Pilzkrankheiten des Winterweizens – Monitoring

Dieser Informationsdienst wird wieder zur Saison 2023 aktiv. Beispielhaft angezeigt sind hier Daten aus dem Jahr 2022.

Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Deggendorf-Straubing

Land-
kreis
Gemeinde
(Probennahme)
Wetterstation Vorfrucht Saattermin Sorte Datum BBCH Krankheit
Halm-
bruch
Mehl-
tau
Septoria
tritici
Septoria
nodorum
DTR Braun-
rost
Gelb-
rost #
DEG Langenamming Neusling Sojabohne 15.10.2021 Patras 23.05.22 47 * - o - - - -
Penzling Neusling Zuckerrübe 20.10.2021 RGT Reform 23.05.22 47 * - o - - - -
DGF Altenbuch Uttenkofen Zuckerrübe 25.10.2021 Axioma 23.05.22 47 * - - - - - -
Steinbeißen Steinbeißen Zuckerrübe 20.10.2021 Chevignon 23.05.22 51 * - o - - - -
KEH Dietrichsdorf Dietrichsdorf Körnermais 28.10.2021 Barranco 23.05.22 43 * - - - - - -
LA Altheim Schönbrunn Körnermais 18.10.2021 Campesino 23.05.22 51 * - - - - - -
Feistenaich Feistenaich Zuckerrübe 19.10.2021 KWS Emerick 23.05.22 47 * - - - - - -
PA Hartkirchen Bärnau Körnermais 16.10.2021 Asory 23.05.22 51 * - o - - - -
Reith Rotthalmünster Körnermais 31.10.2021 Asory 23.05.22 43 * - o - - - +
PAN Engersdorf Engersdorf Silomais 19.10.2021 Pep 23.05.22 47 * o o - o - -
Frieding Frieding Körnermais 28.10.2021 Spontan 23.05.22 47 * - - - - - -
SR Piering Piering Kartoffel 15.10.2021 KWS Emerick 23.05.22 47 * - o - - - -
Saulbach_Dinkel Piering Winterweizen 04.10.2021 Badensonne 23.05.22 43 * - - - - - -

Befallseinstufung:
-  kein Befall
o  Befall unter Bekämpfungsschwelle
+  Bekämpfungsschwelle überschritten
++ Bekämpfungsschwelle deutlich überschritten
*  ausserhalb des Bekämpfungszeitraumes

# Die angezeigte Gelbrost-Bekämpfungsschwelle (erster Befall) gilt für mittel oder stärker anfällige Sorten, wie z.B. Kerubino, Kometus, Meister, Tobias oder bei Dinkel z.B. Divimar. Für andere Sorten kann in der Regel eine Befallshäufigkeit der Haupttriebe von 30 % oder das Auftreten von ersten Befallsnestern im Bestand abgewartet werden.

Aktuelle Hinweise vom 25.05.2022:

Der Mai 2022 mit seinem ungewöhnlichen Unwetterpotenzial setzt sich fort. Die Energie der schwül-heißen Tage der Vorwoche, mit Rekordtemperaturen für einen Mai, entlud sich am letzten Donnerstag und Freitag, vor allem in Teilen Mittelfrankens und der Oberpfalz, mit heftigen Gewittern. Starkregen, Sturmböen teils auch mit Hagel sorgten mancherorts für Überschwemmungen und weitere Schäden. Ähnliche Unwetter zogen an diesem Montag über das südliche Schwaben und Oberbayern. Weiterer Regen folgte am Dienstag und heute vor allem in der Südhälfte Bayerns. So zeigen auch die bisherigen Regensummen im Mai ein deutliches Süd-Nord-Gefälle. Im Mittel aller LfL-Stationen betrug die Monatssumme bis heute Mittag bayernweit 48 mm, bei einer Spanne von 7 bis 144 mm. Regensummen unter 20 mm finden sich vor allem in Unter- und Oberfranken und der nördlichen Oberpfalz, über 80 mm dagegen im südlichen Schwaben und Oberbayern.
Nach einem spürbaren Temperaturrückgang am Wochenende, ist für nächste Woche weiterhin wechselhaftes Wetter angekündigt. Der Infektionsdruck in den Getreidebeständen bleibt somit hoch.

Die Winterweizen hatten bayernweit zu Wochenbeginn den Blattapparat vollständig entwickelt (BBCH 39), teils waren die Ähren im oberen Halmabschnitt fühlbar (BBCH 43 - 47), frühe Lagen und Sorten beginnen mit dem Ährenschieben.
Bei letzteren rücken auf Risikolagen bereits ab der kommenden Woche mögliche Fusariumbehandlungen in den Vordergrund, zumindest dann, wenn neuerlicher Regen auf die beginnende Blüte trifft. Dies gilt vor allem dort, wo Ernterückstände, vor allem von Mais, auf der Bodenoberfläche liegen und anfälligere Sorten, wie zum Beispiel Chevignon, Informer, Jubilo, Komponist, KWS Keitum, KWS Universum, LG Character, Ponticus oder Sheriff angebaut werden.

Unabhängig vom Fusariumrisiko ist bei regelmäßigen Kontrollen weiter auf Septoria tritici zu achten. Der sichtbare Septoria-Befall nimmt auf den unbehandelten Monitoringschlägen weiter zu, bei weiterhin sehr großen Unterschieden, was die Notwendigkeit einer Behandlung anbelangt. So sind aktuell erst bei jedem dritten Weizenschlag die Bekämpfungsschwelle erreicht. Dies ist der Fall, wenn vier von zehn Pflanzen Befall auf dem Blatt F-4, ab BBCH 47 auf dem Blatt F-3 (oder darüber) aufweisen. Bislang trifft dies im Monitoring für Schläge zu, mit den Sorten Apostel, Asory, Chevignon, Elixer, Informer, Kometus, KWS Emerick, KWS Keitum, Patras und RGT Reform, durchaus auch bei normalen Saatterminen bis Mitte Oktober.
Umgekehrt waren auch an diesem Montag noch 20 Prozent der unbehandelten Schläge auf den oberen fünf (!) Blättern noch frei von Septoria, dies bei den Sorten Axioma, Barranco, Campesino und Spontan, aber ebenso auch bei den oben schon aufgeführten Sorten Apostel, Asory, KWS Emerick RGT Reform und Patras. Dies unterstreicht die Bedeutung eigener Bestandskontrollen, zumal die ausgewiesenen Septoria-Resistenzen der anbaustärksten Weizensorten, auf einem mittlerweile guten Niveau, innerhalb von nur drei Bewertungsstufen liegen.

In den Beständen sind auch weiterhin Kontrollen auf Gelbrost und ersten Braunrost ratsam. Gelbrost wurde im Monitoring bislang bei den Sorten Asory, Campesino, Elixer, Kometus, Patras und RGT Reform gefunden; in allen Fällen aber nur sehr leichter Befall auf einem oder zwei Blättern der jeweils 30 untersuchten Pflanzen.
Die typische Nesterbildung früherer Gelbrostjahre, mit stark anfälligen Sorten, wird aus den unbehandelten Spitzfenstern oder aus den Versuchen weiterhin nicht gemeldet. Bleiben Sie aber aufmerksam. Auch ohne Nesterbildung sollten Sie eine Behandlung durchführen, wenn drei von zehn Pflanzen erste der streifenförmigen Pusteln zeigen.

Diese Schwelle gilt auch für den Braunrost, der in Vorwoche mit sehr geringem Befall auf einem Schlag mit der Sorte Patras im Landkreis Schweinfurt auftrat, nicht mehr in dieser Woche. Die Hitze und Strahlung der letzten Woche kann diesen Erreger weiter begünstigen, im Fokus stehen hier vor allen stärker anfällige Sorten wie zum Beispiel Foxx, LG Initial oder Pep. Auch andere Erreger, wie Mehltau oder DTR sind bislang nur von untergeordneter Bedeutung.

Für Betriebe, wo bislang noch keine Maßnahme nötig war, die aber im Laufe dieser Woche die Septoria-Schwelle erstmals erreichen, sollte bei genügend Regen, der die Bestände auch noch am Folgetag feucht hält, infektionsnah behandelt werden. Je nach Mittel und Aufwandmenge sollte die Maßnahme innerhalb von etwa fünf bis sieben Tagen nach dem Regenstart erfolgen. Wo in Ausnahmefällen bereits eine Erstbehandlung gegen Septoria in der frühen Schossphase nötig war und diese weiter als drei Wochen zurückliegt, sollte bei erneutem Regen die Anschlussbehandlung erfolgen (Aufwandmengen jeweils je ha):

• Ohne Fusariumrisiko lassen sich Bestände ab BBCH 39 mit einer Behandlung ausreichend schützen. Dazu werden Regelaufwandmengen breitwirksamer Carboxamid/ Picolinamid-Azol-Präparate oder -Mischungen empfohlen, wie zum Beispiel 1,5 l Ascra Xpro, 1,0 l Elatus Era, 1,0 l Gigant, 1,5 l Jordi, 1,5 l Revytrex, 1,25 l Skyway Xpro, 2,0 l Vastimo, ab BBCH 41 auch 2,0 l Univoq (Aufwandmengen jeweils je ha). Ab Mitte Ährenschieben (BBCH 55) lassen sich die Regelaufwandmengen moderat um etwa 20 Prozent reduzieren. In vielen weiterhin sehr gesunden Beständen genügen weitere Kontrollen.
• Mit Fusariumrisiko sollte eine Behandlung gezielt bei Regen ab Blühbeginn erfolgen. In frühen Lagen und gesunden Beständen, können damit Einmalbehandlung ab der kommenden Woche, in die Ähre platziert werden.
Umgekehrt wird in späteren Lagen, wo mit der Blüte erst nach Pfingsten zu rechnen ist, bei Blattbefall über der Schwelle, eine Zwischenbehandlung nötig. Dazu eigen sich die oben genannten breitwirksamen Mittel mit etwa 20 Prozent reduzierter Aufwandmenge.
War in blattgesunden Sorten bislang keinerlei Vorbehandlung nötig oder geschah dies mit SDHI-freien Produkten, so können gegen Fusarium auch breitwirksam 1,0 l Elatus Era (+ 0,33 l Sympara), 1,0 l Gigant, 1,0 l Siltra Xpro oder 1,25 l Skyway Xpro eingesetzt werden, unabhängig von einer möglichen SDHI-Vorbehandlung auch 2,0 l Univoq.
Ansonsten sollten gegen Fusarium leistungsfähige Azole zum Einsatz kommen, wie 1,0 l Prosaro/Sympara, 1,25 l Input Classic, 1,25 l Hint oder 1,0 l Caramba + 0,5 l Curbatur (Osiris MP). Bei moderatem Fusariumrisiko eignen sich auch 1,0 l Magnello, 1,2 l Soleil, oder Regelaufwandmengen von Prothioconazol-Solomitteln, wie Abran, Aurelia, Curbatur, Proline, Tokyo oder Traciafin, sowie von Tebuconazol-Solomitteln, wie Fezan, Folicur, Orius oder Tebucur 250 EW.