Genesungsbuchten in der Schweinemast nach dem „Bucht-in-Bucht-Prinzip“

Im Zuge mehrerer Haltungsversuche zur Jungebermast wurden gute Erfahrungen mit dem Einsatz von Genesungsbuchten nach dem „Bucht-in-Bucht-Prinzip“ gemacht. Die Idee zu diesen Buchten stammte von einem landwirtschaftlichen Betrieb aus der Praxis.

Was ist das „Bucht-in-Bucht-Prinzip“?

Bei dem sogenannten „Bucht-in-Bucht-Prinzip“ wird durch das Einsetzen einer zusätzlichen Buchtentrennwand in die Hauptbucht, bei Bedarf, ein Bereich für behandlungsbedürftige Schweine abgegrenzt. Auf diese Weise kann auch in bestehenden Ställen schnell und flexibel reagiert werden.

Funktion und Aufbau der Genesungsbuchten im LVFZ Schwarzenau

Die Genesungsbuchten im LVFZ Schwarzenau wurden bei Bedarf in den bestehenden Mastbuchten, die für bis zu 30 Mastschweine ausgelegt sind, errichtet. Hierfür wurde in jede Mastbucht ein zusätzliches Trennwandelement so eingesetzt, dass das in der Genesungsbucht untergebrachte Tier noch Zugang zum gemeinschaftlichen Sensor-Kurztrog hatte (Abb. 4).
Das Trennwandelement war vom Boden bis auf eine Höhe von ca. 60 cm geschlossen. Dadurch stand den kranken Tieren ein Schutz- und Rückzugsraum zur Verfügung, der insbesondere zum Ausheilen von Verletzungen durch Schwanz- oder Ohrenbeißen nötig ist.

Darüber erlaubten Querstangen einen Nasen- und Sichtkontakt zu den Tieren der Hauptbucht (Abb. 3).Im Ruhezustand wurde das Trennwandelement an der Stallwand aufbewahrt (Abb.5).
Schwein in abgetrennter Genesungsbucht

Abb. 1: Genesungsbucht im Einsatz (roter Pfeil)

Blick in eine Genesungsbucht. Die zusätzliche Trennwand trennt einen Bereich der Hauptbucht als Genesungsbucht ab.

Abb 2: Das zusätzliche Trennwandelement (roter Pfeil) trennt einen Bereich der Hauptbucht als Genesungsbucht ab

Ein Schwein in der Genesungsbucht mit Nasen- und Blickkontakt zu den übrigen Schweinen über die Trennwand hinwegder Mastbucht aufnehmen

Abb. 3: Das Schwein in der Genesungsbucht kann über die Trennwand hinweg Nasen- und Blickkontakt zu den übrigen Schweinen der Mastbucht aufnehmen

Ein Schwein in Genesungsbucht frisst von einer Seite her am gemeinsamen Futtertrog, die übrigen Schweine von der gegenüberliegenden Seite.

Abb. 4: Das abgesonderte Schwein frisst mit den übrigen Tieren am gemeinsamen Futtertrog

Wenn die Genesungsbucht nicht benötigt wird, wird dien Trennwand an die Stallwand geklappt.

Abb. 5: im Ruhezustand an die Stallwand geklapptes Trennwandelement (roter Pfeil).

Die Größen der Genesungsbuchten in Schwarzenau betrugen ca. 2 bis 2,5 m² (siehe Abb. 6). Sie boten somit 2 bis 3 Tieren Platz. Die Genesungsbuchten befanden sich am Kontrollgang, so dass die Tierkontrolle und der Zugang zu den abgesonderten Tieren leicht möglich waren. Zur Wasserversorgung wurde in den Genesungsbuchten eine Nippeltränke nachgerüstet (Abb. 8).
Skizze einer Mastbucht, in der eine Genesungsbucht abgetrennt ist

Abb. 6: Skizze einer Mastbucht mit einer Genesungsbucht im Einsatz (Skizze ist nicht maßstabsgetreu)

Blick in eine leer Mastbucht und Darstellung, wie durch Umklappen der zusätzlichen Trennwand eine Genesungsbucht einrichten lässt

Abb. 7: Zurückklappen der Trennwand

Zusätzliche Nippeltränke in der Genesungsbucht an der Rückwand

Abb. 8: In der Genesungsbucht befindet sich eine zusätzliche Nippeltränke (roter Pfeil)

Vorzüge des „Bucht-in-Bucht-Prinzipes“

Das rechtzeitige Absondern erkrankter, etwa lahmender Tiere fördert deren Heilungschancen und verringert das Verlustrisiko. Der über die gesamte Behandlungszeit hinweg bestehende Nasen-, Geruchs- und Blickkontakt zu den Tieren in der Hauptbucht ermöglicht eine spätere Wiedereingliederung des abgesonderten Tieres in die Gruppe. Das Fressen am gemeinsamen Futtertrog bewirkt, dass das Tier in der Genesungsbucht auch weiterhin zur Futteraufnahme angeregt wird. Lästige Futterreste, die von Hand zu entfernen wären, treten so nicht auf. Da das kranke oder verletzte Tier im selben Abteil wie seine ursprünglichen Buchtengefährten bleibt, kann es in einem Zug mit diesen betreut werden.
Der besondere Vorteil des „Bucht-in-Bucht-Prinzipes“ ist, dass so Genesungsbuchten auch noch in bereits bestehenden Ställen nachgerüstet werden können, wenn deren Anzahl beim Bau des Stalles zu knapp bemessen wurde.

Gesetzliche Anforderungen

Die Verpflichtung zur „unverzüglichen“ Behandlung und ggf. „Absonderung“ von kranken oder verletzten Tieren ergibt sich aus der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) §§ 4 und 26. Ebenso müssen Schweine, die gegenüber anderen Schweinen nachhaltig Unverträglichkeiten zeigen oder gegen die sich solches Verhalten richtet, aus der Gruppe entfernt werden. Die Umsetzung dieser Vorgaben ist Gegenstand von Tierschutzkontrollen.
Obwohl das Gesetz zur Anzahl der nötigen Genesungsbuchten keine konkreten Vorgaben macht, sollten sie im Mast- und Aufzuchtstall für mindestens 2 % der Tiere eingeplant werden. In den Genesungsbuchten muss für kranke Tiere eine weiche Liegefläche zur Verfügung stehen. In Zusammenhang mit Spaltenboden bietet sich zu diesem Zweck der Einsatz von Gummimatten an.
In der Genesungsbucht, wie in der verbleibenden Hauptbucht, müssen alle gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden. Dies betrifft insbesondere das Angebot von Tränken und Beschäftigungsobjekten sowie die uneingeschränkt nutzbare Bodenfläche. Daraus ergibt sich, dass die Hauptbucht, aus der bei Bedarf die Genesungsbucht abgetrennt werden soll, nur mit einer reduzierten Anzahl an Tieren, entsprechend ihrer verbleibenden Fläche, belegt werden darf.

Erfahrungen und Eindrücke

In den Mastversuchen im LVFZ Schwarzenau hat sich der Einsatz der Genesungsbuchten im „Bucht-in-Bucht-Prinzip“ bewährt. Durch die frühzeitige Absonderung und Behandlung von lahmenden, auffälligen, kranken oder verletzten Tieren konnten einige Tiere wieder genesen und in die Hauptbucht zurückgestallt werden. Die längste Aufenthaltsdauer eines Tieres in der Genesungsbucht betrug 14 Tage. Die Wiedereingliederung verlief in den Mastdurchgängen, auch in der Jungebermast, jederzeit problemlos.
Dieses „Bucht-in-Bucht-Prinzip“ wurde in Schwarzenau bisher nur in der Mast in Buchten mit Flüssigfütterung am Kurztrog mit Sensor erprobt, noch nicht in Mastbuchten mit Breifutterautomaten oder in der Ferkelaufzucht. Es sollte dort jedoch genauso möglich sein.