Grundlagen für eine tiergerechte Haltung von Neuweltkamelen
Weidehaltung von Alpakas in Australien. Foto: V. Balasopoulou
Alpakas und Lamas erfreuen sich als landwirtschaftliche Nutztiere und Hobbytiere wachsender Beliebtheit.
Mit steigenden Tierzahlen wächst jedoch auch die Verantwortung der Tierhaltenden, den besonderen Ansprüchen dieser Tierart gerecht zu werden. Eine tiergerechte Haltung orientiert sich an den artspezifischen Bedürfnissen der Tiere und umfasst neben geeigneten Bedingungen insbesondere eine bedarfsgerechte Fütterung sowie ein konsequentes Gesundheitsmanagement.
Rechtliche Grundlagen zur Haltung von Neuweltkamelen
Die Haltung von Neuweltkamelen unterliegt in Deutschland den allgemeinen Vorgaben des Tierschutzgesetzes. Nach § 2 und § 2a TierSchG sind Tiere ihrer Art und ihren Bedürfnissen entsprechend zu halten, zu pflegen und zu ernähren. Spezifische gesetzliche Haltungsvorschriften für Alpakas und Lamas existieren bislang jedoch nicht. Auch die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung enthält keine konkreten Regelungen für Neuweltkamelen.
Als fachliche Orientierung dienen deshalb insbesondere das TVT-Merkblatt Nr. 131.8 "Neuweltkameliden", die Haltungsempfehlungen des Vereins der Halter, Züchter und Freunde von Neuweltkameliden e. V. sowie die Leitlinien des MuD-Tierschutz-Projekts der Justus-Liebig-Universität Gießen.
Anforderungen an eine tiergerechte Haltung
Gruppenhaltung
Alpakas und Lamas sind neugierige, gleichzeitig jedoch stressempfindliche Herdentiere mit einer ausgeprägten Individualdistanz. Innerhalb ihrer Herden bestehen klare Rangordnungen, die über eine differenzierte Körpersprache sowie verschiedene Summ- und Lautäußerungen kommuniziert werden.
Die Einzelhaltung ist aus tierschutzfachlicher Sicht nicht vertretbar. Empfohlen wird die Haltung von mindestens zwei, besser drei Tieren. Für eine harmonische Gruppenstruktur sollten Hengste und Stuten getrennt gehalten werden. Wallache können sowohl in Hengst- als auch in Stutengruppen integriert werden.
Die Gruppenhaltung bietet zahlreiche Vorteile:
- entspricht dem natürlichen Sozialverhalten
- verbessert Sozialisation und Kommunikation
- reduziert Stress in stabilen Gruppen
- ermöglicht arttypisches Verhalten und mehr Bewegung
- steigert das Tierwohl bei ausreichendem Platzangebot
Gleichzeitig stellt sie höhere Anforderungen an das Management. Insbesondere während der Paarungszeit oder nach neuen Gruppenzusammenstellungen können Rangkämpfe auftreten.
Stall, Auslauf und Weide
Die Haltungsumgebung muss den biologischen Bedürfnissen der Tiere gerecht werden.
Für Stallungen werden 2 m² Stallfläche pro Tier angegeben, empfohlen werden allerdings 3 bis 4 m². Unterstände sollten mindestens 1,5 m² pro Tier bieten und trocken, windgeschützt und für alle Tiere gleichzeitig zugänglich sein. Bewährt haben sich dreiseitig geschlossene Offenställe mit guter Belüftung, rutschfestem Boden und trockenen Liegeflächen.
Für befestigte Ausläufe, beispielsweise Paddocks, gelten Praxisempfehlungen von 25 bis 40 m² pro Tier. Wissenschaftliche Empfehlungen für gemischte Gehege liegen bei 400 bis 600 m² pro Tier.
Bei der Weidehaltung gelten für jedes Tier 100 m² als Mindestwert, empfohlen werden 300 bis 600 m². Wird die Weide gleichzeitig zur Futterversorgung genutzt, sollten maximal 10 Lamas mit Nachwuchs oder 15 Alpakas mit Nachwuchs pro Hektar gehalten werden.
Unabhängig von der Haltungsform sind Witterungsschutz, Sonnenschutz im Sommer und trockene Liegeflächen unverzichtbar. Zäune sollten mindestens 1,30 m, besser 1,30 bis 1,50 m hoch und gut sichtbar sein. Stacheldraht ist für die Haltung von Neuweltkamelen ungeeignet.
Gesundheitsmonitoring
Zoombild vorhanden
Grafik: Klinik für Wiederkäuer
Regelmäßige Routinen und Gesundheitskontrollen sind entscheidend, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen und Erkrankungen vorzubeugen. Neuweltkamele sind Beutetiere und verbergen gesundheitliche Probleme häufig über einen langen Zeitraum. Zeigt ein Tier deutliche Krankheitssymptome, befindet sich die Erkrankung oftmals bereits in einem fortgeschrittenen Stadium. Deshalb ist die kontinuierliche Beobachtung der Tiere wichtiger als das Erkennen einzelner Krankheitsbilder.
Regelmäßige Kontrollen
Tägliche Kontrolle
- Verhalten und Allgemeinbefinden
- Futter- und Wasseraufnahme
- Wiederkauverhalten
- Kot- und Harnabsatz
- Herdenstruktur
Wöchentliche Kontrolle
- Body Condition Score an Brust, Rippen, Lendenwirbelsäule und Schwanzansatz
- Schleimhäute
- Haut und Vlies
- Stallungen und Weideflächen
Monatliche Kontrolle
- Palpation des Unterkiefers
- Kontrolle von Schneide- und Eckzähnen
- Kontrolle der Gliedmaßen
- Kontrolle der Zehennägel
- Kontrolle auf Schadnagerbefall
Parasitenkontrolle
Zur Gesundheitsvorsorge gehört außerdem eine viertel- bis halbjährliche Untersuchung von Kotproben, um Parasitenbefall frühzeitig zu erkennen und gezielt behandeln zu können. Bei Auffälligkeiten in der Herde oder bei Einzeltieren sollte eine Kotprobenuntersuchung vorgezogen werden.
Fütterung
Die Ernährung von Alpakas und Lamas ist an rohfaserreiche, energiearme Futterressourcen angepasst.
Grundlage jeder Fütterung ist hochwertiges Heu, das den Tieren jederzeit zur Verfügung stehen sollte. Erwachsene Tiere benötigen täglich etwa 1,5 % ihres Körpergewichts als Trockensubstanz. Während Wachstum, Hochträchtigkeit und Laktation steigt der Bedarf auf 2 bis 2,5 % des Körpergewichts. Für den Erhaltungsbedarf wird ein Rohproteingehalt von 8 bis 10 % empfohlen.
Konzentratfutter sollte ausschließlich bedarfsgerecht eingesetzt werden, beispielsweise während des Wachstums, im letzten Drittel der Trächtigkeit, während der Laktation, bei erhöhtem Energie- oder Proteinbedarf oder bei minderwertigem Grundfutter nach vorheriger Futteranalyse.
Frisches Grün durch Weidegang oder Grünfutter ergänzt die Grundration sinnvoll.
Sauberes Wasser muss jederzeit verfügbar sein. Der Wasserbedarf liegt je nach Witterung und Fütterung bei etwa 3 bis 8 Litern täglich beziehungsweise rund 5 % des Körpergewichts.
Eine ausgewogene Mineralstoffversorgung trägt wesentlich zur Gesunderhaltung der Tiere bei. Die Mineralstoffversorgung sollte möglichst über lose Mineralfuttermittel erfolgen. Speziell für Neuweltkamele entwickelte Produkte sind herkömmlichen Mineralfuttern für Rinder, Schafe oder Pferde vorzuziehen, da diese häufig ungeeignete Kupfer-, Zink- und Vitamin-D-Gehalte aufweisen. Während Wachstum, Trächtigkeit und Laktation kann eine bedarfsgerechte Supplementierung erforderlich sein.
Quellen
- Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMLEH). (2014). Leitlinien zur Beurteilung von Haltungssystemen unter Tierschutzgesichtspunkten. Berlin: BMLEH
- Wittek, T., Franz, S., Kofler, J., Rudovsky, A., & Wagner, H. (2023). Praxishandbuch Neuweltkamele. Augsburg, Germany: Schlütersche.
- Gazly, M., & Vaughan, J. (2020). Neuweltkameliden: Haltung, Fütterung und Gesundheit. Stuttgart: Ulmer Verlag.
- Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT). (2019). Merkblatt Nr. 131: Haltung von Neuweltkameliden (Lamas und Alpakas). TVT e.V.
- Landwirtschaftskammer Österreich / LFI. (2021). Alpakas und Lamas – Haltung und Management. Wien: Ländliches Fortbildungsinstitut.
- Balasopoulou, V. (2026). Neuweltkameliden im Fokus – Haltung & Umgang in der Praxis. Netzwerk Fokus Tierwohl. Lechbruck am See.

