Hoffnung auf Regen und dann?

Luftbild mit brauen Wiesen teilweise noch mit grünen Anteilen

Für dieses Wochenende zeichnet sich zumindest ein Abflauen der Hitzeperiode ab, verbunden mit der Hoffnung auf die dringend benötigten Niederschläge. Damit gewinnt die Möglichkeit an Bedeutung, die noch vorhandene Restvegetation für den Anbau von Winterzwischenfrüchten oder überjährigem Kleegras zu nutzen. Auch im Grünland sollten die noch bestehenden Möglichkeiten geprüft und entsprechend abgewogen werden.

Wenn der Anbau einer Winterzwischenfrucht oder die Ansaat von überjährigen oder auch mehrjährigen Kleegras geplant wird an folgende Punkte erinnert:

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Etablierung und Anbau von Gräsern, kleinkörnigen Leguminosen und ihren Gemengen:

  • Hauptfruchtmäßige Bestellung
    Diese ist Voraussetzung für guten Bodenschluss und damit bei vorhandenem Wasser nach Niederschlag für einen zügigen, lückenlosen Aufgang und optimale Entwicklung der Saat und der damit verbundenen Ertragsentwicklung.
  • Ausreichende Vegetationszeit
    D. h. üblicherweise Aussaat im letzte August- und erste/zweite September Woche. Doch bis jetzt war es hierzu in aller Regel zu trocken. Jedoch besteht bei einem - mittlerweile nicht unüblichen - verspäteten Winterbeginn hier durchaus noch realistische Hoffnung auf eine gute Etablierung (evtl. einem geringen Ertrag aus einem (Schröpf-)Schnitt.
  • Ausreichende Wasserversorgung während der Restvegetation
    Hiervon wird der Erfolg dieses Anbaus letztlich vom Menschen unbeeinflussbar abhängen. Besonders wichtig ist hierbei weniger die Gesamtmenge sondern mehr eine günstige/gleichmäßige Verteilung.

Welches Weidelgras ist das richtige?

Gräser reagieren schon auf kurzzeitigen Wassermangel mit Wachstumsstillstand und/oder der Bildung von Halmen. Damit verbunden ist dann auch ein rascher Qualitätsabfall des folgenden Schnittes. Deshalb ist die Aussaat überjähriger Mischungen - also von Mischungen die neben Einjährigem Weidelgras Anteile oder überwiegend Welsches Weidelgras als Gräserkomponente besitzen – zu prüfen. Der Unterschied dieser Arten liegt für den Zwischenfruchtanbau vor allem darin, dass das Einjährige Weidelgras je nach Sorte bereits wenige Wochen nach der Saat mit dem Ährenschieben beginnt, während das Welsche Weidelgras im Ansaatjahr nicht zum Schossen bzw. Ährenschieben gelangt, also nur Blattmasse bildet. Die Rohfaserbildung hängt stark von der Neigung zur Halmbildung ab. Zwar begünstigen hohe Rohfasergehalte den Strukturwert des Futters, eine wichtige Eigenschaft in der Zwischenfruchtfütterung, gleichzeitig senken sie jedoch den Energiegehalt des Aufwuchses erheblich.
Bei dem im Sommerzwischenfruchtanbau nicht mehr schossenden Welschen Weidelgras ist die Leistungsdifferenzierung zwischen den zugelassenen Sorten im Herbst nur gering. Im Ertrag liegen die Sorten des Welschen Weidelgrases bei früher Saat zwar deutlich hinter dem Einjährigen Weidelgras zurück. Dieser Umstand kommt jedoch bei der jetzt verspäteten Ansaat nicht mehr voll zum Tragen und ist durch Mischung der Arten abfederbar. Der Anbau von Welschem Weidelgras ist besonders dann sinnvoll, wenn der Bestand nach der Herbstnutzung überwintern soll, um im Frühjahr 2027 z. B. vor Mais oder auch dann als Hauptfrucht genutzt zu werden. Für diese Nutzungsform, die besonders wegen der Winterbegrünung zum Boden- und Wasserschutz vorteilhaft ist, eignen sich allerdings nur die zum Hauptfruchtanbau empfohlenen winterharten Sorten des Welschen Weidelgrases.
Bei der Sortenwahl sollten resistente Sorten (besonders Rost) bevorzugt werden, da ein beginnender Befall nur unter hohen Ertragsverlusten durch Vorziehen des Schnitttermins beendet werden kann.

Mischungen bringen Vorteile

Generell ist gerade bei Trockenheit eine Mischung von Klee mit Gräsern empfehlenswert. Durch Mischungen können Futterwert, Aufnahme durch das Vieh und Vorfruchtwert gesteigert werden. Weniger günstige Eigenschaften einer Art werden durch geeignete Partner ausgeglichen. Vor allem in Lagen mit unsicheren Niederschlägen kann das Ansaatrisiko durch die weniger wasserbedürftigen Leguminosen abgemildert werden.

Bayerische Qualitätssaatgutmischungen für Grünland und Feldfutterbau 2026 (Seiten 7 bis 8)

Auch wenn jetzt noch alles verdorrt und tot scheint, selbst Pflanzen und Horste die zunächst vertrocknet aussehen, können bei entsprechenden Wachstumsbedingungen wieder austreiben. Dazu braucht es jedoch Wasser, Wärme und Licht. Und so zeigten die Grünlandnarben in den letzten Jahren, bei dann doch noch hinreichend fallendem Niederschlag, oft ihr hohes Regenerations- und Ertragskompensationsvermögen. Dieses Jahr wird wohl die Restvegetation nicht die bereits entstandenen Ertragsausfälle in größerem Umfang minimieren können.
Aber man wird doch ein Ergrünen der überlebenden Anteile der Narbe – und hier ist immer wieder erstaunlich wie vital letztlich Grünland ist. – und es werden sich die entstandenen Lücken zeigen. Für die Lückenlückenanteile die eine Nachsaat rechtfertigen gibt es zwei Optionen:

Die klassische Nachsaat mit einer üblichen Nachsaatmischung

Für die klassische Nachsaat mit einer üblichen Nachsaatmischung finden Informationen unter:

Führung und Verbesserung von Grünlandbeständen - Nachsaat

Die Einsaat von Rotklee oder Luzerne - Ziel dieser Einsaat ist es kurzfristig für 2027 die Erträge von diesen Flächen deutlich zu erhöhen.

Rotklee lässt sich aufgrund seiner schnelleren Anfangsentwicklung und der relativ großen Konkurrenzkraft besser und schneller ins Grünland etablieren als Weißklee. Ebenso sind die Ertragsleistungen des Rotklees deutlich größer und er verträgt auch längere Trockenphasen besser als Weißklee. Luzerne kann sich in lückigen Beständen ebenfalls erfolgreich etablieren und auch sie bietet ebenfalls ein deutliches Plus an Ertrag, Genauso Luzerne im Grünland ist umso erwägenswerter, je günstiger die Standortbedingungen sind (trockene, gut durchwurzelbare, Böden, mit pH >6, warmes Klima) und je näher die Nutzungsintensität und -zeitpunkte der Grünlandfläche an die der Luzerne standortüblich liegen. Grundsätzlich notwendig für eine erfolgreiche Etablierung sind etwa handflächen große Lücken und möglichst keine oder nur geringe Beweidung.
Bei beiden Arten ist aber auch klar, dass sie sich im intensiven Grünland nur zeitlich begrenzt (ein bis max. drei Jahre) halten können. Die Saatstärke für Rotklee und Luzerne beträgt im Spätsommer 10kg/ha.
Die erfolgreiche Einsaat von Rotklee und Luzerne in eine bestehende Grünlandnarbe ist insofern eine Herausforderung, als dass die vorhandenen Gräser und Kräuter eine starke Konkurrenz zu den sich zunächst in der Jugendentwicklung eher langsamen Leguminosen darstellen. Erfolgsfaktoren hierbei sind:
  • optimalen Saattermin wählen (nach dem 1. Schnitt oder im Spätsommer)
  • Lücken in Grünlandnarbe schaffen (die sollten nun vorhanden sein, evtl. tote Pflanzen wegstriegeln)
  • flache Nachsaat bzw. Durchsaat (z.B. mit spezieller Grünland-Direktsaattechnik
  • keine Gülledüngung nach der Nachsaat (aktuell sowieso keine sinnvolle Option)
  • auch in der Folge zurückhaltende N-Düngung (abhängig vom Kleeanteil)
Im Frühjahr 2027 ist zu Vegetationsbeginn auf alle Fälle eine Erfolgskontrolle notwendig, denn die nun kommende Folgewitterung entscheidet ob die Saat wieder verdorrt, zu gering entwickelt in einem doch wieder kalten Winter erfriert und wieder neue Anstrengungen und Kosten fordern – oder ob sich im nächsten Jahr ein sich gut entwickelnder Bestand mit guten Ertragspotenzial zeigt.