Getreide der Ernte 2018 – Was ist drin?

Abfüllen von Getreide in eine Probentüte
Die Wachstums- und Erntebedingungen für Getreide waren dieses Jahr von der langanhaltenden Trockenheit geprägt. Besonders in Nord- und Südostbayern führte die Trockenheit zu Mindererträgen. Das Ertragsniveau beeinflusst aus Sicht des Futterwertes und der Nährstoffgehalte vor allem den Rohproteingehalt. Mit einer Futteruntersuchung kann der Einfluss der extremen Trockenheit und der eigenen betrieblichen Voraussetzungen im Ackerbau (Düngung, Bestandsführung, Bodenart…) für das eigene Getreide erfasst werden. Diese sollte deshalb auch für das eigen erzeugte Futtergetreide Standard sein. Vielen Schweinehaltern ist das bewusst. Sie untersuchen ihr Getreide im LKV-Labor in Grub auf Rohnährstoffe, Aminosäuren und Mineralstoffe. Die Ergebnisse können sie bequem über die Internetplattform webFuLab abrufen.

Ergebnisse 2018

Weizen/Triticale

Weizen und Triticale sind die Getreidearten mit den höchsten Energiegehalten (MJ ME Schwein). Die Rohproteingehalte sind im Schnitt im Vergleich zum Vorjahr bei beiden Getreidearten identisch. Triticale weist aber generell niedrigere Rohproteingehalte auf (siehe Tabelle). Der Lysingehalt ist dagegen geringfügig höher. Für eine proteinreduzierte Fütterung vor dem Hintergrund der Düngeverordnung ist dies von Vorteil.

Gerste

Die Gerste weist aufgrund der schlechteren Verdaulichkeit niedrigere Energiegehalte (MJ ME Schwein) als Weizen und Triticale auf. Im Schnitt liegt bei der Gerste der Rohproteingehalt über dem Gehalt des letzten Jahres und trifft den Tabellenwert (siehe Tabelle). Niedrigere Erträge werden die Ursache der höheren Rohproteingehalte sein. Die Lysingehalte der Gerste sind bei niedrigeren Rohproteingehalten ebenfalls höher als bei Weizen. Eine rohproteinreduzierte Fütterung wird dadurch erleichtert.

Hafer/Roggen

Diese beiden Getreidearten haben im Vergleich zu den anderen Getreidearten eine geringere Bedeutung in Bayern. Sie weisen aber interessante Inhaltstoffkombinationen auf. Hafer hat zwar durch seinen hohen Rohfasergehalt den geringsten Energiegehalt (MJ ME Schwein), aber Rohfaser ist in Schweinerationen ein wichtiger Bestandteil geworden. Bei beiden Getreidearten findet man im Vergleich zu Weizen trotz niedrigerer Rohproteingehalte höhere Lysingehalte (siehe Tabelle). Eine rohproteinreduzierte Fütterung wird dadurch erleichtert.
Aufgrund der starken Schwankungen z. B. bei den Aminosäurengehalten sind aber nicht die Mittelwerte der Untersuchungsergbnisse entscheidend. Für eine funktionierende Rationsgestaltung in der Schweinfütterung müssen die Gehalte des eigenen Getreides bekannt sein, damit es zielgerichtet eingesetzt werden kann. Zudem kann damit das eigene Produktionsniveau/Düngeniveau bewertet werden. In diesem Jahr liegen die Mittelwerte der Rohproteingehalte der ausgewerteten Getreideproben über den neudefinierten Orientierungswerten für Futtergetreide des Institut für Tierernährung und Futterwirtschaft der LfL in Grub:
  • Weizen 110 g Rohprotein/kg Trockenfutter (88% Trockenmasse)
  • Gerste und Triticale 105 g Rohprotein/kg Trockenfutter (88% Trockenmasse)
Besonders bei Weizen ist der Abstand des neu definierten Zielwertes zum mittleren Rohproteingehalt 2018 hoch.
Tabelle 1: Ergebnisse Getreideernte 2018 LKV-Labor Grub Auswertung aus webFuLab (bezogen auf 88% Trockenmasse)
Anzahl* TM ME Schwein Rohprotein Rohfaser Lysin Phosphor
N g/kg MJ/kg g/kg g/kg g/kg g/kg
Weizen
Mittelwert
(min.-max.)
386/341/77 890
(862-916)
13,8
(13,7-14,0)
122
(86-157)
23,0
(16,4-29,0)
3,3
(2,7-3,9)
3,3
(2,3-4,2)
Tabellenwert 880 13,8 121 26,0 3,4 3,3
Gerste 2- zeilig
Mittelwert
(min.-max.)
424/396/96 895
(852-918)
12,7
(12,3-12,9)
112
(78-148)
42,1
(28,5-62,0)
3,9
(3,2-4,6)
3,4
(2,5-4,1)
Tabellenwert 880 12,7 110 44,0 3,9 3,5
Gerste mehrzeilig
Mittelwert
(min.-max.)
107/91/19
895
(835-917)
12,6
(12,2-12,8)
112
(91-136)
47,2
(34,5-82,5)
3,9
(3,5-4,5)
3,3
(2,6-4,0)
Tabellenwert 880 12,6 110 46,0 3,9 3,5
Triticale
Mittelwert
(min.-max.)
91/83/13 887
(847-907)
13,6
(12,9-13,7)
110
(80-142)
24,3
(20,3-34,3)
3,5
(2,8-4,0)
3,2
(2,5-3,7)
Tabellenwert 880 13,6 106 22,0 3,5 3,4
Hafer
Mittelwert
(min.-max.)
13/8/-- 897
(881-907)
11,0
(10,2-11,3)
94
(73-114)
107,8
(90,4-155,8)
4,2
(3,8-4,7)
--
Tabellenwert 880 11,3 108 99 4,4 3,2
Roggen
Mittelwert
(min.-max.)
7/5/-- 888
(883-898)
13,1
(13,1-13,2)
91
(69-106)
22,9
(20,5-24,7)
3,4
(2,8-3,9)
--
Tabellenwert 880 13,4 92 20,0 3,4 2,9
* Anzahl ausgewerteter Untersuchungen Rohnährstoffe/Aminosäuren/Mineralstoffe

Futterhygienestatus

Ob die Futterhygiene für die Schweinefütterung passt, kann durch die Überprüfung des Mykotoxingehalts (z.B. DON und ZEA) und der mikrobiologische Qualität (Keimgehalt, Schimmelpilze und Hefen) und überprüft werden. Bei den Fusarientoxinen DON und ZEA wurden in der diesjährigen Ernte sehr geringe Gehalte, die meist unter der Nachweisgrenze liegen, festgestellt. Die Bedingungen für die Bildung der Fusariengifte waren aufgrund der trockenen und heißen Witterung nicht gegeben. Das Jahr 2018 war kein Mykotoxinjahr für Getreide.
Die mikrobiologische Qualität des Getreides wird durch den Gehalt an Keimen, Schimmelpilzen und Hefen bewertet. In einem bayernweiten Monitoring bei LfL-Versuchsbetrieben wurden nach der Ernte Getreideproben auf Ihre mikrobiologische Qualität untersucht. Die Proben hatten meist die beste Qualitätsstufe oder waren nur leicht erhöht. Dies spiegelt auch die bayernweit guten Erntebedingungen und die trockene Witterung wieder. Einzelne Haferproben weisen dieses Jahr aber hohe Keimgehalte auf. Das muss aber nicht zwangsweise heißen, dass man diesen nicht füttern kann. Grundsätze einer guten Lagerung, wie eine Reinigung vor der Einlagerung, eine laufende Temperaturkontrolle, Belüftung mit Beachtung der Luftfeuchtigkeit der Belüftungsluft, eventuell Kühlung mit Kühlgerät müssen beachtet werden. Diese gelten besonders für Hafer, einer Getreideart mit generell höheren Keimgehalten. Können diese Punkte nicht umgesetzt werden ist grundsätzlich eine Säurekonservierung anzuraten.
  • Die Rohproteingehalte liegen dieses Jahr auf dem Niveau der Tabellenwerte, aber über den neudefinierten Zielwerten für Futtergetreide. Die Spanne der Untersuchungsergebnisse ist aber wieder sehr groß. Deshalb ist die Untersuchung des eigenen Getreides notwendig und sinnvoll.
  • Die Fusarientoxine DON und ZEA wurden kaum gefunden.
  • Eine zweimalige Getreidereinigung (bei Einlagerung und vor Verfütterung) wird generell zur Entfernung von Staub und Verunreinigungen empfohlen.

Labore für Futteruntersuchung

Nährstoffgehalte:

  • LKV-Labor Grub
    Prof.-Zorn.-Str. 20, 85586 Poing-Grub
    • Online Futteruntersuchungsplattform webFuLab (LFL und LKV)
    • Ansprechpartner ist Ringberater (LKV)

Mikrobiologische Futteruntersuchung und Fusarienmykotoxine (DON und ZEA):

  • Labor Tiergesundheitsdienst (TGD)
    Senator Gerauer-Str.23, 85586 Poing-Grub
    • Ansprechpartner ist TGD-Tierarzt oder Ringberater (LKV)