Notfallzulassung für Cruiser 600 FS zur Beizung von Zuckerrübensaatgut

Das Vergilbungsvirus führt in Deutschland regional zu gravierenden Pflanzenschäden und Ertragsverlusten. In Bayern ist hiervon das fränkische Zuckerrübenanbaugebiet massiv betroffen.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat im Dezember 2020 für mehrere Bundesländer Notfallzulassungen – verbunden mit strengen Auflagen – zur begrenzten Saatgutbehandlung und anschließenden Aussaat von Zuckerrübensaatgut mit dem Wirkstoff Thiamethoxam vom 1. Januar 2021 bis 30. April 2021 erteilt.
Die Notfallzulassung des Pflanzenschutzmittels Cruiser 600 FS wurde bezüglich Bayern ausschließlich für das Vertragsgebiet der Zuckerfabrik der Südzucker AG in Ochsenfurt, das sich über Unter-, Mittel- und Oberfranken erstreckt, erteilt.
Die Bundesländer müssen rechtlich verbindliche Maßnahmen, wie z. B. durch eine Allgemeinverfügung nach § 8 in Verbindung mit § 6 des Pflanzenschutzgesetzes, erlassen, um die Risikominderung ab der Aussaat und über das Ende der Notfallzulassungen am 30. April 2021 hinaus zu gewährleisten.
Der Bayerische Staatsanzeiger hat am 29.01.2021 die Allgemeinverfügung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) vom 19.01.2021 über Risikominderungsmaßnahmen zur Nutzung von Zuckerrübensaatgut, welches mit Thiamethoxam zur Bekämpfung von Blattläusen als Virusvektoren gemäß Notfallzulassung nach Artikel 53 der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 vom 23.12.2020 behandelt wurde, veröffentlicht.

In dieser Allgemeinverfügung wurden folgende Vorschriften geregelt:

1. Verteilung des Saatgutes

  • Verteilung des Saatgutes durch die Zuckerrüben verarbeitenden Betriebe in Franken
  • Information des Instituts für Bienenkunde und Imkerei der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, der regionalen Imkervereine und der zuständigen Bienensachverständigen in den betroffenen Regionen über den Zeitraum der Aussaat des Zuckerrübensaatgutes, spätestens 1 Woche vor der ersten Aussaat
  • Informationspflicht: Die Zuckerrüben verarbeitenden Betriebe müssen Landwirte über die o. g. Allgemeinverfügung informieren!

2. Maßnahmen bei der Ausbringung des behandelten Saatguts, inkl. Verbote

  • Es ist verboten, Saatgut, das mit einem Pflanzenschutzmittel behandelt wurde, welches den Wirkstoff Thiamethoxam enthält, in Naturschutzgebieten auszusäen.
  • Anbauer, die Zuckerrübensaatgut, das gemäß der Notfallzulassung mit Thiamethoxam behandelt und abgegeben wurde, selbst ausbringen oder ausbringen lassen, sind verpflichtet, Folgendes sicherzustellen:
    • Auf erosionsgefährdeten Flächen sind geeignete erosionsmindernde Maßnahmen zu ergreifen, bevor die Aussaat stattfindet, und bis zur Ernte aufrecht zu erhalten; Starkregenereignisse oder Erosionsereignisse mit Auswirkungen auf andere Flächen sind unverzüglich der LfL anzuzeigen.
    • Bei der Aussaat ist jeweils in der äußersten Reihe des zu bestellenden Ackers kein mit Thiamethoxam behandeltes Saatgut auszubringen oder ein Mindestabstand zum Feldrand (zur nächsten Kultur oder zu Nichtkulturland wie Feldrainen) von 45 Zentimetern einzuhalten. Es dürfen keine Blühstreifen angelegt sein.
    • Vor und nach der Aussaat ist bestmöglich dafür Sorge zu tragen, dass Beikraut und andere Pflanzen auf dem betroffenen Acker bis 31.12.2022 nicht zur Blüte gelangen.
    • Sätechnik: Die Aussaat des behandelten Saatgutes darf mit mechanischen oder pneumatischen Sägeräten erfolgen. Die Aussaat des behandelten Saatgutes darf nur dann mit einem pneumatischen Gerät, das mit Unterdruck arbeitet, erfolgen, wenn dieses in der „Liste der abdriftmindernden Sägeräte“ des Julius Kühn-Instituts aufgeführt ist (einzusehen auf der Homepage des Julius Kühn-Instituts http://www.julius-kuehn.de/geraete.htm).
    • Verschüttetes Saatgut ist sofort zu entfernen und dafür zu sorgen, dass kein Saatgut offen liegen bleibt.
    • Das behandelte Saatgut einschließlich enthaltener oder beim Aussaatvorgang entstehender Stäube ist vollständig in den Boden einzubringen.
    • Im Übrigen und soweit im Vorstehenden nichts Abweichendes geregelt ist, ist die Ausbringung des behandelten Saatgutes gemäß dem Zulassungsbescheid des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) durchzuführen; insbesondere sind sämtliche festgesetzten Anwendungsbestimmungen, sämtliche festgelegten Anwendungsbedingungen und sämtliche Bestimmungen zum Anwenderschutz verbindlich einzuhalten. So beträgt die Aussaatstärke maximal 1,1 Saatguteinheiten je Hektar.
    • Anzeigepflicht der Aussaat: Dem jeweils örtlich zuständigen Fachzentrum für Pflanzenbau an den ÄELF Ansbach, Würzburg und Bayreuth ist die Aussaat unter genauer Angabe der für die Aussaat bestimmten Flächen sowie deren Größe mindestens drei Werktage vor der Aussaat vom Anbauer anzuzeigen.
    • Aufzeichnungspflicht: Es sind unverzüglich Aufzeichnungen über durchgeführte Maßnahmen, insbesondere Aufzeichnungen zur behandelten Fläche, zum Aussaatzeitpunkt, wieviel Saatgut aufgenommen, mit welchem Gerät ausgesät und welche Menge Saatgut zurückgegeben wurde, fortlaufend zu führen und drei Jahre lang aufzubewahren und auf Nachfrage der LfL oder dem örtlich zuständigen Fachzentrum Pflanzenbau der ÄELF vorzulegen.
    • Vom Anbauer erworbenes und in seinem Besitz befindliches behandeltes Saatgut darf nicht an Dritte weitergegeben werden.
    • Nicht benötigtes Saatgut ist an die ausgebenden Zuckerrüben verarbeitenden Betriebe zurückzuführen. Die Rückgabe ist vom Anbauer und vom jeweiligen ausgebenden Betrieb inklusive der zurückgegebenen Menge zu dokumentieren.
  • Es ist verboten, eine Nachsaat mit Saatgut, das mit einem Pflanzenschutzmittel behandelt wurde, welches den Wirkstoff Thiamethoxam enthält, auf den Ackerflächen durchzuführen, auf denen im gleichen Anbauzeitraum bereits eine Aussaat mit einem solchen Saatgut erfolgt ist.

3. Vorschriften für Nachfolgekulturen

  • Es ist verboten, auf Flächen, auf denen das mit Thiamethoxam gebeizte Saatgut ausgebracht worden ist, im selben und im Folgejahr Zwischenfrüchte oder bienenattraktive Kulturen (insbesondere Raps, Sonnenblumen, Mais, Leguminosen, Kartoffeln, durchwachsene Silphie), die vor dem 01.01.2023 zur Blüte gelangen, anzubauen.
  • Zwischenfrüchte dürfen nicht zur Blüte gelangen.
  • In der Nachfolgekultur sind blühende Beikräuter zu vermeiden.
  • Eine Brache ist als Folgekultur nicht möglich.
  • Die betroffene Fläche darf auch nicht als Blühfläche genutzt werden.

Wichtiger Hinweis:
Zuwiderhandlungen gegen diese Allgemeinverfügung stellen Ordnungswidrigkeiten im Sinne des § 68 Abs. 1 Nr. 1 Pflanzenschutzgesetz dar, die nach Abs. 3 mit einem Bußgeld bis 50.000 Euro geahndet werden können.

Meldeformular
Anbauer, die auf ihren Flächen mit Thiamethoxam gebeiztes Zuckerrübensaatgut aussäen bzw. aussäen lassen wollen, müssen die Aussaat dem örtlich zuständigen Fachzentrum für Pflanzenbau an den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ansbach, Würzburg bzw. Bayreuth unter Angabe der Kontaktdaten, genauer Angabe der für die Aussaat bestimmten Flächen (Gemarkung, Feldstücksnummer, FID-Nummern) sowie deren Größe mindestens drei Werktage vor der Aussaat anzeigen.
Ein Formular zur Meldung der Flächen kann von der Interseite des jeweils zuständigen Amtes abgerufen werden:

Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ansbach
Internet: www.aelf-an.bayern.de Externer Link

Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bayreuth
Internet: www.aelf-by.bayern.de Externer Link

Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Würzburg
Internet: www.aelf-wu.bayern.de Externer Link

Das vollständig ausgefüllte Formular ist zu senden an:

Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ansbach
E-Mail: pflanzenschutz@aelf-an.bayern.de

Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bayreuth
Fax: 0921/591111
E-Mail: poststelle@aelf-by.bayern.de

Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Würzburg
Fax: 0931/8010571550
E-Mail: pflanzenschutz@aelf-wu.bayern.de