Forschungs- und Innovationsprojekt
SilSoy2 - Untersuchungen zur Co Silierung von Sojabohnen & Körnermais für den Praxiseinsatz in der Schweinefütterung

Ernte von Körnermais und Sojabohnen

Bisher erfordert der Einsatz von Sojabohnen in der Schweinefütterung aufwändige Trocknungs- und Toastungsverfahren, um antinutritive Inhaltsstoffe (z. B. Trypsin-Inhibitoren) zu reduzieren.

Silierung von Sojabohnen mit Körnermais könnte eine Alternative zu Trocknung und Toastung werden. Aufbauend auf das Vorläuferprojekt werden bei SilSoy2 derzeit Sorteneinflüsse, die technische Umsetzbarkeit in der Praxis sowie die Fütterungswirkung untersucht. Erste Ergebnisse zeigen: Die Silierung funktioniert zuverlässig, die Reduktion der Trypsin-Inhibitor-Aktivität (TIA) verläuft jedoch sortenspezifisch und benötigt Zeit.

Vorläufige Empfehlungen für die Herstellung von Sojabohnen-Körnermais-Mischsilage

Mischungsverhältnis und Verarbeitung

Einfacheres Schroten und Verarbeiten der Sojabohnen in Mischung mit Körnermais (Siebe setzten sich nicht so oft zu).

15 % Sojaanteil durch Erfahrung aus dem Vorprojekt; Bisher durchwegs Futtergeeignete TIA bei diesem Sojaanteil nach der Silierung; Durch die hohen Rohfett- (>20 %) und Energiegehalte der Bohnen ermöglicht der Sojaanteil von 15 % noch einen flexiblen Einsatz in der Ration.

Silierdauer und TIA

Unterschiedlicher Verlauf des TIA-Abbaus in verschiedenen Sorten beobachtet.

Nach vollständigem Durchsilieren (90 Tage) kann eine Futtereignung der Silage hinsichtlich TIA erwartet werden.

Messung von TIA in der Silage vor dem Einsatz wird zur Qualitätssicherung empfohlen.

Ziel

Das Projekt SilSoy2 baut auf den Ergebnissen des Vorläuferprojekts SilSoy (2023–2024) auf. Im Mittelpunkt steht die Weiterentwicklung und praxisnahe Erprobung der gemeinsamen Silierung von heimischen Sojabohnen mit Körnermais.

Ergebnisse des Vorläuferprojekts: Silierung von unbehandelten Sojabohnen mit Körnermais zur Reduzierung des Energieaufwands für die Aufbereitung (SilSoy)

Die Hauptziele von SilSoy2 sind:

  • Bewertung des Futterwerts der Sojabohnen-Körnermais-Silage in der Schweinefütterung.
  • Analyse von Futteraufwand, Leistungsdaten und Tiergesundheit.
  • Ermittlung von Verdaulichkeitskennwerten der Sojabohnen-Körnermais-Silag
  • Betriebswirtschaftliche Bewertung (Kosten, Arbeitszeit) und Abschätzung des Emissionsreduktionspotenzials gegenüber herkömmlicher Trocknung und Toastung.
  • Praxisbegleitung und Beratungsempfehlungen zur Umsetzung in landwirtschaftlichen Betrieben.

Methode

Das Projekt kombiniert Laborsiloversuche, Fütterungsversuche und Praxisbegleitung. Die wichtigsten Arbeitsschritte:

Laborsiloversuche

  • Prüfung der Silierbarkeit verschiedener Sojabohnensorten (ES Compositor, Pula, SU Ademira, Vineta PZO, Adelfia) in Mischungen von je 15 % Sojabohnen und 85 % Körnermais.
  • Analyse des Anteils und zeitlichen Verlaufs des Abbaus antinutritiver Faktoren, insbesondere der TIA, sowie weiterer relevanter Inhaltsstoffe.
  • Untersuchung von Veränderungen der Futterinhaltsstoffe durch die Silierung.

Fütterungsversuche bei Schweinen

  • Vergleich der Sojabohnen-Körnermais-Silage mit getrockneten und getoasteten Bohnen sowie einer praxisüblichen Ration (Sojaextraktionsschrot).
  • Messung von Leistung, Futteraufwand und Tiergesundheit.
  • Bestimmung der Verdaulichkeit wichtiger Nährstoffe beim Schwein zur Ableitung praxisrelevanter Rationskennwerte.

Praxisbegleitung

  • Zusammenarbeit mit landwirtschaftlichen Betrieben, die das Verfahren bereits erproben
  • Dokumentation praktischer Herausforderungen und Erprobung praxistauglicher Lösungen.

Betriebswirtschaft und Emissionen

  • Vergleich der Kosten, Arbeitszeiteinsätze und Energieverbräuche gegenüber Trocknung und Toastung.
  • Ermittlung der Emissionen durch herkömmliche Sojaaufbereitung und Abschätzung von Emissionsminderungspotenzialen durch Wegfall energieintensiver Verfahrensschritte.

Erste Ergebnisse

Viele im Projekt geplante Untersuchungen wurden bereits durchgeführt, befinden sich aber noch in der Auswertung. Doch es gibt schon erste Ergebnisse:

Laborsiloversuch

  • Trockenmasse der Mischungen: 71–72 %.
  • Silagen qualitativ stabil und gut vergoren ohne Zusatz von Siliermitteln.
  • Nach 90 Tagen: pH ~ 4,5; Milchsäure 12–18 g/kg TM; geringe Essigsäure‑ (2–4 g/kg TM) und Alkoholbildung (~2 g/kg TM); keine Propion- oder Buttersäure nachweisbar.
  • Frische Sojabohnen: TIA 15–23 mg/g TM.
  • Ausgangsmaterial (Mischungen Soja + Mais): TIA 3,9–4,5 mg/g TM (siehe Abb.).
  • Nach 14 Tagen Silierdauer: Erwarteter schneller Abbau - tatsächlich sortenspezifisch; bei einigen Sorten merklicher Rückgang, bei anderen kein Abbau.
  • Nach 90 Tagen Silierung: TIA bei allen Sorten deutlich reduziert auf ein gutes Niveau für den Einsatz in der Fütterung.

Säulendiagramm: die gemessene TIA der Sorte für Ausgangsmaterial, 14 d und 90 d Silierdauer

Praxisbetriebe

  • Zwei Schweinemastbetriebe werden aktuell begleitet.
  • Silierung in Fahrsilos und Hochsilos; Betriebe nutzen ihre etablierten Betriebsabläufe und passen diese an die Soja-Körnermais-Mischungen an.
  • Sojaanteile: Mischsilagen mit 4 %, 5 % und 8 % Sojabohnen wurden erfolgreich hergestellt.
  • Ergebnis: Technische Umsetzung gelingt; sehr gute Gärqualitäten wurden erzielt.
  • Praxisbewertung: Betriebsleiter sind zufrieden und planen Wiederholung bei der nächsten Ernte - Hinweis auf gute Umsetzbarkeit im Betriebsmaßstab.
  • Einschränkung: Die wissenschaftliche Auswertung zu Futterwert und Leistungswirkung läuft noch; die praktischen Erfahrungen sind vorläufige Hinweise.
Rundballenpresse die einen Ballen (ca. 1m Durchm.) des Siliergutes mit Folie umwickelt

Herstellung von Miniballen

Anschnitt eines Fahrsilos der Mischsilage mit 5 Bohrlöchern in der Anschnittfläche

Sojabohne-Körnermais-Mischsilage auf einem Praxisbetrieb

Drei Läufer in deren Bucht beim Fressen der Silageration am Futtertrog der Spotmix Anlage

Läufer mit Silage-Ration während des Fütterungsversuchs

Ausblick

  • Durchgeführte Fütterungsversuche mit Läufern werden aktuell ausgewertet.
  • Weitere Untersuchungen zur Verdaulichkeit werden aktuell ausgewertet.
  • Betrachtung der Auswirkungen auf Emissionen und das betriebswirtschaftliche Ergebnis.
  • Abschlussberichte und praxisorientierte Beratungsinformationen werden nach Abschluss der Auswertung bereitgestellt.

Neugierig geworden?
Sie bauen selbst Soja an und möchten das Verfahren mit wissenschaftlicher Begleitung auch ausprobieren? Dann melden Sie sich bei:

Georg Braumiller
Institut für Tierhaltung, Tierernährung und Futterwirtschaft
Tel.: 08161 8640 7414
E-Mail: georg.braumiller@lfl.bayern.de

Projektinformation
Projektleitung: Dr. M. Schneider
Projektbearbeitung: G. Braumiller, B. Misthilger, Dr. W. Preißinger, P. Heubach, K. Krebelder, B. Ippenberger
Projektpartner: FLI, Institut für Tierernährung, Dr. A. Grümpel-Schlüter; TUM, Professur für Tierernährung und Metabolismus, Prof. J. Steinhoff-Wagner; LfL, Abteilung Laboranalytik, Dr. S. Amslinger
Finanzierung: Bayerisches Staatsministerium für Landwirtschaft, Forsten und Tourismus (StMELF)
Förderkennzeichen: A/25/03
Laufzeit: 01.09.2025 bis 31.08.2027

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