Pilzkrankheiten der Wintergerste – Monitoring

Dieser Informationsdienst wird wieder zur Saison 2023 aktiv. Beispielhaft angezeigt sind hier Daten aus dem Jahr 2022.

Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Deggendorf-Straubing

Land-
kreis
Gemeinde
(Probennahme)
Wetterstation Vorfrucht Saattermin Sorte Datum BBCH Krankheit
Halm-
bruch
Mehl-
tau
Rhyncho-
sporium
Netz-
flecken #
Zwerg-
rost #
DEG Langenamming Neusling Winterweizen 30.09.2021 Sandra 02.05.22 41 * - - o o
DGF Loitersdorf Steinbeißen Winterraps 28.09.2021 Sandra 02.05.22 37 - - - o -
KEH Mitterschneidhart Kaltenberg Kartoffel 02.10.2021 SY Galileoo 02.05.22 37 - - - o -
LA Altheim Schönbrunn Winterweizen 25.09.2021 Sandra 02.05.22 43 * - - o -
Feistenaich Feistenaich Winterweizen 25.09.2021 Bordeaux 02.05.22 41 * - - o -
PA Aunham Rotthalmünster Körnermais 06.10.2021 SY Kingsbarn 02.05.22 37 - - - o -
Inzing Bärnau Körnermais 02.10.2021 California 02.05.22 43 * - - - o
SR Mitterharthausen Piering Winterraps 23.09.2021 SU Vireni 02.05.22 39 * - - o -

Befallseinstufung:
-  kein Befall
o  Befall unter Bekämpfungsschwelle
+  Bekämpfungsschwelle überschritten
++ Bekämpfungsschwelle deutlich überschritten
*  ausserhalb des Bekämpfungszeitraumes

# Eine Maßnahme wird nach Überschreiten der Bekämpfungsschwelle erst empfohlen, wenn aktuell oder wenige Tage zuvor günstige Infektionsbedingungen vorherrschen (Tageshöchsttemperaturen über 20 °C, insbesondere für Netzflecken auch ausreichende Blattfeuchte durch Tau oder Regen).

Aktuelle Hinweise vom 05.05.2022:

Der April 2022 lag sowohl von den Temperaturen als auch den Niederschlägen im langjährigen Bayern-Mittel. Schnee noch zu Monatsanfang, vor allem in Franken, und verbreiteter Regen in der letzten Aprilwoche summierten sich auf insgesamt 63 mm im Mittel aller LfL-Stationen. Nördlich der Donau waren es meist deutlich mehr, in manchen fränkischen Stationen bis zu 100 mm oder knapp darüber. Gleiches traf auch für die Bodenseeregion und das westliche Schwaben zu. In weiten Teilen Oberbayerns, vor allem aber in der südlichen Oberpfalz und in Niederbayern, blieb es dagegen bei 30 bis 50 mm deutlich trockener. Doch auch hier brachten die Schauer und teils heftigen Gewitter in dieser Woche weitere Entspannung, dies alles bei noch moderaten Temperaturen.
Ab dem Wochenende folgt ein Wechsel auf trockene, strahlungsreiche Witterung mit leicht steigenden Temperaturen.

Bis auf wenige kühlere Lagen spitzte bei den meisten Wintergersten zu Wochenbeginn das Fahnenblatt (BBCH 37) oder war bereits vollständig geschoben (BBCH 39), vielerorts werden bis zum Wochenende die Grannen spitzen (BBCH 49). Der Zeitraum von BBCH 39 bis Beginn/Mitte Ährenschieben (BBCH 51/55) eignet sich für die Abschlussbehandlung.
Zwar zeigen sich die Mehrzahl der Gersten weiterhin sehr gesund, nicht einmal jeder fünfte der bislang unbehandelten Monitoringschläge hat eine Bekämpfungsschwelle überschritten, meist für Rhynchosporium, Netzflecken oder Zwergrost. Gegenüber der Vorwoche zeigt sich jedoch ein leichter Anstieg bei allen Krankheiten, die günstigen Infektionsbedingungen werden dies nun auch weiter verstärken.
Der Fokus der Abschlussbehandlung in der Gerste richtet sich jedoch jetzt aber vor allem auf die Ramularia-Sprenkelkrankheit, die auf dem grünen Blattapparat aktuell meist noch gar nicht zu finden ist und für es bislang auch kein Bekämpfungsschwellen-Konzept gibt. Die ersten Vorboten, feine braune Sprenkelungen auf den oberen, sonnenexponierten Blattabschnitten, treten meist erst zur Blüte auf, häufig begleitet von einem Wechsel von Regen- und Hochstrahlungsphasen, welcher die Schadwirkung zusätzlich fördert. Feuchte fördert dabei den Pilz selbst, die Strahlung aktiviert einen Giftstoff, den der Pilz produziert, um das Blattgewebe abzutöten und sich so besser auszubreiten. Ohne vorbeugende Maßnahmen wie Fruchtfolge oder Saattermin, sowie ohne ausreichend resistente Sorten, bleibt weiterhin nur der Einsatz wirksamer Fungizide zu Kontrolle der Ramularia. Die Versuche der letzten Jahre belegen dies deutlich.

Wo Regenpausen in dieser Woche noch nicht für eine abschließende Maßnahme genutzt wurden, sollte dies, bis auf sehr späte Lagen mit weiterhin gesunden Beständen, auch nicht länger hinausgezögert werden. Dies trifft auch für Wintergersten zu, wo in Ausnahmefällen bereits eine Erstbehandlung nötig war. Hier endet der Fungizidschutz nach etwa 14 Tagen.

Basis der Ramularia-Kontrolle sind die beiden Azol-Wirkstoffe Mefentrifluconazol (in Balaya und Revytrex) oder Prothioconazol (in allen weitern nachfolgend aufgeführten Mitteln).
Eine wichtige Ergänzung in allen Ramularia-Gebieten bringt der Kontaktwirkstoff Folpet, der über eine Notfallzulassung der Produkte Folpan 500 SC und Amistar Max in der Gerste verfügbar ist.
SDHI-Wirkstoffe in der Mischung verbreitern dagegen die Wirkung gegen andere Krankheiten, das Strobilurin Pyraclostrobin (in Balaya, Comet und Priaxor) verbessert die Wirkung besonders bei starkem Netzfleckenbefall.

Zu 1,5 l Folpan 500 SC oder 1,5 l Amistar Max eigenen sich als breitwirksame Partner für die Abschlussbehandlung zum Beispiel 1,2 l Ascra Xpro, 1,5 l Balaya, 1,0 l Elatus Era, 1,0 l Gigant, 1,5 l Jordi oder 1,5 l Revytrex, kostengünstiger, bei allerdings etwas reduzierter Wirkung, auch 175 bis 200 g Prothioconazol, zum Beispiel über 0,7 bis 0,8 l Abran, Aurelia oder Traciafin.
Ohne Folpet-Zusatz ist, bei meist etwas geringerer und unsicherer Wirkung, auch der Zusatz von Schwefel als Kontaktmittel möglich, wie zum Beispiel 4,0 l Thiopron oder 2,5 bis 4,0 kg S über sonstige Schwefelpräparate.
Abschlussbehandlungen ganz ohne Folpet oder Schwefel sollten möglichst hohe Mengen an Mefentrifluconazol oder Prothioconazol nutzen.
Selbst bei späten Behandlungen auf die Ähre sollten die breitwirksamen Partner allenfalls moderat reduziert werden, nicht jedoch die Kontaktmittel.