Forschungs- und Innovationsprojekt
Anbau und Veredelung von Iris germanica und Iris pallida in Bayern

Feldbestand mit blauen Irisblüten
Iris germanica und Iris pallida sind mehrjährige Stauden, die als 2- oder 3-jährige Kultur angebaut werden. Da sie keine Samen produzieren, ist eine Vermehrung ausschließlich vegetativ, also über Teilung der Rhizome möglich. Über die Jahre bilden sich kontinuierlich Tochterrhizome, welche als Pflanzgut wieder verwendet werden. Die restlichen Rhizome werden geerntet und zu der sogenannten Irisbutter weiterverarbeitet.
Problematisch sind bisher allerdings die geringe Ausbeute der Duftstoffe und das Risiko von Schimmel- oder Schädlingsbefall während der Trocknung und der beabsichtigten Reifung sowie die damit einhergehenden hohen Verlusten. Dadurch weisen Produkte aus Marokko und China, welche derzeit die größten Anbau- und Verarbeitungsregionen darstellen, häufig schwerwiegende Qualitätsmängel auf. Um diese zu verhindern hat die SKH GmbH ein Verfahren zur beschleunigten und kontrollierten Reifung entwickelt und patentiert, welches innerhalb weniger Wochen abläuft und einen doppelten Gehalt an Duftstoffen in den getrockneten Rhizomen induziert.

Zielsetzung

Ziel des Projektes ist es, eine komplett neue Wertschöpfungskette zu etablieren. Angefangen mit dem Anbau der Iris in Niederbayern über die Ernte, bis hin zum verkaufsfertigen Produkt. Die wertvollen getrockneten bzw. gereiften Irisrhizome und die Irisbutter finden Absatz in der Pharma-, Lebensmittel- und Kosmetik-/Parfümindustrie.
Ein weiteres Ziel des Projektes stellt die wissenschaftliche Verfolgung und integrierte Chancen- und Risikobewertung über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg dar. Dazu wird das in einem früheren Projekt bereits entwickelte EDV-Tool Plantaro genutzt und fortentwickelt. Mit diesem sollen die Produktionsfaktoren systematisch und damit verlässlicher hinsichtlich ihres Beitrags zum Gelingen der Kultur und des Produkts bewertet werden. Durch die systematische Analyse der Produktionsfaktoren mithilfe von Plantaro soll künftig eine Möglichkeit geschaffen werden, die Inkulturnahme neuer Arten frühzeitig zu bewerten und zu gestalten oder die Anbauverfahren bereits etablierter Kulturen zu optimieren und so die bayerische Landwirtschaft auch in Zukunft weiter zu diversifizieren.

Material und Methoden

Die Versuche im Projekt werden überwiegend als Praxisversuche auf vorhandenen Kulturflächen durchgeführt. Dabei werden die Parzellen in die vorhandenen Kulturflächen des Landwirtes integriert, die bestehenden Anbaupraktiken analysiert und nach Möglichkeit verbessert. Zudem werden auf den Praxisflächen bei Neupflanzung Exaktversuche im Bereich der Bestandsetablierung (Abstand, Tiefe), Unkrautregulierung und weiterer Kulturverfahren angelegt. Die Fragestellungen zielen darauf, die Vitalität der Pflanzen zu verbessern und gleichzeitig einen hohen Gehalt an Inhaltsstoffen zu garantieren. Das EDV-Tool Plantaro wird im Zuge der Anbau- und Versuchsplanung genutzt. Zudem werden über die gesamte Projektlaufzeit Daten erhoben und in die Datenmatrix des Tools eingespeist.
Diagramm

Arbeitsablauf von der Pflanze bis zum Endprodukt

blaue Kästchen mit Verarbeitungsschritten der Pflanze Iris von der Ernte bis zum Endprodukt

Verarbeitungsschritte von der Ernte bis zum Endprodukt

Ergebnis und Stand des Projektes

Derzeit findet eine Bestandsaufnahme der Irisflächen in Niederbayern statt und erste Versuche zur Unkrautregulierung wurden angelegt.
Projektinformation
Projektkoordination: Dr. Marcel Flemming, SKH GmbH
Projektleitung und -Bearbeitung an der LfL: Dr. Heidi Heuberger, Katharina Gassner
Projektlaufzeit: 01.01.2019 – 31.12.2021
Finanzierung: Förderung im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft „Produktivität und Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft“ (EIP-AGRI) nach der Richtlinie und mit Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten
Förderkennzeichen: EP4-202