Sommergerste – Aktuelle Ergebnisse aus der Praxis und den Landessortenversuchen

Sommergerstenähren im Feldbestand

Sommergerste erfreute sich dieses Jahr wieder steigender Beliebtheit. Nachdem die Fläche vor zwei Jahren mit rund 90.000 ha einen historischen Tiefstand in Bayern erreichte, stieg der Anbau nun zum zweite Mal in Folge auf heuer 108.000 ha an. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Plus von knapp 10 %. Nach Angaben des statistischen Bundesamts nahm die Fläche in Deutschland noch stärker zu. Mit 447.000 ha wurden über 30 % mehr angebaut als im Vorjahr. Neben der positiven Preisentwicklung für Braugerste haben auch die ungünstigen Aussaatbedingungen im Herbst 2017 in Norddeutschland zu der starken Flächenausdehnung beigetragen. Nicht alle Winterungen konnten dort gesät werden und Sommerungen wurden als Ersatz gewählt.

In Bayern erntete die Praxis heuer im Schnitt 49 dt/ha Sommergerste. Die Erträge verfehlten das Fünfjahresmittel damit um 6 dt/ha und auch das Vorjahresergebnis von 54 dt/ha wurde nicht erreicht. Hauptverantwortlich für das schwache Abschneiden war die teilweise extreme Trockenheit. Ein Großteil der Oberpfalz sowie einige fränkische Regionen litten besonders darunter, wie die niedrigen Erträge belegen. In Südbayern und in den regenreicheren fränkischen Gebieten lagen die Erntemengen dagegen im Mittel nur wenige Doppelzentner unterhalb des mehrjährigen regionalen Schnitts. Auffallend früh begann die Ernte im Jahr 2018. Rund zehn Tage früher als üblich wurde heuer gedroschen.

Sorten – Anbauanteil

Auf über 90 % der bayerischen Sommergerstenflächen standen heuer die Sorten Solist, Grace, RGT Planet, Marthe, Avalon und Catamaran. Einen seit Jahren nahezu konstanten Anbauanteil von rund 3 % nimmt die fast dreißigjährige Sorte Steffi ein. Sie wird in der Regel im Vertragsanbau erzeugt. Wegen ihres niedrigeren Ertrags wird ein Preisaufschlag gezahlt.
Zwischen Nord- und Südbayern unterscheidet sich das Sortenspektrum deutlich. Während in Franken Solist gefolgt von Avalon und RGT Planet heuer die größte Bedeutung hatte, waren im Süden Grace und Marthe vorherrschend. In der Oberpfalz dominierten Grace, RGT Planet und Marthe. Ein wesentlicher Grund für diese regionalen Unterschiede ist, dass die Abnehmer im Süden teilweise andere Sorten bevorzugen als im Norden.

Kornqualität in der Praxis

Jedes Jahr werden von 115 zufällig ausgewählten und jährlich wechselnden bayerischen Sommergerstenschlägen die Erträge und verschiedene Qualitätsparameter gemessen. Anhand dieser Daten wird dann das bayerische Mittel gebildet. Heuer lag der Rohproteingehalt auf den Probefeldern im Schnitt mit 11,1 % zwar etwas niedriger als im Vorjahr, übertraf aber deutlich das Fünfjahresmittel von 10,7 %. Wie zu erwarten, traten höhere Werte vor allem auf den ertragsschwachen Trockenstandorten auf. Ohne Preisabzüge wird vom Handel in der Regel Ware mit einem Rohproteingehalt bis maximal 11,5 % akzeptiert. Diese Anforderungen konnten, wie auch im Vorjahr, nur rund 2/3 der Partien erfüllen. Im Fünfjahresmittel liegt der Anteil mit 78 % um einiges höher.
Die Kornqualität war dagegen überwiegend in Ordnung. Mit einem Vollgerstenanteil (> 2,5 mm) von 94 % wurde ein ähnlich gutes Ergebnis wie 2017 erzielt. Das Hektolitergewicht lag mit knapp 70 kg ebenfalls über dem Fünfjahresmittel von 68 kg und auch das Tausendkorngewicht war mit 48 g um 2 g besser als der Schnitt.

Landessortenversuche

Rentabilität des Pflanzenschutzmitteleinsatzes

Die Landessortenversuche (LSV) standen heuer an sieben Orten, wobei zwei davon nicht auswertbar waren. Alle Sorten im LSV werden bei intensiver (Stufe 2) und extensiver Bestandesführung (Stufe 1) geprüft. In den Intensivvarianten kommen Wachstumsregler und Fungizide nach Bedarf zum Einsatz. So lässt sich das Leistungsniveau der Sorten unter intensiven Produktionsbedingungen ermitteln. Mithilfe der extensiven Varianten, die keinen oder nur geringe Mengen Wachstumsregler und keine Fungizide erhalten, werden dagegen Informationen über Krankheitsresistenzen, Lagerneigung und Strohstabilität der Sorten gewonnen. Düngung, Herbizid- und Insektizideinsatz sind in beiden Stufen einheitlich. Der Mehraufwand in den optimal geführten Varianten beträgt im Fünfjahresmittel rund 100 €/ha. Dem gegenüber steht ein Mehrertrag von im Schnitt 8 dt/ha sowie häufig auch eine Verbesserung der Qualität. Im Mittel der Jahre 2014 bis 2018 konnte der Vollgerstenanteil von 87 auf 93 %, das Hektolitergewicht um 1,6 kg und das Tausendkorngewicht um 3 g durch die Intensitätssteigerung verbessert werden.

Sortenempfehlung

In die staatliche Sortenempfehlung kommt eine Sorte erst nach intensiver mehrjähriger Prüfung im LSV. Neben dem Ertrag und den Anbaueigenschaften wird bei der Sortenauswahl auch Wert auf eine gute Malz- und Brauqualität der Sorte gelegt. Die Bewertung der Qualität wird dabei von der Braugersten Gemeinschaft vorgenommen. Die Beurteilung der agronomischen Eigenschaften, der Krankheitsresistenzen und der Ertragsfähigkeit erfolgt dagegen durch Fachleute der Landwirtschaftsämter in Zusammenarbeit mit der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Durch die regionalen Empfehlungen können die Anliegen der ansässigen Mälzereien und Brauereien mit berücksichtigt werden.

Aktuelle Ergebnisse