Hafer: Allgemeine Anbauhinweise

Um umweltschonend optimale Erträge zu erzielen, sind bereits bei der Saat über die Düngung bis hin zu den Pflanzenschutzmaßnahmen allgemeine Produktionshinweise zu beachten.

Standort und Fruchtfolge

Haferbestand
Der Anbau von Hafer ist nur auf nicht trockengefährdeten Standorten in geeigneter Fruchtfolgestellung ratsam (nicht Hafer nach Hafer, höchstens 20-25 % Haferanteil).
Da er ein gutes Nährstoffaneignungsvermögen besitzt, kommt er auch auf schlechteren Standorten bei ausreichender Wasserversorgung gut zurecht. Feuchtkühle, regenreiche Lagen sagen ihm mehr zu als trocken-heiße. Aufgrund seiner Anspruchslosigkeit und seiner guten Wurzelleistung steht er i.d.R. als abtragende Frucht an letzter Stelle in der FF-Rotation, dankt jedoch eine bessere Stellung nach Hack- oder Blattfrüchten mit höheren Erträgen. In getreidestarken Fruchtfolgen gilt er als Gesundungsfrucht, die vor allem den Druck mit Fußkrankheiten mindert. Somit ist Hafer von allen Getreidearten die beste Vorfrucht für Weizen.
Eine möglichst frühe Aussaat ist Grundvoraussetzung für optimale Erträge. Je früher die Saat, desto besser. Die Winterfeuchte wird besser ausgenutzt, die Bestände bestocken kräftiger und sind durch Fritfliegenbefall weniger gefährdet.
Deshalb gilt es im Frühjahr, die gleichmäßige Abtrocknung des Feldes zu fördern und gleichzeitig den Wasservorrat des Bodens möglichst zu schonen. Ein gepflügtes Feld sollte rechtzeitig abgeschleppt werden und die Saatbettvorbereitung zügig, flach und in möglichst wenig Arbeitsgängen erfolgen. Der Boden muss aber in der oberen Schicht soweit abgetrocknet sein, dass die Saat nicht eingeschmiert wird. Die Ablage auf einen festen Saathorizont (keine Bodenverdichtung) ist Grundvoraussetzung für einen raschen, gleichmäßigen Aufgang und für optimale Erträge.
Unter normalen Bedingungen werden in Abhängigkeit von der Sorte 300 bis 350 Körner/m2 ausgesät. Unter günstigen Voraussetzungen (frühe Saat, optimales Saatbett, milde Witterung) sind Abschläge von bis zu 20 Kö/m2 möglich bzw. im umgekehrten Fall Zuschläge ratsam.
Grundsätzlich gilt: dünnere Aussaaten bedingen eine bessere Standfestigkeit durch kräftigere Bestockung, einen geringeren Krankheitsdruck und oft höhere und qualitativ bessere Erträge.
Die notwendige Saatgutmenge in kg/ha sollte anhand folgender Formel berechnet werden:

Berechnung der Aussaatmenge im Getreidebau

Düngung

Phosphor und Kali

Nach der neuen Düngeverordnung muss vor der Aufbringung wesentlicher Nährstoffmengen (>50 kg N, >30 kg P2O5) der genaue Düngebedarf ermittelt werden.
Grundsätzlich erfolgt die Düngung nach Bodenvorrat und kann in der Regel im Rahmen der Fruchtfolge durchgeführt werden. Pro 10 dt Korn/Stroh entzieht der Hafer durchschnittlich 8/3 kg P2O5 und 6/17 kg K2O. Die Entzugswerte sind demnach mit Gerste und Triticale vergleichbar. Unter Berücksichtigung des Korn/Strohverhältnisses entzieht eine mittlere Haferernte von 50 dt Kornertrag/ha bei Strohabfuhr dem Boden also etwa 55 kg P2O5 und 125 kg K2O pro Hektar.
Düngung mit Kalk, Magnesium und Mangan sowie Stickstoff

Kalk, Magnesium und Mangan

Da der Hafer mit schwach sauren Bodenverhältnissen gut zurecht kommt, braucht er keine direkte Kalkung. Eine Ausgleichskalkung innerhalb der Fruchtfolge nach Bodenuntersuchung ist ausreichend und kommt ihm indirekt durch Verbesserung der Bodenstruktur zugute. Übertriebene Kalkversorgung verstärkt eher die Gefahr von Manganmangel, vor allem auf leichten Böden mit geringer Pufferkapazität. Auf leichten Standorten sollte eine ausreichende Magnesiumversorgung auf der Basis einer regelmäßigen Bodenuntersuchung gewährleistet sein. Mehrnährstoffdünger mit entsprechenden Anteilen von Magnesium und Spurenelementen können angebracht sein. Insgesamt ist ein ausgewogenes K/Mg- Verhältnis von etwa 3:1 anzustreben, da es sonst trotz ausreichender Versorgung zu unerwünschten Festlegungserscheinungen kommen kann.

Stickstoff

Damit der Bestand günstige Wachstumsbedingungen vorfindet, den Boden schnell bedeckt und somit die Winterfeuchte besser ausnutzt, sollte Hafer früh und ausreichend mit N versorgt werden. In sich rasch entwickelnden Beständen sind i.d.R. auch die Schäden durch Fritfliegenbefall geringer. Andererseits sollte zur Verringerung des Lagerrisikos und wegen einer gleichmäßigen Korn/Strohabreife die N-Düngung vorsichtig dosiert werden.
Auf der Grundlage des aktuell zu Vegetationsbeginn untersuchten pflanzenverfügbaren Stickstoffs (Nmin nach DSN) benötigt der Hafer je nach Ertragserwartung unter normalen Bedingungen folgende N-Gaben:
Ertragserwartung dt/ha < 40 40-49 50-59 60-69 >69
N-Sollwert incl. Nmin in kg/ha 110 120 130 140 150
mittler Nmin Gehalt/ha in kg -50 -50 -50 -50 -50
1. Gabe (Saat) 60 40 50 60 60
2. Gabe (beginnendes Schossen) 0 30 30 30 40
Zu- oder Abschläge sind je nach standort- und schlagspezifischen Bedingungen vorzunehmen
(Vorfrucht, Wirtschaftsdüngereinsatz, Bodenart, Witterung).
Um den Hafer bedarfsgerecht zu düngen, kommt der Bestandsbeobachtung und Berücksichtigung von Standorterfahrungen eine zentrale Bedeutung zu. Unabhängig vom Nmin- Gehalt ist eine Andüngung von mindestens 30 kg N/ha erforderlich. Die erste N-Gabe kann im Zeitraum 5 Tage vor bis 14 Tage nach der Saat erfolgen. Eine Aufteilung der gesamten N-Gabe empfiehlt sich bei N- Gaben über 60 kg N/ha, v. a. auf auswaschungsgefährdeten Standorten. Eine Stickstoffspätdüngung sollte wegen der Gefahr von Zwiewuchs, insbesondere in Verbindung mit Wachstumsreglereinsatz und fehlenden Sommerniederschlägen, grundsätzlich unterbleiben. Der Einsatz von Wirtschaftsdüngern ist möglich, der anrechenbare Stickstoff ist dann vom Gesamtdüngerbedarf abzuziehen.

Pflanzenschutz

Blattkrankheiten

spielen bei Hafer nur eine untergeordnete Rolle, so dass ein Fungizideinsatz meist nicht nötig ist. Zugelassen sind gegen den Echten Mehltau Zenit M und gegen Haferkronenrost Juwel Top.

Einsatz von Wachstumsregulatoren

Ein Einsatz von Wachstumsreglern bringt beim Hafer nicht immer wirtschaftliche Mehrerträge, jedoch eine Verzögerung und Verringerung des Lagers durch Halmverstärkung. Der Einsatz ist wirtschaftlich nur lohnend in Jahren mit hoher Ertragserwartung, wenn die Standfestigkeit besonders stark beansprucht wird. Zugelassen sind CCC 720 (wenn Rispe im Halm gut fühlbar ist) mit 1,0 – 1,2 l/ha und Moddus (BBCH 32 – 49) mit 0,6-0,3 l/ha je nach Einsatzzeitpunkt, Sorte und Standortbedingungen.

Grundsätzlich gilt für die Halmverkürzung beim Hafer:

  • sie ist keine Standardmaßnahme
  • häufig nur nötig bei lageranfälligen Sorten
  • oder hohem Lagerdruck in üppigen Beständen
  • Voraussetzung sind eine gute Wasserversorgung und wüchsige Witterung

Ernte und Lagerung

Da bei Hafer häufiger als bei anderen Getreidearten Befall mit Lagerpilzen, verbunden mit der Bildung von Mykotoxinen auftreten kann, sind folgende Vorbeugemaßnahmen empfehlenswert:

  • Einlagerung Erntegut mit max. 14 % Feuchtegehalt
  • Regelmäßige Kontrolle von Temperatur und Feuchtigkeit
  • kein Anstieg der Lagertemperatur auf über 20° C

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