Sommerweizen – Aktuelle Ergebnisse aus der Praxis und den Landessortenversuchen

Sommerweizen

Sommerweizen stand in diesem Jahr, wie auch in den meisten Jahren zuvor, bayernweit auf weniger als 1 Prozent der Getreidefläche. 2018 betrug der Frühjahrsanbau in Bayern rund 6.400 ha. Sind die Saatbedingungen im Herbst schlecht, wie z. B. 2017 in Norddeutschland oder fällt ein Teil der Winterungen durch Auswinterung aus, wie 2012 in Nordbayern, steigt die Sommerweizenfläche spürbar an. Denn dann ist er als Lückenfüller sehr gefragt. Dies führt immer wieder zu Engpässen beim Saatgut. Vom Kauf unbekannter ausländischer Sommerweizen ist jedoch auch bei Saatgutknappheit abzuraten, da der Anbau von nicht angepassten Sorten sowie die Frühjahrsaussaat von Winterweizen in der Vergangenheit des Öfteren zu Missernten führten. Einen Winterweizen im Frühjahr anzubauen ist nie sinnvoll. Wenn er keinem mehrwöchigen Kältereiz ausgesetzt wird, schosst er nämlich nicht und bildet auch keine Ähren und Körner.

Für die Spätsaat im Herbst, beispielsweise nach Zuckerrüben, bieten sich Wechselweizen an. Dies sind Sommerweizen, die bei später Herbstaussaat eine gewisse Winterhärte besitzen, aber keinen oder nur einen geringen Kältereiz benötigen. Außerbayerische Versuchsergebnisse deuten darauf hin, dass erst bei Saatterminen ab etwa Ende November Wechselweizen Vorteile gegenüber spätsaatverträglichen Winterweizen bringen.
Heuer konnten wieder vermehrt sehr uneinheitliche Sommerweizenbestände beobachtet werden. Bei genauerer Betrachtung zeigte sich, dass ein Teil der Pflanzen deutlich kürzer war und Ähren aufwies, die teilweise oder vollständig in der Blattscheide stecken geblieben sind. Wurden die Halme dieser Pflanzen aufgeschnitten, konnte von der Ähre bis zum obersten Halmknoten meist eine bräunliche Fraßrinne und häufig auch die beinlose, gelblich-weiße Made der Gelben Getreidehalmfliege gefunden werden. Eine verringerte Kornzahl pro Ähre, Schmachtkorn und im Extremfall Taubährigkeit waren die Folgen des Befalls. Weitere Krankheiten spielten heuer wegen der Trockenheit meist nur eine untergeordnete Rolle. Lediglich Braunrost trat vor allem in Franken stärker auf.

Landessortenversuche

Wirtschaftlichkeit des Pflanzenschutzmitteleinsatzes

Aufgrund der geringen Bedeutung des Sommerweizens gibt es in Bayern nur in Frankendorf (Erding) und Hagelstadt (Regensburg) einen LSV. Heuer standen vier E- und sechs A-Weizen im Versuch. Jede Sorte wird im Landessortenversuch in zwei Intensitätsstufen geprüft. Die intensive Stufe 2 wird nach Bedarf mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Die extensive Stufe 1 erhält dagegen keine Fungizide und keinen bzw. wenig Wachstumsregler. Der Ertragsvorteil der Intensivvarianten beträgt im fünfjährigen Mittel 13 dt/ha (19 %), wobei die Mehrerträge heuer aufgrund der Trockenheit geringer ausfielen. Die Mehrkosten betragen im Fünfjahresmittel rund 130 €/ha.

Ergebnisse 'Großraum Südddeutschland'

Auch die angrenzenden Bundesländer führen mittlerweile nur mehr wenige Sommerweizenversuche durch. Aufgrund der geringen Datenbasis werden deshalb seit 2017 die beiden Anbaugebiete „Ackerbaugebiete Südwest“ und „Ackerbaugebiete Süd“ zu dem „Großraum Süddeutschland“ zusammengefasst. Bei der mehrjährigen Ertragsverrechnung wurden 49 Versuchsergebnisse aus den letzten fünf Jahren berücksichtigt. Cornetto ist die einzige Sorte, die an allen Orten vertreten war. Bei den anderen Sorten werden die fehlenden Ergebnisse mit einem Rechenmodell hochgerechnet. So ist es möglich alle Sorten direkt miteinander zu vergleichen. Da die Prüfgenauigkeit bei der neuesten Sorte Jasmund mit 19 Ergebnissen aus 4 Jahren (dreijährige Sortenzulassung, ein Jahr LSV) merklich geringer ist, wird ihr Ertragsergebnis unter der Rubrik „vorläufige Bewertung“ in der Ertragstabelle ausgewiesen. Den einjährigen Kornerträgen liegen zumeist sechs Versuche zugrunde.

Winterhärte

Die meisten Sorten, die heuer im LSV standen, wurden im Rahmen der Sortenzulassung sowohl bei Frühjahrs- als auch bei später Herbstaussaat (Ende Oktober / November) getestet. Ein Ziel der Herbstsaat ist die Winterhärte der Sommerweizen zu ermitteln. In den letzten Jahren traten jedoch nur vereinzelt Auswinterungsschäden auf. Deshalb sind Aussagen über die Winterhärte nur begrenzt möglich. Da der LSV ausschließlich im Frühjahr gesät wird, kann dieser auch nicht zur Beurteilung der Auswinterungsneigung herangezogen werden. Vom Bundessortenamt werden Jack (E), Lennox (E), Matthus (A) und Thasos (E) als überdurchschnittlich winterhart beschrieben.

Aktuelle Ergebnisse