten verfügen über eine Fixiermöglichkeit der Muttersau in Form eines Ferkelschutzkorbs. Die Buchtentypen unterscheiden sich vor allem in der Anordnung dieser Schutzkörbe (diagonal oder gerade, Sauentrog zur Wand, zum Betreuungsgang oder parallel zum Gang orientiert) und durch die Abmessungen der Buchten. Der Bewegungsbereich der Sau entsteht einheitlich durch das Öffnen der Körbe.
Die Ferkelnester verfügen in allen Buchten über die gleiche Größe (0,72 m²) und sind weitestgehend zum Betreuungsgang angeordnet. Sie können von hieraus über niedrige Trennwände (50 cm) erreicht werden, ohne dass der Bewegungsbereich der Sau betreten werden muss. Alle Buchten sind mit einheitlichen Fußböden (Typ und Hersteller) ausgestattet. Diese bestehen je nach Funktionsbereich, aus Kunststoffrosten, Gusseisenrosten und perforierten Betonelementen.
Zur Bewertung der Handhabung der Technik wurden Interviews mit den betreuenden Personen während 5 Abferkeldurchgängen geführt. Daten zur Produktionsleistung (geborene und abgesetzte Ferkel, Ferkelgewichte, etc.) werden kontinuierlich erhoben. Die Buchtensauberkeit und Verletzungen der Tiere werden durch Bonitur an Stichtagen erfasst. Zur Analyse des Tierverhaltens werden Videoaufzeichnungen erstellt.
Zum jetzigen Zeitpunkt (Juli 2016) sind Daten von 13 Abferkeldurchgängen im beschriebenen Umfang erhoben worden.
Versuchsbuchten im LVFZ Schwarzenau
In den diagonal angeordneten Buchten „Diagonal-breit“ und „Diagonal-schmal“ befindet sich der Trog der Sauen an der Abteilwand. Während der Phase der fixierten Haltung ist die Sau mit dem Kopf zur Wand und mit dem Geburtsbereich zum Betreuungsgang orientiert, was der üblichen Ausrichtung von Abferkelbuchten entspricht.
Typ „Diagonal-breit“
Die „Diagonal-breit“ misst eine Tiefe von 2,30 m zwischen dem Betreuungsgang und der Abteilwand. Sie verfügt über eine Breite von 2,60 m entlang des Abteilgangs. Der Bewegungsbereich der Sau umfasst in dieser Bucht bei geöffnetem Ferkelschutzkorb ca. 3,9 m².

Typ "diagonal-breit"

Typ „Diagonal-schmal“
Die “Diagonal-schmal“ misst 2,60 m Tiefe zwischen Gang und Abteilwand bei einer Breite der Bucht von 2,10 m. Diese Bucht unterschreitet mit 5,46 m² als einzige Bucht die reguläre Größe von 6 m², kann aber durchaus auf 2,30 m Breite vergrößert werden. Mit der verminderten Buchtengröße soll die Möglichkeit einer Umbausituation in beste-henden Stallgebäuden bei begrenztem Platzangebot untersucht werden. In geöffnetem Zustand des Schutzkorbs verfügt der Bewegungsbereich der Bucht über eine Fläche von gut 4 m².

Typ "diagonal-schmal"

In den Buchten mit gerader Anordnung des Ferkelschutzkorbs - „Gerade-schmal“ und „Gerade-breit“ wurde der Trog der Sau zum Betreuungsgang hin angeordnet und der Geburtsbereich zur Abteilwand orientiert.
Typ „Gerade-schmal“
Die „Gerade-schmal“ verfügt über eine Tiefe von 3 m zwischen Gang und Abteilwand und eine Breite von 2 m. Der Bewegungsbereich für die Sau ist bei dieser Bucht ca. 4,2 m² groß.

Typ "gerade-schmal"

Typ „Gerade-breit“
Die „Gerade-breit“ misst 2,60 m Tiefe zwischen Gang und Abteilwand und 2,30 m Breite. Der Trog ragt bei dieser Variante ca. 15 cm in den Gang hinein. Die Bucht verfügt über einen Bewegungsbereich von ca. 4,1 m².

Typ "gerade-breit"

Typ „Flügelbucht“
In der „Flügelbucht“ wurde eine parallel zum Betreuungsgang ausgerichtete Anordnung des Ferkelschutzkorbs realisiert. Die Tiefe der Bucht beträgt 2,30 m zwischen Gang und Abteilwand, ihre Breite entlang des Ganges misst 2,60 m. Der Bewegungsbereich der Muttersau entsteht durch das rechtwinklige Abknicken der Ferkelschutzkorbseiten auf etwa halber Länge und verfügt über eine Fläche von ca. 3,7 m².

Typ "Flügelbucht"

Typ „Goldbrunnerbucht“
In der „Goldbrunnerbucht“ wurde eine gerade Ausrichtung des Sauenstands mit Orientierung des Trogs zur Abteilwand umgesetzt. Die seitlich versetzte Anordnung des Trogs erlaubt gegenüber den zuvor beschriebenen Buchten „Gerade-schmal“ und „Gerade-breit“ eine geringere Buchtentiefe. Der Bewegungsbereich der Sau entsteht durch das parallele, seitliche Verschieben eines Seitenteils des Ferkelschutzkorbs. Diese Bucht verfügt über eine Tiefe von 2,60 m zwischen Gang und Wand und eine Breite von 2,40 m. Der Bewegungsbereich für die Sau umfasst bei diesem System ca. 2,95 m².

Typ "Goldbrunner"

Bisherige Ergebnisse

Aus den Untersuchungsergebnissen zur Praktikabilität ist keine eindeutige Präferenz der tierbetreuenden Personen zu einer speziellen Buchtenanordnung, d. h. gerade mit Trog an der Wand, gerade mit Trog am Gang, diagonal oder parallel, zu erkennen. Alle untersuchten Buchtentypen sind prinzipiell in der Praxis einsetzbar.
Jeder Buchtentyp weist individuelle Vor- und Nachteile auf und stellt spezifische Anforderungen bezüglich seiner Dimensionierung, so etwa an die Breite und die Tiefe bzw. Länge der Bucht.
Aus den Ergebnissen der Befragungen zur Praktikabilität lassen sich folgende Empfehlungen ableiten:
Bei Bewegungsbuchten mit gerader Anordnung der Ferkelschutzkörbe und Ausrichtung des Geburtsbereichs zu einer Abteil- bzw. Buchtentrennwand (wie bei den Buchten „Gerade breit“, „Gerade schmal“ und „Flügelbucht“) sollte ein Längenmaß von min. 2,75 m gegeben sein. Diese Maßempfehlung setzt sich aus einem hochgelegtem Trog, dem Stand– bzw. Liegeplatz der Sau und ausreichend Platz für den Geburtsbereich zusammen. Die Buchtenbreite bei gerader Aufstallung sollte min. 2,15 m betragen, damit ein ungehindertes Umdrehen der Muttersau v. a. beim Ein– und Ausstallen gesichert ist.
Gerade Buchten mit Ausrichtung des Trogs zu Wand (= Geburtsbereich zum Gang) kann die Länge auf 2,60 m verkürzt werden. Bei seitlich versetztem Trog (wie in der „Goldbrunnerbucht“) sind auch 2,50 m Länge möglich.
Bei diagonalen Anordnungen der Ferkelschutzkörbe haben sich Buchtenabmessungen mit einer Breite von 2,6 m und einer Tiefe von 2,3 m als günstig erwiesen. Alternativ könnte hier die Breite 2,5 m und die Tiefe 2,4 m betragen.
Hinter der in Fixierung gehaltenen Sau sollte ausreichend Platz zur Betreuung der Geburten und zur praktischen Geburtshilfe vorhanden sein. Der hier empfohlene Freiraum sollte mindestens 40 cm Abstand bis zur Buchtentrenn– bzw. Abteilwand respektive zu den Ferkelabweisern betragen. Bei gerader Ausrichtung des Schutzkorbs mit Trog zur Wand kann dieser Abstand geringer ausfallen, sofern sich die Bucht am Abteilgang möglichst weit öffnen lässt.
Dadurch, dass die meisten gefährlichen Tierkontakte zwischen Muttersau und Tierbetreuern beim Fangen der Ferkel zu Behandlungen und beim Öffnen respektive beim Schließen der Ferkelschutzkörbe auftraten, sollten sich Schutzkörbe zum Fixieren der Sau, möglichst einfach und schnell schließen bzw. öffnen lassen. Aufwendige, komplizierte und kraftaufwändige Verstell- und Anpassungsmechanismen sollten für ein temporäres Fixieren der Sauen möglichst vermieden werden.
Insgesamt hat sich bei der täglichen Arbeit in Bewegungsbuchten das gewählte Prinzip bewährt, dass wesentliche Buchteneinrichtungen wie Sauentrog, Tränke und Ferkelnest über niedrige Trennwände vom Abteilgang aus zu erreichen sind, ohne dass das Betreten des Bewegungsbereichs der Muttersau erforderlich wird.

Ausblick

Zum Ende des Projekts werden weitere arbeitsorganisatorische Ergebnisse zur Hand-habung und zur Ausführung technischer Detaillösungen im Vergleich der unterschiedlichen Systeme zueinander erarbeitet.
Die Daten zur Produktionsleistung (zu Ferkelverlusten etc.) befinden sich weiterhin in Auswertung.
Die Versuchsbuchten und erste Versuchsergebnisse wurden ebenfalls im Rahmen von Infotagen (2015 + 2016) an der LfL in Grub vorgestellt. Anlässlich dieser Veranstaltungen wurden auch praktische Erfahrungen im Umgang mit Bewegungsbuchten durch in- und ausländische Referenten präsentiert.
Projektinformation
Projektleitung: Dr. C. Jais
Projektbearbeitung: F. Schneider, A. Müller
Versuchsstandort: LVFZ Schwarzenau
Laufzeit: Oktober 2013 bis Dezember 2016
Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Förderkennzeichen: A/13/14