Spezielle Produktionstechnik
Rotklee – Trifolium pratense L. (engl.: red clover)

Nahezu 50 % des inländisch vermehrten Rotkleesaatgutes wird in Bayern produziert. Der steigende Saatgutbedarf in der Landwirtschaft beruht auf den qualitativen Inhaltsstoffen für die Fütterung und die entscheidende Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit.

Standort

Rotklee (Trifolium pratense)

Rotklee (Trifolium pratense)

Rotklee (Trifolium pratense) wächst auf nahezu allen Mineralböden bis hin zu den sandigen Lehmen, vorausgesetzt die Bodenfeuchte ist ausreichend. Der empfohlene pH-Wert von 5,5 sollte vor allem auf mageren Standorten nicht unterschritten werden. Alternativ ist der Anbau auf schweren Böden in Trockenlagen möglich. Auswinterungsgefährdete Standorte wie Moorböden und sandige flachgründige Böden, die zu langer Trockenheit neigen, sind für die Saatguterzeugung ungeeignet. Rotklee verträgt keine strengen Winter mit langanhaltender Schneedecke oder Spät- und Wechselfrösten, denn anfällige Sorten und geschwächte Pflanzen können zudem leicht mit Kleekrebs (Sclerotinia trifoliorum) erkranken. Für gesunde Bestände mit hohem Samenertrag eignen sich dafür besser trockene warme Standorte. Die Jahresniederschlagssumme sollte jedoch nicht unter 550 bis 600 mm sinken, sodass die 120 cm lange Pfahlwurzel in kurzzeitigen Trockenperioden noch tieferliegendes Bodenwasser erreichen kann.
Rotklee ist auf die Befruchtung von Insekten, insbesondere Bienen angewiesen. Unter den deutschen Klimabedingungen tritt die größte Bienenaktivität erst im Frühsommer ein. Somit ist es sinnvoll die Samenernte nicht vor der zweiten Nutzung durchzuführen. Eine Schönwetterperiode vom zehnten Juli bis Mitte August wirkt sich günstig auf die Nektarbildung, den Bienenflug und auf die Abreife des Bestandes aus.

Fruchtfolge

Rotklee ist in der Fruchtfolge mit sich selbst und zu anderen Leguminosen unverträglich. Anbaupausen von sechs bis sieben Jahren schützen vor dem Befall mit Kleekrebs. Der Schädlingsbefall vermindert sich, wenn für die Fruchtfolgeplanung ein räumlich großer Abstand zu vorjährigen Rotkleeflächen und Großkörnigen Leguminosen eingehalten wird. In landwirtschaftlichen Betrieben wird die Leguminose, vor allem für die Anreicherung des Bodens mit Humus und pflanzenverfügbaren Stickstoff, bevorzugt angebaut. Die Voraussetzung für eine zweijährige Samennutzung sind vor allem unkrautfreie Flächen. Rotklee zählt wie alle Leguminosen zu den Fremdbefruchtern, daher sollte zu angrenzenden Arten ein Trennstreifen von mindestens 40 cm angelegt werden. Während der Blüte wird Rotklee weniger angeflogen, wenn vermehrt honigbildende Pflanzen wie Buchweizen oder Phazelia vorkommen. Zum Anlocken der Bienen ist es hilfreich Lockstreifen um und in die Fläche anzusäen sowie mehrere Bienenvölker unmittelbar ans Feld zu positionieren.

Aussaat

Saatmethoden

Der Anbau unter einer Frühjahrsdeckfrucht oder der Sommerblanksaat sind gängige Praxis. Sommergerste und Hafer schaffen gute Bedingungen für die Entwicklung der Samenbestände. Da Rotklee mit nur 2 bis 3 °C geringe Ansprüche an die Keimtemperatur stellt, wird die Frühjahrsbestellung der Deckfrucht häufig zusammen mit der Untersaat ausgesät. Um einen Konkurrenzdruck nicht zu provozieren, sollte generell die Saatstärke der Deckfrucht um 20 % reduziert werden. Bei einer gemeinsamen Aussaat ist der Vorratsbehälter der Sämaschine regelmäßig auf eine gute Durchmischung zu kontrollieren. Bei getrennter Aussaat sollte quer oder schräg zur Deckfrucht gearbeitet werden. Es empfiehlt sich vor der Saat den Boden oberflächlich mit einem Striegel zu lockern und nach der Saat zu walzen. Der Ansaaterfolg von Rotklee ist abhängig von der Stickstoffdüngung der Deckfrucht, Lagergetreide lässt sich vor allem vermeiden, wenn die erste Stickstoffgabe im Frühjahr reduziert wird. Aussaaten unter Wintergetreide sind meist problematisch, denn die stärkere Beschattung der Deckfrucht – infolge des späteren Saattermines und die erhöhte Konkurrenz von Ausfallgetreide nach dem Mähdrusch – beeinträchtigen die Jugendentwicklung der Leguminose. Die Frühjahrsblanksaat ist angesichts der starken Verunkrautung ähnlich kompliziert zu etablieren. Der Feldaufgang bei Sommerblanksaaten kann bei längeren Trockenperioden ungleichmäßig sein, zudem tendieren Aussaaten nach Ende Juli überwiegend zur Auswinterung.
Liegt wenig Erfahrung in der Rotkleevermehrung vor, sollte vor der Aussaat eine umfassende Beratung mit der Vermehrungsorganisationsfirma (VO-Firma) erfolgen. Die Saattiefe beträgt circa 2 cm mit Aufwandmengen von 8 bis 10 kg/ha, bzw. 12 kg/ha mit Risikoaufschlag, bei 12 bis 16 cm Reihenabstand.

Deckfruchtnutzung zu Getreideganzpflanzensilage

Besteht die Möglichkeit für die Verwertung der Deckfrucht zu Ganzpflanzensilage (GPS), ist die Ernte vor der Samenreife der Deckfrucht eine wirkungsvolle Maßnahme gegen Ausfallgetreide im Vermehrungsbestand. In der Tabelle werden mögliche Saatpartner für den GPS-Anbau vorgestellt, ergänzende Informationen finden sich im Merkblatt: "Getreide Ganzpflanzensilage als Biogassubstrat."
Rotkleeuntersaat (Frühjahr) mit verschiedenen Deckfrüchten für die GPS Nutzung
Sommergerste Hafer
Aussaattermin Deckfrucht und Untersaat so früh wie möglich so früh wie möglich
Aussaatmenge Deckfrucht kg/ha ca. 100 80 bis 120
Häckseltermin Deckfrucht Beginn Teigreife Beginn Milchreife
Rotklee Aussaatmenge kg/ha 12 bis 16 10 bis 14
Unter optimalen Keimbedingungen führen die Aussaatmengen aus der obigen Tabelle zu überhöhten Bestandesdichten. Um Verluste durch Witterungseinflüssen, Konkurrenzdruck zwischen den Pflanzen und Schädlingsbefall vorzubeugen, ist ein Risikozuschlag in den Mengenangaben für Rotklee enthalten. Die Aussaatmenge ist schlussendlich als Kompromiss zwischen Samennutzung und Futterertrag zu sehen.

Getreide-Ganzpflanzensilage als Biogassubstrat

Düngung

Für Optimal versorgte Böden die sich für Kalium und Phosphor in Gehaltsstufe C befinden konnte nachgewiesen werden, dass die Grunddüngung kaum einen Einfluss auf den Samenertrag bei Rotklee ausübt. Viel entscheidender ist die Witterung und die daraus resultierende hohe Befruchtungsleistung der Bienen. Günstige Wetterbedingungen bieten optimale Voraussetzungen für die Nektarbildung und –ausscheidung, sowie für den vermehrten Bienenflug.
Grundsätzlich kann aber festgehalten werden, dass Kalium die Anzahl der Blütenköpfe erhöht und die Blühdauer verlängert, wohingegen eine unangepasste Phosphorversorgung diese Effekte wiederum hemmt. Für die Grunddüngung gelten Richtwerte von 200 kg K2O/ha und 90 kg P2O5/ha. Die Kalkversorgung des Standortes muss auf einen schwach sauren pH-Wert von 5,5 abzielen. Die Ausbringung erfolgt ausschließlich zur Vorfrucht, die Grunddüngung optional in die Vor- oder unter die Deckfrucht. Der Stickstoffbedarf von Rotklee wird über die symbiontische N-Fixierung durch die an den Seitenwurzeln lebenden Knöllchenbakterien abgedeckt.

Hinweise zur Düngung im Acker- und Grünland

Pflanzenschutz

Schädlinge

Die Fraßschäden der Feldmaus (Microtus arvalis) stellen die schwerwiegendsten Schäden im Rotkleesamenanbau dar. Fehlstellen im Bestand können infolge von Fraßschäden an oberirdischen Pflanzenteilen und Wühlschäden entstehen. Pflügen auf 20 cm tiefe im Herbst vor dem Anlagejahr schädigt die Nester und das weitläufige Gängesystem der Feldmaus.
Bussard, Milan, Krähen und Reiher gelten als natürliche Feinde der Feldmaus und können bei niedrigem Befallsniveau die Population regulieren. Am Feldrand sind Sitzkrücken aufzustellen, die den Greifvögeln als Jagdwarte und Jagdstartplatz dienen. Geringe Bestandesdichten und abgeräumtes Mulchmaterial, erhöhen den Jagderfolg der Raubvögel. Speziell gefertigte Mausefallen wären im Vergleich kostenintensiver in der Anschaffung und arbeitszeitaufwendiger bei der Aufstellung. Des Weiteren sind Gräben und Feldränder zu pflegen. Der Rodentizideinsatz mit Hilfe von granulierten Ködern, stellt erst die letzte Möglichkeit der Bekämpfung dar. Zum Schutz der Vogelarten vor Vergiftungen dürfen die Köder nicht oberflächlich gestreut werden. Zulässig ist daher nur die verdeckte Ausbringung in geeigneten Köderstationen.

Kleekrebs

Kleekrebs gehört zu den gefährlichsten Pilzkrankheiten im Rotkleeanbau. Nach dem Frühjahr sind im Bestand erste Fehlstellen sichtbar, die als Auswinterungsschäden fehlgedeutet werden. Die Sklerotien von Sclerotina trifoliorum überdauernden im Boden und infizieren den Bestand im Spätherbst. Im Oktober bis November werden die Fruchtkörper – die sogenannten Apothecien – gebildet in denen die Ascosporen für die massenhafte Verbreitung im Bestand erzeugt werden. Die Primärinfektion durch die Sporen erfolgt auf den feuchten Kleeblättern, als erste Symptome werden braune Flecken sichtbar. Bei einem fortgeschrittenen Krankheitsverlauf entwickelt sich ein weißes Myzel und die Pflanze wird von Fäulnis zerstört. Nach und nach verbreitet sich das Myzel über den Boden im Bestand und richtet schwerwiegende Schäden an. Der Erreger kann im Boden bis zu sechs Jahren mit Hilfe der gebildeten Sklerotien überdauern. Wirkungsvolle Bekämpfungsmaßnahmen sind sechsjährige Anbaupausen und ein oberflächlich rückverfestigte Böden, der die Ausbreitung von dem Myzel verhindert. Gesundes Saatgut unterbindet eine Primärinfektion und die Anreicherung der Böden mit Sklerotien. Bestände mit maximal 8 cm Wuchshöhe, trocknen schneller ab und bilden ein ungünstigeres Mikroklima für die Entwicklung des Erregers. Die direkte Bekämpfung mit Fungiziden zeigte bisher keine zufriedenstellende Wirkung.

Südlicher Stengelbrenner

Seit rund zehn Jahren ist neben dem Kleekrebs der Erreger Colletotrichum trifolii, auch bekannt als Südlicher Stengelbrenner, im Klee- und vor allem im Rotkleeanbau gefürchtet. Ab Sommer bis Spätsommer können nach dem Befall erste Symptome – wie z. B. schwarze Läsionen – an den Stängeln der Rotkleepflanze auftreten. Die Verbreitung im Bestand und auf der Pflanze schreitet schnell voran und ein Totalausfall ist durchaus möglich. Oft erscheint die Fläche nach der Epidemie wie abgebrannt. Der Erreger überwintert in abgestorbenen Pflanzenteilen oder im Wurzelhals als Myzel. Anbaupausen, Beizen, schnelle abtrocknende Bestände und die Verwendung von resistenten Sorten sind derzeit die wirkungsvollsten Bekämpfungsmaßnahmen.

Unkrautbekämpfung

Herbizidmaßnahmen sollten (wenn nötig) in der Deckfrucht vor der Rotkleeeinsaat abgeschlossen sein. Applikationen im Rotkleebestand sind erst ab der Ausbildung des ersten Rotkleefiederblatts möglich. Da es in Rotklee leicht zu Spritzschäden kommen kann, ist der Einsatz gemeinsam mit der Anbauberatung zu planen.

Pflegemaßnahmen

Ansaatjahr

Die Bergung des Deckfruchtstrohs sollte innerhalb von drei bis fünf Tagen erfolgen. Unter dem dichten Strohschwad kann evtl. Schimmelbildung eintreten, der die empfindliche Untersaat schädigt. Meist ist vor dem Eintreten der Vegetationsruhe ein Schröpfschnitt bzw. eine Mähnutzung notwendig. Der letztmögliche Schnitttermin ist der 1. Oktober, da Rotklee noch leicht vernarben und eingrünen sollte. Für die Ausbildung der Winterhärte ist unbedingt darauf zu achten, dass der Bestand im Ansaatjahr nicht blüht. Pflanzen die bereits zu blühen begonnen haben sind in einem hohen Maße auswinterungsgefährdet. Überwinterungsfähige Bestände zeichnen sich durch wenig Blattmasse aus, bei mindestens 5 bis maximal 8 cm Wuchshöhe.

Samenjahr

Zu Beginn des Frühjahrs, wenn die Böden oberflächlich abgetrocknet und befahrbar sind, fördert das Walzen die Wiederherstellung des Bodenschlusses. Die Samengewinnung findet vorrangig vom zweiten Nutzungstermin statt. Der erste massenreiche Aufwuchs wird in der Regel nicht für die Samennutzung verwendet, sondern alternativ gemäht und evtl. verfüttert. Gleichermaßen sind damit einjährige Unkräuter gleich zu Beginn ihrer Entwicklung geschwächt. Auf guten rotkleefähigen Böden ist der erste Schnitt zu Beginn der Vollblüte möglich, auf weniger guten Standorten ab Mitte, bis maximal Ende der Vollblüte. Denn Rotkleepflanzen auf benachteiligten Standorten müssen zur Überbrückung von Mangelsituationen erst genügend Nährstoffe in die Pfahlwurzel einlagern können. In Tallagen ist der frühestmögliche erste Schnitttermin ab Mitte Mai möglich.
Reine Rotkleebestände lagern leicht in niederschlagsreichem Frühjahr, denn der passende Schnitttermin ist oft schwierig zu ermitteln. Vor Niederschlägen besteht für die Pflanzen die Gefahr, dass Schaderreger über die offenen Wunden eindringen können. Nach Niederschlägen wiederum, wenn die Fläche nicht befahrbar ist und das Futter nicht geborgen werden konnte, breitet sich unter dem dichten „Teppich“ schnell Schimmelbildung aus. Sind hingegen die Wetterbedingungen um den Erntetermin günstig, dann sollte so früh wie möglich gemäht werden und die vorgesehenen Vermehrungsflächen ohne zeitlichen Verzug zueinander. Die gleichmäßige Abreife des Bestandes verschiebt sich somit in die mittlere Augusthälfte unter stabilere Wetterbedingungen.

Bieneneinsatz

Bestäubung

Als Fremdbefruchter ist Rotklee auf die Pollenübertragung von Insekten angewiesen. Es ist bekannt, dass für die Ausbildung von einem Kilogramm Rotkleesaatgut, bis zu 500.000 Bestäubungen nötig sind. Diese Befruchtungsleistung können vorrangig nur Honigbienen, Hummeln (Bombus lapidarius, B. agrorum und B. terrestris) und Wildbienen erfüllen. Rotklee ist zwar wegen seiner langen Blütenröhre von 7,7 bis 10,9 mm keine gute Trachtenpflanze für die Honigbienen, denn durch ihre kürzere Rüssellänge, können sie den tiefer liegenden Nektarstand in der Blüte für gewöhnlich nicht mehr erreichen. Gute Befruchtungserfolge können dennoch unter optimalen Wetterbedingungen realisiert werden. Temperaturen über 25 °C und trockene Bedingungen erhöhen die Photosyntheseleistung der Pflanze, damit die Honigbildung und somit auch einen höheren Nektarstand in den Blütenröhren. Ist hingegen während der Blütezeit vom zehnten Juli bis Mitte August kühles, niederschlagreiches Wetter, sinkt der Nektarstand unterhalb der Blütenröhre ab und die Befruchtungsrate sinkt.
Im Vergleich zur Honigbiene benötigen die Wildarten zur Nektaraufnahme durch ihre längeren Rüssel weniger als das Dreifache der Zeit. Auf den ersten Blick erscheinen sie daher als die effektiveren Befruchter, allerdings sind Hummeln und Wildbienen keine verlässlichen Rotkleebestäuber, denn ihr Vorkommen ist jährlichen Schwankungen unterlegen. Speziell Hummeln benötigen passende Überwinterungsquartiere (Bodennester, Feldhecken, etc.) und ein ausreichendes Blühangebot im Frühjahr. Die intensive Bodenbearbeitung, fehlende Feldeinfriedungen und Schädlingsbefall im Volk schwächen die Hummelpopulation. Oft sind im Frühjahr zu wenige Völker für den Beflug der Vermehrungsflächen vorhanden.

Duftlenkung

Vor allem die Duftlenkung gewinnt unter ungünstigen Witterungsverhältnissen eine sehr wichtige Bedeutung für den Samenansatz. Unkompliziert ist der Ansatz einer Mischung aus Zuckerwasser mit Rotkleeblüten, die am Vorabend gesammelt werden. Die Flüssigkeit nimmt über Nacht den Geruch der Blüten auf und nach dem die Zuckerquelle von den Bienen verbraucht wurde, kann für gewöhnlich eine verstärkte Flugbereitschaft im Bestand beobachtet werden. Vor der Rotkleeaussaat besteht eine weitere Möglichkeit darin, einen 2,5 m breiten Streifen Phazelia quer ins Feld oder seitlich am Rand zu säen (s. Abb.). Gelangt der Rotklee zur Hauptblüte kann der Phazeliastreifen abgemäht werden, da die Bienen bereits schon auf den Rotkleebestand eingeflogen sind.

Abb.: Beispiele für die Anlage von Bienenlockstreifen mit Phazelia sowie verschiedene Möglichkeiten über die  Aufstellung der Bienenhäuser und der Duftlockschalen am Feldrand

Beispiele für die Anlage von Bienenlockstreifen mit Phazelia sowie verschiedene Möglichkeiten für die Aufstellung der Bienenhäuser und der Duftlockschalen am Feldrand

Durchschnittlich sind sechs bis acht Bienenvölker je Hektar für einen ausreichenden Befruchtungserfolg nötig. Dafür eignen sich vor allem die Krainerbiene (Apis mellifera carnica) und die mitteleuropäische Nordbiene (A. m. mellifera). Die Krainerbiene hat sich bei Imkern auf Grund der höheren Völkerstärke, der Rüssellänge und dem spitzen Kopf durchgesetzt, der es ihr ermöglicht tiefer liegenden Nektar in der Blütenröhre zu erreichen. Die Anzahl befruchteter Pflanzen ist ums so höher, wenn zwischen den Bienenvölkern nicht mehr als 120 bis 190 m Platz besteht und die Bienenwägen nicht über 100 m Abstand zum Feld haben.

Ernte und Aufbereitung

Sikkation

Die Abreife von Rotkleebeständern ist meist ungleichmäßig und rechtfertigt damit den Einsatz einer Sikkation. Nach der Applikation vertrocknen die oberirdischen Pflanzenteile, die somit beschleunigter zur Druschfähigkeit gelangen. Der Behandlung ist auszuführen wenn der Bestand sich in der Gelbreife befindet und 80 % der Köpfchen braun gefärbt sind. Ist die Blühperiode von schlechtem Wetter geprägt, dann kann der Behandlungstermin nicht ohne weiteres festgestellt werden. Entscheidend ist die letzte Schönwetterperiode, in der ein Blühmaximum und ein intensiver Insektenflug beobachtet werden konnte. Hilfreich können Aufzeichnungen sein, in denen der Rotkleebeflug während der Blüte dokumentiert ist. Als Richtwert gilt, dass vier bis fünf Wochen nach der Bestäubung der Bestand erntereif ist.

Reifebestimmung

Die Ernte sollte 3 bis 5 Tagen nach der Sikkation erfolgen, in Ausnahmefällen sind bis 10 Tagen tolerierbar. Der Bestand ist ca. Mitte August reif, wenn sich die Samen aus den Köpfchen leicht herausreiben lassen. Zu diesem Zeitpunkt ist der Feuchtegahlt im Korn 16 bis 22 %. Die Köpfe fallen nach Eintritt der Erntereife leicht aus, sodass nur ein sehr enges Zeitfenster für eine möglichst verlustarme Ernte besteht. Die deutsche Rotkleeernte liegt im Durchschnitt bei 3 bis 4 dt/ha (nach Aufbereitung), ebenso können 7 dt/ha durchaus möglich sein.

Mähdreschereinstellungen

Rotklee wird im Direktdruschverfahren geerntet. Die einsamigen Hülsen stellen spezielle Anforderungen an die Maschineneinstellungen der Erntetechnik.
Die Schwierigkeit besteht darin, dass die kleinen Samen aus der Hülse herausgerieben werden müssen. Für höhere Schlagfrequenzen sind an die Dreschtrommel zusätzliche Schlagleisten zu montieren und die Drehzahl sollte auf Maximal eingestellt werden. Der Einsatz herkömmlicher Dreschkörbe wie sie für die Getreideernte verwendet werden sind ungeeignet, da die Hülsen nicht ausreichend vom Saatgut getrennt werden. Die Folge sind höhere Verluste der Samen über den Strohschwad. Der Einbau von speziellen Dreschkörben mit Reibegewebe erhöht die Effizienz und erspart den zusätzlichen Einsatz einer Kleereibe. Die Dreschorgane sind so aufeinander abzustimmen, dass die Körner nicht zerschlagen werden und eine sorgfältige Trennung von Samen und Hülsen stattfindet. Im Hinblick auf minimale Reinigungsverluste sind die Durchmesser der Ober- und Untersiebe aneinander anzupassen. Unter Umständen ist die Gebläsedrehzahl zu reduzieren.

Nachbehandlung und Trocknung

Rotklee SamenZoombild vorhanden

Rotklee Samen

Unmittelbar nach der Ernte erfolgt die Nachtrocknung. Fremdbesatz wie Blatt- und Stengelteile werden bei Bedarf vorselektiert. Die betriebseigene Installation einer Trocknungsanlage ist möglich, als einfaches Beispiel eignet sich die Belüftungstrocknung in einer Flach- bzw. Boxenanlage oder im Hochsilo. Das Funktionsprinzip beruht auf der Übertragung der Feuchtigkeit (Wasserdampf) des erwärmenden Erntegutes auf die durchströmende, sich abkühlende Umgebungsluft. Das Gebäude muss ganzflächig belüftbar und die Bodenroste müssen als Schutz vor Verstopfungen über dem Luftkanal mit Schattenleinen abgedeckt sein. Schütthöhen von über 50 bis 100 cm verstärken den Strömungswiderstand und erhöhen sowohl die Trocknungszeit, wie die Energiekosten der Anlage. Bei Feuchtegehalten des Erntegutes von bis zu 22 %, sollte die Trocknung innerhalb von maximal sechs Tagen abgeschlossen sein. In dieser Zeit wird die Keimfähigkeit nicht negativ beeinträchtigt. Die Trocknung ist beendet, wenn das Erntegut einen Feuchtegehalt von 12 % aufweist.
Literatur

  • Buchgraber, H., Frühwirth, P., Köppl, P., Krautzer, B. (1997): Produktionsnischen im Pflanzenbau, Graz: Leopold Stocker Verlag.
  • Hartmann, S. (August 2014): Persönliche Mitteilung, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft.
  • Hoffmann, G. M. und Schmutterer, H. (1999): Parasitäre Krankheiten und Schädlinge an landwirtschaftlichen Kulturpflanzen, 2. erw. und erg. Aufl., Stuttgart: Eugen Ulmer Verlag.
  • Hünting, K. und Thurner, S. (2014): Futter- und Substratkonservierung, in: Landwirtschaftlicher Pflanzenbau, 13. Aufl. München: BLV-Buchverlag, S. 941-943.
  • Lampeter, W. (1985): Saat- und Pflanzgutproduktion, Berlin: VEB Deutscher Landwirtschaftsverlag.
  • Lütke Entrup, E. (1995): Erfolgreicher Gras- und Kleesamenbau, Bonn: Auswertungs- und Informationsdienst für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten e.V.
  • Mandl, S. (2011): Bestäubungshandbuch für Gärtner Landwirte und Imker, Wien: Arbeitsgemeinschaft Bienenforschung an der Universität für Bodenkultur, [online 20.08.1014] Externer Link
  • Mühle, E., und Schumann, K. (1966): Wirtschaftlich wichtige Krankheiten und Schädlinge in Samenbeständen von Futterleguminosen, in: Futterpflanzen-Saatguterzeugung, 4. Grünlandsymposium des Inst. für Grünland und Feldfutterbau, Universität Leipzig, (S. 516-526).
  • National Institute of Agricultural Botany (1988): Diseases of Grasses and Herbage Legumes, Cambridge: NIAB.
  • Schiefer, C. (2002): Hinweise zur Vermehrung von kleinkörnigen Leguminosen, in: Erbe, G., Hinweise zur Vermehrung von Gräsern, Bergen/Dumme: Agrimedia, S. 97-106
  • Schöberlein, W. (2011): Saatguterzeugung der Kleearten und Gräser, in: N. Lütke-Entrup (Hrsg.), und B. Schäfer (Hrsg.), Lehrbuch des Pflanzenbaues, Bd. 2, 3. Aufl., Bonn: AgroConcept, S. 761-785.
  • Schubiger, F. X. (2014): Südlicher Stängelbrenner (Colletotrichum trifolii), Männedorf (Schweiz): Pflanzenkrankheiten.ch. [online 04.09.2014] Externer Link
  • Sieberhein, K., Stracke, I., Hofmann, F., Römer, I. (1976): Sicherung einer optimalen Jugendentwicklung von Luzerne- und Rotkleeansaaten durch Herbizidanwendung, in: VVB Agrochemie und Zwischenprodukte (Hrsg.), speziell: Futterproduktion, 6, Cunnersdorf: VVB Agrochemie und Zwischenprodukte, S. 27-35.