Sommergerste: Allgemeine Anbauhinweise

Um umweltschonend optimale Erträge zu erzielen, sind bereits bei der Saat über die Düngung bis hin zu den Pflanzenschutzmaßnahmen allgemeine Produktionshinweise zu beachten.

Standort und Fruchtfolge

Sommergerstenähren
Für die Erzeugung von Braugerste ist die richtige Standortwahl grundlegend. Damit sie trotz ihrer kurzen Wachstumszeit einen ausreichenden Ertrag mit einem hohen Vollgerstenanteil bilden kann, benötigt sie einen Boden mit guter Gare und hoher biologischer Aktivität, verbunden mit hoher Nährstoffmobilität. Zu meiden sind kalte, staunasse Böden und humusreiche bzw. mit Wirtschaftsdüngern reichlich versorgte Standorte, die unkontrolliert Stickstoff nachliefern. Als Vorfrüchte eignen sich wegen der Obergrenze für Rohprotein vor allem solche, die wenig N hinterlassen, wie z.B. Sonnenblumen und Getreide.

Saatzeit und Saatstärke

Eine frühe Saat ist die Grundlage für hohe Erträge, rechtzeitige Reife und günstige Eiweißwerte. Voraussetzung ist aber ein ausreichend abgetrockneter Boden und je nach Vorfrucht ausreichende Strohrotte, damit Strukturschäden und Bodenverdichtungen vermieden werden.
Die optimale Saatstärke für Sommergerste liegt in Abhängigkeit von Verwendungszweck, Sortenwahl, Standort und Aussaatzeitpunkt zwischen 280 und 400 Körnern/m2. Für durchschnittliche Verhältnisse kann als Faustregel eine Saatstärke von 300-330 keimfähigen Körner/m2 gelten. Niedrigere Aussaat-stärken sind sowohl bei Frühsaaten als auch auf leichteren Böden möglich. Bei früher Saat und sehr günstigen Umweltbedingungen können bereits mit 280 Körnern/m2 die angestrebten Bestandesdichten von 750-800 Ähren/m2 erreicht werden. Auf leichten Böden mit niedriger Ertragserwartung fördert eine reduzierte Aussaat von 280-300 Körnern/m2 die Kornausbildung und mindert die Folgen durch Wassermangel. Zu hohe Saatstärken von mehr als 400 Körnern/m2 steigern die Krankheits- und Lagergefahr und verschlechtern die Kornqualität.
Formel zur Berechnung der Aussaatmenge
Die Saatgutenge in kg/ha sollte anhand folgender Formel berechnet werden:

Düngung

Nach der neuen Düngeverordnung muss vor der Aufbringung wesentlicher Nährstoffmengen (>50 kg N, >30 kg P2O5) der genaue Düngebedarf ermittelt werden.

Grunddüngung mit Phosphor und Kali

Eine gute P/K Versorgung ist für die Sommergerste aufgrund ihres schwächeren Aufnahmevermögens im Vergleich zu anderen Getreidearten sehr wichtig. Grundsätzlich erfolgt die Düngung nach Bodenvorrat und kann in der Regel im Rahmen der Fruchtfolge durchgeführt werden. Pro 10 dt Korn/Stroh werden durchschnittlich 8/3 kg P2O5 und 6/17 kg K2O entzogen. Bei Braugerstenerzeugung kommt der Phosphatversorgung eine besondere Bedeutung zu. Bei schlechter Bodengare sind deshalb leichtlösliche Phosphat-Dünger von Vorteil.
Düngung mit Kalk und Magnesium sowie Stickstoff

Düngung mit Kalk und Magnesium

Die Ansprüche der Sommergerste an die Bodenstruktur und Nährstoffverfügbarkeit verlangen einen geordneten Kalkhaushalt. Ein optimaler ph- Wert in Abhängigkeit des Standortes ist anzustreben, damit eine ausreichende Nährstoffversorgung und zügiges Wachstum garantiert sind. Zudem sollte vor allem auf leichten Standorten eine ausreichende Magnesiumversorgung gewährleistet sein. Insgesamt ist ein ausgewogenes K/Mg- Verhältnis anzustreben, da es sonst trotz ausreichender Versorgung zu unerwünschten Festlegungserscheinungen kommen kann. Magnesiumdünger in wasserlöslicher Form können hilfreich sein.

Stickstoffdüngung

Die Höhe der N-Düngung richtet sich nach dem Verwertungszweck. Futtergerste darf unter Berücksichtigung der Standfestigkeit über alle Ertragsstufen in der Summe um 40 kg höher als die Braugerste gedüngt werden (siehe Tabelle 1). Ein Teil der N-Menge kann bei entsprechender Ausbringtechnik durch Wirtschaftsdünger ersetzt werden, wobei eine mineralische Startgabe für eine zügige Jugendentwicklung ratsam ist.
Bei Braugerste soll die N- Düngung einerseits das standort- und sortenspezifische Ertragspotential ausschöpfen, andererseits beeinflusst sie den Rohproteingehalt als entscheidendes Qualitätskriterium maßgeblich. Ein Grenzwert von 11,5 % sollte nicht überschritten werden, was eine restriktive Düngung unter Einbeziehung aller standortbezogen verfügbaren N-Quellen erfordert. Deshalb sollte grundsätzlich eine Bodenuntersuchung nach DSN erfolgen. Auf der Grundlage des aktuell zu Vegetationsbeginn untersuchten pflanzenverfügbaren Stickstoffs (Nmin) wird auf einen fruchtartspezifischen Sollwert aufgedüngt.
Ertragserwartung dt/ha50-5960-6970-79
N-Sollwerte in kg/ha incl. Nmin   
S-Braugerste110120130
S-Futtergerste150160170
Bei Braugerste sollten nur Mineraldünger eingesetzt werden.
Unter normalen Bedingungen ergeben sich folgende Stickstoffgaben:
Ertragserwartung dt/ha40-4950-5960-6970-79
N-Sollwerte in kg/ha incl. Nmin100110120130
Düngegaben bei 50 kg Nmin/ha in kg-50-50-50-50
1. Gabe50607080
2.Gabe    
Zu- oder Abschläge sind je nach standort- und schlagspezifischen Bedingungen vorzunehmen

Die Düngepraxis kann je nach Standortbedingungen modifiziert werden:

  • Eine Startdüngung von 30 kg N ist in jedem Fall notwendig.
  • Auf flachgründigen Schotterböden nicht mehr als 30 kg N in einer Gabe (Auswaschungsgefahr), eventuell Schwefeldüngung vorsehen, wenn keine Wirtschaftsdünger in der Fruchtfolge gegeben werden.
  • Eine zweite N- Gabe (BBCH 21-25) ist auf Böden mit geringer N-Nachlieferung zweckmäßig, N-Gaben nach Schossbeginn sind bei Braugerste zu vermeiden.

Pflanzenschutz

Wachstumsregler

Der Einsatz von Wachstumsreglern ist nur bei lageranfälligen Sorten oder in üppigen Beständen unter wüchsigen Bedingungen und ausreichender Wasserversorgung (trockene Bestände, nicht bei intensiver Sonneneinstrahlung oder hohen Temperaturen) ratsam. Terpal C darf seit 31.12.07 nicht mehr angewandt werden. Die Mittel der Wahl sind Moddus (BBCH 31-49) oder Camposan Extra (BBCH 37-49). Die Aufwandmenge variiert je nach Standort, Bestand, Sorte, Mischung mit Fungiziden und Einsatzzeitpunkt . Grundsätzlich sollte die Einkürzung möglichst früh erfolgen.

Blattkrankheiten

Wertvolle Hilfe zur Diagnose und Behandlungsentscheidung gibt das Gerstenmodell Bayern. Das Gerstenmonitoring liefert über den regionalen Fax-Warndienst der LwÄ oder das Internet Hinweise zum Krankheitsauftreten, ersetzt aber nicht die Bestandsbeobachtung.
Am gefährlichsten sind Rhynchosporium- Blattflecken und Netzflecken. Mehltau spielt meist nur bei frühem Auftreten und anfälligen Sorten (z.B. Annabell) eine Rolle. Ein später Fungizideinsatz (Blattapparat voll ausgebildet BBCH 39 –51) wirkt meist auch gut gegen nichtparasitäre Blattflecken, die v. a. in Südbayern bei anfälligen Sorten (z. B. Annabell, Braemar) auftreten. Da Fungizide den Schadensverlauf hier nur mindern können, kommt der Sortenwahl eine besondere Bedeutung zu.

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