Pilzkrankheiten der Sommergerste – Monitoring

Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ansbach

Land-
kreis
Gemeinde
(Probennahme)
Wetterstation Vorfrucht Saattermin Sorte Datum BBCH Krankheit
Mehl-
tau
Rhyncho-
sporium
Netz-
flecken #
Zwerg-
rost #
Vach Höchstadt a.d.Aisch Winterweizen ' Amidala 23.05.22 39 - - - o
N Steinensittenbach See Winterweizen ' RGT Planet 16.05.22 31 - - - -

Befallseinstufung:
-  kein Befall
o  Befall unter Bekämpfungsschwelle
+  Bekämpfungsschwelle überschritten
++ Bekämpfungsschwelle deutlich überschritten
*  ausserhalb des Bekämpfungszeitraumes

# Eine Maßnahme wird nach Überschreiten der Bekämpfungsschwelle erst empfohlen, wenn aktuell oder wenige Tage zuvor günstige Infektionsbedingungen vorherrschen (Tageshöchsttemperaturen über 20 °C, insbesondere für Netzflecken auch ausreichende Blattfeuchte durch Tau oder Regen).

Aktuelle Hinweise vom 25.05.2022:

Der Mai 2022 mit seinem ungewöhnlichen Unwetterpotenzial setzt sich fort. Die Energie der schwül-heißen Tage der Vorwoche, mit Rekordtemperaturen für einen Mai, entlud sich am letzten Donnerstag und Freitag, vor allem in Teilen Mittelfrankens und der Oberpfalz, mit heftigen Gewittern. Starkregen, Sturmböen teils auch mit Hagel sorgten mancherorts für Überschwemmungen und weitere Schäden. Ähnliche Unwetter zogen an diesem Montag über das südliche Schwaben und Oberbayern. Weiterer Regen folgte am Dienstag und heute vor allem in der Südhälfte Bayerns. So zeigen auch die bisherigen Regensummen im Mai ein deutliches Süd-Nord-Gefälle. Im Mittel aller LfL-Stationen betrug die Monatssumme bis heute Mittag bayernweit 48 mm, bei einer Spanne von 7 bis 144 mm. Regensummen unter 20 mm finden sich vor allem in Unter- und Oberfranken und der nördlichen Oberpfalz, über 80 mm dagegen im südlichen Schwaben und Oberbayern.
Nach einem spürbaren Temperaturrückgang am Wochenende ist für nächste Woche weiterhin wechselhaftes Wetter angekündigt. Der Infektionsdruck in den Getreidebeständen bleibt somit hoch.

In der Hitze der letzten Woche hat sich die Sommergerste vielerorts rasant weiterentwickelt. Im Laufe dieser Woche wird bei der Mehrzahl der Bestände das Fahnenblatt geschoben sein, bei ersten Schlägen werden in der kommenden Woche die Ähren geschoben.

Hinsichtlich der Krankheiten zeigt sich im Monitoring auch bei der Sommergerste ein sehr heterogenes Bild. Neben vielen, sehr gesunden Beständen sind auch Schläge dabei, die bereits die Schadschwellen überschritten haben; am häufigsten bei Netzflecken, dies bei den Sorten Accordine, Avalon, Barke, Prospect und RGT Planet, sowie an zwei der 21 Standorte auch für Rhynchosporium, bei den Sorten Amidala und Avalon.
Für Netzlecken trifft dies zu, wenn 20 % der Pflanzen Befall auf den Blattetagen F-4 und F-3 aufweisen, für Rhynchosporium liegt die Schwelle bei 50 %.
Mehltau und Zwergrost wird dagegen bislang nur vereinzelt gefunden.

Wie bei der Wintergerste ist auch in der Sommergerste in den meisten Regionen Bayerns, wo regelmäßig die späte Ramularia-Sprenkelnekrose auftritt, selbst ohne sonstige Blattkrankheiten über der Schadschwelle, ein abschließender Ramularia-Schutz ratsam.
Ab BBCH 39 und damit in der Mehrzahl der Schläge in Bayern, ist dies in vielen Fällen bereits in der kommenden Woche als abschließende Einmalbehandlung möglich. Auch in der Sommergerste sollten dazu Mischungen mit dem Kontaktwirkstoff Folpet eingesetzt werden. Die Notfallzulassung von Folpan 500 SC und Amistar Max deckt auch Behandlungen in der Sommergerste mit ab. Zu 1,5 l Folpan 500 SC oder 1,5 l Amistar Max eigenen sich als breitwirksame Partner für die Abschlussbehandlung zum Beispiel 1,2 l Ascra Xpro, 1,5 l Balaya, 1,0 l Elatus Era, 1,0 l Gigant, 1,5 l Jordi oder 1,5 l Revytrex, kostengünstiger bei allerdings etwas reduzierter Wirkung auch 175 bis 200 g Prothioconazol, zum Beispiel über 0,7 bis 0,8 l Abran, Aurelia oder Traciafin (Aufwandmengen jeweils je ha).
Abschlussbehandlungen ganz ohne Folpet sollten möglichst hohe Mengen an Mefentrifluconazol (in Balaya und Revytrex) oder Prothioconazol (in allen anderen oben aufgeführten Mitteln) nutzen, weil beide Wirkstoffe noch die beste Wirkung gegen Ramularia besitzen.