Wintergerste: Allgemeine Anbauhinweise

Um umweltschonend optimale Erträge zu erzielen, sind bereits bei der Saat über die Düngung bis hin zu den Pflanzenschutzmaßnahmen allgemeine Produktionshinweise zu beachten.
Wintergerste soll mit 4-6 Bestockungstrieben (BBCH 24-26) in den Winter gehen. Der dafür optimale Saattermin liegt je nach Jahr und Standort in Bayern um den 20.-25. September. Bei Frühsaaten besteht die Gefahr einer zu üppigen Herbstentwicklung mit frühem Krankheitsbefall (Schneeschimmel, Mehltau, Halmbruch, Netzflecken). Durch das vermehrte Auftreten von Virusüberträgern wie Blattläuse und Zikaden werden die Frühsaaten auch stärker von Verzwergungsviren befallen. Spätsaaten dagegen bestocken zu wenig und fallen im Ertrag ab.
Die Bestandesdichte hängt mehr von der Saatzeit und der Stickstoffversorgung ab als von der Saatstärke.

Zweizeilige Sorten

Bei Saatstärken zwischen 300 und 450 Kö/m2 wird unter normalen Bedingungen der Ertrag nur wenig beeinflusst. Bei höheren oder niedrigeren Saatstärken sinkt er deutlich. Optimal sind 320 bis 360 keimfähige Kö/m2. Zuschläge von 5-10 % sind nur bei ungünstigen Bedingungen – späte Saat, schwerer Boden, grobes Saatbett, raue Lagen – angebracht. Angestrebt werden sollte eine Bestandesdichte von 750 bis 850 ährentragender Halmen pro m 2.

Mehrzeilige Sorten

Der Ertag wird bei den Mehrzeilern im Gegensatz zu den zweizeiligen Sorten vorrangig über die Kornzahl pro Ähre und das TKG beeinflusst. Deshalb genügen niedrigere Bestandesdichten. Zwischen 250 und 450 Kö/m2 reagiert der Ertrag kaum, optimal sind Saatstärken zwischen 290 bis 330 keimfähige Körner pro m2. Anzustrebendes Ziel sind 450 bis 550 ährentragende Halme pro m2.

Grunddüngung mit Phosphat und Kalium

Der Düngebedarf richtet sich nach dem Nährstoffgehalt des Bodens, der Nährstoffabfuhr und der Bodenart. Bei einem optimal mit Phosphat und Kalium versorgten Boden (Gehaltsklasse C) ist eine Düngung in Höhe der Nährstoffabfuhr ausreichend. Pro dt Gerstenkorn (Stroh) werden 0,8 (0,3) kg P2O5 und 0,6 (1,7) kg K2O entzogen.

Stickstoffdüngung

Die Höhe der Stickstoffdüngung richtet sich hauptsächlich nach der Verwertung (Futtergerste, Braugerste), der Sorte (zwei- oder sechszeilig), der Bestandsentwicklung und der Vorfrucht.
erste N-Gabe
Zweizeilige Sorten benötigen zur Ausbildung der höheren Bestandesdichten eine intensivere Andüngung als mehrzeilige. Der N-Sollwert liegt bei zweizeiligen Sorten bei 120 bei mehrzeiligen bei 100 kg N/ha.
Zuschläge von 10-20 kg N/ha sind bei schwacher Bestandsentwicklung oder vorheriger Strohdüngung vorzunehmen, Abschläge für üppige Bestände, bei Gülledüngung im Herbst, bei humosen Böden, langjähriger organischer Düngung, blattreichen Vorfrüchten und bei Leguminosenzwischenfrüchten. Zu hohe Gaben erhöhen die Bestandesdichte und fördern die Lagergefahr erheblich.
zweite N-Gabe
Zu Schossbeginn (BBCH 30–32) ca. 4 Wochen nach der ersten Gabe ist die zweite N-Düngung einzuplanen.
dritte N-Gabe
Die Spätdüngung erfolgt zum Ährenschieben (BBCH 39-49). Sie ist zu unterlassen, wenn Lagergefahr besteht. Soll Winterbraugerste erzeugt werden, muss die Stickstoffdüngung zum Schossbeginn (BBCH 31) abgeschlossen sein. Die Spätdüngung entfällt somit.
Bei einer Ertragserwartung von 50 bis 60 dt/ha und unter Berücksichtigung eines Nmin Werts von 50 kg N/ha ergibt sich folgender Düngebedarf in kg N/ha:
1. Gabe 2. Gabe 3 Gabe
Stadium (BBCH) Vegetationsbeginn 30-32 39-49
2-zeilige 60-80 30-50 20-40
6-zeilige 40-60 30-50 40-60

Gülledüngung

Die häufig praktizierte Gülledüngung vor der Saat dient in erster Linie der Strohrotte. 20 m 3 Rindergülle haben sich hierzu bewährt. Es ist zu beachten, dass durch die Herbstgüllegabe (laut Düngeverordnung) nicht mehr als 40 kg Ammoniumstickstoff (NH4) pro Hektar (entspricht ca. 20 m3 Rindergülle) zugeführt werden dürfen. Auch das Ausbringverbot für jegliche Stickstoffdünger (außer Festmist) vom 1.11. bis 31.1. ist zu beachten.
Gülledüngung ist ideal von Vegetationsbeginn bis zum 2-Knotenstadium (BBCH 32), wenn eine bodenschonende Ausbringung z.B. auf morgens leicht gefrorenen Boden möglich ist. Gut verwertet werden 20–30 m3 Rinder- oder 15-20 m3 Schweinegülle. Je m3 Rindergülle (7,5 % TS) können 1,6 kg und je m3 Schweinegülle (5 % TS) 1,7 kg Stickstoff angerechnet werden.

Beizung

Die Fungizidbeizung des Saatguts ist Standard.
Bei Frühsaaten oder in sehr milden Anbaulagen kann eine Insektizidbeize eine zusätzliche Schutzwirkung gegen Blattläuse als Virusvektoren bieten.

Unkrautbekämpfung

Der Herbizideinsatz sollte grundsätzlich im Herbst erfolgen. Besonders die Ungrasbekämpfung ist im Herbst aufgrund der breiteren Präparatepalette und der günstigeren Anwendungsbedingungen wesentlich effektiver durchzuführen als im Frühjahr. Auch aufgrund der weiteren Entwicklung der Wintergerste im Herbst muss die Unkraut- und Ungraskonkurrenz frühzeitig ausgeschaltet werden, um Ertragsverluste zu vermeiden. Frühjahrsbehandlungen sind nur im Ausnahmefall zur Nachbehandlung eines zu hohen Unkraut-Restbesatzes sinnvoll. Hierbei können die wirtschaftlichen Schadensschwellen (z.B. > 0,5 Pfl./m2 Klettenlabkraut, > 10-20 Pfl./m2 Ackerfuchsschwanz oder Windhalm) für die Behandlungsentscheidung berücksichtigt werden.

Wachstumsregler

Er soll die Standfestigkeit absichern und die Strohstabilität verbessern. Behandlungen sollten nur bei wüchsigen Bedingungen (ausreichend Bodenfeuchte und Wärme) durchgeführt werden, da sonst die Gefahr schlechter Verträglichkeit besteht. In den meisten Fällen reicht eine Behandlung in der frühen Schossphase aus. Die höhere Aufwandmenge ist bei mastigen Beständen, lageranfälligen Sorten und bei guter Nährstoff- und sicherer Wasserversorgung zu wählen. Bei zweizeiligen Sorten, spätem Einsatztermin oder auf leichten Standorten (unsichere Wasserversorgung) sind die Aufwandmengen am unteren Ende anzusiedeln.

Krankheiten

Bei der Wintergerste dominieren meist die Netzflecken das Befallsgeschehen, gefolgt von Rhynchosporium, Mehltau und Zwergrost. Halmbruch ist bei der Gerste in der Regel nicht bekämpfungswürdig. Bei anfälligen Sorten kann besonders in Hochstrahlungsphasen nach Niederschlägen auch der Blattfleckenkomplex (Nichtparasitäre Blattflecken/Ramularia) stärker auftreten.
Ab Schossbeginn liefert die bayernweite Beobachtung von Gerstenschlägen (Gerstenmonitoring) Informationen über das aktuelle Befallsgeschehen in den verschiedenen Regionen. Die Ergebnisse und Bekämpfungsempfehlungen werden über Fax-Dienste, Rundschreiben, Wochenblatt und Internet (www.lfl.bayern.de) veröffentlicht. Das Monitoring liefert allerdings nur Hinweise und kann die Bestandsbeobachtung auf dem eigenen Feld nicht ersetzen.
Mehrjährige Versuche haben gezeigt, dass eine gezielte Einmalbehandlung mit breit wirksamen Fungiziden ab BBCH 37/39 (Fahnenblatt voll entwickelt) im Regelfall am wirtschaftlichsten ist.
Gelbmosaik ist eine durch einen Bodenpilz übertragene Viruserkrankung, der nur durch die Wahl virusresistenter Sorten begegnet werden kann. Verzwergungsviren werden von Insekten übertragen. Mit einer Insektizidbeizung oder einer Insektizidspritzung im Herbst können brauchbare Teilwirkungen gegen das Gerstengelbverzwergungsvirus (von Blattläusen übertragen) erzielt werden, kaum jedoch gegen das Weizenverzwergungsvirus (von Zikaden übertragen).

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