Forschungs- und Innovationsprojekt
Baulich-organisatorische Wachstumskonzepte für Ferkelerzeugung und Schweinemast

Ferkelerzeugerbetriebe werden nach einem festen Raumprogramm, abgestimmt auf den gewählten Abferkelrhythmus, geplant. Die Planungsempfehlungen hierfür wurden „rechnerisch am Schreibtisch“ entwickelt. Eine Überprüfung, inwieweit diese Empfehlungen den tatsächlichen Abläufen auf den Betrieben entsprechen, war bislang noch nie durchgeführt worden.

Zielsetzung

Im Rahmen des Projekts wurden Informationen über die Organisation und den Verlauf von bereits realisierten Wachstumsschritten großer Ferkelerzeuger- und Schweinemastbetriebe gewonnen. Aus den Analyseergebnissen werden grundlegende Konzeptionen und Empfehlungen abgeleitet.
Ein Schwerpunkt lag auf der Überprüfung der den Wachstumsschritten zugrunde liegenden Planungsgrundlagen. Dabei interessierte vor allem, inwieweit bestehende Empfehlungen für die Planung der verschiedenen Abferkelrhythmen (2-, 3- und 5-Wochen-Rhythmus) bei den Baumaßnahmen berücksichtigt wurden und ob die realisierten Raumprogramme den Ansprüchen der Nutzer entsprachen. Gegebenenfalls sollten die Empfehlungen zur Gestaltung der Raumprogramme an das Verhalten und die Ansprüche der Nutzer angepasst werden.

Methode

Grundlage der Arbeiten waren Analysen zur betrieblichen Organisation, wie z.B. der zeitliche Ablauf der Stallplatz- und Abteilbelegung, die in der Vergangenheit realisierten Wachstumsschritte sowie die aktuelle Situation von insgesamt 12 Praxisbetrieben mit 250-600 Zuchtsauen. Die Daten wurden mittels detaillierter Interviews erhoben. Die in den Betrieben vorhandenen Tierhaltungsbereiche wurden durch bauliche Bestandsaufmaße erfasst und dokumentiert. Ergänzend wurden mehrjährige Aufzeichnungen zu Daten der einzelnen Würfe, wie z.B. die zeitliche Folge der Einzelwürfe, die Anzahl der zeitgleich ferkelnden Sauen bzw. der zeitgleich abgesetzten Ferkel etc., auf Basis der LKV-Daten ausgewertet. Im Abgleich mit den im Betrieb real vorhandenen Tierplätzen ließ sich so feststellen, ob z.B. genügend Abferkel- bzw. Ferkelaufzuchtplätze vorhanden waren.

Ergebnisse

Grundsätzlich war zu beobachten, dass im Gegensatz zur mit Durchschnittszahlen operierenden Raumprogrammplanung, die tatsächliche Anzahl der je Termin ferkelnden Sauen bzw. abgesetzten Ferkel erheblich schwankte (siehe Abbildung).
Zudem überstieg in vielen Betrieben die durchschnittliche Anzahl der je Termin zeitgleich abferkelnden Sauen die ursprüngliche Planungsgröße (siehe Abbildung) mit der Folge, dass das Rein-Raus-Prinzip in der Belegung der Abferkelabteile zumindest in den vorhandenen Reserveabteilen verletzt wurde. Außerdem mussten teilweise auch Würfe vorzeitig ausgestallt werden. Die Ursache hierfür lag in einem relativen Überschuss an Deckplätzen. In der Planung der zugrundeliegenden Raumprogramme wurden ursprünglich 20 % Reserveplätze im Deckbereich (auf alle dort berücksichtigten Sauengruppen) vorgesehen, die aus o.g. Gründen auf 15 % für nur eine Sauengruppe reduziert werden sollten. Weiterhin sollte die Größe der regulären Abferkelabteile 5 % über der durchschnittlich geplanten Sauenzahl je Abferkeltermin liegen, um Schwankungen abzufangen (siehe Abbildung). Weitere 5 % Reserveplätze sind in einem Reserveabteil einzuplanen.

Säulendiagramm

Wegen einer Überkapazität an Deckplätzen ferkeln je Termin im Durchschnitt 2,4 Sauen mehr als geplant waren.
Bei nahezu allen Betrieben waren die Kapazitäten an Ferkelaufzuchtplätzen zu knapp, da zum Zeitpunkt der Planung die ansteigende Leistung bezüglich der Anzahl an abgesetzten Ferkeln je Wurf unterschätzt worden war. Zukünftig sollte im Planungsprozess ein Zuschlag von 20 % auf die aktuell realisierte Anzahl abgesetzter Ferkel der Herde vorgenommen werden, um den Schwankungen der Ferkelzahlen zu den einzelnen Absetzterminen unter Wahrung der Rein-Raus-Belegung in den Abteilen begegnen zu können. Gleichzeitig wird hierdurch eine Reserve für eine weitere Leistungssteigerung geschaffen.
Projektinformation
Projektleitung: Dr. C. Jais und J. Simon
Projektbearbeitung: F. Schneider und W. Schön
Laufzeit: 2011 – 2014
Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Förderkennzeichen: A/11/12