Winterroggen – Überblick aus der Praxis und den Landessortenversuchen

Die vorläufige Auswertung der Mehrfachanträge ergab für heuer eine Winterroggenfläche von rund 32.600 Hektar, ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Davon waren etwa 3.500 ha für die Erzeugung von Ganzpflanzensilage (GPS) vorgesehen. Für die Silagenutzung werden Körnerroggensorten oder eigens hierfür gezüchtete Roggensorten verwendet. Sommerroggen spielt mit 500 ha nur eine untergeordnete Rolle.
Ertrag
Bei Winterroggen wurde in Bayern heuer ein unterdurchschnittliches Praxisergebnis erzielt. Nach derzeitigem Stand liegt der bayerische Durchschnittsertrag bei rund 48 dt/ha. Damit bleibt er deutlich hinter dem Zehnjahresmittel von 52 dt/ha zurück und verfehlt das Vorjahresergebnis um gut 6 dt/ha. Der Roggen war stärker von der Trockenheit betroffen, da er seinen Anbauschwerpunkt eher auf den leichten Standorten hat.
Ökologische und konventionelle Erzeugung
In den letzten Jahren stand knapp ein Viertel des bayerischen Roggens (ohne Grünroggen als Winterzwischenfrucht) auf ökologisch bewirtschafteten Flächen. Damit ist der Ökoanteil deutlich höher als bei Winterweizen und Gerste. Im Zehnjahresmittel werden auf konventionellen Schlägen durchschnittlich 57 dt/ha erzielt. Die Roggenerträge auf den Ökoflächen sind mit rund 33 dt/ha deutlich niedriger. Der Ertragsunterschied ist nicht allein auf die unterschiedliche Wirtschaftsweise zurückzuführen, sondern hängt auch mit der Wahl des Sortentyps zusammen. Während auf konventionellen Betrieben zu fast 90 % die ertragsstärkeren Hybridsorten angebaut werden, liegt ihr Anteil auf Ökobetrieben unter 20 %.
Sortenwahl
Bei der Sortenwahl sollte Wert auf hohe Erträge, eine geringe Lagerneigung und gute Krankheitsresistenzen gelegt werden. Obwohl der Roggen als anspruchslos und gesund gilt, kann auch er stärker von Krankheiten befallen werden. In den Landessortenversuchen waren in den letzten Jahren Braunrost, der vor allem in den wärmeren bayerischen Regionen auftritt, sowie Rhynchosporium die Hauptkrankheiten im Blattbereich. Mehltau trat in der Vergangenheit dagegen kaum nennenswert auf.
Bei der Vermarktung von Brotroggen werden häufig ein Hektolitergewicht von mindestens 72 kg und Mindestfallzahlen von 120 s gefordert. Um die Qualitäten zu erhalten, sollte Lager möglichst verhindert werden. Denn bei lagernden Beständen steigt, vor allem bei länger anhaltender niederschlagsreicher Witterung um die Erntezeit, das Risiko von Auswuchs und niedrigen Fallzahlen.
Bei der Vermarktung von Brotroggen werden häufig ein Hektolitergewicht von mindestens 72 kg und Mindestfallzahlen von 120 s gefordert. Um die Qualitäten zu erhalten, sollte Lager möglichst verhindert werden. Denn bei lagernden Beständen steigt, vor allem bei länger anhaltender niederschlagsreicher Witterung um die Erntezeit, das Risiko von Auswuchs und niedrigen Fallzahlen.
Mutterkorn - Grenzwerte
Besonders zu achten ist auf Mutterkorn. Der Fremdbefruchter Roggen ist die Getreideart, die am stärksten vom Mutterkornpilz befallen wird. Nach der Infektion des Roggenblütchens bildet sich anstelle eines Korns die dunkelgefärbte, meist deutlich größere Überdauerungsform des Pilzes, das Mutterkorn-Sklerotium. Dieses enthält giftige Verbindungen, die Ergotalkaloide. Seit dem 1. Juli 2025 gilt für Roggen, der zum menschlichen Verzehr bestimmt ist, ein deutlich verschärfter Grenzwert für Mutterkorn-Sklerotien von nur noch 0,2 g/kg bzw. 0,02 %.
Wie stark eine Sorte für Mutterkorn anfällig ist, hängt unter anderem von ihrer Pollenmenge ab. In der Regel stäuben Populationssorten stärker als Hybriden. Das Praxissaatgut der Hybridsorten, deren Name mit „SU“ beginnt, erhält zur Verbesserung der Bestäubung deshalb 10 % Populationsroggen.
Wie stark eine Sorte für Mutterkorn anfällig ist, hängt unter anderem von ihrer Pollenmenge ab. In der Regel stäuben Populationssorten stärker als Hybriden. Das Praxissaatgut der Hybridsorten, deren Name mit „SU“ beginnt, erhält zur Verbesserung der Bestäubung deshalb 10 % Populationsroggen.
Mutterkorn - Resistenzprüfung
In der Mutterkorn-Resistenzprüfung, die Grundlage für die Mutterkorneinstufung ist, und in den Landessortenversuchen werden ausschließlich die reinen Hybridsorten geprüft. Es ist daher möglich, dass die Widerstandsfähigkeit von „SU“-Hybriden unter Praxisbedingungen etwas besser ist als in der Sortenbeschreibung dargestellt. Ob die Beimischung von ertragsschwächeren Populationsroggen im Z-Saatgut negative Auswirkungen auf den Ertrag hat, wurde bislang nicht untersucht.
In den Resistenzprüfungen mit künstlich stark erhöhtem Mutterkorn-Infektionsdruck weisen Sorten mit mittlerer Mutterkornanfälligkeit – in der Kreuzchentabelle mit dem Symbol „o“ dargestellt - im Schnitt rund dreimal so viel Mutterkorn auf wie gering anfällige Sorten (Symbol: +).
In den Resistenzprüfungen mit künstlich stark erhöhtem Mutterkorn-Infektionsdruck weisen Sorten mit mittlerer Mutterkornanfälligkeit – in der Kreuzchentabelle mit dem Symbol „o“ dargestellt - im Schnitt rund dreimal so viel Mutterkorn auf wie gering anfällige Sorten (Symbol: +).
Aufgrund der seit Mitte 2025 geltenden, deutlich niedrigeren Mutterkorngrenzwerte empfiehlt die staatliche Beratung derzeit nur Sorten mit geringer Anfälligkeit zum Anbau. In den online verfügbaren „Handlungsempfehlungen - Minimierung von Mutterkorn und Ergotalkaloiden im Getreide, 2023“ sind Maßnahmen zur Risikominderung kompakt zusammengefasst.
Landessortenversuche
In den bayerischen Landessortenversuchen (LSV) standen heuer 10 Roggensorten an vier Orten. Wegen der geringen Anzahl an Versuchen werden die Ergebnisse von allen LSV und Wertprüfungen aus der Südhälfte Deutschlands gemeinsam verrechnet und unter der Bezeichnung „Anbaugebiete Süddeutschland“ veröffentlicht. In die mehrjährige Auswertung, die die letzten fünf Jahre umfasst, fließen bei jeder Sorte je nach Prüfdauer 21 bis 86 Einzelergebnisse ein.
Alle Sorten werden in zwei Intensitätsstufen geprüft. Stufe 1 erhält keine Fungizide und keinen bzw. eine reduzierte Menge Wachstumsregler. Die intensive Stufe 2 wird dagegen nach Bedarf mit Fungiziden und Wachstumsreglern behandelt. Der Ertragsunterschied zwischen den beiden Behandlungsstufen liegt in den bayerischen LSV im Fünfjahresmittel bei 6 dt/ha bzw. 8 %. Der Mehrertrag reichte in den letzten fünf Jahren nur bei etwa der Hälfte der Versuche aus, um die Zusatzkosten von im Schnitt 120 €/ha zu decken.



