Luzerneheu, Grascobs und Maissilage in der Ferkelfütterung - Auswirkungen auf Futteraufnahme und Leistung

Ferkel in einer Bucht

Ferkelbucht mit Zusatztrog für rohfaserreiche Futtermittel

Im Rahmen des Projekts „Tierwohl“ wurden in Haltungsversuchen am Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Schweinehaltung in Schwarzenau verschiedene rohfaserreiche Futtermittel als organische Beschäftigungsmaterialien getestet. Dazu erhielten die Ferkel zusätzlich zum Alleinfutter gehäckseltes Luzerneheu, Grascobs oder Maissilage in einem separaten Trog vorgelegt. Es wurde geprüft, ob diese Beschäftigungsmaterialien dazu beitragen können, Kannibalismus beziehungsweise Schwanzbeißen beim Ferkel zu reduzieren. Offen blieb die Frage, ob und in welchem Ausmaß dadurch Ferkelaufzuchtfutter „verdrängt“ wird und ob sich die Leistungen durch die Zulage dieser Rohfaserträger verändern. Die vorliegenden Untersuchung sollte helfen, dies zu klären.

Versuchsdurchführung

  • Ferkelfütterungsversuch in Schwarzenau mit 4 Behandlungsgruppen
    • Gruppe A: keine Zulage, Kontrolle
    • Gruppe B: Zulage von Luzerneheu, gehäckselt
    • Gruppe C: Zulage von Grascobs
    • Gruppe D: Zulage von Maissilage
  • Versuchsaufbau, Messgrößen
    • 20 Tiere je Behandlung verteilt auf 2 Buchten
    • Tägliche Erfassung des Verzehrs an Ferkelaufzuchtfutter für das Einzeltier an Abrufstationen
    • Tägliche Erfassung des Verbrauchs an rohfaserreichem Futter je Bucht
    • Wiegen der Einzeltiere einmal pro Woche
    • Bonitur des Kots in den Buchten einmmal pro Woche

Die Ergebnisse im Überblick

In nebenstehender Grafik sind die täglichen Zunahmen, der Verzehr an Ferkelaufzuchtfutter, der Futteraufwand je kg Zuwachs sowie die Kotbeschaffenheit relativ zur Kontrollgruppe dargestellt. Die täglichen Zunahmen waren in der Behandlung Luzerne mit 599 g signifikant höher als in der Gruppe Maissilage mit 523 g. In der Kontroll- und in der Grascobsgruppe wurden mit 553 und 555 g nahezu identische Werte erzielt. Signifikante Unterschiede zwischen der Kontrollgruppe und den einzelnen Zulagengruppen ergaben sich nicht.
Im Mittel des Versuchs wurde in der Luzernegruppe mit 861 g pro Tag der höchste Verbrauch an Ferkelaufzuchtfutter registriert, gefolgt von der Kontrollgruppe mit 832 g, der Grascobsgruppe mit 813 g und der Maissilagegruppe mit 766 g. Aus Futterverbrauch und täglichen Zunahmen errechnete sich mit 1,44 kg in der Luzernegruppe der günstigste und in der Kontrollgruppe mit 1,51 kg der ungünstigste Futteraufwand je kg Zuwachs. Mit jeweils 1,46 kg Futter je kg Zuwachs war der Futteraufwand in der Grascobs- und Maissilagegruppe gleich. Der Kot in den Buchten der Kontroll- und Luzernegruppe wurde durchgängig mit normal bewertet, der in den Buchten der Grascobs- und Maissilagegruppe war im Mittel etwas weicher.
Die Gesamtfutteraufnahme aus Ferkelaufzuchtfutter und Rohfaserzulage ist nebenstehend für die einzelnen Versuchswochen dargestellt. Insgesamt war der Anteil des Rohfaserträgers an der Gesamtfutteraufnahme gering. Er bewegte sich zwischen 2 und 4 Prozent. Am meisten wurde von den Grascobs verbraucht. Zu Versuchsbeginn lag der Verbrauch an rohfaserreichem Grundfutter je nach Futtertyp zwischen 5 und 10 g pro Tier und Tag. Gegen Versuchsende verzehrten die mittlerweile rund 30 kg schweren Ferkel immerhin zwischen 40 und 65 g der rohfaserreichen Zulage.

Schlussfolgerungen

Die Zulage verschiedener Rohfaserträger in der Ferkelaufzucht führte gegenüber der Kontrollgruppe zu keinen absicherbaren negativen Auswirkungen auf Futteraufnahme und Leistung. Während sich bei Zulage von Luzerne die täglichen Zulagen sogar verbesserten, wurde bei Grascobs keine Veränderung und bei Maissilage eine geringfügige Reduzierung der täglichen Zunahmen beobachtet. Gegenüber der Kontrolle und Luzernegruppe war der Kot bei Grascobs und Maissilage insbesondere in den letzten Aufzuchtwochen etwas weicher.
Die Vorlage von Luzernehäcksel hat sich zusammen mit weiteren Haltungsmaßnahmen zur Prophylaxe von Schwanzbeißen bewährt und kann auch aus Sicht der Tierernährung empfohlen werden. Etwas kritischer ist bei Ferkeln die Zulage von Maissilage zu sehen, da in vorliegender Untersuchung ein negativer Effekt, der zwar statistisch nicht abzusichern war, auf Futteraufnahme und Leistung auftrat.
Projektinformation
Projektleiter: Dr. W. Preißinger
Projektbearbeiter: G. Propstmeier; S. Scherb; N. Herbst; E. Hahn
Laufzeit: Februar 2014 bis September 2014

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