Praxistag "Wassermanagement in der Landwirtschaft" am Trockenforschungszentrum Schwarzenau

Wasser als knappes Gut

Unter diesem Motto brachte der Praxistag Wassermanagement im Rahmen eines FüAK Seminars Forschende, Beraterinnen und Berater sowie Landwirtinnen und Landwirte aus ganz Bayern am 10. Juli 2026 zusammen. Treffpunkt war das Forschungszentrum für Landwirtschaft in Trockenlagen auf dem Staatsgut Schwarzenau, wo untersucht wird, wie die Landwirtschaft künftig mit den Folgen von Dürre und Hitzeperioden umgehen kann. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Verbesserung der Wassernutzungseffizienz, die Anpassung landwirtschaftlicher Anbausysteme an den Klimawandel sowie die Identifizierung klimaresilienter Kulturen, die auch unter zunehmendem Trockenstress stabile Erträge liefern.

Die Grafik zeigt die aktuelle Bodenfeuchtekarte von Deutschland mit einer 5-stufigen Unterteilung in gewöhnliche, moderate, schwere, extreme und außergewöhnliche Dürre. Besonders Südbayern leider in diesem Jahr unter einer außergewöhnlichen Trokckenheit.

In weiten Teilen Bayerns herrscht aktuell eine außergewöhnliche Trockenheit

Dr. Peter Doleschel, Leiter des Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung an der LfL, begrüßte die rund 25 Teilnehmenden in den Räumen der Bayerischen Staatsgüter und hob die zentrale Bedeutung des Trockenforschungszentrums für die zukünftige Landwirtschaft hervor. Im Anschluss stellte Annelie Bernhart das EU Horizon Projekt ClimateSmartAdvisors (CSA) sowie das Programm des Praxistags vor und informierte über die Zielsetzungen des Projekts. Johannes Beyer, Leiter des Forschungszentrums Schwarzenau, gab einen Überblick über die dortigen Projekte und illustrierte anhand einer Grafik die aktuellen Herausforderungen durch Trockenheit und steigende Temperaturen. Nach Beyer fehlen am Versuchsstandort Schwarzenau in diesem Jahr insgesamt etwa 130 mm Niederschlag gegenüber dem langjährigen Mittel. Seit März blieben größere Niederschläge flächendeckend aus. Viele Sommerkulturen wie Mais und Zuckerrüben weisen bereits erhebliche Trockenschäden auf. Als Lösungsansatz präsentierte Beyer Ergebnisse aus On-Farm Versuchen zum Mischanbau von Mais und Hirse und stellte im Rahmen einer Feldführung den Landesortenversuch zur Körnerhirse vor.

Körnerhirse - eine Kultur mit Zukunftspotential

Körnerhirse vor der Ernte auf einem Versuchsfeld. Zu sehen sind die Rispen mit ausgebildeten Körnern und die grünen Stängel der Pflanzen

Körnerhirse für Trockenlagen

Gerade in Bayern gewinnt die Körnerhirse aufgrund der zunehmenden Trockenperioden und steigenden Temperaturen immer mehr an Bedeutung. Dank ihres tiefreichenden Wurzelsystems und ihrer hohen Wassernutzungseffizienz kann sie auch unter trockenen Bedingungen stabile Erträge erzielen und stellt damit eine vielversprechende Alternative zu herkömmlichen Sommerkulturen dar. Die Anbaufläche von Körnerhirse in Bayern hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen, was das wachsende Interesse der landwirtschaftlichen Praxis an klimaangepassten Kulturen unterstreicht. Mit Blick auf den Klimawandel wird erwartet, dass Körnerhirse künftig eine zunehmend wichtige Rolle für eine nachhaltige und resiliente Landwirtschaft in Bayern spielen wird.

Körnerhirse als neue Kultur in Fruchtfolgesystemen für Trockengebiete

Mainfranken 2080: Werden Erdnuss und Sesam heimisch?

Ein Mann steht mit einer Gruppe von Menschen vor einem Feld und erklärt ihnen etwasZoombild vorhanden

Versuchsführung zu FutureCrop

Ein weiterer Programmpunkt war das Projekt FutureCrop. Dr. Klaus Fleißner, Projektleiter, stellte in einem Kurzvortrag das Konzept der Klima Analogregionen vor. Bis 2080 könnten die klimatischen Verhältnisse in Mainfranken denen in Teilen Bulgariens oder Südfrankreichs ähneln. Vor diesem Hintergrund untersucht Fleißner seit einigen Jahren Kulturarten aus südlicheren Breiten, die unter den erwarteten Bedingungen Vorteile haben könnten. Im Rahmen von FutureCrop werden deshalb exotische Arten wie Erdnuss, Sesam, Schwarzkümmel und Perlhirse auf ihre Eignung für den Anbau im trockenen Norden Bayerns geprüft.

FutureCrop – Neue Kulturarten für Klimaanpassung und Diversität

Anpassungsstrategien für die bayerische Landwirtschaft

Am Nachmittag besuchten die Teilnehmenden das Versuchsfeld. Bereits zur Mittagszeit litten die Bestände spürbar unter der Hitze. Insbesondere bei der Erdnuss kann es auf heißem Sandboden zu einem verringerten Fruchtansatz kommen, da die Fruchtsiele durch hohe Bodentemperaturen geschädigt werden. Trotz der anhaltend trockenen Witterung zeigten die Pflanzen insgesamt eine gute Bestandesentwicklung mit kräftigem vegetativem Wachstum und zahlreichen Blüten. Der Erdnussversuch stieß auf großes Interesse. Viele Teilnehmende informierten sich über Kulturführung, die Anpassungsfähigkeit an regionale Standortbedingungen sowie mögliche Einsatzfelder der Kultur im Zuge des Klimawandels.
Sorghumpflanzen, die direkt neben Maispflanzen stehen erhöhen die Resilienz. Zoombild vorhanden

Mischanbau Mais mit Sorghum

Mischanbau erhöht Resilienz bei Trockenheit
Beeindruckend war die Leistung des Mais Sorghum Gemenges. Johannes Beyer erklärte am Versuchsfeld, dass die Hirse durch ihre angepasste Genetik Ertragsverluste des Maises infolge Trockenheit teilweise kompensieren kann. Während der Mais eingerollte Blätter zeigte, konnte die Hirse ihre Photosyntheseleistung aufrechterhalten und wies keine Anzeichen von Hitze- und Trockenstress auf. Dies unterstreicht das Potenzial des Mischanbaus zur Erhöhung der Resilienz gegenüber Wassermangel.
Mechanisch und chemisch gegen Beikräuter
Am Versuchsstandort des Projekts "Integriertes Unkrautmanagement im Ackerbau" demonstrierte Jürgen Hartmann anschaulich die Bedeutung einer konsequenten Beikrautbekämpfung – sowohl mechanisch als auch chemisch. "Insbesondere ein Besatz mit Melde wird vom Mais nicht verziehen und führt sofort zu schwachem Wuchs und ausgeprägtem Trockenstress", erklärte Hartmann. Die Konkurrenz um Licht und Wasser ist bei Mais besonders ausgeprägt. Bereits kurz nach der Aussaat entscheidet sich daher, ob Unkräuter die Erträge mindern oder ob Bodenfeuchte für die Hauptfrucht erhalten bleibt.

Integrierte Unkrautkontrolle im Ackerbau Externer Link

Tiefwurzelnde Luzerne sichert Futterversorgung in Trockenphasen
Andreas Schweiger vom LKP verdeutlichte anhand seiner Erfahrungen zum Luzerneanbau, wie wertvoll diese Kultur vor allem in Trockenheit als Futtergrundlage sein kann. Ihr tief reichendes Wurzelwerk besitzt die Fähigkeit Wasser aus tieferen Bodenschichten zu erschließen. Außerdem speichert sie langfristig Kohlenstoff im Boden und fördert den Humusaufbau. Zur Verbesserung des Silagewerts empfiehlt Schweiger Mischungen mit geeigneten Futtergräsern, um den Nährstoffgehalt an die Bedürfnisse von Wiederkäuern anzupassen. Trotz dieser agronomischen Vorteile bleibt die wirtschaftliche Verwertung oft problematisch. Die räumliche Entkopplung von Viehhaltung und Ackerbau in vielen Regionen führt dazu, dass Feldfutterbau nur noch eingeschränkt praktiziert wird.

Wissenstransfer - CoPs bringen Wassermanagement in die Praxis

Zweck der Veranstaltung war der gegenseitige Wissens- und Erfahrungsaustausch zum praktischen Wassermanagement. Im Rahmen des EU Horizon Projekts ClimateSmartAdvisors (CSA) der FüAK wurden erstmals in der agrarischen Beratung in Bayern sogenannte Communities of Practice (CoPs) gebildet, die sich aus jeweils fünf bis sieben Beraterinnen und Beratern zu verschiedenen Themen zusammensetzen. Über diese CoPs lässt sich das gewonnene Wissen strukturiert aufbereiten und zielgerichtet an weitere Beraterinnen und Berater sowie Praxisakteure weitergeben.

Gruppenfoto der Teilnehmenden des Praxistages Wassermanagement in der Landwirtschaft auf einem Versuchsfeld in Schwarzenau. Im Hintergrund ist ein Maisfeld zusehen.

Die angeregten Fachgespräche machten deutlich, dass das Interesse an alternativen und klimaresilienten Kulturpflanzen kontinuierlich zunimmt. Mit seinen laufenden Projekten liefert das Forschungszentrum für Landwirtschaft in Trockenlagen einerseits fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse zur Anbaueignung neuer Kulturen und zu standortspezifischen Anbauverfahren. Andererseits stärken praxisnahe On-Farm Versuche die landwirtschaftliche Praxis vor Ort, fördern den Wissenstransfer und den Austausch zwischen Forschung und Betrieben.